umtun,
vb. AA.
untrennbar, '
umgeben'
; circondo ik ummedo Diefenbach 122
a;
fulcire ummesetten
vel -don 250
b: in der stunde sines dodes ummedede em ein licht
bei Schiller-Lübben 5, 4; (
krüge) mit schnitzwerk kostbarlich umthan Immermann 13, 125
Boxb.; unsinnlich, das part pass., wie '
ausgestattet, gerüstet': (
der zauberer) mit maneger hande rede ummedan was
sächs. weltchronik 120
Weiland; '
umringen'
: circumvenire umbdun Diefenbach 122
c: ummetut Syon unde behelsit es (
circumdate)
Trebnitzer psalmen 47, 13
Pietsch; das bübli, schwachmütig und umtan von eltern, nachbarn und badern Kolbenheyer
Paracelsus (1926) 3, 255; '
umzingeln': do wart he ummedan van synen vyenden
bei Schiller-Lübben 5, 4. BB.
trennbar. B@11)
mit accusativobject. B@1@aa) (
jemandem) ein kleidungsstück
o. ä. umtun
es (
ihm)
umlegen; umbthun, umb- oder anlegen wie ein kleyd oder mantel
vestir, mettre comme un manteau Hulsius-Ravellus (1616) 367
a: (
der könig) leet deme richtere sine huet afvillen unde dede se sineme sone umme meister Stephan
schachbuch 1239; de ist eyn narre, de vele kyvet (
zankt) ... (
er) deyt deme rechte eynen hoyken (
mantel) um Hans v. Ghetelen
narrenschyp 138
Brandes; der teuffel hole den, so heut ... sporn umbthuet
Amadis 137
lit. ver.; wann man den jagdhunden, so offt man hetzen soll, halsbande mit schellen umbthut Sebiz
feldbau (1579) 591; des herren von Mewiles windhund ..., der wolt nichts
im feld daugen, bisz er ihm ein mönchskapp umbthat Fischart
Gargantua 400
ndr.; einer anderen (
wurden) anstatt der breissnestel glüende ketten umbgethan Moscherosch
gesichte (1650) 1, 413; so muss sich der könig vor unsern augen seine völlige kleidung stück vor stück umthun Lessing 9, 97
L.-M.; hatte sie eine reine weisse schürze umgethan Göthe
gespräche 1, 134; bis es ... wieder herbst wird, ... worauf ... der berg seine weiche hülle abermals umgethan hat und alle felsen ... in weissem kleide dastehen Stifter 5, 1, 204
Sauer; dialektisch verbreitet, s. Seiler Basel 295
a;
luxemburg. mundart 83
a; Woeste-Nörr.
westfäl. 279
b; Danneil
plattdeutsch 230
b; Doornkaat-Koolman
ostfries. 3, 462
a.
eine besondere construction mit dem part. pass., umgetan mit etwas
im sinne von '
damit umtan, umhüllt': desse werlt de is ummegedan mit bitterem watere
bei Schiller-Lübben 5, 4: er ... ist umbgethan mit einem prächtigen mantel
engl. comedien (1624) f 2
a; als er ... mit der küchenschürze umgethan zurückkehrte Tieck
schr. (1828) 4, 259;
uneigentlich: alles was sie (
die geliebte) umb und an haben kan, ist mit tugend umbgethan
Venusgärtlein 9
ndr.; umgetan in etwas
übertragen wie '
darin bewandert': ein recensent ... musz wenigstens in dieser wissenschaft, in die das buch einschlägt, sehr umgethan seyn Miller
briefw. dreier akad. freunde (1778) 2, 113; im griechischen war er ... sehr umgethan
Siegwart (1776) 3, 540. B@1@bb) jemand umtun
ihn zu boden werfen, besiegen: mit den wil er iuch bestâ
n. ir müezet vil guot helfe han, oder er tuot iuch al umb hie Ulrich v. Lichtenstein
frauendienst 496, 15; de vogele quamen dar gevaren, des strides se to vote begunden, des se vulkomen nicht ne kunden, went se de der al ummedaden
Magdeburger Äsop 25, 27
Seelmann; nochtan hait hey umbgedaen manchem manne syne macht
Karlmeinet 580
Keller; wie '
umbringen': do bot de keyser den sinen, dat se de gantzen schare scholden doden. aldus so worden de riddere godes ummegedan van den ridderen des duvels unde wurden van den sundigen handen gedodet
quelle bei Schiller-Lübben 5, 4;
unsinnlich, '
jemand im geistigen kampf überwinden': der minneste, der under uns (
schülern des obersten meisters) ist, der sal si (
die christin) ummetun
deutsche mystiker 1, 254
Pfeiffer; (
der kaiser) Symonen uff si haczte, daz sin kunst diz haiden laczte; daz nam sich Symon an, si (
Peter und Paul) wurden von im umbgetan
märterbuch 10918
Gierach. heute schweizerisch: öpis umtue
etwas zu boden fällen Hunziker
Aargau 275; umtun
umhauen, z. b. einen baum fällen Stalder
schweiz. 1, 280. B@1@cc)
zurücktun, -geben: wat ik dî dô, kanst du mî wer umdôn Doornkaat-Koolman
ostfries. 3, 462
a; ummetun
gestohlene sachen zurückerstatten Stalder
schweiz. 1, 280; wandel umtun: der pfaffe wardt-geschuldiget ... um den hohemut und schende, den er in (
fälschlich) zugefügt hatte. do muste der pfaffe wandel umbthun und dem studio bussen, das e gegen dem rectori meineidigk was worden Cammermeister
chronik 37
Reiche. B@1@dd)
etwas getanes nochmals, anders tun: wie die natur uns täglich umarbeitet, so können wirs
auch nicht lassen, das gethane umzuthun Göthe IV 35, 192
W.; der kann wieder umtun
es anders machen Fischer schwäb. 6, 111; omdö
etwas umändern, anders machen Möller
Sylt. 190
b. — jem. umtun
ihn umstimmen, überreden: (
sie) schuldegeden ene sere, warumbe he untseget hadde, dat ime geboden was ... hirvan ward he umbegedan unde berov ene, dat he de ere untseget hadde
sächs. weltchronik 223
Weiland; s. auch 262; do sprak een ratgheuer, du enmachst ene (
den bekehrten Josaphat) nicht ummedon wen myt vrouwen unde iuncfrowen
quelle bei Schiller-Lübben 5, 4. B@22)
reflexiv. B@2@aa) sich umtun
abfallen, von einer partei zu einer andern übertreten: went sich nu hatte umbgethan dher Behemere und lantgreve Herman, dhes voren dhe helphere dhes keyseres strites gere dhahin zo Dhuringhenlande
braunschweig. reimchronik 6899
Weiland; (
der bischof) dede sich umme tho deme mestere van deme dudisghen hus, und he dede sich umme van deme ersebyschope van der Rige
lübeck. chron. 1, 424
Grautoff; anders in jüngerer mundart: sick ummedohn
eine andere religion annehmen Strodtmann
Osnabr. 263; sik umdoon
sich ändern, andere gesinnungen annehmen, ein anderer mensch werden brem.-niedersächs. wb. 5, 149;
diese bedeutung verzeichnet als dem hd. fremd schon Adelung 4, 822. B@2@bb)
tätig sein, sich umsehen, auch mit finalem einschlag. B@2@b@aα)
geschäftig, rührig, tätig sein: tuo dich umb, du bist noch jungk Hätzlerin
liederbuch 308; thet sich der Römer hauptmann Claudius Marcellus ... vast umb und füget den andern stetten ... groszen schaden zuo Carbach
Titus Livius (1551) 123
b; dasz Gallus ... sich nit in müessiggang gricht, ... sonder sich allenthalb umtuon und gemeine arbeit ... erlitten habe Joh. v. Watt
histor. schr. 1, 105
Götz.; sich dapffer umbtun
agili industria esse, ... impigrum esse Schönsleder
prompt. (1647) H h h 8
a; auch als spekulant und geschäftsmann hat schon mancher sich rüstig umgethan G. Keller
ges. w. 4, 11; ich sah das haus neu entstehen ..., ich sah eine anmuthige gestalt sich darin umthun Seidel
vorstadtgesch. 111; '
sich gehaben': ein protzig tuender tut sich um, wie drei mäuse in der bütte Fischer
schwäb. 6, 111; der thudichum
person, die sich viel zu schaffen gibt Schöpf
tirol. 773;
auch als familienname, s. Fischer
a. a. o. sich herumtummeln: die ungeheuer, die ... in der tiefe sich umthun und von zeit zu zeit aufsteigen Aurbacher
volksbüchlein (1835) 62;
wenn das schwarzwild nicht ruhig in seinem dickicht liegt, sondern beständig hin- und herläuft und im boden wühlt, sagt man: es thut sich um Behlen
forstkunde (1840) 6, 109;
s. auch Heppe
wohlred. jäger (1763) 312
b;
von pflanzen, wie '
sich ausdehnen': das gras ... kann nicht fort und soll doch wachsen und sich umthun Auerbach
schr. (1892) 14, 81. B@2@b@bβ)
final, sich nach etwas erkundigen, ihm nachforschen: dasz man wol zuschaue und sich umbthue, was etwa vor ein könig unter christen oder heiden einen krieg führe Bastel v.
d. Sohle
don Kichote (1648) 271; lasset uns also zuerst bey guten leuten uns umthun, denen das mädchen bekannt ist und die uns von ihr nun erzählen Göthe 50, 238
W.; ich habe mich in ihrem interesse umgetan, allein nichts ermitteln können A. Ruge
briefw. 2, 401
Nerrlich; (
ich bin erbötig) mich näher umzuthun, was dort möglich zu erreichen ist Gervinus im
briefw. zw. J. und W. Grimm, Dahlmann und Gervinus 2, 356;
auch dialektisch: sick ümmdon
sich mühe geben, etwas zu erforschen, sich nach etwas erkundigen Danneil
altmärk. 230
b u. ö. im sinne von '
sich um etwas bemühen, danach streben, es zu bekommen suchen'
o. ä.: ehr sich in dieser zeit bewerben und umbthuen magkh, das ehr seinen glaubiger zu ruhe stelle und betzale
Olmützer gerichtsordnung 8
Fischel; er sah sich allenthalben um und fand keinen bloszen fleck (
zum ausspeien). ... als er sich lange vergebens umgethan hatte Simrock
deutsche volksbücher 1, 32. B@2@b@gγ)
sich an einem ort umsehn, umschau halten: ich ging, allerlei sachen zu beschawen und mich ferner umbzuthun Rollenhagen
ind. reisen (1603) 63; dasz wir uns ziemlich in der gegend umgethan und viele steine geklopft haben Göthe IV 32, 18
W.; mich in Lavaters höchst interessantem studierzimmer von allen seiten umzuthun Matthisson
schr. (1825) 2, 150; nachdem Hansli Gyr sich vorläufig umgethan und sich bei den vorgesetzten gemeldet hatte G. Keller
ges. w. 6, 361; wer gut im dunkeln sieht, soll auf einige schritte weit sich umthun, wie man gelegen sei Laube
ges. schr. 4, 84. B@2@b@dδ)
feste verbindungen mit präpositionalen ergänzungen. sich
in der welt o. ä. umtun: (
Kotzebue) hat sich im leben umgethan und die augen offen gehabt Göthe
gespräche 4, 299; Till Eulenspiegel kehrt aus seinem grabe, sich auf der erde wieder umzuthun Immermann 11, 299
Boxb.; sie hatten sich viel in der welt umgetan und brachten manches beutestück heim Blunck
sprung über die schwelle 114,; sek in der welt ummedaun
sich darin umsehn und versuchen Damköhler
Nordharz 198
a. sich
bei jemand umtun
ihn für etwas oder für sich zu gewinnen suchen: wir seind bedacht, zu Frankfort uns beim rate oder den brummen umzuthuen, damit wir solche summa bekommen (1542)
polit. korrespondenz Moritz v. Sachsens 1, 343;
circumvolitare limina potentiorum sich allenthalben bey den reychen und gewaltigen umbthuon Frisius (1556) 228
a; es hat sich aber besagter mein groszvatter bey diesem könig so wohl umgethan, dass er ihn unter seine beste freund gerechnet Grimmelshausen 4, 866
Keller; der herr von Tiefsinn hat sich bey hofe ganz anders umzuthun gewust Petrasch
s. lustspiele (1765) 1, 24;
vgl. im schweiz. sich umtun '
sich einzuschmeicheln wissen': er weiss sich wohl umzuthun Stalder
schweiz. 1, 280; er cha si gar ummdue Seiler
Basel 295
a. sich
in etwas umtun
sich damit befassen, sich darin unterrichten: dasz er und seine gesellen sich im Welschland ... in allerlei wercken der liebe brauchten und umbtheten
F. Alber
Ignatius Loiola (1591) 185; nach seinen akademischen studien hatte er sich in hof- und staatsgeschäften umgethan Göthe 26, 248
W.; ihr habt ja den ganzen tag für euch, so könnt ihr euch in der lateinischen sprache was umthun Lenz
ges. schr. 2, 46
Tieck; bis ich später ... mich auch im lyrischen umzuthun gelegenheit nahm Platen
w. 3, 241
Redlich; dasz sie (
Sanders und Wurm) sich im sprachmaterial umgethan haben J. Grimm
s. anz. für deutsches altertum 16, 262. sich
mit etwas umtun
sich damit abgeben: das es (
mit unsrer gesundheit) ... gar vil besser ... worden ist, das wir mit gehen und stehen und auch mit messigem reyten uns umbthun mögen (1480)
bei Steinhausen
privatbriefe 1, 224; der Schwab thet sich auf der hochzeyt umb mit einschencken einem und dem andern Montanus
schwankb. 25
lit. ver. sich
um, nach etwas umtun: (
wir haben uns) hie umb ein pferd oder zwey umbgethan Steinhausen
privatbriefe 1, 317; mitlerweile hat sich Justinianus umbgethan nach hülffe und wege B. Faber
Saxonia (1563) 54
b; dasz sie sich auf den nachzug nach Frankreich bestellen lieszen und sie sich nunmehr um reiter und knecht umthun muszten v. Schweinichen
denkwürd. (1878) 91; wolte nach süszem wasser ... sich umbthun Scherdiger
novae novi orbis historiae (1591) 105; das du dich umb ein solch ort umbthüest, das es (
das feindliche geschütz) dich nicht erreichen möge U. Budrym
kriegsregiment (1594) 227; (
in der sandebene) die fische sich nach den wurtzeln des grases ümmethun Prätorius
anthropodemus plutonicus (1666) 1, 72; wie ich mich nach füglicher gelegenheit nach hause umbthun möge Schoch
studentenleben (1657) m 4
a; haben sie sich nachher um den beweis ... umgethan Lessing 13, 37
L.-M.; (
wir waren) in der stadt, um uns nach einem rollstühlchen für ihn umzuthun Storm
w. (1899) 1, 141; dasz man sich um ein paar neue maurer umtun müsse Weigand
gärten gottes (1930) 105.
in anderem sinne: '
sich darum kümmern, damit abgeben': auf alle fälle habe ich mich um die talente deutscher und französischer medailleurs mehr umgethan Göthe IV 17, 155
W.; der sich um geschichte und literatur ... näher umgethan hat I 7, 4
W.; um die aquarellsammlungen habe ich mich in groszen städten niemals umgetan und bereue es jetzt Burckhardt
briefe an einen architekten (1881) 168;
seltener sich wegen etwas umtun
sich darum bemühen: darauff erboten sie sich, wegen 4 von ihren leuten sich umzuthun Merck
an Karl August (1780) 64; sogleich habe ich mich ... wegen des weinverkaufs umgethan Göthe IV 10, 187
W.; ich ... danke ihnen, dasz sie so gut gewesen, sich wegen der dänischen literaturzeitung noch weiter umzuthun brüder Grimm
an Benecke 182
Müller. B@33)
absolut, mit etwas umtun '
sich damit beschäftigen, befassen': wenn man mit essig umtut, kanns nit allemal süsz sein Rosegger
wildlinge (1906) 25; wenn sie später anstatt brav zu arbeiten mit flitterwerk umthut
weltgift (1903) 364.