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umtun

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

umtun vb.

Bd. 23, Sp. 1234
umtun, vb. AA. untrennbar, 'umgeben'; circondo ik ummedo Diefenbach 122a; fulcire ummesetten vel -don 250b: in der stunde sines dodes ummedede em ein licht bei Schiller-Lübben 5, 4; (krüge) mit schnitzwerk kostbarlich umthan Immermann 13, 125 Boxb.; unsinnlich, das part pass., wie 'ausgestattet, gerüstet': (der zauberer) mit maneger hande rede ummedan was sächs. weltchronik 120 Weiland; 'umringen': circumvenire umbdun Diefenbach 122c: ummetut Syon unde behelsit es (circumdate) Trebnitzer psalmen 47, 13 Pietsch; das bübli, schwachmütig und umtan von eltern, nachbarn und badern Kolbenheyer Paracelsus (1926) 3, 255; 'umzingeln': do wart he ummedan van synen vyenden bei Schiller-Lübben 5, 4. BB. trennbar. B@11) mit accusativobject. B@1@aa) (jemandem) ein kleidungsstück o. ä. umtun es (ihm) umlegen; umbthun, umb- oder anlegen wie ein kleyd oder mantel vestir, mettre comme un manteau Hulsius-Ravellus (1616) 367a: (der könig) leet deme richtere sine huet afvillen unde dede se sineme sone umme meister Stephan schachbuch 1239; de ist eyn narre, de vele kyvet (zankt) ... (er) deyt deme rechte eynen hoyken (mantel) um Hans v. Ghetelen narrenschyp 138 Brandes; der teuffel hole den, so heut ... sporn umbthuet Amadis 137 lit. ver.; wann man den jagdhunden, so offt man hetzen soll, halsbande mit schellen umbthut Sebiz feldbau (1579) 591; des herren von Mewiles windhund ..., der wolt nichts im feld daugen, bisz er ihm ein mönchskapp umbthat Fischart Gargantua 400 ndr.; einer anderen (wurden) anstatt der breissnestel glüende ketten umbgethan Moscherosch gesichte (1650) 1, 413; so muss sich der könig vor unsern augen seine völlige kleidung stück vor stück umthun Lessing 9, 97 L.-M.; hatte sie eine reine weisse schürze umgethan Göthe gespräche 1, 134; bis es ... wieder herbst wird, ... worauf ... der berg seine weiche hülle abermals umgethan hat und alle felsen ... in weissem kleide dastehen Stifter 5, 1, 204 Sauer; dialektisch verbreitet, s. Seiler Basel 295a; luxemburg. mundart 83a; Woeste-Nörr. westfäl. 279b; Danneil plattdeutsch 230b; Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 462a. eine besondere construction mit dem part. pass., umgetan mit etwas im sinne von 'damit umtan, umhüllt': desse werlt de is ummegedan mit bitterem watere bei Schiller-Lübben 5, 4: er ... ist umbgethan mit einem prächtigen mantel engl. comedien (1624) f 2a; als er ... mit der küchenschürze umgethan zurückkehrte Tieck schr. (1828) 4, 259; uneigentlich: alles was sie (die geliebte) umb und an haben kan, ist mit tugend umbgethan Venusgärtlein 9 ndr.; umgetan in etwas übertragen wie 'darin bewandert': ein recensent ... musz wenigstens in dieser wissenschaft, in die das buch einschlägt, sehr umgethan seyn Miller briefw. dreier akad. freunde (1778) 2, 113; im griechischen war er ... sehr umgethan Siegwart (1776) 3, 540. B@1@bb) jemand umtun ihn zu boden werfen, besiegen: mit den wil er iuch bestân. ir müezet vil guot helfe han, oder er tuot iuch al umb hie Ulrich v. Lichtenstein frauendienst 496, 15; de vogele quamen dar gevaren, des strides se to vote begunden, des se vulkomen nicht ne kunden, went se de der al ummedaden Magdeburger Äsop 25, 27 Seelmann; nochtan hait hey umbgedaen manchem manne syne macht Karlmeinet 580 Keller; wie 'umbringen': do bot de keyser den sinen, dat se de gantzen schare scholden doden. aldus so worden de riddere godes ummegedan van den ridderen des duvels unde wurden van den sundigen handen gedodet quelle bei Schiller-Lübben 5, 4; unsinnlich, 'jemand im geistigen kampf überwinden': der minneste, der under uns (schülern des obersten meisters) ist, der sal si (die christin) ummetun deutsche mystiker 1, 254 Pfeiffer; (der kaiser) Symonen uff si haczte, daz sin kunst diz haiden laczte; daz nam sich Symon an, si (Peter und Paul) wurden von im umbgetan märterbuch 10918 Gierach. heute schweizerisch: öpis umtue etwas zu boden fällen Hunziker Aargau 275; umtun umhauen, z. b. einen baum fällen Stalder schweiz. 1, 280. B@1@cc) zurücktun, -geben: wat ik dî dô, kanst du mî wer umdôn Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 462a; ummetun gestohlene sachen zurückerstatten Stalder schweiz. 1, 280; wandel umtun: der pfaffe wardt-geschuldiget ... um den hohemut und schende, den er in (fälschlich) zugefügt hatte. do muste der pfaffe wandel umbthun und dem studio bussen, das e gegen dem rectori meineidigk was worden Cammermeister chronik 37 Reiche. B@1@dd) etwas getanes nochmals, anders tun: wie die natur uns täglich umarbeitet, so können wirs auch nicht lassen, das gethane umzuthun Göthe IV 35, 192 W.; der kann wieder umtun es anders machen Fischer schwäb. 6, 111; omdö etwas umändern, anders machen Möller Sylt. 190b. — jem. umtun ihn umstimmen, überreden: (sie) schuldegeden ene sere, warumbe he untseget hadde, dat ime geboden was ... hirvan ward he umbegedan unde berov ene, dat he de ere untseget hadde sächs. weltchronik 223 Weiland; s. auch 262; do sprak een ratgheuer, du enmachst ene (den bekehrten Josaphat) nicht ummedon wen myt vrouwen unde iuncfrowen quelle bei Schiller-Lübben 5, 4. B@22) reflexiv. B@2@aa) sich umtun abfallen, von einer partei zu einer andern übertreten: went sich nu hatte umbgethan dher Behemere und lantgreve Herman, dhes voren dhe helphere dhes keyseres strites gere dhahin zo Dhuringhenlande braunschweig. reimchronik 6899 Weiland; (der bischof) dede sich umme tho deme mestere van deme dudisghen hus, und he dede sich umme van deme ersebyschope van der Rige lübeck. chron. 1, 424 Grautoff; anders in jüngerer mundart: sick ummedohn eine andere religion annehmen Strodtmann Osnabr. 263; sik umdoon sich ändern, andere gesinnungen annehmen, ein anderer mensch werden brem.-niedersächs. wb. 5, 149; diese bedeutung verzeichnet als dem hd. fremd schon Adelung 4, 822. B@2@bb) tätig sein, sich umsehen, auch mit finalem einschlag. B@2@b@aα) geschäftig, rührig, tätig sein: tuo dich umb, du bist noch jungk Hätzlerin liederbuch 308; thet sich der Römer hauptmann Claudius Marcellus ... vast umb und füget den andern stetten ... groszen schaden zuo Carbach Titus Livius (1551) 123b; dasz Gallus ... sich nit in müessiggang gricht, ... sonder sich allenthalb umtuon und gemeine arbeit ... erlitten habe Joh. v. Watt histor. schr. 1, 105 Götz.; sich dapffer umbtun agili industria esse, ... impigrum esse Schönsleder prompt. (1647) H h h 8a; auch als spekulant und geschäftsmann hat schon mancher sich rüstig umgethan G. Keller ges. w. 4, 11; ich sah das haus neu entstehen ..., ich sah eine anmuthige gestalt sich darin umthun Seidel vorstadtgesch. 111; 'sich gehaben': ein protzig tuender tut sich um, wie drei mäuse in der bütte Fischer schwäb. 6, 111; der thudichum person, die sich viel zu schaffen gibt Schöpf tirol. 773; auch als familienname, s. Fischer a. a. o. sich herumtummeln: die ungeheuer, die ... in der tiefe sich umthun und von zeit zu zeit aufsteigen Aurbacher volksbüchlein (1835) 62; wenn das schwarzwild nicht ruhig in seinem dickicht liegt, sondern beständig hin- und herläuft und im boden wühlt, sagt man: es thut sich um Behlen forstkunde (1840) 6, 109; s. auch Heppe wohlred. jäger (1763) 312b; von pflanzen, wie 'sich ausdehnen': das gras ... kann nicht fort und soll doch wachsen und sich umthun Auerbach schr. (1892) 14, 81. B@2@b@bβ) final, sich nach etwas erkundigen, ihm nachforschen: dasz man wol zuschaue und sich umbthue, was etwa vor ein könig unter christen oder heiden einen krieg führe Bastel v. d. Sohle don Kichote (1648) 271; lasset uns also zuerst bey guten leuten uns umthun, denen das mädchen bekannt ist und die uns von ihr nun erzählen Göthe 50, 238 W.; ich habe mich in ihrem interesse umgetan, allein nichts ermitteln können A. Ruge briefw. 2, 401 Nerrlich; (ich bin erbötig) mich näher umzuthun, was dort möglich zu erreichen ist Gervinus im briefw. zw. J. und W. Grimm, Dahlmann und Gervinus 2, 356; auch dialektisch: sick ümmdon sich mühe geben, etwas zu erforschen, sich nach etwas erkundigen Danneil altmärk. 230b u. ö. im sinne von 'sich um etwas bemühen, danach streben, es zu bekommen suchen' o. ä.: ehr sich in dieser zeit bewerben und umbthuen magkh, das ehr seinen glaubiger zu ruhe stelle und betzale Olmützer gerichtsordnung 8 Fischel; er sah sich allenthalben um und fand keinen bloszen fleck (zum ausspeien). ... als er sich lange vergebens umgethan hatte Simrock deutsche volksbücher 1, 32. B@2@b@gγ) sich an einem ort umsehn, umschau halten: ich ging, allerlei sachen zu beschawen und mich ferner umbzuthun Rollenhagen ind. reisen (1603) 63; dasz wir uns ziemlich in der gegend umgethan und viele steine geklopft haben Göthe IV 32, 18 W.; mich in Lavaters höchst interessantem studierzimmer von allen seiten umzuthun Matthisson schr. (1825) 2, 150; nachdem Hansli Gyr sich vorläufig umgethan und sich bei den vorgesetzten gemeldet hatte G. Keller ges. w. 6, 361; wer gut im dunkeln sieht, soll auf einige schritte weit sich umthun, wie man gelegen sei Laube ges. schr. 4, 84. B@2@b@dδ) feste verbindungen mit präpositionalen ergänzungen. sich in der welt o. ä. umtun: (Kotzebue) hat sich im leben umgethan und die augen offen gehabt Göthe gespräche 4, 299; Till Eulenspiegel kehrt aus seinem grabe, sich auf der erde wieder umzuthun Immermann 11, 299 Boxb.; sie hatten sich viel in der welt umgetan und brachten manches beutestück heim Blunck sprung über die schwelle 114,; sek in der welt ummedaun sich darin umsehn und versuchen Damköhler Nordharz 198a. sich bei jemand umtun ihn für etwas oder für sich zu gewinnen suchen: wir seind bedacht, zu Frankfort uns beim rate oder den brummen umzuthuen, damit wir solche summa bekommen (1542) polit. korrespondenz Moritz v. Sachsens 1, 343; circumvolitare limina potentiorum sich allenthalben bey den reychen und gewaltigen umbthuon Frisius (1556) 228a; es hat sich aber besagter mein groszvatter bey diesem könig so wohl umgethan, dass er ihn unter seine beste freund gerechnet Grimmelshausen 4, 866 Keller; der herr von Tiefsinn hat sich bey hofe ganz anders umzuthun gewust Petrasch s. lustspiele (1765) 1, 24; vgl. im schweiz. sich umtun 'sich einzuschmeicheln wissen': er weiss sich wohl umzuthun Stalder schweiz. 1, 280; er cha si gar ummdue Seiler Basel 295a. sich in etwas umtun sich damit befassen, sich darin unterrichten: dasz er und seine gesellen sich im Welschland ... in allerlei wercken der liebe brauchten und umbtheten F. Alber Ignatius Loiola (1591) 185; nach seinen akademischen studien hatte er sich in hof- und staatsgeschäften umgethan Göthe 26, 248 W.; ihr habt ja den ganzen tag für euch, so könnt ihr euch in der lateinischen sprache was umthun Lenz ges. schr. 2, 46 Tieck; bis ich später ... mich auch im lyrischen umzuthun gelegenheit nahm Platen w. 3, 241 Redlich; dasz sie (Sanders und Wurm) sich im sprachmaterial umgethan haben J. Grimm s. anz. für deutsches altertum 16, 262. sich mit etwas umtun sich damit abgeben: das es (mit unsrer gesundheit) ... gar vil besser ... worden ist, das wir mit gehen und stehen und auch mit messigem reyten uns umbthun mögen (1480) bei Steinhausen privatbriefe 1, 224; der Schwab thet sich auf der hochzeyt umb mit einschencken einem und dem andern Montanus schwankb. 25 lit. ver. sich um, nach etwas umtun: (wir haben uns) hie umb ein pferd oder zwey umbgethan Steinhausen privatbriefe 1, 317; mitlerweile hat sich Justinianus umbgethan nach hülffe und wege B. Faber Saxonia (1563) 54b; dasz sie sich auf den nachzug nach Frankreich bestellen lieszen und sie sich nunmehr um reiter und knecht umthun muszten v. Schweinichen denkwürd. (1878) 91; wolte nach süszem wasser ... sich umbthun Scherdiger novae novi orbis historiae (1591) 105; das du dich umb ein solch ort umbthüest, das es (das feindliche geschütz) dich nicht erreichen möge U. Budrym kriegsregiment (1594) 227; (in der sandebene) die fische sich nach den wurtzeln des grases ümmethun Prätorius anthropodemus plutonicus (1666) 1, 72; wie ich mich nach füglicher gelegenheit nach hause umbthun möge Schoch studentenleben (1657) m 4a; haben sie sich nachher um den beweis ... umgethan Lessing 13, 37 L.-M.; (wir waren) in der stadt, um uns nach einem rollstühlchen für ihn umzuthun Storm w. (1899) 1, 141; dasz man sich um ein paar neue maurer umtun müsse Weigand gärten gottes (1930) 105. in anderem sinne: 'sich darum kümmern, damit abgeben': auf alle fälle habe ich mich um die talente deutscher und französischer medailleurs mehr umgethan Göthe IV 17, 155 W.; der sich um geschichte und literatur ... näher umgethan hat I 7, 4 W.; um die aquarellsammlungen habe ich mich in groszen städten niemals umgetan und bereue es jetzt Burckhardt briefe an einen architekten (1881) 168; seltener sich wegen etwas umtun sich darum bemühen: darauff erboten sie sich, wegen 4 von ihren leuten sich umzuthun Merck an Karl August (1780) 64; sogleich habe ich mich ... wegen des weinverkaufs umgethan Göthe IV 10, 187 W.; ich ... danke ihnen, dasz sie so gut gewesen, sich wegen der dänischen literaturzeitung noch weiter umzuthun brüder Grimm an Benecke 182 Müller. B@33) absolut, mit etwas umtun 'sich damit beschäftigen, befassen': wenn man mit essig umtut, kanns nit allemal süsz sein Rosegger wildlinge (1906) 25; wenn sie später anstatt brav zu arbeiten mit flitterwerk umthut weltgift (1903) 364.
13382 Zeichen · 240 Sätze

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    umtunvb.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +1 Parallelbeleg

    umtun , vb. A A. untrennbar, ' umgeben ' ; circondo ik ummedo Diefenbach 122 a ; fulcire ummesetten vel -don 250 b : in …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    umtun

    Goethe-Wörterbuch

    umtun [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    umtunst.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    um-tun st. : 1. 'um sich legen, anziehen', von Kleidungsstücken, umduⁿ , -dun, u. a., s. tun [mancherorts]. Ich du mer e…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit umtun

2 Bildungen · 2 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

umtun‑ als Erstglied (2 von 2)

umtunlich

DWB

umtun·lich

umtunlich , adj. , etwa im sinne von ' hingebungsvoll, zutraulich ': es machte mir einen starken wertzuwachs aus, dasz ein so gelehrter und …

umtunlichkeit

DWB

umtunlich·keit

umtunlichkeit , f. , regsamkeit, beweglichkeit: als Franzose von geist und reger umthunlichkeit faszt er alles leicht an B. Weber cartons (1…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „umtun". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/umtun/dwb?formid=U04323
MLA
Cotta, Marcel. „umtun". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/umtun/dwb?formid=U04323. Abgerufen 12. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „umtun". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/umtun/dwb?formid=U04323.
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