üppig,
adj. adv. ,
zu idg. *ûp '
auf, hinauf, in die höhe', uba '
über',
die sowohl über
als auch übel
zu grunde liegen (Fick-Torp 31; Falk-Torp 1409; 793;
th. 11, 2, 6).
ahd. steht uppig
mit q-
suffix (Wilmanns
d. gramm. 2, 456)
neben uppi.
die bed. ist '
über das masz hinausgehend'
; daher sowohl negativ '
überflüssig, leer, eitel, unnütz',
als auch positiv '
überschwellend, strotzend, überreich'
; dann mit versittlichung der negativen bed. '
übermütig, hochfahrend, sündhaft, unzüchtig, schwelgerisch'.
ahd. uppîg, ubbig;
mhd. üppec, üppic, ubbic.
ein im wesentlichen hd. wort; das mnd. uppich
ist aus dem hd. entlehnt, das nd. üppig
vereinzelt (
z. b. bei Schumann
Lübeck 85; 90)
bezeugt; aus dem mnd. stammt dän. schwed. yppig.
md. mundarten bilden zu up '
oben'
ein üppig '
oberhalb' (Diefenbach
got. gloss. 1, 99; Knothe
Markersdorf 120; Müller-Fraureuth 2, 602
b).
das engl. uppish
kann nur insofern verglichen werden, als es zeigt, wie auch von engl. up
aus in historischer zeit die bildung leicht möglich war (Murray 10, 1, 437
a).
den neueren mundarten ist ü.
nicht sehr geläufig; die schriftsprachlichen bedd. fehlen dem alemannischen und bayerischen fast ganz; schweizerische und mitteldeutsche mundarten haben einige besonderheiten festgehalten. vgl. üppiglich, üppisch, üppigkeit, üppe, üpperei.
umlautlose schreibung verschwindet erst im 18.
jh.; vgl. noch Opitz
poemata 108
ndr.; Rist
d. friedewünschende Teutschland 78; Kramer (1702) 2, 1219
c. uppicht Menius
chron. Carionis (1560) 1, 37
a;
dasselbe uptpigt
ital.-deutsches sprachb. (1424)
Bayerns mundarten 2, 414
Brenner. 11)
überflüssig, supervacuus, otiosus Graff 1, 89;
vgl. got. ufjô
überflusz; eitel 6: daz (
wagenkämpfe) ist uppîg, wande iz die netuôt sâlige Notker
psalm 39, 5; nist wiht in themo boume, thaz friuntilih giloube, thes mannilih giwis si, thez thar ubbigaz si (
überflüssig, weil nicht beziehungsreich) Otfrid 5, 1, 17; a hots gar ne asu ippich (
vom gelde) K. Rother
schles. sprichw. 414
b; es ü. haben
wird auch aus Worms berichtet. weniger deutlich erscheint es in der n. schriftspr.: freylich ist der hang zu dieser üppigen prahlerey mit leidigen geschicklichkeiten, die durch den werth ihrer gegenstände nicht geadelt werden, zu natürlich, als dasz nicht auch die Griechen ihren Pauson, ihren Pyreicus sollten gehabt haben Lessing 9, 11
M. (
Laokoon 2);
vgl. üppigkeit 1 Lessing 9, 109
M.; die wissenschaften gehören (
bei der bildung der mädchen) zum üppigen der seele (
gs. das nothwendige) Möser 1, 127; zu alledem hatte die schwester noch für eine fuhre trockener spähne ... auf ihr herdfeuer gesorgt, und es schien für unsere nothdurft, wenn auch nicht üppigermaszen, doch nothdürftig gesorgt (
vgl. 4 d) B. Goltz
jugendleben 1, 91. 22)
leer, unnütz, unnöthig, eitel, unbegründet, nichtig, unwirksam, irritus, frustra, inanis Diefenbach
gl. 290
c;
vanus 606
b.
selten von concretis: calvus kahlköpfig Diefenbach
n. gl. 68
b; und ob das saltz wird uppig, indem irs bewart?
erste d. bibel 1, 158, 50
K. meist von abstractis: wann ob Cristus nit erstuond, euwer gelaub ist uppig
erste d. bibel 2, 102, 26
K.; 2, 106, 51
K.; und machest úppig das gelúbde (
irritum facias) 5, 311, 27
K.; 1, 58, 8
K.; sein
[] gnad was nit uppig in mir 2, 101, 11
K.; rechtssprachlich (Schmeller-Fr. 1, 119): die (brieffe) sollen irrig, todt, uppig und ab syn und kein kraft nicht haben oder nimer gewinnen Fr. A. v. Brandis
ehrenkränzel (1678) 137.
adv. vergeblich, frustra: ir glaubeten nit uppig (
nisi frustra credidistis)
erste d. bibel 2, 101, 58
K.; so wöll er ... sin (
gottes) überwirdigen namen, glider und marter ... uppig genennen Riederer
rhetoric (1493) a 3
a (
vgl. 4 b). in uppig
in vanum, in vacuum Graff 1, 89; Lexer 2, 1998;
erste d. bibel 1, 146, 30
K.; 2, 144, 45
K.; 2, 178, 12
K. im sinne der kirche werden begriffe, die keine beziehung auf gott und das seelenheil haben, ü.
vanus genannt: alle úpig sachen, da mit sich menger mensch sumet siner ewigen selikeit H. Seuse 96, 10
B.; üppige ehre
vana gloria (Lexer 2, 1998) Steinhöwel
spiegel menschlichs lebens (1479) 8
b; Keisersberg
schiff d. penitenz 77
d; Hedio
chron. germ. (1530) 3
a u. o.; üppige dinge
Sam. 12, 21; Keisersberg
bilgerschaft (1512) c 2
c; S. Franck
sprichw. (1541) 2, 186
a; Moscherosch
gesichte 2, 264;
mnd. wb. 5, 121
a; uppige liebe Keisersberg
ausgang von Egipto (1510) k 4
b, gespräch Riederer
rhetoric (1493) a 4
a, rede
Erasmus herrengunst (1566) 72
b (
vgl. übrig red
germ. abh. 25, 499), gehördt
d. ew. weisheit betb. (1518) 9
a; der mensch in im vindet, das sein herze noch in im lAer, üpig und eytel bleibet Tauler
serm. (1508) 78
b.
ohne beziehung auf diese kirchliche anschauung: uppig er
teufels netz 8148; durch unnützen, üppigen raut Steinhöwel
Äsop 108
Ö.; man vindet vil der hadermann, die on ursach umb üppige ding die richter bekümmern 244
Ö.; der rapp fröwet sich des üppigen, falschen lobes 98
Ö.; mit dem ausdruck der verachtung: du wilt dyn zen mit dem üppigen bluot (
de vano sanguine) nit vermalgen 92
Ö.; on all upich erforschung ganz H. Folz
meisterlieder 76, 200
M.; reinigkeit Zwingli
d. schr. 1, 45, berühmungen Xylander
Plutarch (1580) 282
b, einbildung Moscherosch
insomnis cura par. 65
ndr., welthändel Knittel
sinnenfrüchte (1677)
vorr. 7; du bist der üppigen ergötzlichkeit gewogen J. G. Neukirch
anfangsgründe z. t. poesie (1724) 42.
veraltet. 33)
überschwellend, -quellend, -strömend, strotzend, schwülstig, überreich, übermäszig u. dgl. vgl. geil 5.
die bed. ist alt (uppigiu riuwa
betrübnis in hülle und fülle Müllenhoff-Scherer
denkm. 30, 143; mit uppiger volleist
passional 348, 41
K.),
wird aber erst im 18.
jh. recht üblich; und zwar ist dem neueren wort oft eine eigenthümliche mehrdeutigkeit eigen, indem sich verschiedene bed. mischen; dazu kommt ein schillernder gefühlston, der in der beziehung des wortes auf die '
feinere sinnlichkeit' ( Adelung)
wurzelt. z. b. nun rechnet noch sein (
Indiens) klima dazu, diese üppige brautnacht der natur (3
und 4 c) Jean Paul 49/51, 90
H.; oder es wird ein sehr allgemeines poetisches epitheton: den lieblichen jungfern sei diesz geweiht, die da prangen in üppiger herrlichkeit Hebbel 7, 4
W. 3@aa)
von der vegetativen natur, ihren erzeugnissen, ihrer wirkung, ihren gebieten. Fischer 6, 287: jener unflätige schwarm ... warf sich dann in die kammern und bäder und üppigen gärten Bodmer
Noah (1752) 2, 766; wachsthum 1, 107, epheu Herder 23, 15
S., schöszlinge Göthe IV 17, 47
W., pflanzenwelt I 24, 356
W., vegetation 33, 9
W., laut
gespräche 2, 18
B., wuchs Lichtenberg
verm. schr. (1800
ff.) 8, 90, säfte Jean Paul 7/10, 470
H., fluren Fr. Schlegel 6, 211, gras Stägemann
kriegsgesänge 15, natur Steffens
was ich erlebte 1, 60, gesträuch Novalis 2, 65
M., pflanzenfülle A. v. Humboldt
kosmos 1, 9, blüthe Bettine
frühlingskranz 227, ranken Eichendorf 3, 250, ernten Holtei
erz. schr. 21, 232, Eden Bauernfeld 1, 227, triebe Roszmäszler
d. wald 450, blumen Freiligrath 5, 40, boden Schlechtendal-Hallier 21, 151, wald fürst Pückler
briefw. 2, 17; eine ungewöhnlich
[] üppige diestel O. Ludwig 2, 607, landschaft Mommsen
röm. gesch. 2, 22, wiesen Laistner
nebelsagen 118, weide Wimmer
gesch. d. d. bodens 5
u. s. f.; kein üppigeres obst J. Kerner
bilderb. 119; den üppigsten südlichen himmelsstrich H. v. Kleist 4, 69
Schm. alles brennende und üppige in der natur wird dem einfachen und bescheidenen vorgezogen Gutzkow (1872
ff.) 8, 426.
prädicativ: der reichthum der vegetation, die doch wieder nicht ü. ist Göthe 46, 38
W.; Chamisso (1836) 1, 325; ihr schaut die eiche dort ..., wie üppig war ihr holz, bis wilder wein den tod gab ihren ästen! Freiligrath 5, 12; hier ist es bei vielem regen unglaublich ü. geworden fürst Pückler
briefw. 3, 398.
adv.: die traube winkt, die pfirsche zum genusz, die üppig schwellend hinter blättern lauschen Schiller 11, 209
G.; ü. bewachsene bergeshänge Göthe 24, 367
W.; Jean Paul
Titan 1, 26; Uhland (1898) 1, 201; H. Heine 1, 367
E.; das getraide stand so ü. da, als ob ... Hebbel 10, 182
W.; ü. wucherte gestrüpp und unterholz Polenz
Grabenhäger 2, 252; es blüht alles überüppig Karl August
briefw. m. Göthe (1863) 2, 263.
zusammensetzungen: üppiganstrebend A. v. Humboldt
ansichten d. natur 1, 315, -aufschlieszend 1, 21, -buschig Rosegger III 8, 338, -grün II 12, 125, -grünend Ritter
erdkunde 17, 1311, -reich Düring
Chaucer 3, 4, -stolz W. Müller 351
H., -voll Gaudy 5, 31, -wachsend Metzger
pflanzenkunde 363
u. s. f. bildlich und übertragen: manch lyrisches blümchen, schwellend in üppigem wuchs, kneipte die schere zu tod Göthe 5, 215
W. (
xenien); den text reinigte herr
V. von allen üppigem auswuchs krauser diktion 38, 379
W.; das üppige wachsen der stehenden heere Jean Paul 48, 230
H.; toleranz ist ein üppig kraut Caroline 2, 151
W.; Immermann 15, 54
B.; Holtei
erz. schr. 5, 97; die ideen ... sind ein üppiges mistbeet, insbesondere für den raubmord D. Fr. Strausz 6, 194;
adv.: wenn sie (
die gemüter der jugend) zu schnell und zu u. fortwachsen
hannov. magazin 1773, 854; wie unkraut ... treibt verborgen übelthat, üppig wuchernd, ihre frucht Müllner 1, 56; auf diesem tummelplatze der phrasen muszte die erbsünde der mittelstaatlichen politik ü. wuchern Treitschke
hist. u. polit. aufsätze 1, 224; Ebner-Eschenbach 4, 13; von üppig blühenden schmerzen rauscht eine wildnisz im grund Eichendorf 1, 573. 3@bb)
von naturerscheinungen, wetter, jahres- und tageszeit, licht, wasser; falten: üppig (tüppig
aus es ist u.)
bedeutet im schweizerischen '
drückend heisz, schwül' Staub-Tobler 1, 366;
vgl. uberli warm 1, 61, übrige wärme 1, 60.
in poetischer unbestimmtheit: wo der nord- oder polarschein das ganze blau mit feuergarben, edelsteinen, donnern, üppigen gleichergewittern füllt Jean Paul 55/58, 49
H.; in üppiger sommernacht 20/23, 403
H.; diesen ganzen üppgen frühling H. v. Kleist 2, 59
Schm.; die spiele des üppigsten frühlings, die blumen Brentano
Godwi 1, 9; S. Mereau
ged. 1, 45; die üppigen frühlingstage Bettine
Göthes briefw. m. e. kinde 2, 211; durch die offenen fenster drang die abgekühlte, üppige gewitterluft Laube 8, 327; wahrhaft üppige sommerwitterung R. Wagner
m. leben 697; gleich weit von einer undurchdringlichen finsternisz des schattens und einem üppigen lichte Gerstenberg
schlesw. literaturbr. 79
lit. denkm.; üppige strahlen des frühlings Platen (1843) 4, 107; und wie der waldbach fern, mit üppigem geplätscher, vom rand des hohen felsen niederrinnt! H. v. Kleist 2, 439
Schm.; A. v. Droste-Hülshoff 1, 125; der Rhein ... in der üppigen breite eines sees Gutzkow (1872
ff.) 2, 77; die rechte hand nimmt einen weiszen atlasnen rock ... auf
[] und bringt darin eine üppige unordnung von falten hervor A. W. Schlegel 9, 72; die falten drehn in üppgem falle A. v. Droste-Hülshoff 2, 85;
adverbial: und des schleiers weisze masse senkt sich üppig auf ein schulternpaar wie marmor Waiblinger
ged. a. Italien 39
Gr. —
bildlich und übertragen: so viel ist wenigstens ausgemacht, dasz der hofmeister noch ganz in den üppigen jahren war, die der schönen redekunst am günstigsten sind Fr. A. Schulze
die ganze familie, wie sie sein sollte (1801) 89; noch unangefressen vom krebs üppiger (
üppig wuchernder, vgl. a,
auch c) vorurtheile maler Müller 1, 351; den üppigen strom der gedanken K. L. v. Haller
restauration d. staatswiss. 1, li; Platen 2, 256
R. 3@cc)
von körperlichem wuchs, vom körper und seinen theilen, von der ganzen äuszern erscheinung; von künstlerischer darstellung: vom üppigen busen ihrer dirnen Wieland 3, 101
ak. ausg.; hüften
Shakespeare 1, 49, mund Jean Paul 59/60, 3
H., glieder H. v. Kleist 2, 72
Schm., haupthaar 1, 32
Schm., blut A. v. Droste-Hülshoff 2, 94, jugend (
jugendliche figur) Welcker
denkmäler 2, 348, kopf Justi
Winckelmann 2, 1, 372; sie sah ... das schöne gesicht ihres jüngsten und sah den schweren, üppigen zug Frenssen
Hilligenlei 142. mund, haar, wuchs ist zu ü.
adv.: ein ... mützchen, unter dem schöne schwarze locken beinahe zu ü. hervorquillen E. Th. A. Hoffmann 14, 156
Gr.; der üppiggespannte mund Herm. Grimm
Michelangelo 1, 318.
von der ganzen persönlichkeit: eine starke und üppige blondine Solger
nachgel. schr. (1826) 1, 21; sieh, mit den üppgen reiterinnen jetzt beginnt er frisch ein lustig plänkeln! Freiligrath 1, 130; ein ü. gewachsenes junges mädchen G. Keller 2, 148; die nicht häszliche A. A., welche ü. und verlockend anzusehen war 4, 179.
zusammensetzungen: ü.-reich Kind
ged. 1, 161, -ringelnd Zschokke 22, 377, -schön Herder 27, 210
S., -schwarz J. Nordmann
ged. 193, -wallend Eichendorf 4, 470
u. dgl. bildlich: so unergründlich ist das meer von glanze, das leuchtend wogt in deiner reize borden, dasz mein gesang ein kühner segler worden auf deiner glieder üppgem wellentanze Strachwitz
ged. 112;
vgl. b.
von überströmender kraft und lebenslust zeugend, wählig: daʒ (aurrint) ... ist gar ü. (
summae pernicitatis) und grimmig Konrad v. Megenberg
b. d. natur 123, 12; stracks entblöszt er den glatten bogen vom üppigen steinbock Bürger 1, 213
B. (
Ilias 4, 105
ἰξάλου); die vortrefflich trabenden berberischen pferde, wie locken sie mit ihren langen schleiern ..., dem üppigen wiehern Laube 8, 2.
übertragen auf den kunstcharakter: ein geiles myrthenlied und ein nach dem Adon des üppigen Marin erbauter Venusthron B. Neukirch
ged. (1744) 143; wenn auf dem ersten (
blatt) die künstlerin uns ... ü. erschien, so sehen wir hier ... das gegentheil Göthe 48, 145
W.; Rubens würde sicher in seiner färbung voller und üppiger gewesen sein Gutzkow
ritter vom geiste 1, 37; stilistisch gehören diese beiden brucknerschen messen einem üppigen spätbarock an Louis
d. musik (1909) 250. 3@dd)
von pfühl, kissen, bett: wenn wir die schauer der regennacht ... wachend vollbracht, kannst du ... auf üppigen pfühlen wollüstig träumend die glieder fühlen Körner 1, 140
H.; auf üppgem ruhbett lehnend
Shakespeare 9, 127; kissen Strachwitz
ged. 35; jene ü. aufgethürmten himmelbetten Holtei
erz. schr. 17, 80.
[] 3@ee)
von abstracten begriffen (
vgl. uppigiu riuwa, mit uppiger volleist): einbildungskraft Gerstenberg
recensionen 375
lit. denkm.; die üppigste phantasie kann nichts schöneres erdenken als dieses thal H. v. Kleist 5, 236
Schm.; schauspiele (
sonnenauf- u. untergang), neben welchen der üppigste schwung der künste verblaszt Schiller
kabale u. liebe 3, 4;
vgl.dem üppigen schwunge des luftrads J. H. Vosz
ged. 2, 265; wünsche, hoffnung, genie, fülle, kraft, gesundheit, lebensglanz, geschick (
syn. unerschöpflich), freude Klinger
n. theater 1, 177; Heinse 4, 161
Sch.; 10, 304
Sch.; Schiller 15, 1, 209
G.; 11, 44
G.; 6, 376
G.; Jean Paul 15/18, 516
H.; 6, 59
H.; H. v. Kleist 5, 57
Schm.; gott! ... du hast dem menschen ein so freies, herrliches und üppiges (
vgl.d) leben bestimmt 4, 127
Schm.; eine so üppige und zerflossene sinnlichkeit A. W. Schlegel
Athenäum 1, 22;
vom übermäszigen rauchen: nein, der traulichkeit brandopfer entweih üppiger frevel nie! J. H. Vosz
ged. 3, 24; vollkommenheit Hölderlin 1, 112
L., reichthum
F. Th. v. Schubert
verm. schr. 1, 257, mythologie (
reich entwickelte) W. v. Humboldt
ges. schr. 4, 44, detail Hebbel 12, 142
W., reiz des wohllauts O. Jahn
Mozart 4, 130, entfaltung Mommsen
röm. gesch. 2, 197, gestaltungstrieb Ratzel
völkerk. 2, 297, grösze Allmers
marschenb. 1, 2, 118; jedes unschuldvolle spiel, jedes wort der schönen zeiten ward zum innigen gefühl, barg ein üppiges (
inhaltreiches) bedeuten Uhland
ged. 2, 283
Schm.-H.; die imposante ruine, in die herrlichste natur hineingebaut, von der üppigsten gegenwart überwuchert Hebbel
br. 1, 63
W. (
vgl.a); je üppiger die lebenskraft, um so mannigfaltiger die form ihrer äuszerung Jhering
geist d. röm. rechts 1, 34; die poesie geht nie so in das blühende und üppige über A. W. Schlegel
Athenäum 1, 173;
adv.: ü. fest trotzt sie (
d. pyramide) der luft, dem himmel und seinen wolken Heinse 4, 170
Sch.; o! so nimm, was tausende begehrten, was mir üppig deine milde lieh Novalis 1, 147
M.; die ohren ... haben sich etwas zu ü. gen himmel erhoben Immermann 2, 107
B. als zeitadv. ist ü.
mundartlich für '
häufig'
gebraucht Schumann
Lübeck 90. 44)
die neigung zur versittlichung des begriffs, die schon bei 2
hervortrat, ist früh durchgedrungen. vgl. ahd. uppi
maleficus; Lexer 2, 1998; Fischer 6, 287, 1.
auch hier ist mit mischung der bedd. zu rechnen, z. b.: wir saszen auf Neptunus gelbem sand, sahn nach den handelsschiffen auf der flut und lachten, wenn vom üppgen spiel des windes der segel schwangrer leib zu schwellen schien
Shakespeare 1, 202;
when we have laughd to see the sails conceive and grow big-bellied with the wanton wind
vgl. bed. 3 b
und 4 c. 4@aa)
übermütig, hochfahrend, frech, vermessen, ausgelassen, schnöde; presumptuosus Diefenbach
gl. 457
c,
inflatus 297
b,
pompolentus 446
c. Pansner
schimpfwb. 72
a,
eingebildet Schumann
Lübeck 85;
vorlaut, mutwillig Crecelius 853;
obenauf Müller-Fraureuth 2, 602
b. 4@a@aα)
von personen: das gelaube, du uppiger geuknecht!
ackermann a. B. 26, 40
B.; merkt ir uppign pawern!
Sterzinger spiele 8, 75; es ist ein gar bös, vermessen ding, wenn sich ein üppiger mensch nit will wisen lassen durch einen andren menschen Zwingli
d. schr. 1, 36; das thunt die üppigen schwetzer, in denen kein rechte erkantnus ist Schade
satiren 1, 16; es (
Luthers frau) ist ein uppigs thyer, darumb das sie eyn wenig edel ist Vogelgesang-Cochläus
gespr. v. d. trag. Joh. Hussen 26
ndr.; Vasti, die künigin unverschemet, ungehorsam, üppig und stützig H. Sachs 1, 131, 33
K.; [] Höck
sch. blumenfeld 27
ndr.; ihr uppiches und freches lumpengesindel Bastel v.
d. Sohle
harnisch a. Fleckenland 55; wolte gott aber, wir ... wären nicht knechte eines einigen üppigen menschen Lohenstein
Arm. 1, 18
a; die üppigen freier J. H. Vosz
Odyssee 240
B.; die üppigen 252
B.; die üppigen zuschauer Herder 3, 218
S.; schon Schaidenreiszer
vorr. 3:
er ist von den üppigen werbern ... geschoposzt worden; und die üppigen barbaren zupften mich an meinen haaren W. Müller
ged. 165
H.; keine anrede des stolzen, üppigleichenschaftlichen, noch jugendlichen herrn Gutzkow
zauberer 5, 303.
prädicativ: üppig solt du gen nyemant sein, senft sol dein antwurt wesen Hätzlerin 94; du wirst uns allen so ü. werden, das dir nyemandt anrüren tar den mantel A. v. Eyb
d. schr. 2, 151
H.; ich bin gewesen stolz und üppich, hochmütig, rauch und gar aufschnüppisch H. Sachs 14, 136, 27
G.; S. Franck
sprichw. (1541) 2, 116
a; Spreng
Ilias 31
b; maszen ja bekannt, dasz die meisten der alten völker bey ihren gastmahlen ganze todtengerippe zu nichts anders aufgestecket, denn nur üppiger zu werden Besser 1, 300
K.; ein anderer sprach: die societät wäre ü. worden und wollte durch solche mitglieder als der hr. Makewind den glanz ihrer schönheit vermehren, wie das frauenzimmer durch die schönpflästerchen Liscow (1739) 81; Schmolcke (1740) 1, 4; auch tugendhafte können ü. seyn Iselin
verm. schr. 2, 388; Reimarus
wahrheiten der natürl. religion 669; Lavater
verm. schr. 1, 81; das schlimme ist, dasz das gesinde ... immer gleich ü. (
anspruchsvoll) und kostbar bleibt und durch keine ermahnungen dahin zu bringen ist, sich mit brod und käse ohne butter zu begnügen Möser 1, 445; wolltet ihr bei lust und tänzen allzu üppig euch erweisen, denkt an dieses fadens (
der Parzen) gränzen, hütet euch! er möchte reiszen! Göthe
Faust 5314; gar zu gelind macht das unrecht ü., das darf, das soll kein landesvater seyn maler Müller 3, 365.
volkssprachlich: der is ü., wird recht ü., macht sich ü. Müller-Fraureuth 2, 602
b;
in der studentenspr.: sich ü. machen Kluge
studentenspr. 132 (
vgl. 3),
bes. vom reichlichen geldausgeben; dazu üppicus Kluge
a. a. o. aus Liebstadt berichtet Müller-Fraureuth ü.
für gereizt, ärgerlich, eine ausweichung der mundart. in n. spr., bes. umgangssprachlich, oft scherzend oder familiär: der fuchs wird ü., meinte W. Holtei
erz. schr. 28, 57; der Spritzler wird mir wirklich etwas zu ü. Pocci
komödienb. 2, 284; schon weckte er durch seine leidenschaft spott und hohngelächter ..., besonders bei den stillen charakteren, ... die ... über seine entzückungen die harmlosen, aber bedeutsamen worte fallen lieszen: nur nicht zu ü., Kattendyk! Gutzkow
zauberer 4, 179; aber im grunde gönnte sie es der Stasia wohl, die war denn doch gar zu üppig! Clara Viebig
d. schlafende heer 1, 195.
veraltet ist die bed. leichtfertig, liederlich, die an 4 c
rührt: von úpiger geselschaft H. Seuse
d. schr. 9, 26
B.; teufels netz 226; es was eyn schuoler ü. und wild
heiligenleben winterteil (1471) 78
a; das schentlich, uppig wyb Murner
mülle von Schw. 342.
adv.: aber er lebt also ü., das in seine underthanen erschlugen S. Münster
cosmographey 107;
als ausdruck übermütiger ablehnung: worumb verwerft ir mein opfer uppig? (
calce abjecistis)
erste d. bibel 5, 17, 41
K. zusammensetzungen: uppigstolz
pfarrer v. Kalenberg 1135
ndr.; üppigwild Fouqué
alts. bildersaal 2, 168. 4@a@bβ)
von nichtpersönlichem: üppic sprüche,
leichtfertige und unangebrachte äuszerungen Nibelungenlied 805, 2
L.; item in den zeiten was groszer mangel an allerlei flesch ... und waren die metzger gar stolz, und besunder mit schweinin flesch, und gaben den leuten üppige wort
städtechron. 5, 167 (
Augsburg); 5, 201; 5, 276; üppige dröwort
[] 5, 240; antwort Huberinus
spiegel d. hauszucht (1553) 26
a; die üppigen, stinkenden hochfart Lucifers Zwingli
d. schr. 1, 98; von sins üppigen, tyrannischen ... lebens und regiments wegen Tschudi
chron. 1, 26; tyranney 1, 28; Micrälius
Pommerland 1, 81; dasz Apelles jenen höfling, der ihn aus üppiger kurzweile unbefehlicht nach hofe zur tafel geladen, mit keinen worten ... beschreiben ... konte Zesen
rosenmând 61; keine spur dieses üppigen übermuths, der gemeiniglich den müsziggängerischen haufen der bedienten in groszen häusern bezeichnet Wieland 3, 195
Gr.; du, der üppigen muths die faust umherwirft, ... sieh her, und höre! Herder 27, 154
S.; mit der gewöhnlichen kleinen üppigen freigeisterei des vorjünglings Jean Paul 45/47, 248
H.; (
den freiern), die stets mit üppiger frechheit seine schafe schlachten J. H. Vosz
Odyssee 4
B.; ich in meiner kräfte üppgem prangen A. v. Droste-Hülshoff 3, 25; mein ohr, das angehört dein üppig sprechen, verbrennt sich selbst Freiligrath 6, 218. 4@bb)
böse, bösartig, sündhaft, ungerecht, schändlich, nichtswürdig u. dgl. ubper
maleficus ahd. gl. 1, 469, 35 (
paralip. 2, 33, 6
maleficis artibus inserviebat, vom gottlosen, insbes. abergläubischen frevel Manasses)
; superstitiosa uppigu 2, 329, 49;
in der beichtprosa ist ü.
üblich (Müllenhoff-Scherer 77, 15; 90, 106
ff.)
; prophanus (
gs. heilig)
quelle bei Frisch (1741) 2, 408
c;
turpis Harsdörfer
trichter 2, 177: úpigú menschen (
weltkinder) H. Seuse
d. schr. 114, 7
B.; die uppigen und die vaigen, die sich also die welt land vellen, tuon ich nit zuo den guoten zellen
teufels netz 6052
B. u. o.; wer den andern ainen öden oder uppigen man haiszt, ... dasz man das och für scheltwort halten wil
oberschwäb. stadtrechte 1, 110; merkh, du falsche, üppige judenschar
altd. passionsspiele a. Tirol 411
W.; zeigt er dem alten an, wie ihr pfarherr so ein uppiger, verruochter und gottloser mann were H. Rauscher
centuria quarta (1563) c 4
a; Dähnhardt
gr. dramen 2, 213; lasz die unnützen und uppigen dinge (2) den uppigen menschen J. Arndt
nachfolge Christi 26; hast du ihn unter die mäszigen und vernünftigen, oder unter die üppigen und ruchlosen leute gezehlet?
vern. tadlerinnen (1725) 1, 334; es betreuget ein schalk den schalkhaftigen, ein uppiger den uppigen J. Arndt
nachfolge Christi 138. uppigs guot (
sündhaft erworbenes, unrechtes, unreines)
teufels netz 7100
B.; wan dye juden haben pöszen muet und tragen dem menschen groszen has: an irer üppigen klag hör ich das
altd. passionsspiele a. Tirol 93
W.; mit üppigem werk der büberye
N. v. Wyle
transl. 68, 14
K.; ir üppig und schantlich glichsneri J. v. Watt 2, 292, schand 3, 426, schwören
M. Herr
feldbau (1551) 53
b, wucher Tschudi
chron. 2, 25, schriften Nas
eins u. hundert 1, 32
a, wesen Fischart
bienenkorb 218
b, lasterlieben Neumark
lustwald (1657) 1, 87; deine gottlose und uppige thaten Rist
d. friedewünschende Teutschland (1648) 78; seinem schändlichen und üppigen vorhaben
polit. maulaffe (1679) 183; von seiner üppigen boszheit zeugen die ältesten schriften G. Arnold
ketzerhist. (1699) 44
a. ü. (
böse, verkehrt) auszlegen Paracelsus (1616) 1, 109 C
H.; wir lachen oft leichtfertig und ü. J. Arndt
nachfolge Christi 28.
veraltet. 4@cc)
geschlechtlich ausschweifend, wollüstig, unzüchtig: ein uppich wîb Hartman
vom glauben 2240;
städtechron. 9, 1028, 39; uppig, geyl, geneygt zur unzucht Hulsius-Ravellus (1616) 392
a; ü., wollüstig Voigt
hb. f. d. geschäftsführung 2, 477.
von personen: üppigen frowen Riederer
rhetoric (1493) c 1
b; S. Brant
narrenschiff 50, 2
Z.; die üppige waldgöter Weckherlin 1, 200
F.; bey der uppigen
[] Padilla Lohenstein
rosen 14; ein üppiges weibsbild, mensch Kramer (1702) 2, 1219
c; in den feilen armen üppiger buhlerinnen Wieland
Agathon 2, 87; ... die sie eine unverschämte schlumpe, liederliche vettel, allmannsmetze, üppiges nickel hiesz Bode
Thomas Jones 1, 35; doch Fiekchen blickt in ernster stille nur auf den üppigen galan Pfeffel
poet. versuche 2, 164.
prädicativ: lobten gott für ire tochter Susanna, dasz sie in der sach nicht uppig erfunden warde
b. d. liebe (1587) 309
c; aber dasz ich so dich liebte, glaube ja nicht üppig mich Herder 25, 559
S. adv.: darumb auch die straffe hierauf folget, so der mensch uppig lebet, dieser groszen, erschrecklichen, abscheulichen krankheit Paracelsus (1616) 1, 348 b
H.; der war wol gekleidt, hielt sich ü. mit den weiberen
F. Platter 171
B.; A. Olearius
morgenl. reisebeschreibung 53; sich ü. geberden, ü. thun
fare atti lascivi Kramer (1702) 2, 1219
c; ü. insgeheim leben Triller
poet. betrachtungen 1, 11.
von thieren: ein geil, üppig thier ists umb die rosz Herold-Forer
Geszners thierb. 134
a; diese thier söllend ganz ü. und geil seyn 68; so wie den lüsternen, üppigen affen niemand leicht ohne scham und abscheu ansieht Herder 22, 84
S. üppige raiczung Steinhöwel
ber. frauen 42
Dr., gebrauch
Z. Müntzer
bepstl. gesch. (1566) 549, lieder Frisius 272
a, geilheit Kirchhof
wendunmuth 2, 43
Ö., lust, gesicht, berürung
b. d. liebe (1587) 242
a; 292
a; 292
b, begird Stumpf
Schweizerchron. 193
a, leben Bech
Agricolas bergwerkb. 16, wollust Moscherosch
insomnis cura 31
ndr., bulschaft Lohenstein
Arm. 1, 9
a, geberden, sitten, worte, stellungen Kramer (1702) 2, 1219
c, feder
polit. stockfisch 50
s. th. 3, 1393, gemählde Wieland 1, 295
Gr., scenen
sammlung v. schausp. (1764
ff.) 5, 77, tanz Klinger 3, 30, feuer der wollust 3, 35, küsse 3, 90, vorstellungen 3, 8; durch laue nacht lustwandeln jungfraun, üppigen laut der Pariser schmachtend J. H. Vosz
ged. 3, 32; nach segenreichem gewitter, das in üppigem umfangen die lechzende natur wieder erquickt maler Müller 2, 4; die üppigste, wollüstigste dichtung Solger
nachgel. schr. 1, 6; die üppigste gattung des ältern minnesangs, das tagelied Uhland
schr. z. g. d. dichtung u. sage 2, 214, liebesabenteuer 4, 270, traum Cl. Brentano 3, 466; stimmt weisen an, so üppig und so zart, dasz sie die unschuld selbst zur lust verführen Bauernfeld 1, 215; auf dem theater wird wegfallen müssen, was man 'üppig' nennt Hebbel
br. 2, 30
W.; von Bacchus: der blick ü. und verlangend Herm. Grimm
Michelangelo 1, 156. den charakter des üppigen, sinnlich erregten O. Jahn
Mozart 4, 439; 1, 327; nichts freches, üppiges Prätorius
katzenveit k 8
b. ein üppig lastervolles leben büszt sich in mangel und erniedrigung allein Schiller 12, 402
G.; üppiggraziös H. Heine 3, 446
E.; hofüppig Fr. A. v. Brandis
ehrenkränzel 73. Adelung
bezeichnet dieses ü.
als glimpflichen ausdruck für unzüchtig
und will den gebrauch auf gewisse gegenden beschränken. heute sind unkeusch
und unzüchtig
weit bestimmter und schärfer als das mehrdeutige ü.,
das oft nur an die bed. c
anklingt; z. b.: ihre von dem rest des üppigen feuers ihrer jugend noch erhitzte einbildung zu befriedigen Wieland
Agathon 2, 33; dem üppigen geflüster der flöten Klinger 3, 28; Raphael malte die Galatea ..., Correggio seine üppige Leda Vischer
ästhetik 3, 3, 673; dort der nymphe nackt erbangen, liebgewältigend umfangen mit des haines üppgem gotte O. Ludwig 1, 17. 4@dd)
luxuriös (
vgl. Adelung
s bemerkung zu üppigkeit, Schulz-Basler 2, 47),
verschwenderisch, putzsüchtig, anspruchsvoll, schlemmerisch, schwelgerisch, faul, weichlich, [] behaglich u. dgl.; '
dem feineren grade des sinnlichen vergnügens zum nachtheil des vernünftigen ergeben' Adelung;
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778
ff.) 2, 450
setzt zur erläuterung zu ü.
noch in klammer luxuriose
hinzu. für luxuriös, sybaritisch Campe: die frowen, die disz och pflegen, fügen mir in min raisz eben, ich mains die uppigen wib, die da zierend iren lib
teufels netz 13503
B.; indem man an diesen üppigen närrinen nichts anders ersehen kan, als dasz ihre gedanken nur dahin ihr absehen haben, wie sie schön können machen, aufschmucken, aufputzen Stranitzky
ollapatrida 173
Wiener ndr.; eine üppige person, '
welche ihren hang zur feineren sinnlichkeit selbst in der kleidung äuszert' Adelung; die üppgen Genter, die in sammt und seide stolzieren Schiller 13, 181
G.; 12, 402
G.; üppige völker Wieland I 3, 5
ak. ausg., götter maler Müller 2, 230, Fäaken J. H. Vosz
antisymbolik 2, 236; da will ein üppiges wesen ein halstüchel Nestroy 1, 170; wiederum in neuem tone sang er (
Hadlaub) das wohlleben des herbstes, als ob er der üppigste fresser wäre G. Keller 6, 93. Jerusalem war so ü. wie Rom Zimmermann
einsamkeit 1, 299; unredlich, listig und ü. wie die Welschen war der dechant G. Freytag 19, 5; der kriegrische klang der trompete weckte den üppigen auf Wieland I 3, 131
ak. ausg. von thieren: die üppigen pferde des reichen (
vgl. 3) Klinger 4, 59. alsbald der bub sein uppiges wesen anfahet, köstliche kleyder und ring kaufen thet Wickram
Galmy (1539) 228; prechtige und uppige kleidung
theatrum diab. (1569) 468
b; Petri M m 5
b; uppige kleider sind der engel abscheu, der unzucht nester und der männer verderben Lehmann
florileg. 1, 458; ein üppiges leben führen Wiederhold (1669) 402
b; reisen Triller
poet. betrachtungen 3, 371, ruhe Wieland I 3, 121
ak. ausg., feiertage 6, 70
Gr., bäder
Agathon 2, 49, genusz Hagedorn 1, 34, pracht Herder 15, 596
S., poesie 12, 108
S., wohlleben 19, 227
S., müsziggang, kunst 13, 282
S., thräne 3, 31
S., vergnügungen Knigge
roman m. lebens 3, 196, schmaus J. H. Vosz
Odyssee 2, 57, zeitalter Fr. Schlegel 4, 44, zunge J. G. Forster
ausgew. kl. schr. 70, eine übertrieben üppige lebensweise Raumer
Hohenstaufen 6, 231, nahrung Hebel 2, 17
B., tage Seidel
Leberecht Hühnchen 29; geschmeidigere und üppigere sitten Heilmann
pelop. krieg 7; üppigster luxus, reichthum J. G. Forster 4, 114; J. J. Engel 2, 341. viel üppiges und weichliches Solger
ästhetik 423; O. Jahn
Mozart 2, 236.
in mischung mit bed. 3: ein reiches horn von abenteuern gieszt mit üppgem gusz vor deine füsze seinen überflusz Freiligrath 1, 23.
prädicativ: fein genug ist unser geschmack schon itzt, delicat genug — bald hätte ich ü., weichlich, verzärtelt gesagt Gerstenberg
recens. 44
lit. dkm.; J. G. Forster 1, 133; der morgen musz streng und geschäftig, der abend üppig sein Novalis 3, 68
M. erstlich musz so viel man trinken, dasz man dick und üppig (
behaglich faul) wird Cl. Brentano 2, 456; ihr anzug war reich, aber ohne geschmack, die toilette ü. und frei Laube 8, 61.
adv.: ü. leben Murner
narrenbeschwörung 118
ndr.; vgl. üppiges muts
griech. dramen 1, 187
Dähnhardt; ü. und wollüstig ihre sachen anzustellen Chr. Weise
erznarren 159
ndr.; ü. austheilen Hoffmanswaldau-Neukirch 2, 140; seine zeit im kruge ü. und müszig zubringen Möser 2, 149; langsam ging er den langen leeren raum auf und ab, vorüber bei den käfigen der thiere, welche ü. und faul dahingestreckt lagen Holtei
erz. schr. 10, 212; natürlich so ü. geht es bei mir nicht her, so fett fiedelt Lux nich (
umgangsspr.) Seidel
Leb. Hühnchen 39. üppigblendend, -behaglich,
[] -langsam, -lauter, -reich Fouqué
alts. bildersaal 2, 636; Hamerling 5, 59; E.
M. Arndt 3, 229
R.-M.; Lenau 108
B.; M. Hartmann 2, 28. der üppig-dürftige grosze Herder 24, 69
S. vgl. üppigerweise Bode
Tristram Schandi 1, 65. 4@ee)
verführerisch, verlockend, frei, ungebunden. die bedd. 3
und 4 c
stehen mehr oder weniger deutlich im hintergrunde: worte, die man an den üppigsten orten nicht dulden würde, belohnen wir ihnen mit einem lächelnden kusse
vernünftige tadlerinnen 2, 52; gleich verdächtigen brüdern ... stehlen sich die üppigen phantome an meiner seele vorbei Schiller 3, 80
G.; Shakespeare 9, 8; oder dasz ihr leichtsinniges, üppiges temperament sie keiner mütterlichen gefühle fähig machte Pfeffel
pros. vers. 2, 4; Otto ... pflückte von den herrlichen blüthen und früchten nach üppiger wahl Fouqué
zauberring 2, 129; üppige stimmen müssen sie umsingen Immermann 19, 131
B.; meine phantasie mahlt mir die üppigsten bilder Bäuerle
kom. theater 5, 7; Hoffmann v. Fallersleben
ges. schr. 3, 32; den gigantisch-üppigen malereien Fehlings Justi
Winckelmann 1, 253; sie ... streben aber mehr nach geist und feinheit als nach üppigen bildern Scherer
lit.-gesch. 368; dasz einige wirthe ... aus ungesundem neuerungstrieb üppige mädchen, halbverschleierte nymphen und badende göttinnen an die wände heften, werden wir nie bevorworten Steub
drei sommer in Tirol 1, 154; auch das mägdlein lacht so üppig J. H. Vosz
ged. 5, 245; darf die freude ... üppig laden zu spiel und tanz? Stägemann
kriegsgesänge 67; üppig lockende lieder zogen ... durch die sommerlaue luft Eichendorf 2, 45; ihr malt zu üppig mir dies bild — hört auf! Wildenbruch
Karolinger 71
18.