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tüncher

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

tüncher m.

Bd. 22, Sp. 1783
tüncher, m. , im frühen nhd. auch: düncher H. Sachs fab. u. schwänke 5, 69 ndr.; Dasypodius dict. (1547) 2, C 3a; Duez dict. (1664) 2, 107; entrundet: dincher Dasypodius dict. (1536) 44b; qu. v. 1622 bei Fischer schwäb. 2, 464; mit offener qualität des stammvokals: döncher Nigrinus widerlegung ... der 1. centurie ... Johan Nasen (1570) E e 2b; toncher (15. jh.) s. u.A 1; als orthogr. varianten finden sich: düncker Frisius dict. (1556) 347b (bei Maaler: düncher s. u.A 2); thncher Decimator thes. (1608) index; vereinzelt mit pleonastisch antretendem suffix (s. Henzen dt. wortbildung [1947] 162): tuncherer Tucher (s. u. A 1) und mit erweitertem suffix (s. Henzen a. a. o. 161): tünchner Jung-Stilling (s. u. B 1); Thümmel s. w. 6 (1854) 146; mnd. dönneker, donneker Schiller-Lübben 2, 542. — nomen agentis zu tünchen (s. dort), das seit dem 15. jh. nachweisbar undsich gegenüber sinnverwandten wörtern wie gipser (s. teil 4, 1, 4, 7541), glätter (s. ebda 7751), kleiber (s. teil 5, 1068), weiszer (s. teil 14, 1, 1208), weiszbinder (s. ebda 1201) und weiszfärber (s. ebda 1209) im sprachgebrauch durchsetzendein gängiges wort der nhd. schriftsprache (nicht der mundarten) geworden ist. AA. als handwerksbezeichnung des baugewerbes. A@11) 'verputzer, die wände verputzender maurer' (zu tünchen A 1): dy buwinde kunst had undir er sechz houpt hantwerg. daz erste ist kalgwerg und ist eyn houpt hantwerg und had vel ander hantwerg undir em alz steynmetzcen, murer, toncher, kalgkborner, zcigeler, topphir, steynbrechir ... und der glichin hs. d. 15. jhs. in: anz. f. kde. d. dt. vorzeit 3, 273; ein steinmetz, tuncherer, pflasterer, decker oder zimmergesell Tucher baumeisterb. d. st. Nürnb. 67, 17 Lexer; wann dir der Kötzler das hausz raumbtt und du eins tünchers bedarfst, so brauch des vetter Paulus Scheürl seinen, den maister Jörgen (3. 9. 1586) Paumgartner briefw. 79 lit. ver.; deren lOecher eins so die tncher in werendem bawen in die maurn machen vmb jre gerst damit auffzurichten theatr. amoris (1626) 262; crustarius ein tuoncher oder klicker (zu nd. klicken mit lehm mauern oder bewerfen) Corvinus fons lat. (1646) 236; wurden solche wänd ... durch den tüncher verworfen qu. v. 1666 bei Fischer schwäb. 2, 464; tncher, m., intonicatore, incrostatore Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1162b; du schelm, dein vater war ein mauerntüncher Shakespeare (1797) 8, 132; übrigens wolle er auch den herrn förster bitten, dasz er als guter nachbar mitunter den maurern, tünchern, zimmerleuten und schlossern ein wenig zuschaue Riehl gesch. aus alter zeit (1863) 2, 74. A@22) '(die wände mit einem weiszen, glatten kalküberzug versehender) weiszer, weiszfärber' (zu tünchen A 2; vgl. weisztüncher teil 14, 1, 1227); dies wird die geläufige anwendung im nhd.: crustarius ein glesster, gletter, dincher Dasypodius (1536) 44b; düncher, weyszger, der die mauren gypset oder weyszget tector, crustarius Maaler teutsch spraach (1561) 93a; tector ein tncher, der die hAeuser weisset Corvinus fons lat. (1646) 871; der tüncher ... im gemeinen leben weisser Adelung 4 (1780) 1103; der maurer arbeitete, die gesprungenen wände (an Wilhelms elternhause) auszuzwicken, und der tüncher, ihnen glätte und ansehen zu geben Göthe I 51, 176 W. (s. auch ebda 25, 221); während die tüncher inwendig über hals und kopf weiszten Hegel w. (1887) 19, 1, 280; im obern (stock) fuhr der grosze pinsel des tünchers unermüdlich über die wände, und weiszliche gestalten mit groszen schürzen trugen die kalkgefäsze trepp auf trepp ab Freytag ges. w. (1886) 5, 46; tünchen ... eine wand mit ... tünchkalk anstreichen ... geschieht durch den tüncher Mothes ill. baulex. (1881) 4, 379; tüncher ... pargeter, house-painter ... blanchisseur Hoyer-Kreuter technol. wb. (1902) 1, 782. A@33) 'anstreicher, maler' (zu tünchen A 3 a): diesem hatte der tncher sein hausz von aussen mit allerhand gauckeley vnd narren bemahlet Zinkgref apophthegmata (1639) 288; wir (die maurer) müssen es sogar noch gut heiszen, wenn der tüncher die spur unserer hände völlig auslöscht und sich unser werk zueignet, indem er es überzieht, glättet und färbt Göthe I 20, 98 W.; auch der schmuck der bauernhäuser innen und auszen mit allerlei bunten schnörkeln des tünchers (den man hier, und zwar oft mit vollem recht, einen 'maler' nennt) pflanzt sich aus den Alpen über die südbayerischen hochflächen fort, gegen das Donauthal hin mehr und mehr verblassend W. H. Riehl land u. leute (21855) 208; wie ihr mir die zimmerwand, meister tüncher, sollet malen? grün die felder, jeder rand gelb, dazwischen blaue strahlen. dasz im winter auch dasselbe wie im sommer mich erquickt: wiesengrün und aehrengelbe mit cyanenblau gestickt Rückert ges. poet. w. (1882) 2, 595; wir wollen dem tüncher die farbe selbst mischen Freytag ges. w. 5 (1887) 45; vielfach in abschätzigem sinneim bewuszten gegensatz zu 'kunstmaler' — gebraucht (s. auch unter tünchen A 2): er ist nur ein tncher, klatt- ò klatschmaler egli non è ch'un' imbiancatore, cioè schimbiccheratore, imbroglione, v. schmierer Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1162b; am längsten schlug sich meine bittere laune mit dem tüncher herum, der sich erfrecht hatte, den namen jenes glorreichen malers auf seinen schmierlappen zu prägen Thümmel reise i. d. mittägl. prov. 10 (1805) 56; tüncher und subordinirte künstler, welche fähig waren arabesken hinzuzeichnen, fanden sich eher Göthe I 47, 238 W.; an der wand der kirche hingen ... bilder, die von einem tüncher verfertigt schienen ... jedes derselben war geistlos Gutzkow zauberer v. Rom (1858) 5, 206. BB. metaphorisch. B@11) in anschlusz an biblische wendungen (s. auch unter tünchen B 2) erlangt tüncher die bedeutung 'scheinheiliger': sprich zu den tnchern, die mit losem kalck tnchen Hesekiel 13, 11 (vgl. die mnd. fassung bei Schiller-Lübben 1, 542); sie (die heuchlerischen, scheinheiligen priester) bertnchen seine (des landes) snden, die tncher einer losen wand! Cramer s. ged. 3 (1783) 282; o wie matt und wie ekel werden einem ... die sophystereien [!] der philosophen ... o ihr tnchner mit osem kalk! — wie sehr schimmert der alte greuel durch Jung-Stilling s. schr. (1835) 1, 346. B@22) wie kleisterer (s. teil 5, 1135) und schmierer (s. teil 9, 1087 [3]) findet sich tüncher dann auch allgemein im sinne von 'betrüger, heuchler, schmeichler, schönschwätzer': die rohe, gottlose welt, Epicurer, schwermer vnnd corruptelisten, schmirer, tncher und maulchristen, lest er (der teufel) als seine trewe hoffdiener, wol zu frieden M. Christoph. Irenaeus Adam u. Eva (1570) N 2b; o wie solte er (Luther) synergisten, maioristen, adiaphoristen unnd theologische juristen haben lehrnen heucheln, schmeicheln den grossen potentaten und also hofieren, dasz die wahrheit darber not und fahr litte. item, die klgesten tncher, schmierer, kleisterer, weicher und vergleicher, ja reformatores der religion J. Westphal hoffarts teuffel in: theatr. diabolorum (1587) 2, 17b; nach dem sprichwort: ... ein maulaff und ein lapp, ein tncher und ein weisser, ein trieger und bescheisser ... ein ochs und ein rind sind all gschwister-kind Moscherosch gesichte (1650) 1, 465; hie ist nun nicht zu lAeugnen, dasz ... solche falsche krAemer und falsche tncher unter den priestern vorhanden sein, die so schmeicheln J. W. Petersen hochzeit d. lammes (Offenbach a. M., o. j.) 253; wo wollen denn die falschen lober und tncher bleiben, so denen jenigen die seligkeit so frei zusprechen, die denen thOerichten jungfrauen ... lange nicht beikommen, noch das wasser reichen? ebda 35. B@33) für einen vergleicher, der über alle gegensätze hinwegtäuschend zum frieden rät: Luthers schrifften sind wider solche rotten, secten vnd dergleichen halbhOeszler, vergleicher vnd tncher vorhanden Cyr. Spangenberg böse sieben (1562) Hh 4b; sie (die welt) wil nicht gerne, das man jhr das gewissen sol rren, wil gerne tncher, pacemsprediger, gerstenprediger haben S. Artomedes 56 pred. (1604) 197; die vergleicher seind wie tncher, fAerber vnd kleysterer Lehman flor. polit. (1662) 2, 805.
8146 Zeichen · 197 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    tüncherstm.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer)

    tüncher stm. md. toncher, tüncher Anz. 3,273 ;

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Tüncher

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Der Tüncher , des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher tüncht, ingleichen, der ein Geschäft daraus macht, die Wänd…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Tüncher

    Goethe-Wörterbuch

    Tüncher [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    Tüncherm.

    Pfälzisches Wb.

    Tüncher m. : ' Handwerker, der die Wände anstreicht ', Dinjeʳ (dinjəʳ , -Äʳ) [verbr.]. Dünjeʳ [ KL-Erlb ], Tinjeʳ [ KU-K…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit tuencher

18 Bildungen · 18 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von tuencher

tuench + -er

tuencher leitet sich vom Lemma tuench ab mit Suffix -er.

Zerlegung von tuencher 2 Komponenten

tuen+cher

tuencher setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

tuencher‑ als Erstglied (18 von 18)

Tüncheranzug

PfWB

tuencher·anzug

Tüncher-anzug m. : 'Arbeitsanzug des Tünchers', Dinjeʳaaⁿzuch [ LU-Alsh ]; vgl. Tüncherkittel . —

tüncherarbeit

DWB

tuencher·arbeit

tüncherarbeit , f. 1 1) tätigkeit des tünchers (A): tüncherarbeit trullisation, plaistering or pargetting Ludwig teutsch-engl. (1716) 2040 ;…

tüncherde

DWB

tuench·erde

tüncherde , f. , vereinzelt lexikalisch gebucht ( vgl. 2 tünchen düngen ): dnch-erde de la marne ou du mail, terre grasse pour fumer et eng…

tüncherei

DWB

tuenche·rei

tüncherei , f. , abstractbildung zu tüncher bzw. 1 tünchen ( s. dort ), die im älteren nhd. vereinzelt neben tünchung auftritt. A A. als tec…

Tünchereimer

PfWB

tuenche·reimer

Tüncher-eimer m. : 'Eimer zum Anrühren der Streichfarbe', -äämeʳ , s. Eimer [ KU-Bedb ]. —

tüncherfarbe

DWB

tuencher·farbe

tüncherfarbe , f. , wie tünchfarbe ( s. dort ): das seelestrahlende auge wird matt oder quillt auch gläsern und stier aus seiner höhlung her…

tünchergerüst

DWB

tuencher·geruest

-gerüst , n. , im älteren nhd. vereinzelt lexikalisch gebucht: tncher-gerst palco d'intonicatore ò imbiancatore Kramer teutsch-ital. 2 (17…

tünchergeselle

DWB

tuencher·geselle

-geselle , m. , früh bezeugte handwerksbezeichnung: zu vorausz ... soll ein tünchermeister der stat paumeister vorsehen mit einem redlichen …

tüncherhandwerk

DWB

tuencher·handwerk

-handwerk , n. : neue artikel und ordnung für die gesellen des hiesigen tüncher-, quadratur- und weiszbenderhandwerks, den 19. merz 1805, be…

tüncherkelle

DWB

tuencher·kelle

tüncherkelle , f. , vereinzelt lexikalisch gebucht ( s. tünchkelle): tuncherkelle instrument zum tünchen Güntzel haubtschlüss. (1648) 792 . …

Tüncherkittel

PfWB

tuencher·kittel

Tüncher-kittel m. : 'Arbeitskittel des Tünchers', -kiddl, s. Kittel [ KU-Kaulb ]; vgl. Tüncheranzug , -kutte , -schurz . Südhess. I 1829 . —

Tüncherkutte

PfWB

tuencher·kutte

Tüncher-kutte f. : 'weiße Arbeitskutte des Tünchers', -kutt [ NW-Geinsh ]; vgl. Tüncherkittel .

tünchermeister

DWB

tuencher·meister

-meister , m. , wie tünchergeselle ( s. dort ) früh nachweisbar: nach dem allen soll der stat paumeister einen redlichen tuncher meister bes…

tüncherpinsel

DWB

tuencher·pinsel

-pinsel , m. , wie tünchpinsel ( s. dort ): tüncher-pensel, weispensel pennellone da imbiancatore ò da imbiancare Kramer teutsch-ital. 2 (17…

Tüncher(s)schurz

PfWB

tuencher·s·schurz

Tüncher(s)-schurz m. : 'Arbeitsschürze des Tünchers', Dinjeʳschoʳz [ LU-Alsh ]; vgl. Tüncherkittel . Südhess. I 1829 .

tüncherwerk

DWB

tuencher·werk

-werk , n. , wie tünchwerk ( s. dort ): tncher-werck ... opera ... d'ingessatore Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1162 b .