trostlos,
adj. verbreitung und form. trostlos
auch in den meisten anderen germ. dialekten, die das erste glied kennen; mit älterer bedeutung: an. traustlauss '
schutzlos'
und engl. trustless '
ohne vertrauen, unzuverlässig'
; in dem trost III
entsprechenden sinn: schwed. tröstlös;
dän. trøst(es)løs;
westfries. treastleas Dijkstra 3, 310
b;
nfries. trârstlûs Jensen
Wiedingh. 638;
mnl., nl. troosteloos.
der fugenvokal in ahd. drostolos Otfried IV 32, 9
E. und mhd. trôstelôs
ist bei dem langsilbigen a-
stamm aus uneigentlicher komposition zu erklären, s. Gröger
ahd. und as. kompositionsfuge 38.
im mhd. sind trôstlôs
und trôstelôs
mit leichtem überwiegen der kürzeren form nebeneinander belegt; rhythmische gesichtspunkte sind für ihre verwendung in betracht zu ziehen. die lenis d
begegnet im anlaut auszer bei Otfried
gelegentlich bei Hans Sachs 18, 101, 10
K.-G.; vgl. trost sp. 903.
zur schreibung tröstlos (1431)
bei Eb. Windeck
denkwürdigkeiten 313
Altmann und Luther 10, 2, 403, 6
W. vgl. ebda sp. 902.
bedeutung und gebrauch. trostlos
ist im ahd. nur vereinzelt, bei Otfried
a. a. o., belegt und
auch im
mhd. verhältnismäszig selten. der grund liegt darin, dasz trostlos
in der bedeutung '
ohne trost' (I A)
in älterer zeit häufigeres âne trost
im wortfelde neben sich hatte, vgl. sp. 936
f. in diesem sinne ist trostlos
in älterer bedeutung (I A 1)
bis ins 17.
jh. hinein gebräuchlich, in jüngerer (I A 3)
bis zum beginn des 19.
jhs. als positive bezeichnung einer gemütslage im sinne von '
betrübt, verzweifelt, traurig, elend'
u. ä. (I B)
läszt sich das wort mit sicherheit seit dem ausgehenden 15.
jh. nachweisen, mag aber bereits in gleicher bedeutung schon im mhd. vorliegen, s. sp. 1028.
heute ist diese bedeutung in personalem gebrauch die allein übliche. als eigenschaftswort bei einem sachlichen träger des begriffs begegnet trostlos
zuerst im 17.
jh. im sinne von '
unbefriedigend, unerfreulich, öde, leer, traurig, elend'
u. ä. (II).
von untröstlich
unterscheidet sich trostlos
in der bedeutung I A '
ohne trost'
deutlich dadurch, dasz es den umstand bezeichnet, dasz es jemandem an trost gebricht, während untröstlich
den zustand oder die gemütslage angibt, in denen jeder trost unzureichend ist. im sinne von trostlos I B,
in dem das wort wie untröstlich
eine gemütslage bezeichnet, können sich die bedeutungen unter umständen decken, s. unter I B 1 a. II.
träger des adjektivs ist eine person oder eine persönliche vorstellung, empfindung u. dergl. I@AA. '
ohne trost'.
da aus dem bedeutungszusammenhang gewöhnlich hervorgeht, worin der mangelnde trost besteht, erübrigt sich in der regel die angabe seines inhalts; nur vereinzelt findet sie sich in früherer zeit ausgedrückt: aller hilffe trostlosz Burkhard Waldis
Esopus 1, 187
Kurz; trostlos des worts gottes Zwingli
s. u. ungewöhnlich erscheint auch die angabe eines beziehungsverhältnisses wie: (
er ist) ihm selb ... trostlos Wickram
s. u.; (
ich lebe) trostlos für mich und für sie Göthe
s. u.; Justi
Winckelmann (1866) 1, 18.
bei trostlos bleiben
oder gelassen werden
begegnet bis zum 16.
jh. mehrfach die bezeichnung der person, von der jemand ohne trost bleibt: von gott (
und) der welt trostlosz bleiben
N. Höniger
s. u.; vgl. auch mhd. minnereden I 1, 228; Luther 18, 524, 9
W.; troosteloos van gode gelaten (1439) Verwijs-Verdam 8, 722.
von verbalen verbindungen ist häufig einen trostlos lassen
lasciar' uno ... privo di consolatione Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 1151
a.
im 16.
jh. begegnet wiederholt trostlos stehen: Keisersberg
granatapfel (1510) f 6
a; v.
d. Planitz
und Paracelsus
s. u. I@A@11)
ältere bedeutungen, vgl. trost I
sp. 903
ff. I@A@1@aa)
zu trost I 1, 2 '
ohne zuversicht, mutlos, ohne hoffnung',
nach Schöpper
syn. (1550) b 5
a gleichbedeutend mit verzagt, hoffenlosz;
insperabilis Stieler 1179;
vgl. troosteloos
inops animi Kilian (1605) 568
a: (
der zustand eines schwermütigen geistlichen war so weit gekommen, dasz er) trurige sas in der zelle und sin hende in die schoz leit ...; und do er also sas trostlos, do waz im, als zuo im ... gesprochen würde: ... vergang dich in min liden (
die passion Christi), so überwindest du din liden Seuse
dtsche schr. 256, 32
Bihlm.; (
der anführer einer heerschar) Neidhart fügt sich zu her Wilwolten ... bat hülf und rais. (
trotz gewichtiger bedenken) gien im (
Wilwolt) zu herzen, disen ritterlichen helt und die seinen trostlos von ime zu scheiden, (
und) mant sie sprechend: ... wo euch ... das glück widerwertig, wil ich euch ... schützen und beschirmen Ludwig v. Eyb
Wilwolt v. Schaumburg 164
Keller; wer zägklich nit erscheynt, lebt unverächtlich mit dem feyndt ... wann gut gemach und ware eer inn ainem dach wont nymmermer. durch dises sprüchwort würt geweiszt, das du nit träg und trostlosz seist Joh. v. Schwarzenberg
d. teutsch Cicero (1535) 153
b; ach so bricht uns das fatum disz gewisse hoffnung ... und müssen also trostlosz stehn Paracelsus
opera (1616) 1, 515
H.; denn wie sol sie (
eine hebamme) unverzagt handlen und ander leut trösten, als deren alle ding kundbar und offenbar sein solte, die selbs verzagt und trostlosz ist und das nicht kan, das ir das bringen möchte Ruoff
hebammenbuch (1580) 28;
vereinzelt noch im 17.
jh.: die vorhin trostlose Thusnelde aber redete ihr nunmehr selbst ein hertz ein Lohenstein
Arminius 2 (1690) 1115
a;
über den übergang zu B
s. sp. 1028. I@A@1@bb)
zu trost I 3 '
ohne hilfe, stütze'
u. ä.: thuruh thio sino guatitho in therera noti (
am kreuz) bifalah ther sun guaterthemo (
sc. Johannes) sina muater; thaz er sia zi imo nami,si drostolos ni wari Otfried IV 32, 9
E.; (
v. d. Planitz weist den kurfürsten Friedrich v. Sachsen auf die notwendigkeit hin, sich mittelspersonen zwischen sich und dem kaiser oder anderen fürsten) anhengig zu machen, ob es je die nott erfordern wolt ..., das e. cfl. g. auch wuste, bei wem sie ... hulf und trost suchen wolde, domit man auch nicht blosz und trostlosz stünde (1523) H. v.
d. Planitz
berichte 503
Wülcker-Virck; nun ist unser gewonhait ..., das wir nie kainen notdurfftigen, welcher uns umb hilff haimgesuocht, haben trostlosz ... lassen abschaiden Schaidenreiszer
Odyssea (1537) 30
a; (
bei der pest) sol man einen armen krancken verlassen Christen, sonderlich der unser hülff begert und sunst keine hülffe hat, nicht also trostlos liegen lassen Cyr. Spangenberg
hist. d. pestilentz (1552) l 2
a; die königin ... beschwor uns, ... dasz wir in dieser eusersten noth sie nicht trostlosz lassen, sondern ... retten möchten Lohenstein
Arminius 1 (1689) 238
a; welcher seinen armen nächsten trostlos (
gemeint '
ohne hilfe, ohne almosen') von sich lässet Butschky
Pathmos (1677) 671.
der verbindung trost und hilfe (
s. oben sp. 910)
entspricht trost- und hülflos: dessen allen ungeachtet ward dieser so hülff- und trostlose ort (
ein belagertes schlosz) doch endlich mit sturm erobert Valvasor
ehre d. hzgt. Crain (1609) 4, 18
b; mancher kam noch in gröszer noth, wurd ohne gnad geschlagen todt. auch die im schlosz trost- und hülflos wurden leicht überwunden
bei Opel-Cohn
dreiszigj. krieg 169; was meinet ihr, dasz sie euch (
die kinder den vätern) für groszen danck sagen werden, wann sie ... vernehmen, wie sie von euch trost- und hülfflosz verlassen ... worden
grillenvertreiber (1670) 13; Lohenstein
Arminius 2 (1690) 911
b;
vgl. auch unter 2 b.
in speziellerer verwendung, zu trost I 3 e
sp. 911 '
schutzlos': diu aventiure ime des giht, daz er von dem degen junc nam manegen snellen sprunc, dâ von er mangen slac verlôs, den er vil gar trôstlôs von Gawein herwider zôch, dem er mit listen entvlôch und in ûf daz swert gevie Heinrich v.
d. Türlin
krone 21485
Scholl; zu trost I 3 f
α ('
kinder als trost der eltern',
sp. 912): ... ûz dem tempel wart der werde Joachim getriben, wan Anna von im was beliben trôstelôs und frühte bar
Reinfrid v. Braunschweig 13003
Bartsch; zu trost I 3 f
θ ('
nutzen, vorteil'
u. ä., sp. 914): item goben die ritter, knechte und lande den stetten vor, sint der czit sy unserm hern die czisze (
accise) nu hetten abegeslagen, so duhte en wol gerathen, uff das sie unsern hern also gar trostlosz nicht enlysen, das sie doch hulfen gedenken und mite betrachten eyne ander wyse, durch welche men doch unserm hern czu troste und sture qweme (1433)
akten d. ständetage Preuszens 1, 581
Töppen. I@A@22)
in religiöser verwendung, vgl. trost II
sp. 915
ff. und sp. 903. I@A@2@aa)
in besonderem gebrauch von dem mystischen zustand der gelâzenheit (
vgl. teil 4, 1, 2, 2869
und gelâzen
ebda 2865),
d. h. des völligen freiseins von aller äuszeren und inneren hilfe und des abgeschiedenseins von allen dingen, die nicht gott sind: dise kunst (
der 'gelâzenheit') die gieng für alle kunst, das sich der mensch von ussen und von innan hielte trostlos und verlossen und ellende von allem enthalt (
festen irdischen halt) und stnde in rechter gelicher gelossenheit als unser herre Jhesus Christus was verlossen Tauler
pred. 371, 23
Vetter; (
Maria Magdalena) hett süssikeit begriffen in hören der wortt Christi. sy stuonnd ganz trostlos und suocht kain freud noch wollust in zeitlichen dingen, sy macht sich ledig und abgeschaiden von iren freunden unnd reichtung. sy begeret allaine zuo haben die höchsten reichtung und schätz Keisersberg
granatapfel (1510) f 6
a; wenn eine seele trostlos ist von allen creaturen, auch von yhr selbs verlassen ... also das sie nicht denn blos lauter gottes gnaden wartet, das sind die seligen, die da weinen, denn sie sollen getröstet werden Luther 18, 524, 9
W. vom leiden und vom weg des leidens: (
Christus zur seele:) swenne ich dich lan in trostlosem lidenne, in hertikeit erdarben und ertorren ane alle süzikeit, als mich min himelscher vatter lie, so solt du enkein gesuoch vrömdes trostes haben Seuse
dtsche schr. 273, 31
Bihlm.; (
Seuse) wölti ... liden im (
gott) ze lobe trostloses ellende und willig armuet
ebda 35, 9; (
die durch die mystische neugeburt begnadeten menschen) werdent verre einen höhern weg gefrt, wan er ist guot und besser und aller best. ... si werdent ... gezogen in einen engen weg, der zemole vinster und trostlos ist, in dem stont si in einem unlidelichen trucke, das si nút us enmugen Tauler
pred. 168, 32
Vetter; vgl. mnl. in der troosteloser ghelatenheit
bei Verwijs-Verdam 8, 722. I@A@2@bb) '
ohne den trost oder die hilfe gottes und Christi': want si troosteloos van gode worden gelaten (1439)
bei Verwijs-Verdam 8, 722; fürwar du magst nicht zugleich gott und der welt dienen, dann so du in deinem fürnemmen also fortfahren, würstu nicht allein von gott sonder auch von der welt trostlosz bleiben
N. Höniger
narrenschiff (1574) 65; daher mit ihrer (
der heiden) lastern lasten beschweret, gantz schwach, schlecht und schlim, wird sie der herr mit grossem grim und gantz trostlosem zorn antasten (
in ira sua et in furore psalm 2, 5) Weckherlin
ged. 1, 302, 36
Fischer; wann wir uns offtmals kräncken mit so vergebner sorgenbürd, als ob er (
gott) uns nu gäntzlich würd aus lauterm zorn und hassen gantz hülf- und trostlosz lassen Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 369
b; diesz sehen täglich deine glieder, o Christe, und weinen hertzlich hin und wieder, dieweil du sie, o gnadenschein, so lange lässest trostlos sein Simon Dach
in: Königsb. dichterkreis 149
ndr.; ... dein erlöster kann nicht trostlos weinen, unerhört nicht flehn Giseke
poet. w. (1767) 15. I@A@2@cc)
ohne den trost des glaubens, des gebetes, der sakramente, des geistlichen zuspruchs u. ä. (
vgl.trost II 2
und 6): also ist es die jämmerlichest straf ..., trostlos syn des worts gottes Zwingli
dtsche schr. 1, 68; trostlos im gebet Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 1151
a; herr, lasz keinen trostlos sterben, ohne heilge sakramente Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 3, 226; die pastorn ihrer ampt ermahnen, dasz sie ... die krancken und trostlosen heimsuchen und sie trösten E. Sarcerius
hirtenbuch (1566) 289; des bapstes trost bracht schad, gewin, schad dem sünder, trostlos und kranck, gewin dem pabst in seinen schranck G. Stör
geistl. schimpff u. ernst (1602) b 4
b;
wiederholt wird der mangel christlichen trostes bei den heiden hervorgehoben: ... seiner freunde tod beweinen, stehet einem Christen zu, aber ungeduldig greinen pflegen die trostlosen heiden Neumark
fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 2, 46; Triller
poet. betracht. (1750) 1, 99. I@A@33) '
ohne trost, ohne seelischen zuspruch'
u. ä., vgl. trost III
sp. 922
ff. und 903:
solatio privatus Stieler 1179;
solatio destitutus Frisch
teutsch-lat. (1741) 2, 390
a; trostlose rede
etc. discorso etc. che non porge ò da consolazione veruna Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 1151
a. I@A@3@aa)
bei jeglichem leid, kummer oder unglück: (
Flore bekennt nach der wiedervereinigung mit Blanscheflur der geliebten:) mir enwart nie sorgen buoz, sît daz ich iuch verlôs: ich was sô gar trôstelôs daz ich iuwer nie vergaz Konrad Fleck
Flore und Blanscheflur 5984
Sommer; (
die mutter zu der auf einsamer insel aufwachsenden tochter:) lange qualen werden deine jugend verzehren, trostlos wirst du sterben, die thränen der liebe werden nicht bey deinem hülflosen sterben flieszen Sal. Geszner
schr. (1777) 1, 145; (
viele deutsche talente) gingen gekränkt, beistand- und trostlos unter Herder 17, 21
S.; (
Proserpina:) was vermögen wir götter über die ewigen qualen (
der unterwelt)! trostlos für mich und für sie wohn ich unter ihnen und schaue der armen Danaiden geschäftigkeit Göthe 17, 42, 16
W. vereinzelt jünger unter einflusz von trostlos I B,
im sinne von trost III 3 d: (
Faust) sehnt sich, nachdem er alle wissensqualen trostlos durchgemacht, auch alle empfindungsqualen durchzumachen Gervinus
gesch. d. dt. dicht. (1853) 5, 101. I@A@3@bb)
insonderheit beim schmerz über den tod eines nächsten: Robertus, der kauffmann (
kann) yederman in seiner widerwertigkeit trösten ..., ihm selb aber ist er in seinem eygenen trübsal gantz trostlos. es hatt sich in kurtzer zeit zutragen, das im neune seiner lieben kinder einander nach ausz diser welt verscheiden sind Wickram 2, 130
Bolte; glaubt ihr ..., dasz ihr mit allem diesem wesen den todten cörper ewers vatters wider werd lebendig machen? ... tröst euch derowegen, o trostlose jungfraw ... endt und beschlieszt einmal ewer weinen durch gewalt der vernunft
theatrum amoris (1626) 106; wenige wochen darnach starb das ... kind, worüber ich in trostloses trauren versanck Lohenstein
Arminius 1 (1689) 292
b; wer wird meine Nuschirwani trösten? sagte er selber trostlos (
beim tode seines schwiegersohns, Nuschirwanis gatten) Haller
Usong (1771) 300; (
die vergiftete miss Sara Sampson:) tröste deinen herrn, Waitwell. doch auch du stehst in einem trostlosen kummer vergraben, der du in mir weder geliebte noch tochter verlierest? Lessing 2, 350, 8
M. I@A@3@cc)
ohne den trost in der liebe, vgl. trost III 1 d: ie doch so belaib er von (
hs. vor) mir trostlos, wan hertekait het mich also besessen, das ich miner tugend hett vergessen
mhd. minnereden I 1, 228
Matthäi; ach könd ich dich erblicken, meins hertzens trösterin, so thest du mich erquicken, der ich gantz trostlosz bin und die halb nacht umbgloffn in der statt wegen dein, und thu von hertzen hoffn, du lest mich zu dir ein Ayrer
dramen 2693
lit. ver.; engl. comed. u. traged. (1624) B b 1
a; wie, einiger trost meiner sehlen, ihr mich so trostlosz möget quählen, waisz ich nicht Weckherlin 1, 166
Fischer. I@A@3@dd)
ohne den trost der gemeinschaft u. ä., vgl. trost III 1 e-g: (
von dem geraubten und dann ausgesetzten Tristan heiszt es) der trôstelôse ellende der vielt ûf sîne hende ze got vil inneclîche Gottfried v. Straszburg
Tristan 2486
Bechstein. ich musz mich nur haymlich verbergen und flüchtig umbgehn in den welden, inn den ainöden und baufelden, wie ein bilger trostlosz, ellend Hans Sachs 3, 167, 11
Keller; (
die verwitwete baronin) ward sampt einer kleinen tochter in ein kloster gebracht, in welchem sie als ein jung mensch von 21 jahren gleich als im elende trostlosz leben muszte. dann (
sie) nicht allein die gegenwart und gesellschaft ihrer söhne ... beraubet seyn muste, sondern durfte auch nicht einst ihr leben und zustand an die ihrigen ... öffentlich zu erkennen geben Olearius
persian. reisebeschr. (1696) 147. I@A@44)
häufig begegnet trostlos
in verbindung mit herz, seele, gemüt
bei wechselndem bedeutungsgehalt im sinne von A 1-3
wie B: (
Maria nach der kreuzabnahme:) owe min kint, wie bin ich nu so lieblos! wie ist min herz so gar trostlos worden! Seuse
dtsche schr. 276, 7
Bihlm.; 492, 22, ir kleiner glaube fehet an zu zappeln und wancken in ihrem trostlosen hertzen Mathesius
Sarepta (1571) 3
b; o wie ermannt aus seinem (
Christi) schmerz sich da alsbald ihr (
der jünger) trostlos herz J. A. Schlegel
verm. ged. (1787) 2, 34; eine trostlose seele, die nichts ynn sich findet, die ist gotte das liebste oppfer Luther 18, 525, 36
W., vgl. dazu I A 2 a; ... öde gefilde, die nur die schwermuth bewohnet! furchtbare felsen! — verbergt mich der welt! die trostlose seele sehnt sich nach stille. — die welt, mein herz und alles ist öde Cronegk
schr. (1766) 2, 43; hilff, erlösz unser trostlosz gmüt, erbarm dich unser durch dein güt (
psalm 44, 27) Hans Sachs 18, 186, 35
K.-G.; (
das weh,) so der menschen gemüter trostlos macht Abr. a
s. Clara
mercks Wien (1680) 9. I@BB. trostlos
kann mit einer leichten bedeutungsverschiebung aus der negativen bezeichnung des umstandes, dasz es jemandem an trost fehlt (A),
zur positiven bezeichnung des zustandes werden, in dem sich ein trostbedürftiger befindet, und soviel bedeuten wie: '
betrübt, bekümmert, verzweifelt, traurig, elend, unglücklich'.
der ansatzpunkt für diese entwicklung liegt wesentlich in der bedeutung A 1 a '
verzagt, hoffnungslos'.
die gewichtsverlagerung läszt sich mit sicherheit seit dem ausgang des 15.
jhs. nachweisen, wird aber bereits im mhd. einsetzen: dô der künic den wân verlôs (
seinen sohn Josaphat dem alten gar was er dô trôstlôs,
glauben zurückzugewinnen), sîn herze was vil unfrô Otto II. v. Freysing
Laubacher Barlaam 13077
Perdisch; im laufe der entwicklung tritt die sekundäre bedeutung immer stärker hervor, bis sie seit dem 19.
jh. als die allgemein übliche gilt. in der verwendung geht der anfangs häufige attributive gebrauch neben personen stark zurück. wo zur angabe des grundes, weshalb jemand trostlos
ist, eine präpositionale fügung verwandt wird, geschieht es wie bei ausdrücken der gemütsbewegung durch über
für den äuszeren anlasz (
s. S. Fr. Hahn
unten 1 a),
durch vor
für das innere gefühl: wirst du mich auch bald erhören, der ich vor liebe trostlos bin? maler Müller
w. (1811) 1, 331. I@B@11) trostlos
bezeichnet gemütslagen wie: I@B@1@aa)
afflictus Frisius
dict. (1556) 60
a;
afflito Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 1151
a;
soviel wie betrübt,
s. Kramer
a. a. o. und Strodtmann
Osnabrück (1756) 252;
vgl. auch den sinnverwandten gebrauch von trostlos
und betrübt
in der häufigen verbindung der beiden wörter: alle betrübte und tröstlosze leydende menschen Luther 10, 2, 403, 6
W.; da brachte der (
wegen vermählung seiner geliebten) trostlose und betrübete Camillus allein die nacht also ungeschlaffen zu und weynet und klaget hefftig
buch d. liebe (1587) 108
d; Ludovicus erwiese sich über diesen verlust dermaszen betrübt und trostlosz, dasz man ... besorgte, er würde cron und scepter ... niederlegen S. Fr. Hahn
vollst. einl. z. d. Teutschen ... hist. (1721) 1, 154; Stoppe
Parnasz (1735) 14.
unter umständen kann trostlos
auch untröstlich
nahe kommen: inconsolabilis Wiederhold (1669) 343
a; Stieler 1179; Steinbach (1734) 1, 1076; umsonst versucht er sieben tage lang alle mögliche mittel der beruhigung; Helva blieb trostlosz A. G. Meiszner
skizzen (1778) 1, 16. I@B@1@bb)
auch stärkere gemütserregungen werden durch trostlos
ausgedrückt, vgl. die aufführung bei J. Schöpper
synonyma (1550) b 5
a s. v. desperabundus neben verzweivelt;
lexikalisch vgl. disperato Hulsius (1618) 1, 251
a;
desperatus Wiederhold (1669) 343
a; Dentzler
clavis ling. lat. (1716) 291
b; Steinbach (1734) 1, 1076: er möcht sich diser trostlosen und verzweyfleten entschuldigung und zuflucht (
illo desperatissimo perfugio) wol gebrauchen Frisius
dict. (1556) 980
a; der jüngling ... aber, als ein verzweiffelter und trostloser mensch, stürtzt sich selbsten uber einen felsen ab in ein wasser und ertranck Xylander
Plutarch (1581) 6
a; Zwingli
dtsche schr. 1, 82; ist es nicht wahr, mein sohn, dasz dieses vorbild dich bestürtzt und trostlosz macht? C. Abel
Boileau (1729) 533; drauf kniet er nieder, und — mit einem streich — ... sah ich blut spritzen, sah den rumpf hinfallen, und hoch in henkers hand das theure haupt, entsetzt und trostlos risz ich mich von dannen Schiller 13, 357
G.; Wilhelm, der trostlos in einem sessel lag, warf einen blick voll verzweiflung auf Natalien (
angesichts des vergifteten knaben) Göthe 23, 297, 14
W. I@B@1@cc) trostlos
kann auch soviel wie '
elend, unglücklich'
bezeichnen, vgl. die übersetzung von lat. miser durch trostlos: (
der besiegte Turnus zu Äneas:) möcht aber ettlich sorg mins trostlosen alten geberers dich berüren, so bitt ich ..., das du dann barmhertzig syest (
miseri te siqua parentis tangere cura potest Virg. Aen. 12, 932) Riederer
rhetoric (1493) b 2
a; ob aber schon der unfal grosz mich arbeitselig und trostlosz gemachet hat (
miserum ... finxit) Spreng
Äneis (1610) 24
a;
vgl. auch die besonders im 16./17.
jh. häufige verwendung von trostlos
neben elend: der ellend trostlosz Andolosia, dem yetzund die bain und arm halb abgefaulet waren in dem stock
Fortunatus 148
ndr.; Jac. Ruef
d. neue Tellenspiel in: Schweizer schausp. d. 16.
jhs. 3, 135
Bächtold; je elender und trostloser dergleichen personen (
waisen) sich befinden v. Hohberg
georg. cur. (1682) 1, 47; Chr. Fr. Richter
ursprung u. adel d. seele (1739) 41; Adam stund elend und trostlos, bedeckt mit feigenblättern blosz E. Baumeister
zimmermannsspr. 62. I@B@22)
speziellere anwendung in verschiedenen bereichen des menschlichen lebens. I@B@2@aa)
bei allen durch leid, unglück, not u. a. erregten gemütslagen: ich kam eylendt hinzu geschlichen und fand sie (
die gestalt der Caritas) jämerlich erplichen betrübet, trostlosz und bekümmert Hans Sachs 3, 305, 7
Keller; (
die allegorische figur der tugend) war gantz trawrig und trostlosz, manch zäher von irn äuglein flosz (
bei dem tode einer ehrsamen frau) Caspar Scheit
frölich heimfart 96
Strauch; ihrs schäfers todt sie klaget, manch trostlosz wort sie saget, manch seufftzen sie da führt Zinkgref
auserl. ged. 15
ndr.; (
das weh,) so der menschen gemüther ... trostlos machet Abr. a
s. Clara
mercks Wien (1680) 9; wer ist er? weinend kommt er und umgeben von weinenden. sie scheinen trostlos alle. es ist Arsir, der jammervolle vater (
dessen tochter hingerichtet werden soll) Göthe 9, 408
W.; o tadle nicht die unglückselige (
die natürliche tochter) vom tiefsten schmerz begleitet irrt sie nun wer weisz in welche lande trostlos hin. sie ist entflohn 10, 311; lies diesen trostlosen schwarzgesiegelten brief, worin sie den schnellen tod des herzogs uns anzeigt A. v. Arnim 8, 150; der glückliche sieht auch das elend nicht mit so trübem, trostlosem auge an, denn er fühlt kraft in sich, zur linderung des menschlichen elends zu wirken H. v. Chézy
erzähl. u. nov. (1822) 1, 70; das leid, das uns unerträglich schien und trostlos machte
M. Meyr
erzähl. a. d. Ries (1868) 2, 154; nachdem sie den beiden trostlosen eltern durch ein benehmen, das an verrücktheit grenzt, ... fast das herz gebrochen hatte A. v. Droste-Hülshoff
an L. Schücking 139
Th. Schücking; (
Papageno) trostlos über den verlust seiner Papagena ... ist im begriff sich zu erhängen O. Jahn
Mozart (1856) 4, 608; herr Mercier (
kündigt) seiner tochter Laura an, dasz sie Georg entsagen und sich mit einem bankier vermählen müsse. Laura ist trostlos, aber sie fügt sich G. Freytag
ges. w. 16, 268; vor zwanzig jahren, als meine frau, die einzige, gestorben war, trieb ich mich schmerzlich und trostlos im lande herum Gottfried Keller
ges. w. 3, 177. I@B@2@bb)
wiederholt in verbindung mit dem ausdruck des gefühls der verlassenheit: mit ihrem jungen sohn zuhand ... war sie (
Andromache bei Hectors abschied) gegangen allbereit auff der statt thuren gar trostlosz, sie heuleten vor jamer grosz Spreng
Ilias (1610) 79
b; Tiren ist ungetreu, und Daphne hat sein herz, drey ganze tage lang hab ich ihn nicht gesehen ... drey tage hab ich nun fast trostlos zugebracht, mich stets von ihm getrennt und stets an ihn gedacht Dusch
verm. w. (1754) 515; Colette ... ist trostlos, dasz ihr liebhaber sie verlassen hat O. Jahn
Mozart (1856) 1, 115; am 23. september 1777 früh ... fuhr Wolfgang ... von Salzburg ab und liesz den vater trostlos zurück 2, 41; aber dann fühlte er sich, auf der thürschwelle stehend, ein unbeachteter fremdling, elend, trostlos, verlassen E. T. A. Hoffmann
s. w. 6, 181
Grisebach; arme Lene, jetzt ist dein schutzengel fort ... da kam ein gefühl über mich von trostloser verlassenheit
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. 4, 177. I@B@2@cc)
von gemütslagen, die durch schmerzliche erfahrungen, empfindungen, vorstellungen, erkenntnisse, gedanken u. ä. bedingt sind: (
Werner) wäre trostlos gewesen, wenn ihm auch die nächtlichen zusammenkünfte (
Wilhelms und Mariannes) bekannt geworden wären Göthe 21, 92, 9
W.; (
ich) bin trostlos, dasz ich nur den schein haben sollte, an der guten frau zu sündigen Iffland
theatr. w. (1827) 4, 84; diese innere bodenlosigkeit ... musz auf jeden aufmerksamen leser einen trostlosen eindruck machen Savigny
v. beruf unserer zeit f. gesetzgebung u. recht (1814) 56; (
der leser) äuszert sich trostlos darüber, dasz die dinge ... blosz erscheinungen seyn sollen Hegel
w. (1832) 5, 263; die trostlose vorstellung ..., die lebendige geistige kraft des volks sei ganz erschöpft Schleiermacher
s. w. II 4, 41. I@B@2@dd)
gern in zusammenhang mit anderen ausdrücken der inneren und äuszeren bewegung: und wo die unschuld trostlos weint, da weisz dein sichrer schild ihr mattes haupt zu decken Gottsched
ged. (1751) 1, 24; ich (
Werther) weine trostlos einer finstern zukunft entgegen Göthe I 19, 76, 26
W.; sie weinte immer trostloser Hans v. Kahlenberg
Eva Sehring (1901) 148; der schmerz der familie (
über den entschwundenen sohn) ist ohne grenzen, trostlos rauft sich der alte marchese die eisgrauen haare aus Schiller 4, 236
G.; (
sie kommt) leidenschaftlich bewegt und wirft sich der schwester trostlos an die brust Göthe 41, 1, 42, 4
W.; er wandte sich von der trostlos zusammengesunkenen gestalt Gaudy
s. w. (1844) 13, 147; die neigung des hauptes, das sich so trostlos und so erhaben zu dem sohne herabneigt Herman Grimm
Michelangelo (1890) 1, 160; 'hat sich denn gar nichts geändert ...?' frau Vockerat schüttelt trostlos den kopf: 'nichts' G. Hauptmann
einsame menschen (1891) 99; da der graf und der marquis abgegangen sind, bleibt sie in einer trostlosen stellung im hintergrunde stehen Göthe 17, 164
W.; bey dem anfange der anrede richtet der autor die augen mit einem matten, trostlosen blicke auf die augen seines gönners H. P. Sturz
schr. (1779) 2, 52; was soll mir das leben, antwortete sie mit verhaltener trostloser stimme Eichendorff
s. w. (1864) 2, 134. I@B@2@ee)
abgeblaszt oder ironisch: der minister Ladenberg jammert schon trostlos, dasz er nun pensionirt werden müsse Varnhagen
tageb. (1861) 7, 4; für den augenblick arbeitet Bajazzo (
bei einer zirkusvorstellung) auf der leiter, und er wird trostlos werden, wenn sie ihn nicht bewundern Holtei
erz. schr. 11, 14; ich wäre trostlos, wenn ich sie (
die toilette) nicht besitzen sollte Bauernfeld
ges. schr. 6, 100; (
er) erklärte, wie er mit seinen freunden einen kurzweiligen besuch in der fröhlichen nachbarstadt habe machen wollen, um den Johannistag nicht allzu trostlos zu verleben Gottfried Keller
ges. w. 5, 221. IIII.
in verbindung mit einem unpersönlichen substantiv bedeutet trostlos
so viel wie '
keinen trost enthaltend' (
wesentlich im sinne von trost III 3)
und kommt bedeutungen nahe wie '
unbefriedigend, unerfreulich, hoffnungslos, trübe, öde, leer, elend, traurig'. II@11)
vom leben und schicksal, von menschlichen lagen und zuständen: die eintzige erquickung meines trostlosen und trübseligen lebens Grimmelshausen 2, 595, 8
Keller; darum begaben sich diese (
mönche) in wildnisse ..., wo sie ein hartes, trauriges und trostloses leben führten Zimmermann
einsamk. (1784) 1, 162; (
die übel) überlassen den einmal auf fremde kraft sich zu lehnen gewohnten menschen nun einem weit trostloseren schicksal W. v. Humboldt
ges. schr. 1, 116
akad.; (
Gertrud) war die mutter der heiligen Elisabeth, der ebenfalls ein trostloses geschick harrte Ranke
s. w. 25, 77; (
Lenzens) zustand war indessen immer trostloser geworden G. Büchner
nachgel. schr. 229; sie hoffen in den trostlosesten lagen Schubart
leben u. gesinnungen 2, 294; Hans Grimm
volk ohne raum 1, 606; schwarz wie das grab graute mich eine trostlose zukunft an Schiller 3, 402
G.; W. Scherer
kl. schr. 1, 157; ihr war, ... als wandle sie nun in einer trostlosen wirklichkeit Storm
w. (1899) 2, 321; öde, trostlose tage folgten 1, 162; im trostlosen einerlei des werkeltages stumpften die seelen ab W. v. Polenz
Grabenhäger 1, 242; ihre jugendliche schönheit müszt in trostloser einsamkeit ... verblühen Sal. Geszner
schr. (1777) 1, 165. II@22)
von arbeiten, aufgaben und dergl.: eine trostlose arbeit für einen selbständigen geist, dieses restaurieren Gaudy
s. w. 2, 77; der geschichtsschreiber (
möchte) versucht sein, sich der trostlosen aufgabe zu entziehen, diesem kampf der übermacht mit der ohnmacht ... in seinen mannichfaltigen und doch eintönigen wendungen zu folgen Mommsen
röm. gesch. (1865) 2, 3; ich kann dir nicht beschreiben, wie abgeschmackt, wie trostlos, wie nichtig unsere studien mir vorkamen neben der überzeugung, dasz ich in wenig tagen eine leiche sein werde Holtei
erz. schr. 19, 87; das war trostlose arbeit, denn es war auch keine einzige düse grade
denkwürdigk. u. erinner. eines arbeiters (1903) 248
Göhre. II@33)
von lehren, von philosophiesystemen, von büchern: aus einem dürftigen egoismus haben sie ihre trostlose lehre gesponnen Schiller 4, 47
G.; Schopenhauer (
setzt) hinzu, da werde er wohl wieder vernehmen müssen, seine philosophie sei trostlos D. Fr. Strausz
schr. 6, 96; das kommt aber nur von dem trostlosen atheismus Gottfried Keller 2, 243; um den trostlosen grundsatz anzunehmen, dasz die natur ... blos für die dauer und erhaltung der gattungen oder geschlechter sorge Fr. Th. v. Schubert
verm. schr. (1823) 1, 6; (
ich las) in Gervinus fünftem bande. ... ein staunenswertes, aber auch ein trostloses buch Varnhagen
tagebücher 1, 361. II@44)
von verhältnissen des öffentlichen und politischen lebens, von geschichtlichen epochen: die trostlosen winkelpfuschereyen Thibaut
notwendigk. eines allgem. bürgerl. rechts (1814) 427; unstreitig ist durch die einführung des 'ewigen pfennigs' eine besserung der trostlosen zustände (
im münzwesen) eingetreten Luschin v. Ebengreuth
münzkunde 232; aus dem trostlosen partheigetriebe, das in Frankreich die tagesordnung ist Gutzkow
ges. w. 7, 230; die einkreisung der republiken begann, unterdessen die trostlosen und unlauteren verhandlungen sich weiter schleppten Hans Grimm
volk ohne raum 1, 457; in dieser sentenz ... fand mancher Römer in den trostlosesten zeiten seines sinkenden staates alles, was er bedurfte Justi
Winckelmann (1866) 1, 451; so trostlos als 1837 und 38 ist die welt jetzt nicht mehr Arnold Ruge
briefw. u. tagebuchbl. 2, 259; unsere ... entwickelung ist zugrunde gegangen an den trostlosen nachwehen des gröszesten geisteswerks (
der reformation) Mommsen
reden u. aufsätze (1905) 68. II@55)
von naturerscheinungen, von der landschaft, von landschaftlicher lage: und so starrte ich ... in die düstere, trostlose wolkennacht Heinrich Seidel
erz. schr. 1, 323; (
der) himmel, der sich so trostlos bleiern über dem häusermeer der residenzstadt spannte Spielhagen
s. w. 1, 15; die witterung wurde gegen weihnachten immer trostloser Ernst Jünger
in stahlgewittern (1920) 29; wo er (
Philoktet) hoffnung hat, nun bald die trostlose einöde zu verlassen und wieder in sein reich zu gelangen Lessing 9, 28
M.; eine unerquickliche, trostlose gegend, kaum von dem gezwitscher eines vogels belebt Holtei
erz. schr. 2, 88; von den trostlosen ebenen der Lüneburger haide H. v. Barth
nördl. Kalkalpen 283; die lage von Stuttgart ist ebenso schön, wie die von München trostlos ist Moltke
ges. schr. u. denkw. 5, 6. II@66)
wie teilweise unter 5
auch anderweitig rein stimmungsbildlich: ... ein klaggesang kam langgezogen, trostlos durch die nacht. dann ein geklirr und hufgetrappel sacht und langsam, — bis auch das im sturm verklang Agnes Miegel
balladen u. lieder (1922) 28. II@77)
von gebäuden, räumen und dingen: (
er sah) einen weg für karren und schleifen zu irgend einer trostlosen fabrikhütte führen Immermann 5, 99
Boxberger; alles war indesz im hohen chor versammelt, und der ganze weite raum der kirche bildete eine trostlose leere Moltke
ges. schr. u. denkw. 6, 226; mit ihren trostlosen werkzeugen, steinernen äxten und messern aus muschelschalen, verfertigten sie (
die wilden) skulpturen aus holz O. Peschel
gesch. d. zeitalters d. entdeckungen (1858) 179; überall hatte der ausgezogene vorgänger den trostlosesten schmutz und kehricht zurückgelassen Gottfried Keller
ges. w. 4, 96;
bildlich: (
nach dem scheiden der tochter) setzten sich schweigen, kälte und dunkelheit an dem trostlosen herde ... nieder W. Raabe
d. hungerpastor (1864) 3, 139. II@88)
mit dem neutrum eines pronomens und einem nebensatz als logischem subjekt: auch ist es trostlos, von politischen dingen ... zu vernehmen Göthe IV 37, 191
W.; es wird wohl wieder allmählich um mich so trostlos und öde werden, wie neulich am Liris, als mich die schiffer verlassen hatten Grabbe
w. 3, 272
Blumenthal; freilich ist es trostlos, wenn der kunst die äuszeren mittel fehlen und sie nach brot gehen musz Stifter
s. w. 14, 208; trostlos ist es, für geschwundnes, hingegangnes streiten wollen Fr. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 238. II@99)
als substantiviertes neutrum etwas (nichts) trostloses: es giebt nichts trostloseres, als das absichtliche oder zufällige aneinanderreihen des verschiednen, entfernten und unähnlichen W. v. Humboldt
ges. schr. 4, 250
akad.; das bewusztsein, nun so vieles zu kennen, zu durchschauen, dadurch ein gefühl von macht, die man aber doch nicht ausüben kann, hat etwas trostloses L. Schücking
an A. v. Droste-Hülshoff 21
Schücking; straszenecken (
besitzen) innerhalb der groszstadt etwas so unendlich trostloses Ernst Jünger
d. abenteuerliche herz (1929) 92. II@1010)
adverbiell beim adjektiv, steigernd: doch geben wir so trostlos herben bildern von minder klugem pinsel gute nacht Göthe 5, 48
W.; in dem haus ... sah es trostlos leer aus v.
d. Steinen
naturvölker Zentralbrasiliens (1894) 97; trostlos arm war die zeit an echten künstlern Treitschke
hist. u. polit. aufsätze (1886) 1, 7.