trödeln,
vb. seit dem 16.
jh., herkunft unbestimmt, in der bedeutung 3
wohl denominativ zu trödel,
m., s. dort sp. 772.
der stammvokal zeigt in der schriftsprache meist ö,
wie auch in fast allen mundarten. im ostmd. ist entrundung des ö
eingetreten, vgl. z. b. tredeln Göpfert
erzgeb. 40; Kleemann
nordthür. 23
c; Liesenberg
Stiege 91.
neben ö
hat die schriftsprache in der bedeutung 3
im ostmd. des 16.
und 17.
jh. -eu-, -ei- (
s. u. 3
und treudel, treidel
neben trödel
oben sp. 772),
lexikalisch: trödeln, trendeln, treideln
bei Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 1187
b.
reste noch in ostmd. mundarten, doch auch in der bedeutung 2: treideln '
langsam arbeiten' Knothe
nordböhm. 185; tredeln, treideln '
trödeln, langsam sein' Jecht
Mansfeld 114
a; druidel '
sich mit nebendingen aufhalten, schachern' Regel
Ruhla 178.
bedeutung und gebrauch. 11) '
hin und her drehen': trödeln '
die reife (
in denen die wachslichte hängen)
herumdrehen' Brosenius
technologie (1806) 1, 270.
in den mundarten: trödeln
drehen Seiler
Basler ma. 85; trödeln
unebene fäden spinnen Stalder 1, 306; trodlen
ungleich spinnen Birlinger
schwäb.-augsb. 125; Schmid
schwäb. 136; tröddeln
rollen Mensing 5, 165. 22) '
zaudern, zögern, unentschlossen sein',
wohl aus dem begriff des langsamen hin und her bewegens herausentwickelt, vgl. rheinisch drödeln
langsam gehen, zögern rhein. wb. 1, 1503
sowie auch trendeln;
heute die hauptbedeutung des wortes: Graeter war etwas vergeszlich und trödelte gerne, wenn aufgebrochen werden sollte (1797) Wieland
bei Böttiger
litt. zustände und zeitungen 1, 213; das vorsichtige trödeln führt zu nichts H. Laube
ges. schriften (1875) 10, 173; im freyen und lieben mag eylen wohl gelten wer trödelt und tändelt, bedencket zu viel Chr. Fr. Henrici
gedichte (1727) 1, 432; '
sich in die länge ziehen': trödelt sich die sache in die länge, dann verschliesze ich herz und sinn A. Feuerbach
an die mutter (1859) 1, 651;
von schleppendem gesang, langatmiger dichtung, vgl. s. v. trödelhaft: der geschmack war nur bei solchen leuten ..., die etwa einmal in Italien waren, woselbst sie ein trödelndes gesänge ... eingenommen hatte J. A. Scheibe
crit. musicus (1745) 6; die älteste poesie der Deutschen war kurz, die lieder der kirchenväter kurz und bündig, das trödeln kam von den handwerksstühlen her Herder
werke 16, 227
S. '
sich ohne ziel bewegen, schlendern': wir trödelten so sacht ein paar stunden zwischen ziemlich unbedeutenden bergflächen hin Immermann
werke 10, 22
B.; es trödelten ein paar kinder zu ihren füszen A. Stifter
werke (1901) 2, 205. 33)
mit trödelwaren handeln, wohl denominativ von trödel 2
gebildet, vgl. tändeln von tand,
auch 2trendel
und 2trendeln. 3@aa)
eigentlich trendelen, trödelen, treideln
scrutaria vendere, propr. circumferre merces minutas et portatiles Stieler (1691) 2309; trödele
res inveteratas ago Steinbach (1734) 2, 861; trödeln '
alte sachen, kleider und dergleichen verkaufen' Kindleben
stud.-lex. (1781) 211: der mann muszte nunmehro auf die burschenstuben trödeln gehen
Leipziger avanturieur (1756) 1, 188; einem manne, der mit altem gerümpel trödelt Chr. Fr. Weinlig
briefe über Rom (1782) 1, 44; die öchslein und eslein von zinn, mit denen sie trödeln Fr. Hebbel
werke 8, 290
Werner; (
die judenwörter) rühren aus dem gemeinen umgang mit dem schachernden, wuchernden, trödelnden, fleischschächenden volke her J. Grimm
kleine schriften (1864) 6, 197.
scherzhaft oder im affect als wegwerfende benennung jeder art des handeltreibens: ich sehe sie (
meine söhne) im geiste schon sitzen und schreiben, und rechnen, laufen, handeln und trödeln Göthe 23, 135
W.; bleibt friede, so lege ich mich wieder auf die bücher; bisher lagen die bücher auf mir, und ich trödelte mit almanachen Göschen
an Böttiger (1810) 240; ein mensch, der sich mit schachern und trödeln abgibt B. Auerbach
schriften (1892) 17, 96.
in älterer sprache bis zum 18.
jh. im anschlusz an trödel 2 b
auch vom käufer gesagt, '
auf dem trödel einkaufen': junge weiber wollen sich immer gern des trödelns und partirens anmaszen, was sie sehen, das wollen sie haben J. Zader
breutigams ehrenkrantz (1606) 186; man beschuldigte die alten frauen sonderlich dieser fehler, dasz sie ... gerne tendelten, trödelten
Leipziger spectateur (1723) 195. 3@bb)
schon früh uneigentlich; wie treudel, trödel (
s. oben sp. 773)
öfter in der potemik der reformationszeit für gewinnsüchtiges ausnutzen geistlicher werte: wie schendtlich sie mit der messen gehandelt und getreudelt haben Luther
w. 31, 1, 31
W.; dasz sie deine geistlichen gesänge dir zum lobe ausschryhen und ausdreutellen H. Reinhold
reime dich (1673) 51; das ausbieten dieser (
sünden-) vergebung durch trödelnde mönche Schlosser
weltgeschichte (1815) 11, 335.
ähnlich auf beschäftigung mit geistigen dingen bezogen: der mensch, dessen äuszere organe durch sinnliche beschäftigung gestärkt ... werden, soll der nicht schärfer denken, sich muthiger entschlieszen ... — als derjenige, der mit spekulativer weisheit getrödelt hat? Merck
ausgew. schr. 186
Stahr; die gelehrsamkeit ist ein kümmerlich handwerck, wo man wie ein jude trödeln oder die ekele suade eines krautweibes haben musz J. G. Hamann
schriften 2, 180
Roth. 44) '
tratschen, ausschreien',
wohl im anschlusz an die bedeutung 3
entstanden: ein mensch hats seit einigen tagen ausgetrödelt, dasz sie ein findling wären Schöpfel
Thomas Irrgarten (1777) 225; er leiht mir ein geneigtes ohr, ihm darf ich meinen gram vertrödeln Kotzebue
dramatische werke (1827) 8, 269. '
zanken',
vgl.trödel 3: trödeln
chikanieren G. Hotz
zusammenstell. (1889) 44;
vgl.trödeln soviel wie kreteln Reinwald
Henneb. 1, 169.