train,
m. ,
gefolge, zug; trosz, fuhrpark des heeres. wie norw. traen,
schwed. träng, trein,
engl. train,
nl. trein
aus frz. train '
gang, gefolge, zug'.
das entwicklungslose nebeneinander der verschiedenen deutschen bedeutungsgruppen hat seinen grund in der nahen sprachlichen gegenwart des französischen, das alle bedeutungen bis in phraseologische einzelheiten hinein schon vorgebildet hat. die ungleichmäszigkeit der bezeugung (
noch Stör
dict. frç.-all. [1663]
und Eggers
kriegs-lex. [1757]
haben für das frz. wort nur deutsche entsprechungen)
und die starke vereinzelung der bedeutungen im 17.
und frühen 18.
jh. lassen den entlehnungsvorgang als zunächst durchaus gelegentlich erscheinen; zu allgemeinerer geltung verhelfen dem wort erst das ende des 18.
und das 19.
jh., dieses zu gunsten éiner, der militärischen bedeutung. 11)
begleitung, gefolge wie frz. (
grand)
train '
suite de valets, de chevaux etc.' Littré 2, 2, 2298
a: dann als gesammter train die leich im grab verlassen, und wieder sich zertheilt in die und jene gassen, war auch die trauer aus Friebel (1704)
heldenschreiben 15.
vom ende des 17.
bis weit ins 19.
jh. hinein vor allem das gefolge eines vornehmen; train
geleitschaft, mitzug Stieler
zeitungslust u. nutz (1695) 670;
hofstatt, ... gefolge eines herrn Wächtler
commodes manual (1703) 313;
hofgesinde ... geleite ... suite Sperander
à la modesprach 749
b; Kinderling
reinigk. d. dtsch. spr. 151;
auch in den westlichen randmundarten: treng '
aufzug, staat, gefolge': e gro
ussen tr. feïhren Follmann
dtsch.-lothr. maa. 102; Gangler
Luxemb. umgangsspr. 452; Rovenhagen
Aach. ma. 147;
später abgeschwächt, mit schwund der concreten seite der vorstellung als '
aufwand'
schlechthin: der verdrusz, den ich gehabt mit meinem manne ... wegen der ganzen geschichte und dem groszen train, den er führt Holtei
erz. schr. 27, 45;
durch die synonymenpaarung besonders deutlich: es scheint immer sicherer zu werden, dasz ich Rochows posten ... übernehme. dann habe ich ... 21000 rhtlr. gehalt, musz aber einen groszen train und hausstand führen Bismarck
briefe an s. braut u. gattin 276,
mit schwund des abstracten gehaltes als in bewegung befindlicher '
haufe von menschen': gegen abend fuhr der ganze train nach Paris auf der eisenbahn zurück Gutzkow
ritter vom geiste 4, 29. 22) '
zug, reihe von gleichartigen gegenständen'
wie frz. train '
suite de bêtes etc., de voitures etc.' Littré 2, 2, 2298
b: ein langer train von bäumen
tractus arborum Apinus
gloss. nov. 535;
hierher auch 'train
ein zug an einander hängender wagen auf einer eisenbahn bei einer fahrt' Hoffmann
wb. d. dtsch. spr. 5, 675: das bedienungspersonal für einen ganzen train (
von eisenbahnwagen) ist gering Karmarsch-Heeren
techn. wb. 2, 12. 33)
das frz. '
être en (
bon)
train'
erscheint in redensarten wie den folgenden: da wir einmal im train waren, brachten wir eine menge neuer lesarten zusammen Gerstenberg
briefe über merkwürdigk. d. lit. 200
lit.-denkm.; in zwei minuten ist die conversation im schönsten train v. Gaudy
s. w. 8, 124,
vgl. die deutsche wendung im zuge sein
th. 16, 391;
mit charakterisierenden attributen: wenn sie ... wiederkommt, so will sie einen ganz andern train anfangen Caroline 1, 59
Waitz; man ... suchte das gespräch in einen gleichgiltigen train zu bringen Immermann 10, 225
Boxb.;
besonders oft im alten train: wir leben hier übrigens noch in unserm alten train fort
br. v. u. an Bürger 1, 82
Str.; meist geringschätzig: in Deutschland ist nichts zu machen als im alten train buchstaben ohne geist zu lehren Gervinus
an Dahlmann 2, 159
Ippel; alles im alten train, ohne die kleinste variante A. v. Droste-Hülshoff
br. an Levin Schücking 181;
auch Gangler
Luxemb. umgangsspr. 455;
einer zustandsbezeichnung '
eigenart', '
aufzug'
sich nähernd: verabscheut sie (
die tante) mich? ein biszchen; doch nur so lange du in bebrilltem train für den künftigen herrn von Eichenau galtest Holtei
erz. schr. 8, 64; von Christian viii habe ich von anfang her nur den gemeinen train der fürstlichkeit erwartet Dahlmann
an Jac. Grimm 1, 463
Ippel. 44) '
trosz, fuhrpark des heeres',
vgl. frz. train '
corps de troupes ... chargé du transport' Littré 2, 2, 2298
b.
nach vereinzelter bezeugung zu anfang des 17.
jhs.: von munition, geld, pagage, train und andern Londorp
acta publ. (1627) 2, 1566
b,
erlangt diese bedeutung erst im 19.
jh. nach ihrer officiellen aufnahme in die sprache der heeresverwaltungen (
in Preuszen um 1780 Poten
handwb. d. militärwissensch. 9, 163; Kiesling
gesch. d. trains d. kgl. preusz. armee 3)
allgemeine geltung, die alle anderen bedeutungen in den hintergrund drängt: in Freiburg hatten sie sich von den Östreichern anwerben lassen ... so kam er unter den train A. v. Droste-Hülshoff 2, 308
Schücking; auch mundartlich in Basel (Seiler 83),
Aachen (Rovenhagen 147),
Barmen (Leithäuser 159),
Elberfeld (
Elberfelder ma. 164).
im plural trains: unsere kolonnen und trains führten in der mehrzahl zu schwere wagen Ludendorff
kriegserinn. 60.
gebräuchlich in zahlreichen compositionen wie z. b. trainkaserne; -knecht (gegen das ... gewaltsame ausheben der tr.
allg. dtsche bibl. 100, 338); -kolonne; -officier; -soldat; -wagen; -zug
u. ähnl. infolge der nicht durchaus soldatischen obliegenheiten dieser truppengattung oft mit geringschätzendem unterton: das ist der train, der train, der train. den säbel trägt er nur zum schein, der säbel ist ihm angelötet, damit er keine kinder tötet
soldat. spottvers nach 1900,
besonders deutlich in zusammensetzungen: trainbauer
für trainsoldat Imme
soldatenspr. 38; René Delcourt
expressions d'argot all. (1917) 168; der einzige mensch, der mit selbstbewusztsein über die strasze geht, ist der soldat, vom general bis zum trainknecht Bismarck
an general v. Gerlach 277; der jubel ... ist in allen reihen bis auf die trainsoldaten herunter v. Roon
denkwürdigk. 2, 527; der geringste trainknecht hat seinen stolz O. Ludwig
ges. schr. 4, 70; meine trainsoldaten waren alle kavalleristen, die nun mit schmerzlichem neide ihre jungen nachfolger sich im felde tummeln sahen, während sie als 'pontonfahrer' trainknechtdienste versahen Scheibert
mit schwert u. feder 262;
übertragen: seine formen blieben rauh und roh, sein wissen 'stückwerk', weshalb er sich selbst zum 'train- und fuhrwesen des gelehrten arméecorps' rechnete Holtei
erz. schr. 14, 39;
wohl durch 3
beeinfluszt: es war schon ein besonderer luxus, wenn der jurist, der theologe, der philologe sich noch mit lehrvorträgen auszer seinem 'fache' befaszte. die meisten blieben in der trainkolonne, die unmittelbar zum amte fuhr, und empfingen, was auf diesem wege ihnen als proviant zugemessen wurde Immermann
w. 18, 148
Boxb. 55)
durch frz. traîne und traînée '
morceaux de charogne ... pour attirer un loup' Littré 2, 2, 2300
a ist beeinfluszt train jagen
die hunde nach einem '
geschleppe'
von wildfleisch d. i. nach einer an einer schnur geschleppten lockspeise jagen lassen: Schencke will nit trein jagen, aber ich habe es befohlen Friedrich Wilhelm I.
an Leopold v. Anhalt 396
Krauske; 'trainjagen, trainieren
besteht darin, dasz man auf dem geschleppe von hirschläufen die hunde als übung zur parforcejagd jagen läszt' Kehrein
waidmannsprache 293.