tölpel,
dölpel,
m. ein plumper, roher, ungeschickter, dummer mensch, bardus, hebes, homo ineptus. herkunft und formen (
vgl. zeitschrift f. deutsche wortforschung 2, 294
ff. 3, 198
ff. 359
f. 4, 330). 11)
nhd. tölpel
geht zurück auf mhd. dorpære, dörper '
dorfbewohner, roher, nicht höfisch gebildeter mensch',
eine niederdeutsche wortform (
für echt mhd. dorfære, dörfer),
die um 1170
als terminus der rittersprache aus dem flämischen aufgenommen wurde. die ableitung dorpericheit
findet sich zweimal bereits in dem um 1170
entstandenen gedicht vom grafen Rudolf (6, 15. 7, 2).
andre frühe belege aus Heinrich v. Veldeke, Hartmann v. Aue
und Walther v.
d. Vogelweide
sammelt Wilmanns
z. Walth.2 51, 24.
das eindringen des flämischen wortes in die deutsche rittersprache erklärt sich aus dem umstand, dasz das französische ritterwesen, welches für das gesammte abendland maszgebend war, den deutschen landen vielfach durch Flandern übermittelt wurde, wobei auch einzelne flämische ausdrücke in das ritterdeutsch übergingen. so ist vor allem ritter
selbst, wie zuerst Martin im
literaturbl. f. germ. und rom. phil. 1888
sp. 255
bemerkt hat (
vgl. Schröder
anz. f. deutsches alterthum 23, 158
und Stosch
zeitschr. f. dtsch. wortf. 2, 76),
kein ursprünglich deutsches wort (
das entsprechende deutsche lautet vielmehr ahd. rîtâri,
mhd. rîtære, rîter,
woraus im nhd. reiter
geworden ist, s. theil 8, 777),
sondern um 1170
erst dem mnld. ridder
nachgebildet. flämischen ursprungs ist ferner die im mhd. gern gebrauchte form ors
für ros,
wol auch wâpen
für wâfen (
vgl. im nhd. den unterschied von waffe
und wappen
th. 13, 251).
überhaupt galt es in den kreisen der deutschen ritterschaft für zierlich zu vlæmen,
dh. flämische worte und wortformen zu gebrauchen, und ein feingebildeter mann, der sich der vlæmischen hövescheit
befleiszigte und mit sîner rede vlæmte,
hiesz ein Vlæminc (
vgl. Wackernagel
geschichte der deutschen litteratur 1
2, 127. 157;
altfranzösische lieder und leiche 193
f; Haupt
z. Neidhart von Reuenthal 102, 34). 22)
lautliche veränderungen des wortes dörper
entstanden noch innerhalb der mhd. periode einerseits durch übergang des anlautenden d
zu t (
vgl. Wilmanns
deutsche grammatik 1 § 84, 2. Wackernagel
zum armen Heinrich Hartmanns von Aue
v. 51
will in dem übergang assimilation des d
an das p
sehen),
andrerseits durch vertauschung des r -
mit dem l -
suffix (
vgl. Wilmanns 2 § 208, 1),
sodasz die vier formen zu unterscheiden sind: dörper, törper, dörpel, törpel.
die beiden letzteren gehören dem späteren mhd. an; aus ihnen entstanden durch umwandlung des inlautenden r
in l (
vgl. Wilmanns 1 § 114)
die nhd. formen dölpel
und tölpel. 33)
das alter der formen mit inlautendem l
läszt sich nur ungefähr bestimmen: wenn die sp. 650
unter tölp
geäuszerte vermuthung richtig ist, dasz dies eine verkürzung von tölpel
sei, so musz die letztere form schon vor dem ende des 15
jh.'s aufgekommen sein, weil sich Tölp
als fingierter eigenname bereits bei Hans Folz
findet. die belege für tölpel,
die Frisch 2, 376
c und W. Grimm
oben theil 2, 1151
unter Keisersbergs
namen anführen, können für den sprachgebrauch Geilers
nicht in betracht kommen, da sie, wie zeitschr. f. dtsch. wortf. 3, 198
f. nachgewiesen ist, aus Hönigers 1574
erschienener bearbeitung des lateinischen textes von Keisersbergs
narrenschiff stammen. lehrreich dagegen ist das verhalten der beiden ältesten Neidhartdrucke: während nämlich der undatierte aus dem 15.
jh. (
exemplar in Hamburg)
noch durchweg an törpel
festhält (
einmal verdruckt terpel),
kennt der jüngere von 1537 (
exemplar in Zwickau)
nur tölpel (
vgl. Stosch
zeitschr. f. dtsch. wortf. 1, 374).
überhaupt ist seit dem 16.
jh. die l-
form (tölpel
oder dölpel,
auch tülpel
und dülpel
kommt vor)
fast ausschlieszlich in gebrauch. belegstellen für sie aus Luther, S. Franck, E. Alberus, H. Sachs
und anderen s. unten; nur aus den wörterbüchern seien einige hier angeführt: bijanus (=
beanus), ochsz, puffel, tulpel Diefenbach 70
b (1517);
ignavus, truncus, ein grober dölpel E. Alberus
dictionarium (1540)
Aa 3
a,
ineptissimus rebus agendis, gar vngeschickt, ein tölpel,
ἀπρακτότατος ein grober tölpel
ebd. E 1
a,
discinctus, iners, ein tölpel
ebd. i 2
a,
discinctus, vngerüst, ein dölpel, vngefüg, hinlessig
ebd. tt 3
b;
obtusus ingenio, dölpell J. Schöpper
synonyma (1550)
a 8
b;
excors, ein vnbesinnter tüppel, tölpel Diefenbach 215
b (1590).
blax, stolidus, ein dülpel, narr, verwehnter Dasypodius (
ausg. bei Heydens erben, Straszburg o. j.)
C 5
b,
truncus ... metaph. ein klotz, dülpel
Hh 4
b. dölpel,
bardus, blax, excors Crr 2
b (
dagegen lesen die ausgaben des Dasypodius
von 1537, 1547
und 1559
an den beiden ersteren stellen statt dülpel — düppel,
die dritte stelle aber fehlt in ihnen); dölpel, narr, vnuerstendig, vnbesinter,
insulsus, stupidus et bardus Henisch (1616) 725; düppel, tölpel, tolb, eins groben verstands,
obtusus, stupidus ebd. 770, grobian, tölpel,
bardus, tardus 1747; dölpel ...
inconditus, insulsus, insipidus Andreas Helvigius
origines dictionum germanicarum (1620) 101; der tölpel Comenius
sprachenthür, übers. von Decemius (1642)
index; dölpl,
bardus, excors, rusticus, agrestis Schönsleder
promptuarium (1647)
L ba;
truncus ... ein grober klotz, tölpel Corvinus
fons lat. 1 (1660) 693
b; tölpel,
sciocco, goffo, grossolano, ballordo Hulsius
teutsch-ital. dictionarium (1657) 248
b, tülpel, grober gesell,
balloco, vide tölpel 252
a; tölp, tölpel, törpel, dölpel,
bardus, hebes, lourdaut Schottelius (1663) 1432; törpel, tölpel, tölp,
bardus, stipes, caudex, lapis, germen Arcadicum, Antronius asinus Stieler (1691) 2282; tolpel [
ohne umlaut],
bardus, blax, truncus, stipes, der seine hände an nichts zu legen weisz,
asinus neues teutschlat. dictionarium (
Hamburg 1700) 505; tölpel, dölpel,
un goffo, gaglioffo, rustico etc. Rädlein 1 (1711), 881
a;
vgl. ferner Ludwig
teutsch-engl. lexicon (1716) 1991, Kramer
hoch-nider-teutsch. dict. (1719) 213
b,
teutsch-ital. dict. 2 (1724), 1100, Hederich (1729) 2982, Steinbach 2 (1734), 822, Frisch 2 (1741), 376
c usw. 44)
doch findet sich die ältere form mit inlautendem r
vereinzelt noch im 16.
und 17.
jh. (
s.dörpel theil 2, 1301): törpel: cörpel Niklaus Manuel 27
Bächtold s. unten 1,
c. dörppel, düppel, grober vnd vnuerstendiger,
sine acumine homo, bardus Maaler (1561) 92
b, törpel, der sich etwas ze thuon minder bewegt, dann ein stein,
lapis de homine, ein schlufe [
s. theil 9, 810],
excors, murcidus 404
a, türpel, törpel,
bardus, idiota, imperitus 411
c; törpel Schottelius (1663), Stieler (1691)
s. oben 3.
in der bedeutung '
zwergartiges kind oder thier, unbehülfliches kind'
wird dörpel
noch von Schmid im
schwäbischen wörterbuch 133
angeführt. 55)
in dem bei Stieler 2282
überlieferten tölperey (
rusticitas)
für tölpelei (
vgl. das merkwürdige, mit dem suffix - lei
gebildete tölper - lei
bei Olaf Lind
teutschschwed. wb. (1749) 1539),
sowie in dem öfter belegten tölpenchen
für tölpelchen
liegt offenbar nur streben nach dissimilation vor. grundformen wie tölper
oder gar tölpen
sind darnach nicht anzusetzen. 66)
nicht ganz selten finden sich im älteren nhd. formen mit ü
oder u
statt mit ö (
vgl. auch tülp
neben tölp (
sp. 650)
und tülpisch
neben tölpisch): türppel
Heidelberger handschr. der Krone Heinrichs v.
d. Türlein 20577 (
vom j. 1479); tulpel Diefenbach 70
b (1517)
s. oben 3; türpel Maaler (1561) 411
c s. oben 4; dülpel Dasypodius (
ausg. bei Heydens erben, Straszburg o. j.)
s. oben 3; tülpel Bartholomäus Krüger
von dem anfang und ende der welt (1580)
Tittmann 1, 252
s. unten 1,
a; dülpel Heyden
Plinius (1584) 25
s. unten 1,
b; tülpel Dietrich v.
d. Werder
Ariost (1632) 28, 35, 7
s. unten 1,
b; tülpel
vide tölpel Hulsius (1657) 252
a s. oben 3.
in den meisten der hier aufgezählten wörterbücher ist die ü-
form neben der ö-
form angegeben; Heyden
gebraucht sogar in zusammenhängender rede beide formen neben einander. 77)
formen ohne umlaut, wie mhd. dorpære,
sind im nhd. selten und häufiger nur bei Luther (
s. unten), der
auch vom adjectiv die form tolpisch
gebraucht. vgl. ferner tulpel Diefenbach 70
b (1517), tolpel
neues teutschlat. dictionarium (
Hamburg 1700) 505,
beide oben 3. 88)
wie im mhd., so schwankt längere zeit auch noch im nhd. der anlaut des wortes zwischen media und tenuis, bis die schriftsprache sich für die letztere entscheidet. wie es in dieser hinsicht die mundarten halten, ist leider in den betreffenden idiotiken nicht immer genügend angemerkt. 99)
das aus einem ausdruck der rittersprache hervorgegangene wort ist allmählich auch volkstümlich geworden und in verschiedene mundarten gedrungen:
vgl. Schmeller
2 1, 603 (tölpel, dölpel); Lexer
kärnt. wb. 64 (tölp'l); Kehrein
volksspr. in Nassau 114. 405 (dölpel, tölpel); Crecelius
oberhessisches wb. 1, 280 (dölpel); Spiesz
hennebergisches idiot. 255 (tölpelfleisch); Schmidt
westerw. idiot. 256 (tölpel); Müller-Weitz
Aachener mundart 34 (tölpel); Weinhold
schles. wb. 99 (tölpel); Drechsler
Wencel Scherffer und die sprache der Schlesier 261 (tölpel); Mi
wb. der mecklenb.-vorpomm. mundart 93 (tölpel); Dähnert
plattdeutsches wb. 488
b (tölpel); Woeste
westfäl. mundart 273
a (
adj. tölpelig).
dagegen ist das wort im elsässischen äuszerst selten [
briefliche mittheilung von E. Martin]
und im schwäbischen '
keinesfalls populär': H. Fischer
schwäb. wb. 1, 253;
vgl. Birlinger
schwäb. augsburg. wb. 299.
in der bedeutung von '
ineptus'
ist in Schwaben vielmehr dippel
oder diledap
gebräuchlich: vgl. Holder
Bayerns mundarten 1, 192.
bedeutung und gebrauch. Das dem nhd. tölpel
zu grunde liegende flämisch-mhd. dörper
dient als übersetzung des altfranzösischen vilain (
von mlat. villa '
dörfchen, weiler' Diez
5 341)
: es bedeutet '
dorfbewohner, bauer',
doch immer mit dem nebenbegriff des plumpen, rohen, unedlen. der dörper
ist in allem der gegensatz des ritters, er vereinigte in sich alle diejenigen eigenschaften, die dem echten ritter nicht ziemen. —
es ist bemerkenswerth, dasz die echt hochdeutsche form dorfære, dörfer
den tadelnden sinn von dörper
nicht gehabt zu haben scheint: Sîfrit den dorfêre
nennt sich selbst ein mitteldeutscher dichter, der verfasser des frauentrostes (Haupts
zeitschr. 7, 109
ff. vgl. die geharnschte Venus von Filidor dem Dorfferer 1660),
und oytmudiche dorfer
heiszen in einem niederrheinischen geistlichen gedicht des 14.
jahrhunderts (
Haupts zeitschr. 17, 18
v. 196)
die hirten, denen die geburt des heilands verkündigt wird. auch in Wittenweilers '
ring',
wo sonst dörpel
oder törpel
gesagt wird, scheint dörfer 44
b 3, 48
c 2
die mildere bezeichnung zu sein. wenn dagegen in dem Neidhartspiel (
fastnachtspiele 400, 26)
sich der bauer selbst einen dörper
nennt und die bauerndirne gar ausruft: was hüpscher dörper sten dort vier!
so ist das vom dichter natürlich ironisch gemeint. —
statt dörper
wird in der ritterdichtung auch ein auf franz. vilain
zurückgehendes vilân
gebraucht (
vgl. Lexer
mhd. handwörterb. 3, 349),
doch hat sich dies wort nicht über die mhd. periode hinaus erhalten. —
mit der umgestaltung von mhd. dörper
zu nhd. dölpel, tölpel
trat zugleich eine leichte veränderung der bedeutung ein: der zusammenhang des wortes mit dorf
schwand aus dem bewusztsein, sodasz tölpel
nicht mehr in erster linie den ungeschlachten dorfbewohner, sondern allgemein den menschen von plumpem benehmen, rohem gemüth oder grobem verstande bezeichnet. daher werden auch in der heutigen sprache zusammensetzungen wie tölpelbauer (
s. unten), bauern- (
oder bauer-) tölpel (
th. 1, 1183), dorftölpel (
th. 2, 1286)
keineswegs als tautologien empfunden. [
für die beiden letzteren mögen hier noch einige belege stehen: geh vor die raben, dummer bauertölpel! Wieland
att. mus. (1798) 2, 2, 129. Franzseph war ein soldat, dürfen diese versessenen bauertölpel über seine ehre richten? Auerbach
dorfgeschichten 4, 196; die flegel, die bauerntölpel Storm
gesammelte schriften 6, 14; wenn er (
Faust) den bauertölpeln auf landstraszen und in kneipen allerlei possen spielt Erich Schmidt
charakteristiken 1
2, 26. bauerntölpel
als name einer krankheit, der parotitis epidemica, s. Höfler
deutsches krankheitsnamenbuch 742
a. — gewisz hat er (
der schulmeister) irgend einen erzdummen dorftölpel aufgefischt, den er uns als einen groszen poeten vorstellen ... wird Grabbe 2
3, 221
Gottschall; der Tralle, ein halbstummer dorftölpel Auerbach
dorfgeschichten 1, 57.]
ebenso unbedenklich, wie bauerntölpel,
ist natürlich bäurischer tölpel (
s. unten 1,
c).
Die folgende unterscheidung Eberhards (
versuch einer allgemeinen deutschen synonymik 5 (1800), 294)
ist nicht durchzuführen: der
tölpel miszfällt durch seine ungeschickten bewegungen aus unbehülflichkeit, der
bäuerische in seinen reden, handlungen und manieren aus mangel an geschmack für das anständige, beyde aber ohne beleidigend zu seyn; der
plumpe und
grobe aber verletzen die achtung gegen andere, der erstere blosz aus mangel an feinem gefühle, der letztere auch aus stolz und verachtung. 11)
im eigentlichen sinne: 1@aa)
ohne beisatz: denn es dnckt jn (
Quintilianus), wie auch billich, vnmüglich sein, das solcher tolpel, wie man Esopum malet vnd beschreibet, solte solch witz vnd kunst vermgen, die in diesem buch vnd fabeln funden wird Luther
fabeln 2
neudr.; am Reinstram sasz ein edelman, der het ein knecht, hiesz Grobian ... wie vil der junckher an im (
dem knecht) strafft, doch er nichts fruchtbars an im schafft, er blib ein dölpl, wie er vor war H. Sachs 21, 250; darzue so thet ihm (
dem herzog von Baiern) die landschaft klagen dasz man recht prediger thet verjagen und an ihr statt thet man erwöhlen fantasten und dolpl, auch guet gesellen August Hartmann
histor. volkslieder 1, 41 (1556); man findt der dölpel vil, die reitzen die narren an zu zorn, gotteslesterung, zanck, trunckenheit vnd geilheit, ander leut damit zu lachen (zu) bewegen Höniger
weltspiegel oder narrenschiff (1574) 253
a; ei tülpel, kanstu nicht sprechen: herr? Bartholomaeus Krüger
von dem anfang und ende der welt (1580) [
Tittmann 1, 252]; disen bawrn sprach
d. Faustus guotlich an, dasz er jn (
auf seinen wagen) auffsitzen lassen ... wolte, welches jm aber der dölpel wegerte vnd abschluge
volksbuch vom doctor Faust (1587) 95
neudr.; der alte mensch, der ist ein solcher tölpel, zürnet leicht, ist feindselig und rachgierig J. Arndt
vom wahren christentum 1, 15, 5; dasz er (
der kreuzfuchs) inn vnmut (
zu dem fallenden esel) sagte: oho, tölpel, du bist subtil wie Prey, der wolte opffern vnd stiesz den altar vmb
eselkönig (1617) 103; wolt ir anderst zu der zeit ausz dölppel machen schöne leith
Regensb. fastn. sp. 1 (1618)
v. 588 [
Bayerns mundarten 2, 8]; zu Parrisz da hab ich studirt, alda manchen dölppel depenirt (
l. deponiert).
ebd. 1,
v. 606; das saltz erhält das fleisch für faulen und für stincken; ein tölpel wil geschickt sich in der mode düncken! Logau 2, 6, 52; was musz doch manchen tölpel so werth bey hofe machen? man kan nicht alles mercken; offt sind es kammer-sachen 3, 9, 93; zween priester ... deren der erste wohl gelehrt, der ander aber ein tölpel war Moscherosch
gesichte 2 (1666), 253; etwas schändliches ist es auch, wann man ... seine edlen ahnen und ihre ankunft, leben und edle verrichtungen heraus streichet, und doch selbst ein dölpel in der haut und zehen mal gröber und ungeschlachter, als wol zehen Spässerter bauren sich erweiset
Simplicissimus 1, 30
Keller; die music ist (
in Spanien) so eine freye kunst, dasz ein dölpel, der auff der guittarre spielt, einen monat voraus bezahlt haben will und, wann vierzehen tage vorbey, so bleibet er hernach aus Lolivetta
das teutsche gespenst (1684) 118; (
der bauer, der reicher leute kind nicht mit '
herr'
anredet, wird angefahren:) du grober flegel! meynest du tölpel denn, dasz das junge herrgen deines gleichen ist?
rockenphilosophie (1718) 2, 128; Klotz hat doch wohl genug. zwar macht es der tölpel immer ärger. haben sie seine scurrilischen briefe gelesen? Lessing 12, 223; wegen des clown habe ich mich nur in dem namen geirrt. der charakter ist auf unserm alten theater sehr gewöhnlich gewesen und ist es unter den gemeinen komödianten im reiche noch. aber er heiszt nicht tölpel, sondern rüpel. beyde wörter bedeuten das nehmliche 12, 418; zur lincken stund mir ein tölpel von 6 fuszen, dem ich mit meinem scheitel ... an den dritten westenknopf, von oben gerechnet, reichte Lichtenberg
briefe 1, 140 (1773); ein extratölpel nun von dieser saubern schaar, der junker Pyramus, wo ich nicht irre, war, musz, wie sich das so fügt, die bühn' einmahl verlassen Bürger
übersetzung des sommernachtstraumes bei Bernays, zur entstehungsgeschichte des Schlegelschen Shakespeare 129;
Bittermann; schweig, tölpel!
Peter: nun da haben wir's! ich darf das maul nicht aufthun Kotzebue
menschenhasz und reue 1, 10 (
theater 1, 89); er (
Göthe) redete über das nil admirari — oder vielmehr über den platonischen ausspruch, dasz die verwunderung die mutter alles schönen und guten sei. 'der ist ein tölpel', sagte er, 'der sich nicht verwundern kann, auf den nicht die ewigen naturgesetze ... einen mächtigen eindruck machen' H. Vosz
d. j.
Göthe und Schiller in briefen, her. von G. Gräf (Reclam) 20;
Bossu: o kommt doch — seht! — das ist der Luther! —
Karl V: der?
Bossu: er ist'
s. Karl V: der tölpel macht mich nicht zum ketzer!
Z. Werner
Martin Luther 3, 1 (
J. Minor, das schicksalsdrama 124); wer ist denn jener tölpel dort, der sich die freiheit nimmt, als wär' er hier zu hause, mit pfeifen mir die ohren vollzuleiern? H. v. Kleist 1, 207
E. Schmidt (
Amphitryon 126); (
von einer aufführung des Fidelio) Marzelline verziert ihre rolle; Jaquino ist ein tölpel
F. Mendelssohn-Bartholdy
briefe4 1, 9; du tölpel, willst du gehn? Grillparzer 8, 37
Sauer (
weh dem, der lügt! 2); sie (
die hosen) klebten mir am beine, eng und treu, wie die freundschaft eines tölpels Heine 2, 167
Karpeles (
Atta Troll c. 21); und du, du forschtest nicht, wohin sie fährt, du tölpel? P. Heyse
dram. dichtungen 31, 19; tüchtige und wohlgeartete leute haben immer weniger mühe, ihre kinder ordentlich zu ziehen, wie es hinwieder einem tölpel, der selbst nicht lesen kann, schwer fällt, ein kind lesen zu lehren G. Keller 4, 169; der dortige inspector ist ein tölpel, über dessen benehmen gegen mutter ich mich hier gallig ärgere Bismarck
briefe an seine braut und gattin 308. 1@bb)
mit sinnverwandten substantiven. verschiedene hierher gehörige stellen aus älteren wörterbüchern sind schon oben unter 3
angeführt. vgl. ferner: aber die torpel und die toren wolten do mit iren oren nit horen was er in seit Liliencron
histor. volkslieder no 148
v. 293 (1476); ich wil dir sagen von einem grosszen tolpell und esel Luther 9, 619
Weim.; darumb bleibens stöck, grobe tolpel und faule schelmen 19, 307; (
ihr seid) beide die rechten Hans Worst, tolpel, knebel vnd rültze
wider Hans Worst 5
neudr.; vnd der grobe filtz, rultz vnd tölpel, der esel aller esel zu Wolffenbüttel, schreiet daher sein eselgeschrey, vrteilt vnd ketzert, so er doch nimer mehr lernen kan ... was ein christ oder abtrünniger sey
ebenda 31; wer einen narren und dölpel, drumb dasz er viel pfenning hat, hoch herfür und mit einer löwenhaut überziehen wil, mag ein zeitlang solchs bey denen, so in nicht recht erlehrnet, statt finden, letzlich aber in doch die auszragende ohren und das freundlich gesang ia verrahten Kirchhof
wendunmuth 1, 196; das ist gantz gemein, dasz von auffrechten, geraden, wolgestalten vnnd verständigen eltern manchmal krumme, höckerte, klötzechte tölpel, vnd widerumb von krummen, höckerichten, einfeltigen oder thörichten eltern auffrechte, schöne, wolgestalte, vernuonfftige kinder, oder auch von klützen vnnd dülpeln klütze vnd dülpel herkommen Heyden
Plinius (1584) 25; du dölpel vnnd nichtwerdiger vnflat
volksbuch vom doctor Faust (1587) 95
neudr.; (
der schildbürger dachte), gauch vnd narr weren ja eins ... also sind tölppel vnnd durch ein metaphoram esel auch eins, des gleichen vnser liebe fraw vnnd vnsers herrn gottes mutter
schiltbürger (1598) 116; du unbescheidner bawr, du tülpel, stille steh', und weiter keinen schritt mit einem fusze geh' Dietrich von dem Werder
Ariost (1632) 28, 35, 7; die tölpel und büffel Moscherosch
gesichte 1 (1650), 419; dasz ihr vngerathene nachkömlinge darfür haltet, wo ein ehrlicher gewissenhaffter mann bey seiner alten ehrlichen tracht bleibe, dasz er ein hudler, ein halunck, ein alber, ein esel, ein tölpel sein müsse 2 (1666), 72; wolt ihr der mann etwas untersagen oder eine gute lehr geben, da war gleich feuer im dach, sie schmählte wider ihn, gab ihm tausend wort für eins, du esel! sagte sie, du dölpel! du narr! du saurüssel! was verstehst du? Stranitzky
ollapatrida (1711) 177
neudr.; er (
Nicolai) ... zählte, um zu zeigen, dasz er kein badaud und tölpel, sondern ein mann von welt und lebensart sey, alle königliche und fürstliche personen, minister, generale, gesandte usw. auf, die er in seinem leben gesehen, und mit ihnen gesprochen J. G. Fichte
sämmtliche werke 8, 90. 1@cc)
mit adjectiven: alberner, altdeutscher, aufgeblasener, bäurischer, dummer, (abgeschmackter), einfältiger, grober, groszer, (ungeschliffner), guter, gutmüthiger, lieber, plumper, (verletzender), unachtsamer, unbesinnter, ungeschickter, unverschämter, unverstandener, unwissender, (ungerollter) tölpel. ich
alber tölpel, auff mein eid, habs nicht versunnen also weit Hayneccius
Hans Pfriem (1582)
v. 1362
neudr.; — ich habe zu dieser ganzen sache geschwiegen ... obgleich Steffens ehrenrührig von mir gegeifert hatte: 'der Jahn ist weiter nichts als ein
altdeutscher tölpel
F. L. Jahn
brief von 1818 (
Hoffmann von Fallersleben findlinge 202); — wie zuweilen etliche
aufgeblasene dölpel thun, die ihrem ansehn eine merckliche grösze zuzusetzen vermeynen, wann sie eine weile auff sich warten machen Lolivetta
das teutsche gespenst (1684) 109; — er wollte ... den
bäurischen tölpel, für den ein solches mädchen wahrlich nicht geschaffen war, verdrängen
M. Meyr
erzählungen aus dem Ries (1861), 131. — sie verstehen nichts von der bewegung derer himmelscörper und sind solche
dumme und
abgeschmackte tölpel, dasz sie bey sonnenfinsternissen dafür halten, es habe sie ein groszer drache angepackt und weggeschleppt
Robinson Crusoe (1720) 2, 314;
dummer tölpel ich, dasz ich euch nicht gleich (
erkannte) Schiller 2, 142 (
räuber 4, 3); — vnd mich wundert ... dasz noch etliche männer so gar
einfaltig grobe dölpel sind, dasz sie ihrer weiber boszheit weder mercken noch fühlen Moscherosch
gesichte 2 (1666), 336; endlich fieng ich
einfältiger tölpel an, mich wieder zu beruhigen Ulr. Bräker
schriften des armen mannes im Tockenburg, ges. von Füszli 1, 43; — wem gefiele nit, daz die
groben tOerpel, in den hOelern erzogen, synd zuo buw und vernünfftiger bung genomen? Stainhöwel
berühmte frauen 36; dank habt, ir
groben törpel, wo man's von üch seit im land, dasz ir die toten cörpel so dapfer gschlagen hand! Niklaus Manuel 27
Bächtold (
Bicoccalied 20
a. 1522);
grobe tolpel Luther 19, 307
Weim. s. unter 1, 6; dasz dis wort, Hans Worst, nicht mein ist, noch von mir erfunden, sondern von andern leuten gebraucht wider die
groben tolpel, so klug sein wollen, doch vngereimbt vnd vngeschickt zur sachen reden vnd thun
wider Hans Worst 4
neudr.; weil dein Heintz vnd du solche
grobe tolpel seid, das jr gemeinet, solcher fauler, lamer zote solte in diesen sachen mir schaden thun
ebenda 5; nun welcher heid wolt nit zuohandt weichen so vil kluogen argumenten? es sei dann so ein
grober dölpel, dasz ers nit verstehe S. Franck
lob der thorheit 104, 27
Götzinger; E. Alberus
dictionarium (1540)
Aa 3
a und
E 1
a s. oben 3 sich bey jeden
groben tölpel zu dulden vnd schleppen, der den gantzen tag der arbeit nachziehet vnd ihm nicht wohl eine gute stunde anthut, das wäre dem podagram schwer zu vertragen Moscherosch
gesichte 2 (1666), 465; Lucidas konte es kaum glauben, das dieses wahr seyn solte, so sehr verwunderte er sich, dasz man an einem so considerablen orth solche
grobe, ungeschliffne und
ungeschickte tölpel (
wie fischer und metzger) in den rath ziehe Lolivetta
das teutsche gespenst (1684) 257; du
grober tölpel! von wem hast du mehr wohlthaten genossen, als von deinem gnädigen gott? dasz du denn diesem nicht auch danckest? Gottlieb Cober
der aufrichtige cabinetprediger2 (1734) 1, 270; — ah dau grober eselkopp, replicirt er (
der knän) hinwieder, dau bleiwest dein lewelang a narr, geith meich wunner, was ausz dir wera wird, biszt schun su a
grusser dölpel, un waist noch neit, was der wolff für a veyrfeussiger schelm isz Grimmelshausen
Simplicissimus (1669) 11
neudr.; du
groszer, ungeschickter tölpel! Chr.
F. Weisze
komische opern 1, 45; du
groszer, ungeschlifner tölpel, der nicht so viel vernunft hat, das maul zu halten
F. L. Schröder
vier lustspiele (
Hamburg 1810) 107; 'in welchem mauseloche steckst du, kleiner knirps?' fragte der bärnhäuter. 'wo du,
grosser tölpel, nicht stecken kannst', sagte der allraun Arnim
werke 1, 55; — dann ein gemein sprichwort ist, das sollichs ein böser vogel sey, der im selbs in sein nest scheist. welches on zweyfel der
guot dölpel (
der betrogene ehemann) wol betrachtet hat, darumb stillschweig
M. Montanus
schwankbücher 78, 26; nuon sagt aber die fraw zuom mann: 'lieber, nim fünff heller und geh in die statt unnd kauff ein säcklin foll gewürtz!' der
guot dölpel zoge hien. name ein sack, darein wol ein malter ging, zoge für den wurtzladen und begert ein sack foll gewürtz 302, 33; ich wais nicht, was dem
guten dölpel in sinn kam, oder was er irr ging 329, 19; — der matrose ist allezeit und immerdar ein
gutmüthiger tölpel
M. Busch
deutscher volkshumor2 19; — geb euch ein frölichen morgen! ist keiner hie, der spricht zu mir: gut gesell, der gilt dir? ja,
lieber dölpel, ein gläszlin wein, trei oder vier Fischart
Gargantua 139
neudr.; — aber neben dem eingewanderten geldstolz, diesem
plumpen, stets nur
verletzenden tölpel, macht sich jetzt in der ... stadt auch noch ein anderer eindringling breit ... der moderne schwindel Redwitz
Hermann Stark3 (1879) 2, 4; — (
wer) haben thet ein dölppel
schwer, der mit grobheit seine frau thet blagen
Regensb. fastn. sp. 1 (1618)
v. 626 [
Bayerns mundarten 2, 8]; wo ytzunt eine fraw verhanden wer, beladen mit einem dölppel
schwer 1.
v. 640 [
Bayerns mundarten 2, 9]; — da gedachte ich erst an meinen knecht, dasz mich der
unachtsame tölpel umbgeworffen (
sc. mit dem wagen). Chr. Weise
die drey hauptverderber (1673) 72; —
vnbesinnter tölpel Diefenbach 215
b (1590)
s. oben 3; — einsidel: wie hiesze dich dan dein meüder? Simpl.: sie hat mich bub geheissen, auch schelm,
ungeschickter dölpel und galgenvogel Grimmelshausen
Simplicissimus (1669) 23
neudr.; du
ungeschickter tölpel ... wiltu das wasser fallen lassen?
kunst über alle künste (1672) 139, 13
R. Köhler; — ich dummkopf über alle dummköpfe! dies haus für ein wirthshaus und meines vaters alten freund für einen gastwirth anzusehen. für was für einen
unverschämten groben tölpel musz er mich halten
F. L. Schröder
vier lustspiele (
Hamburg 1810) 96; — do sie sahe, das der Rolandus ein
unverstandner dölpel, ein undanckbarer mensch wolt sein Stainhöwel
berühmte frauen 316, 12; — einen
vnwissenden vnd
vngerollten dölpel, der nichts weisz noch auch lernen wil Garzoni
piazza universale (1659) 641
b; kurz, das war ein streit, den zween
unwissende tölpel nicht ausmachen, und ich, der dritte, ... eben so wenig entscheiden konnte Ulr. Bräker
schriften des armen mannes im Tockenburg, ges. von Füszli 2, 116. 1@dd)
in vergleichung: dasz zwar, die zuschaun, alle wissen, wer ich bin, jedoch des chores männer dumm wie tölpel stehn Voss
Aristofanes 1, 34. 1@ee)
mit einem genitiv oder der praeposition von: was mich betrifft, so war ich, gott sey dank, nie ein tölpel des patriotismus Börne
Menzel der Franzosenfresser3 43; sobald der tanz sich löste, trat sie, wie schutz suchend, zu ihrem tölpel von pflegebruder C. v. Glümer
Lütin und Lütine (
Westermanns deutsche monatshefte 54 (1883), 153
a). 1@ff)
als schmeichelwort gebraucht, indem der sprechende scherzend das gegentheil sagt von dem, was er meint. zu einem kleinen, zierlichen schüler: der lehrer sprach: tölpel! du hast wohlgethan, — du hast würze an deinen kohl gethan. Rückert
makamen2 2, 188 (
no. 39).
vgl. auch guter, lieber tölpel
unter c. 1@gg)
in manchen gegenden, z. b. im Spessart, in Steiermark, in verstärkter bedeutung bezeichnung des blödsinnigen, des kretins: Rochholz
mundartliche namen des kretinismus (
zeitschr. f. deutsche phil. 3, 331
ff.); Höfler
deutsches krankheitsnamen-buch 742.
nach Schmid 133
heiszt im schwäbischen dörpel
ein zwergartiges, unbehilfliches kind oder thier. auch haustölpel,
scheint es, wird der kretin genannt, als der im hause gehaltene, zum hause gehörige, als das hauskreuz, die hausplage: vnnütze augengrewel, hauszhinderer vnd hausztölpel Fischart
Gargantua 437
neudr. 1@hh)
in verschiedenen redensarten: 1@h@aα)
einem, der den hut nicht zu rechter zeit abnimmt, ruft man in Pommern und auf Rügen zu: nimm den tölpel af Dähnert 488
b. 1@h@bβ)
von einem, der überall seinen '
unschick'
macht, etwas unpassendes thut, sagt man in Franken: dir tölp'l gröszt 'n überoll Frommann
deutsche mundarten 6, 325. 1@h@gγ) tölpel merk's
heiszt ein wink oder verweis, den man empfängt: (
der hofjägermeister) erklärte dem sich beschwerenden forstlaufer: in die rechnung sollst du ihn (
den verlorenen tressenhut) bringen, hab' ich gesagt, nicht auf die rechnung. das war ein 'tölpel merk's' für manche fälle H. König
seltsame geschichten (1857) 27; jemandem einen gehörigen 'tölpel - merks' auf den rücken, buckel geben,
ihn prügeln H. Schrader
bilderschmuck der deutschen sprache6 507; merx tölpel! Michel Robinson
curieuse sammlung von tausend in Schlesien gewöhnlichen sprüchwörtern und redensarten (1726) 29;
ebenso Daniel Bomolcke
sprüchwörter, welche in Schlesien im schwange gehen (1734)
b 1
b. 1@h@dδ) Passauer tölpel
heiszt zunächst ein kolossaler steinerner mönchskopf, der nach Wander 4, 1263
in der nähe der domkirche zu Passau eingemauert ist (
nach A. Erhard
geschichte der stadt Passau 2, 49
wird er vielmehr in dem garten eines gasthauses gezeigt).
er soll einst der statue des h. Stephan angehört haben, die auf der zinne des alten domes stand und bei der feuersbrunst im j. 1662
herabstürzte und zertrümmert wurde. vgl. auszer den schon angeführten werken Bavaria 1, 2, 974.
der name (
auch als compositum Passauertölpel
gebräuchlich)
wird aber zugleich gern den Passauern selbst als spottname zuertheilt, ja auch auf andere, als grade Passauer, angewendet, vgl. Schmeller
2 1, 603. H. Fischer 1, 668: die dölpel von Passau, welche zwar hoch daran seyn, doch an den thürn kein spitz abgeben P. Gansler
v. j. 1696
bei Schmeller; in L. Aurbachers
volksbüchlein2 2, 260
erklärt der Spiegelschwab: er wolle ins Bayerland, eigentlich um erstens ein Weilheimer stückle zu erfahren, und zweitens den Passauer tölpel zu sehen, und drittens einen Münchener bock zu trinken.
er findet dann auch (264)
in einem bairischen wirthshaus eine abbildung des Passauer tölpels
mit der unterschrift: ich bin der tölpel hübsch und fein, zu Passau bin ich nicht allein, werd' ausgeschickt in alle land, darum bin ich so wohlbekannt. 1@h@eε)
dunkel ist die bei dem Schlesier Wencel Scherffer
sich findende redensart den tölpel verstreuen,
sich tölpelhaft benehmen: wirdt von dir trunckner weis' ein tölpel gleich verstreut, so heltt man dirs zu gutt: wer ist berauscht gescheidt?
grobianer (1640) 143; hat jemand von der pursch den tölpel ja verstreut
ebd. 187.
P. Drechsler, W. Scherffer und die sprache der Schlesier 261
vergleicht die ähnliche, bei Scherffer (
aber auch sonst)
vorkommende wendung: den lümmel umschütten
oder verschütten. 1@h@zζ) einen tölpel machen,
eine ungeschicklichkeit begehen: wie mir die liebe das geschik gab, so herum zu schnurren, ohne einen tölpel zu machen! denn im vertrauen musz ich dirs sagen, dasz ich mich zuvor in meinem leben noch nie auf einen schlitten gewagt hatte. aber .. alle, die mich sahen, versicherten, dasz ich gut führe Schöpfel
Thomas Imgarten (1777) 96. 1@h@hη)
die ausdrücke: über den tölpel werfen, stoszen, schupfen, führen, fallen
s. unten 6. 1@ii)
in sprüchen und sprichwörtern: der jugend steht es an, gefoppt zu werden, doch traurig ist ein tölpel mit der glatzen Rückert
makamen2 1, 39 (
no. 4); der tölpel stolpert selbst im grase, fällt auf den rücken und bricht die nase Wander 4, 1263; ein tölpel fällt über einen strohhalm, ertrinkt in einem glase wasser und erhungert in der brotkammer; ein grober tölpel in schönen kleidern ist eine häszliche mauer mit goldener schrift; je dümmer der tölpel, je älter die metze; je älter die metze, je frecher ihr blick
ebenda. 1@kk)
als symbolischer eigenname gebraucht (
vgl.Tölp oben sp. 650); 1@k@aα)
als geschlechtsname: ein von Luther
gebrauchtes Hans Tölpel
ist schon th. 4, 2, 461
angeführt. vgl. unten sp. 667 Tölpelhans,
in der beschreibung einer bettelhochzeit heiszt es: Matz Tölpel hat den brey geruhrt, Cuntz Kachelofen hat den löpffel geleckt. Bolte
der bauer im deutschen liede no. 23
str. 13.
auch als pseudonym von schriftstellern kommt Tölpel
vor: nach Weller
wörterbuch der pseudonymen2 567
b nennt sich der verfasser des garngrämpler, das ist ein schoen new traus- oder klaglied, wie sich alle arme Bernische garngrämpler vnd vnderthanen klagen vber den mächtigen auffzug vnd erlitnen schaden zu Vilmergen
etc. o. j. 1656 — Oswald Tölpel;
ein anderes werk, das im quellenverzeichnis zum 5.
bande des deutschen wörterbuchs sp. XLVII
genannt ist, führt den titel: Ludwig Tölpels ganz funkel nagel neue baurenmoral, mit einem lächerlichen wörterbuch vermehret und in das teutsche übersetzt von Palato. Kamtschatka 1752. 1@k@bβ)
als geographischer name, einen ort bezeichnend, wo tölpel
aufwachsen. vgl. Tölpelbach (
sp. 665), Tölpelsberg, Tölpelshagen (
sp. 669)
und W. Wackernagel
kleinere schriften 3, 126. 128.
in einer streitschrift gegen Emser vom j. 1521
sagt Luther: ich acht, du hast zu Tolpell yn die schul gangen, der esell hatt dyr vbirleszen;
worauf Emser
antwortet: das aber Luter meynt, ich sey tzu Tolpel in die schul gegangen vnd hab mir der esel vberlesen, das ist nichtzit nawes, dann der prophet Balaam ouch von eym esel gelernet hat Luther
und Emser
streitschriften aus dem jahre 1521 2, 71
und 162
neudr. 1@ll)
als zweites compositionsglied (
bemerkt sei ausdrücklich, dasz hier nur tölpel 1
in betracht kommt): bauern- (
oder bauer-) tölpel
th. 1, 1183
und oben sp. 655; dorftölpel
th. 2, 1286
und oben sp. 655
f.; hammertölpel: einige unerfahrene hammertölpel (
tölpelhaft drauf loshämmernde hufschmiede), die offt das beste pferd im beschlagen verderben Abraham a S. Clara
etwas für alle 1 (1699), 407; haustölpel
th. 4, 2, 693
und oben sp. 660: nit genugsam seynd zu tadeln und zu schelten jene groben knospiones und tyrannischen haustölpel, welche ihre weiber nit anderst als durch schläg regieren wollen Abraham a S. Clara
sämmtliche werke 19, 14 (
gemisch-gemasch); riesentölpel: die kraft der trägheit in den massen oder, kürzer gesagt, die dummheit der völker ist eine furchtbare macht und es gehörte wahrlich kein geringer muth dazu, diesem riesentölpel zu leibe zu gehen Scherr
Blücher 1, 54; Witztölpel Fischart
Gargantua 5
neudr.; B. Schupp
in Wackernagels
leseb. 3, 1, 786. 22)
name einer münzart, nach th. 2, 1233 '
vielleicht für dublone'
; vielmehr verkürzung von tölpelthaler (
s. d.). Unger-Khull
steirischer wortschatz 160
a; Chr. Schmieder
handwörterbuch der gesamten münzkunde (1811) 127. ach, mein herr, ... helfft mir mit sechs dölpeln nur! J. Ayrer
dramen 2454, 6; die dölpel vnd die silberkronen thun als edelleut her gronen, sie gelten sovil auf der bahn, dasz mans schier nit mehr leyden kan
Augsb. fliegd. bl. 17. jahrh. (
Alemannia 18, 21); Genueser dölpel
werden in münzordnungen des 17.
jahrhunderts unter den silbermünzen angeführt (
das stück im werthe von 2
floren 4
kr.) Hirsch
münzarchiv 4, 207. 218. 33)
name von krankheiten Höfler
deutsches krankheitsnamenbuch 742: 3@aa)
eine gehirnkrankheit bei hausthieren, besonders bei schafen (drehkrankheit
th. 2, 1367. schöpsdrehe
th. 9, 1571),
verursacht durch den in blasen, hydatiden, lebenden dreh-
oder blasenwurm,
cocnurus cerebralis Höfler 823. 824.
gehirnbrand der thiere Schmeller
2 1, 603: er sprach den segen des heil. Pirmins und Wendelins wider den tölpel oder gehirnbrand der thiere über ihn A. v. Bucher
sämmtl. schriften 5, 225.
vgl. tölpelhirnig
sp. 667. 3@bb)
parotitis epidemica, entzündung der ohrspeicheldrüsen (
vgl. Eulenburg
realencycl. der ges. heilkunde3 18, 317
ff.),
auch wochentölpel, mumps (
th. 6, 2669), Ziegenpeter,
bair. dalewatsch (
vgl. Schmeller 1, 499)
genannt, Weinhold 99
a, Mi 93
b.
den namen tölpel
erklärt der umstand, dasz die krankheit durch die schwellungen der drüsen dem gesichte einen eigentümlich stumpfsinnigen ausdruck gibt. daher auch Ziegenpeter,
weil der kranke dabei aussieht wie ein die ziegen hütender bauerntölpel (
s.Peter 2, th. 7, 1577). wochentölpel
heiszt die parotitis, weil mit dem siebenten tage durchschnittlich die kritische entfieberung eintritt. —
s. tölpelkrankheit. 44)
name verschiedener vögel: 4@aa)
sula, eine vogelgattung, zur familie der pelecanidae gehörend, aus der gruppe der scharben. es werden verschiedene vertreter dieser gattung mit dem namen tölpel
bezeichnet, in erster linie: sula bassana, pelecanus bassanus, pelecanus sula etc., der weisze
oder gemeine tölpel,
auch tölpelgans (
s. d.),
der weisze fischer
oder weisze seerabe
genannt, Nemnich 4, 897, Otto
Buffons naturgeschichte der vögel 31 (1804), 130
ff., Oken 7, 409, Krünitz 185, 631, Giebel
thesaurus ornithologiae 3, 552, Brehm 6, 561.
er findet sich im ganzen nord- und eismeer, besonders häufig auf der schottischen insel Basz, daher der name bassanus (basztölpel O. v. Riesenthal
waidwerk [1880] 971). '
die tölpel'
schreibt Brehm 6, 563, '
haben keine gelegenheit, den menschen kennen zu lernen, und benehmen sich ihm gegenüber oft so, dasz sie ihren namen wirklich bethätigen, verlieren, wenn sie sich nicht mehr auf dem meere befinden, förmlich die besinnung und lassen dann, obschon nicht widerstandslos, vieles über sich ergehen, scheinen auch wenig durch fortgesetzte verfolgung zu lernen.' —
unter den sulen-arten tragen ferner den in rede stehenden namen: sula fusca, der ruszbraune tölpel Krünitz 185, 632
und sula piscatrix, pelecanus piscator, der tölpel
oder wassertölpel Forster
reise um die welt 1 (1778), 25, Nemnich 4, 896, Giebel
thesaurus ornithologiae 3, 553.
s. th. 3, 175
unter einfaltspinsel. 4@bb)
didus ineptus, dudu, walgvogel, mönchsschwan, dronte (
s. th. 2, 1434),
seines plumpen körpers wegen auch tölpel
genannt; kam ehedem auf den ostafrikanischen inseln, besonders auf Mauritius vor, soll aber jetzt ausgerottet sein: Nemnich 1, 1412, Oken 7, 628, Krünitz 185, 632, Giebel 2, 46, Brehm 5, 441. 4@cc)
nach Tschudi
thierleben der alpenwelt3 99
heiszt der waldlaubsänger,
sylvia rufa, in Bünden tilltölple, tille (
vgl. dille
th. 2, 1150)
nachahmung seines flötenden gesanges? 55)
pflanzenname: brassica napus, raps, wintersame, rübsaat Holl 201
b.
in den idiotiken nur für Hessen und Nassau bezeugt: rübsaht, so vulgo dölpel genennet wirt
Bingenheimer archival von 1663
bei Diefenbach-Wülcker 356; Kehrein 114, Crecelius 1, 280, Weigand
deutsches wörterb.2 2, 911 (
Wetterau).
verwandtschaft des pflanzennamen mit dülch,
semen rapistri aestivalis, wie Diefenbach-Wülcker
meinen, ist schwerlich anzunehmen. eher dürfte Weigands
vermuthung das richtige treffen, dasz tölpel
das gewächs bezeichne, das '
andere pflanzen beeinträchtigend sich ausbreite',
die '
dorf-ölpflanze'. 66)
auffallend ist tölpel
in den fünf wendungen über den tölpel werfen, schupfen, stoszen, führen, fallen, stolpern.
die transitiven (werfen
bis führen)
bedeuten '
einen ungeschickten übervortheilen',
vgl.übertölpeln,
die intransitiven (fallen, stolpern) '
eine ungeschicklichkeit begehen'.
da in diesen formeln das aus mhd. dörper
entstandene tölpel
absolut unverständlich wäre, so liegt die vermuthung nahe, dasz es sich hier um ein ganz anderes wort handelt, das mit jenem dörper-tölpel
nur lautlich zusammengefallen ist. Heyne
nimmt in seinem deutschen wb. 3, 992
f. einen doppelten ursprung des wortes tölpel
an, indem er tölpel (1)
auf mhd. dörper
zurückführt, tölpel (2)
dagegen für weiterbildung eines älteren dolp (
oder dolbe) '
knüttel, keule' (
s. Grimm
th. 2, 1221)
erklärt. mit dem letzteren identificiert er das von uns oben sp. 650
anders aufgefaszte tölp
oder dölp,
das wie tölpel (1)
zur bezeichnung eines ungeschickten menschen dient und schon seines umlauts wegen mit dolb '
knüttel, keule'
nicht identisch sein kann. in den redensarten über den tölpel fallen, werfen
etc. soll nun tölpel (2)
vorliegen, der sinn also sei eigentlich '
über einen klotz fallen, werfen'
etc., woraus sich die bedeutung '
aus ungeschicklichkeit einen fehler begehen'
oder '
einen ungeschickten übervortheilen'
entwickelt habe. ähnlich Paul
deutsches wb. 456.
Allein es musz auffallen, dasz das von Heyne
und Paul
vorausgesetzte tölpel (2) = '
klotz, strunk', '
wurzelende eines gefällten baumes'
aus der litteratur sonst nicht zu belegen ist (
nur die lexicographen Frisch
und Adelung
halten '
truncus, stipes'
für die grundbedeutung von tölpel,
weil sie dessen entstehung aus mhd. dörper
nicht kennen),
und ferner, dasz in den in rede stehenden fünf wendungen der bestimmte und nicht, wie Heyne
und schon vor ihm Adelung
in ihren erklärungen einsetzen, der unbestimmte artikel gebraucht ist. es heiszt nicht über
einen tölpel,
sondern über
den tölpel werfen
etc., und man müszte, wenn unter tölpel
wirklich ein klotz oder baumstumpf verstanden wäre, fragen: über welchen klotz wirft man denn den ungeschickten gegner, oder stolpert man selbst aus ungeschicklichkeit? es könnte sich doch nur um einen unbestimmten, zufällig im wege liegenden handeln, der von dem zu falle kommenden vorher nicht bemerkt worden war. Wir müssen uns deshalb nach einer anderen bedeutung von tölpel (2)
umsehen, die den bestimmten artikel zu rechtfertigen vermag. und eine solche bietet sich ungezwungen, wenn man mit Frommann
deutsche mundarten 5, 238
und dem verfasser zeitschrift f. deutsche wortforschung 2, 296
f. (
vgl. dagegen Schuchardt
zeitschr. f. deutsche wortforsch. 4, 330)
ein zusammenfallen von dorpel '
thürschwelle' (
s. th. 2, 1301)
mit tölpel
annimmt. nach dem, was oben (2
und 4)
bemerkt wurde, ist das wort tölpel
durch die im späteren mhd., vereinzelt aber auch noch im 16.
und 17.
jh. vorkommenden formen dörpel
oder törpel
hindurchgegangen. wie leicht konnte mit ihnen ein ursprüngliches dorpel '
thürschwelle'
in den in rede stehenden verbindungen verwechselt werden. daher dann auch weiter der übergang zu tölpel,
ganz wie bei dörpel
und törpel.
Die redensart über den tölpel werfen
würde also eigentlich bedeuten '
über die thürschwelle, zum hause hinaus werfen',
womit in drastischer weise das verdrängen, das übervortheilen einer bestimmten person bezeichnet wäre. der nebensinn, dasz der geschädigte sich ungeschickt benommen habe, dürfte durch eine beziehung des wortes auf tölpel
erst hinzugekommen sein. —
bei der vorgetragenen auffassung ist der gebrauch des bestimmten artikels wohl gerechtfertigt, denn es handelt sich um die bestimmte thürschwelle des hauses. Es ist nicht anzunehmen, dasz die fünf mit über den tölpel
gebildeten redensarten sich alle selbständig und unabhängig von einander entwickelt haben. wie die unten folgenden belege zeigen, ist über den tölpel werfen
von den angeführten verbindungen die älteste und steht lange für sich allein da. offenbar hat sie für die andern das muster abgegeben. dieselben sind einfache nachbildungen der älteren formel und entstanden, als der zusammenhang mit dorpel '
thürschwelle'
gewisz längst vergessen war. es ist daher nicht nöthig, für sie alle noch auf die zu grunde liegende sinnliche bedeutung zurückzugehen. Es folgen nun die belege. vgl. Wander 4, 1264: 6@aa)
über den tölpel werfen: hertzog Friderich ... ist weidlich vbern tölpel geworffen vnd betrogen worden vom selbigen bischoff Luther
tischreden (1568) 239
a; (
mancher handwerker denkt) er (
der kunde) verstehet sich nicht darauff, darumb wil ich jhn wol vber den dölpell werffen Höniger
narrenschiff (1574) 179
b; in diesem jtzt gelesenem text aber fodert er (
Syrach) von einen (
sic) christen menschen eine besondere vorsichtigkeit vnd bescheidenheit, welche ferne hienaus auffs künfftige siehet ... vnd lest sich nicht also vber den tölpel werffen vnd gleubet nicht bald alles was man sagt Mathesius
Syrach (1586) 1, 118
a; es bestund nit lang, er (
der neue weinhändler) ward als einer solcher kauffmannschafft unwissend übern tölpel geworffen, ietzt im kauff, denn im verkauffen, denn von seynen eygnen knechten Kirchhof
wendunmuth (1563) 1, 213
Österley; vber den dölpel werffen,
fraudare, ludificare. also musz man den narren vber den dölpel werffen, vnd ein specklein auff die fallen legen Henisch (1616) 725; (
menschen, die) sich noch wol rühmen, wenn sie jhn (
ihren nächsten) tapffer haben vber den tölpel geworffen, als hetten sie eine grosze ritterthat begangen Valerius Herberger
herzpostilla (6.
aufl. 1625) 1, 195
a; rationes fallendi, dadurch ... die alten teutschen täddel (
österr. Thädl, Taddädl
vom namen Thaddäus,
ein schwachkopf Schranka
Wiener dialekt-lexikon 170) vbern tölpel geworffen worden A. Mengering
Kriegsbelial (1633) 265; (
ich musz sehen) wie meine kinder so üppig mit all meinem gut vmbgehen ... in erscharrung dessen ich so manchen ehrlichen mann vber den tölpel geworffen und betrogen Moscherosch
gesichte (1650) 1, 417; ich hab jhn, gott verzeih mirs, recht vbern tölpel geworffen 1, 446; ich habe ihn so artlich über den dölpel geworffen, dasz ihn der teuffel hätte holen mögen Grimmelshausen
Simplicissimus (1669) 72
neudr., etliche betrogen, und andere wurden wieder über den tölpel geworffen
simplicianische schriften 1, 186
Kurz; es vermeinen etliche ..., wann man einen juden betrieget oder über den tölpel wirffet, dasz es kein sünde seye Abele
künstliche unordnung (1670
ff.) 2, 250; wie manierlich kan er die alberen courtisanen auffziehen und über den tölpel werffen
pedantischer irrthum (1673) 73; einen mit sehenden augen verblendeten über den tölpel zu werffen
alamodisch technologisches interim (1675) 476; wo ich ihnen indessen ein bein halten und (
sie) über den tölpel werffen kan, thue ich das meinige 515; aber wir lachten ab seiner einfalt, dasz er vns wolte so schnell über den dölpel, dieser dölpel, werffen
kurtzweilige raisz, so ... general Springensfeld ... verrichtet (1676) 32;
grabschrift eines roszkamms: ein roszkam streckt sich hier in dieses grabes grundt, der übern tölpel warff durch sein verlognen mund all' die mit ihme sich zu kauff und tausch einlieszen Corydon ausz Arcadien
narrenbossen (1677)
A. XII; im anfang, wenn sie ein mägdlein über den dölpel werffen wollen, so brennet ihnen die liebe liechterloh aus dem leibe Stranitzky
ollapatrida (1711) 246
neudr.; so er (
der prozeszführende) den festen glauben heget, dasz er seinen gegner werde über den tölpel werffen können, wenn er ihn erst zu gesichte bekäme (
nämlich eher, als der gegner ihn), so ist er ein abgöttischer
rockenphilosophie (1718) 2, 293; a läszt sich nich balde (
oder leicht) übern tölpel warffen
von einem, der sich nicht leicht hinters licht führen läszt, Michel Robinson
curieuse sammlung (1726) 29, D. Bomolcke
sprüchwörter (1734)
A 6
a. einen über den tölpel werffen,
hominem incautum fallere Steinbach 2 (1734), 822; jem. über den tölpel werfen,
besiegen (1747) Kluge
studentensprache 130
b; einen über den tölpell werffen,
ihn betrügen O. Lind
teutsch-schwedisches wb. (1749) 1540; ich pflegte oft über ihren ehrlichen, einfältigen nachbar Flamborough zu lachen und gewöhnlich warf ich ihn, auf eine oder die andre art, jährlich einmal über den tölpel (Bode)
dorfprediger von Wakefield (2.
aufl. 1777) 356.
vgl. ferner Adelung-Serz
teutsche idiotismen (1797) 157
a; Campe; Heinsius; Krünitz 185 (1844) 631; Heyse.
von dialektwörterbüchern führen die redensart an: Schmeller
2 1, 603; Birlinger 299; H. Fischer
schwäbisches wb. 1, 253; Kehrein
volkssprache in Nassau 405; Schmidt
westerwäld. idiot. 256; Müller-Weitz
Aachener mundart 34. 6@bb)
über den tölpel schupfen: ja hui, der (
nachbar) ist weidlich beschissen, ich haun wol dächt, ich sey so gflissen, dasz ich jhn vbern tölpel schupff. J. R. Fischer
letste weltsucht. (1623) 3, 1 (
Bayerns mundarten 1, 186
b). 6@cc)
über den tölpel stoszen: wer ein narr ist und läszt sich über den tölpel stoszen, der mag sich auslachen lassen Christian Weise
baurischer Machiavellus (1679) 28
L. Fulda; wie schön sie mich über den tölpel stoszen will Lessing 1, 246 (
der junge gelehrte 2, 3);
S. er hat sich von mir lassen übern tölpel stoszen.
W. sie mögen selber ein tölpel seyn 1, 365 (
misogyn 2, 5); über den tölpel stoszen,
circumvenire aliquem Hederich (1777) 2982; doch, Frank, ein kniff, ein plänchen ists ja nur von mir und ihrem vater ausgeklügelt, Mounchen sey übern tölpel brav zu stoszen Tieck
altenglisches theater (1811) 2, 159:
vgl. ferner Adelung, Campe, Heinsius, Krünitz 185 (1844), 631, Heyse,
von dialektwörterbüchern Müller-Weitz 34. 6@dd)
über den tölpel führen: schweizerisches idiot. 1, 56. 6@ee)
über den tölpel fallen: er fiel heszlich über den tölpel,
er begieng einen groszen schnitzer Ludwig
teutsch-engl. lexikon (1716) 1991; über den tölpel fallen,
tombolare sul balordo, cioè far qualche atto da balordo Kramer
teutsch-ital. dictionarium (1724) 2, 1100;
vgl. ferner O. Lind
teutsch-schwedisches wb. (1749) 1539, Adelung, Campe, Heinsius, Krünitz 185 (1844) 631, Heyse,
von dialektwörterbüchern Müller-Weitz 34. 6@ff)
über den tölpel stolpern: Perez (
zu Valerio): nun nehmt mir den sonnenschirm ab, tölpel. (
er stolpert.)
Valerio: dankt gott, dasz ihr über euren eigenen tölpel stolpertet, sonst wollte ich euch die schiefen beine gerade brechen Brentano
gesammelte schriften 7, 99 (
Ponce de Leon 3, 3). IIIIII.III.
die zusammensetzungen zerfallen in eigentliche mit tölpel —
und uneigentliche mit dem genitiv tölpels.