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Sünndag

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MeckWB
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Eintrag · Mecklenburgisches Wb.

Sünndag m.

Bd. 6, Sp. 1091
Wossidia Sünndag m. Sonntag Mi 89b; allgem.; sonntags: sünndag's, meist -dags; mehrf. wird Stimmtonverlust des Anlauts durch Laienschreibung z- bezeugt: zünndag's Ma Malchin@ChemnitzChemn; WaWaren@LapitzLap; StaStargard@VoigtsdorfVoigtsd; an 'n Zünndag RoRostock@DierhagenDierh; starke Lautabschwächung des unbetonten Grundworts ist für das 18. Jh. belegt: 's sünds am Sonntag Mantz. Idiot. B 1b 1. der Sonntag in Recht und Brauch: durch die Jahrhunderte wurde der Sonntag von der in der Woche körperlich schwer arbeitenden Bevölkerung als Feiertag empfunden; nur das Nötigste an Haus- und Stallarbeit wurde getan, alles war schon am Sonnabend gründlich gesäubert, vgl. Sünnabend; und es gab ein besonders gutes Mittagessen, vgl. unt. 2; der Sonntag war allgem. ein Fleischdag (vgl. das); in RoRostock@WarnemündeWarn war ein Büdelklump das Sonntagsessen; lediglich in der Schiffahrt galt keine Sonntagsruhe, s. Sägeldag; bes. am Sonntagabend herrschte viel Fröhlichkeit, die sich unter jungen Leuten zu Ausgelassenheit und damit zu Arbeitsunlust am folgenden Tage steigern konnte, vgl. unt. 2. Einen besonderen Platz im Tagesablauf nahm der sonntägliche Kirchgang ein, der Einwohner mehrerer Dörfer im Kirchdorf zusammenführte, und zu dem man sich nach bestem Vermögen schmückte; über kirchliches Verhalten und Kirchenbesuch in früherer Zeit s. Kark1 1 b und c; das kirchliche Gebot, sonntags zur Kirche zu gehen und sich aller Lustbarkeiten zu enthalten, kommt im 17. bis 19. Jh. immer wieder in Gesetzen zum Ausdruck, die sich jedoch auch stets gegen Verletzungen dieser Gebote zu wenden haben; während der Kirchzeit wird der Wirtshausbesuch verboten (1562) Pol.-Ord.; aber auch darüber hinaus: 'daß vor, unter, zwischen und nach denen Predigten in denen Wein-, Bier- und Brandtewein-Häusern und Schencken ... keine sitzende Gäste geduldet ..., vielweniger einiges Doppeln und Spielen, liederliches Geschrei und Singen, Music, Bierfiedlen und Tantzen vergönnet werden' (1717) herzogl. Verord.; schon im Gefolge der Reformation werden Hochzeitsfeierlichkeiten am Sonntag, 'die Sontags-Köste', kirchlicherseits verworfen: D. Schröd. Kirchenhist. 2, 240; Auseinandersetzung zwischen Pastoren und Rat hierüber in Ro s. Beitr. Rost. 1, 3, 36 f.; 'Hochzeiten und Kindtauffs-Gastereyen' werden gesetzlich verboten (1654) Gesindeord.; desgl. 'Begräbniß-Gästereyen' (1661) Interimsverord.; auch 'die Erndte-Biere auf dem Lande' (1782) Patentverord.; es ist untersagt, Handel zu treiben: 'so soll ... nicht die geringste Handelung und Gewerbe mit kauffen und verkauffen, an allerhand Waren und Früchten in Städten und auf dem Lande betrieben, noch etwas zu Marckte gebracht ... werden' (1717) herzogl. Verord.; Verbot von Jahrmärkten (1654) Gesindeord.; (1782) Patentverord.; doch noch Anfang des 20. Jh. öffneten die Läden nach der Kirchzeit und blieben am Sonntagnachmittag geöffnet Wa; am Sonntag war überhaupt alle Arbeit verboten: 'am Sonn- oder hohen Fest- ... Tagen sollen keine Schneider, Schuster, oder andere Handwerker sich bei einiger Arbeit betreten lassen, bey Vermeydung schwerer willkürlicher Straffe' (1717) herzogl. Verord.; '1758 d. 25. Juli werden Beamte und Pensionarii angewiesen, ... sich selber keine Übertretung durch Mähen, Binden, Hocken und Einfahren zu schulden kommen zu laßen' Horn Selmsd. 1, 301; 'sollen ... Schneider, Schuster, Tischler, Schmiede und andere Handwerker, auch Tagelöhner sich aller Arbeit enthalten, auch soll nicht unter der Predigt Feld- und Garten-Arbeit verrichtet, oder gefuhrwerkt werden ..., es wäre denn in Nothfällen' (1817) herzogl. Verord. 2. Sprachl. a. Wortbelege aus a. Spr.: 'des sůnnedaghes vor sunte Margareten daghe' (1378) UB. 19, 326; '1 rod sidene gerwete, dat me (Geistliche) heft des sundages' (1476) Beitr. Rost. 5, 387; 'des sundaghes ornat' (1511) 391; 'wenn deslve des SOendages thor Kercken scholde gahn' Gry. Lb. 1, G 2a. b. Rdaa.: de Sünndag is de Minschendag, denn steiht de Knecht nich unner 'n Knüppel SchöSchönberg@GrevesmühlenGrev; ein am Sonntag Geborener antwortet auf die Frage nach seinem Geburtstag halb scherzhaft, halb ernst: up 'n Sünndag, up 'n Alldag hadd' min Mudder kein Tit RoRostock@KröpelinKröp; Ablehnung, ein Fest mitzufeiern: all Dag' is nich Sünndag PaParchim@PlauPlau; dee (Übereifriger, der auch am Sonntag tätig ist) schoont nich Sünndag oder Swalldag (s. Warkeldag) SchwSchwerin@PinnowPinn; doch die Schmiede deuten, wenn sie zu dritt schmieden, den Rhythmus der Hammerschläge als kumm, Sünndag, kumm! Pa Parchim@DobbertinDobb; dee (fauler Dienstbote) söcht 'n Herrn, dee in de Woch sœben Sünndag' gifft Wa Waren@SchwarzSchwarz; ick mücht, wenn alle Dag' Sünndag wir un midden in de Woch noch 'n Festdag HaHagenow@RedefinRed; wenn ick to räden hadd', denn dörft drei Dag' vör Sünndag un drei Dag' nah Sünndag nich arbeit't warden StaStargard@Alt StrelitzAStrel; Alte sagten im Hinblick auf Arbeitserleichterungen schon Ende des vorigen Jh.: nu hebben de Lüd' jo ümmer Sünndag (1887) SchöSchönberg@CarlowCarl; as de Rummels upkemen, dat wir herrlichen Kram, dat wir Sünndag gegen dat Oewersmiten Gü; spöttisch, wenn jem. die Woche über krank war, aber am Sonntag gesund und munter: sünndags hinkt kein Hund Pa; dee (Pferden, die am Montag übermütig sind, weil sie am Sonntag Stallruhe gehabt haben) sitt de Sünndag in de Knaken HaHagenow@RedefinRed; zu viel Ausgelassenheit, bes. am Sonntagabend, wird oft getadelt: Sünndags geiht dat dideldumdei, Mandags sünd de Strümp intwei (vom Tanzen) Wa; vgl. Hahnenkreih und Kakelei; Sünndags geiht 't hen danzen un springen, Un mandags kann 'n de Bücks nich finnen HaHagenow@BelschBelsch; Sünndags up 't Snacken, Mandags mit de blanken Hacken Wa; vgl. slefacken; dee (leichtes Mädchen) hett all' Dag' 'n Frischen (näml. Bräutigam) Un sünndags keenen Gewissen Wa; auf Sauberkeit und gutes Mittagessen bezogen: 'n bäten frisch Fleisch up 'n Disch un 'n bäten witt Sand vör de Dör, denn weit 'n, dat Sünndag is HaHagenow@BesitzBes; wenn de Kinner Sünndag ut de Husdör kiken un hebben nich 'n bäten Fett an 't Mul, denn weiten se jo gor nich, dat Sünndag is Pa; auf die Vorstellung, der Sonntag habe gegenüber den anderen Tagen doppeltes Gewicht: dat (bei großer Trockenheit) möt alle Dag' rägen un sünndags tweemal Lu; Loep. 5; uns' Boden (vgl. Bodden 2) kann alle Dag' 'n Schuer verdrägen un sünndags twei SchwSchwerin@PampowPamp; dee Acker möt alle Dag' Rägen hebben un sünndag's Kohschit Schw; Handwerkerrda.: 'n lütten Sünndag an wat maken die freie Sonntagszeit zur künstlerischen Ausgestaltung eines Werkstücks verwenden: dei Gesell hett dor (an einen Koffer mit schönem Beschlag) 'n lütten Sünndag an maakt HaHagenow@BelschBelsch. c. Beispielsprw. und Vgll.: is Sünndag, seggt de Diern, smeert ehr Schoh mit Botter in Wa; Schw; dat (schwerfallende Arbeit) ward em noch swerer as den Preister de Sünndag GüGüstrow@BützowBütz; dee danzt as de 53. Sünndag in 't Johr schlecht StaStargard@FeldbergFeldb; Spott auf einen Eigensinnigen: dee is eigen as Beckmann sin Kater, hett up 'n Sünndag nich musen wullt RoRostock@HeiligendammHDamm; vgl. Kak 1 (Bd. 4, 36); 'so vOerstahn se (Unwissende) sick so vele darup (aufs Ratgeben) alse de Kreye vam Sondage' Gry. Lb. 1, T 1a; Paw. H 2b; hei versteiht so vel von 't Französch as de Kauh von 'n Sünndag Reut. 3, 279; vgl. Sœg' 1 b. 3. Aberglaube; die Vorstellung, daß jem., der am Sonntag, bes. während der Kirchzeit, arbeitet, für diesen Frevel bestraft wird, ist das Thema mancher Sagen; so ist der Mann im Mond wegen Holzsammelns am Sonntag zur Strafe dorthin versetzt Wo. Sa.; ein Gutsherr, der am Sonntag einfahren läßt, wird vom Teufel geholt RoRostock@NiederhagenNiederh; Fischer, die während der Kirchzeit Aale fangen, entgehen kaum einem sie verfolgenden riesigen Aal WiWismar@RerikRer; besondere Verbote: wenn man am Sonntag webt, gibt es später Streit um das Leinenzeug LuLudwigslust@Groß LaaschGLaasch; wenn man am Sonntag Wolle abwickelt, werden die Schafe, von denen diese stammt, narrsch StaStargard@KublankKubl; wenn man Hemden oder Bettücher näht, die dann ein Schwerkranker an oder um sich hat, hat sein Todeskampf kein Ende, bis das Zeug vertauscht ist Bartsch 2, 219; das Erzählen von Sagen am Sonntag wird abgelehnt, da es Sünde sei RoRostock@RethwischRethw. Der Sonntag verleiht den Menschen unter gewissen Bedingungen magische Kräfte, bes. den an diesem Tage Geborenen; sie sind Glückskinder Bartsch 2, 219; können Besessene heilen ebda; können Geister sehen (kœnen wat seihn) ebda; oft; nur wer am Sonntag von 11—12 geboren ist, kann die blaue Dame in Wa@Wasd erlösen; auch am Sonntag getaufte Kinder können Geister sehen RoRostock@BartelshagenBart; sie müssen am Sonntag geboren und auch getauft sein PaParchim@SpornitzSporn. Der Sonntagstermin als magisches Mittel: wenn der Austrieb des Viehs auf die Weide am Sonntag erfolgt, gedeiht es gut LuLudwigslust@BrunowBrun; so auch die Ferkel, wenn man sie am Sonntag morgen vor Sonnenaufgang afnimmt von der Sau fortnimmt, sie entwöhnt Ro Rostock@Nienhagen bei DoberanNHagD; eine trächtige Kuh soll am Sonntag zuletzt gemolken werden, dann kalbt sie bei Tage StaStargard@LeussowLeuss; LuLudwigslust@LaupinLaup; GüGüstrow@LüssowLüss. Die Auswirkungen des Sonntags auf Krankheiten: einerseits ist das Fieber an diesem Tage immer am stärksten Wi; anderseits tritt eine, jedoch nur scheinbare Besserung ein: Sünndagsbäterung döggt nich Schw; Bartsch 2, 219; daher soll eine Wöchnerin nicht am Sonntag wieder aufstehen PaParchim@PlauPlau. Wetterglaube: sonntags soll es immer stürmischer sein als an andern Tagen RoRostock@RibnitzRibn; wenn es am Sonntag vor der Predigt regnet, regnet es die ganze Woche Bartsch 2, 219. — FN.: Sünndagsbrauk, -soll. Zss.: Dank-, Fischer-, Karkgahnel-, Kirschen-, Löper-, Palm-, Pöttensünndag. — Mnd. sündach, sun-. — Br. Wb. 6, 355; Dä. 474a; Da. 216b; Kü. 3, 338; Me. 4, 959.
9348 Zeichen · 134 Sätze

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit suenndag

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Zerlegung von suenndag 2 Komponenten

sunn+dag

suenndag setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

suenndag‑ als Erstglied (19 von 19)

Sünndagnahmiddag

MeckWB

suenndag·nahmiddag

Sünndagnahmiddag m. Sonntagnachmittag: an 'n Sünndagnahmiddag güngen wi ümmer nah min Grotmudder tau 'n Kaffe Ro Ribn .

sünndagnahmiddagsch

MeckWB

suenndag·nahmiddagsch

sünndagnahmiddagsch -dag'sch sonntagnachmittäglich: sei süht so sünndagnahmiddag'sch ut festlich Ro Ribn ; Rda.: dat (Bissen) is mi in den s…

sünndagsch

MeckWB

suenndag·sch

sünndagsch -dag'sch sonntäglich: -dagsch Mi 89 b ; min sünndagsch Dauk Tuch, das ich sonntags trage Ro Ribn ; nu warden sei (die Landleute) …

Sünndagskind

MeckWB

suenndag·s·kind

Sünndagskind n. an einem Sonntag Geborener Ro; der Aberglaube schreibt ihm Glück und besondere Fähigkeiten zu, s. Sünndag 3; alter Beleg: 'd…

Sünndagsmeiher

MeckWB

Sünndagsmeiher m. Schelte für einen Mäher, der das Mähen nicht versteht und daher nichts schafft Gü Klueß .

Sünndagspalle

MeckWB

suenndag·spalle

Sünndagspalle f. a. Spr. Altardecke, die am Sonntag aufgelegt wurde: 'eine sundagspalle' (Ro St. Nikolai, 1511) Beitr. Rost. 5, 391; (1476) …

Sünndagsrider

MeckWB

suenndag·s·rider

Sünndagsrider m. schlechter Reiter, der sich auch vom Pferd abwerfen läßt Müll.-Friese 165.

Sünndagswasch

MeckWB

suenndag·s·wasch

Sünndagswasch f. eig. unüblicherweise am Sonntag vorgenommene Wäsche, übertr. kleine, oberflächlich durchgeführte Wäsche, Syn. Klarrerwasch …

suenndag als Zweitglied (1 von 1)

Fischersünndag

MeckWBN

fischer·suenndag

Wossidia Fischersünndag m. Sonntag des Wismarer Pfingstmarktes, wo vor allem die Fischer der Dörfer auf Poel und an der Wismarbucht den Mark…