stutzig,
adj. , '
widerspenstig, jäh, kopfscheu',
von 1stutzen,
vb., in seinen verschiedenen bedeutungen, seit dem 15.
jh. bezeugt. auch stotzig,
s. teil 10, 3, 587; stützig
besonders für die bedeutung A,
bei jungen autoren oft geradezu mundartverhaftetes stützig '
widerspenstig' (A)
gegenüber dem schriftsprachlich alleinigen stutzig '
zögernd' (B),
vgl. u. A 2
und 4. AA.
von stutzen '
stoszen' (
sp. 758)
und '
steil stehen, jäh sein' (
sp. 767). '
stoszen'
liegt ausgeprägt in 1
vor, '
jäh sein'
in 6;
in der masse der anwendungen (2
bis 4)
scheint sich in der bedeutung '
widerspenstig'
die grundbedeutung '
stöszig'
mit '
jäh'
zu vermischen, s. 5.
in der bedeutung '
widerspenstig'
deckt sich stutzig, stützig
völlig mit stätig (
teil 10, 2, 935), stöttig (
teil 10, 3, 582), stetig,
vgl. z. b.: ein maultreiber, der drieb ein maul, das war stetig, stützig und faul H. Sachs 14, 134
K.-G.; ob er (
der ochse) stättig, forchtsam, wild ist ...; dann etliche werden davon nur noch vil stutziger, grimmiger und toller Sebiz
feldbau (1579) 126.
hierher, da stutzig
im nd. sonst fehlt (
s. u.A 2): stüttig '
trotzig, tückisch' Schumann
Lübeck 85; stütig als ein pferd
écouteux (
wie u. 4) Frisch
nouv. dict. (1730) 543. A@11)
stöszig, stoszlustig, vom bock u. ä., wie 1stutzen A 1:
aries petulcus ein stutziger wieder
nomencl. lat.-germ. in usum schol. Hamb. (1634) 170; stöszig, stutzig
petulcus thes. lat.-germ. (1687) 661; der junge bock ..., ob er gleich mutwillig und stutzig ist Comenius
jan. ling. (1644) 54; man erkennt kein procesz wider ein stutzigen bock Lehmann
flor. polit. (1662) 2, 722; und wird am jüngsten tag mit allen unreinen, stinckenden, stutzigen zothemmeln und böcken in das ewige hellische feuer geworffen werden S. Artomedes
christl. auszlegung (1609) 1, 72;
aber der stutzige bock beutelt mit dem kopf wie ein sonnenkoller v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. 2, 368; jugend sprach, du bist als ein bock aygensinnig, köppig und stützig, mit all deinem fürnemen trützig H. Sachs 4, 51
Keller; sie haben auch die disputation in ander weg nicht wollen zulassen, und uns also mit einem hornichten und stützigen ranck und syllogismo angetastet und überfallen Luther
werke (
Jena 1555) 1, 145
b. A@22)
widerspenstig, trotzig, hartnäckig, vom menschlichen charakter, ebenso auch aufstützig (
teil 1, 756),
wie 1stutzen
trotzen (
sp. 759).
mundartlich im obd., s. Fischer schwäb. 5, 1943; Martin - Lienhart 2, 621; Ruckert
unterfrk. 179; Schmeller-Frommann 2, 800; Schöpf
tirol. 727. — stützig, widerspenstig, starrig, hartneckig
obstinatus Schöpper
syn. b 8
a; weil die juden sindt also trutzig, hartmewlig, halsstarrig und stutzig H. Sachs 11, 336
Keller; so greulich hartköpffige stitzige leuth seynd sie, dasz sie gar niemand weder bändigen noch biegen kan Procopius
patrociniate (1674) 757; sie (
die hoffart) machet auch, dasz der mensch ... zum gehorsam unwillig, im votiren eigensinnig, stützig und unfolgig ist Albertinus
Lucifers königreich 30
Liliencron; die ... waren einhellig so stützig, ... wolten gestrax uf iren köpfen ungewist stan Val. Anshelm
Berner chron. 5, 279
Stierlin-Wyss; welcher schulmeister kan einen memmen hertzhafft machen, ... einen stutzigen gedultig Lehman
flor. polit. (1662) 2, 785; und derhalben diese fromme schwester, diese stutzige und trutzige Xanthippe, vor andren weibern, ausgesucht E. Francisci
luftkreis (1680) 285; die gesunde aber wurden auffsätzig und stutzig, gaben nichts mehr auf seine befehle
M. Krämer
leben u. tapffere thaten (1681) 22; jm gegentheil sollen sie (
die dienstmägde) nicht seyn stutzig, trotzig, aufgeblasen v. Hohberg
georg. cur. 3 (1715) 133
a; vor dem andern verdrüst mich des geschichtz, daz ich nit ungeschickt noch stützig (
protervus) gesehen wurd
Terenz deutsch (1499) 76
b; der ober feldherr ... befand stutzige, mutzige, trotzige, dikke, kurtze kerls J. G. Schottel
horrendum bellum gramm. (1673) 62;
bis in die jüngste zeit lebendig, doch wohl meist in mundartlicher bindung: was wohl seinem Bertl über die leber gekrochen sein könne. sonst ein braver, williger mensch, jetzt auf einmal so stützig Rosegger
schr. I 1, 180; die alten sein grad stützig und voll muggn; da bringst nix mehr drein und nix mehr draus Karl Schönherr
frau Suitner (1916) 69; von der kourage sprach es (
das männchen) lang und breit, und that sogar recht trutzig und recht stutzig Heine 1, 17
E.; der selbst die wildesten bezwingt, wenn er die goldnen mährchen singt. und wären knaben noch so trutzig, und wären mädchen noch so stutzig, sie müssen alle hinter drein Göthe 1, 183
W.; stutziger kopf, sinn
u. dergl.: so ein verkündiger des wort gottes alles nach seinem stutzigen kopf richten wil, ... der wird mer zerbrechen, dann aufrichten Joh. Brentz
pred. Salomo (1528) 113
b; dergleichen dann erfahrner mann zu solchem groszen werck, sonderlich der newen ersten schatzung, bei solchen stuotzigen und aufrührischen köpfen der juden erfordert sein wöllen H. Röslin
Prodromus (1612) 106; ein stutziger kopf, stutziger sinn, stutzige weise Kramer 2 (1702) 1031
a; das kann solch einem trotzigen, stutzigen schwabenkopf spanisch vorkommen H. Kurz
sonnenwirt (1855) 165
Müller; du hast newlich ein deiner freund erzürnt durch dein stützigen grind Wickram
w. 4, 25
Bolte; wölche haimsuchung si volbracht hat, nit ausz fürwitz als Dina, nit ausz ainen gehen stutzigen sin J. Öcolampadius
sermon von dem vers im magnificat a 4
a.
adverbielle anwendungen. mit jem. stutzig werden
in streit geraten: in diesem jahr werden die von Erffurt und Mülhausen auch stützig mit dem landgrafen, aber keyser Ludwig wirckete zu beyden theilen einen friede Binhardus
thüring. chron. (1613) 249; alsz darnach anno 1400 g. Niclasz gestorben, seint g. Heinrich und g. Albrecht mit jhrem bruder h. Gerhardten uber der erbtheilung stützig worden C. Spangenberg
chron. (1614) 152; seindt mein knecht und ich mit einander stuczigk worden und zu den buchssen gegrieffen
qu. v. 1561
bei Diefenbach-Wülcker 870. — das weib soll jhrem mann nicht stützig widersprechen sondern mit freundlichkeit tragen desz manns gebrechen Moscherosch
gesichte (1650) 2, 345; des bildes hörner auch bedeuten, das sich der neid gehn frommen leuten entpöret und sich machet stutzig H. Sachs 3, 334
Keller. A@33)
gelegentlich ohne den abschätzigen sinn von widerspenstig, vielmehr '
kräftig, standhaft, hartnäckig': wann ein starcker sturmwind sausset, so ist diser aichbaum so stützig, und widersetzt sich dem wind Abr. a
s. Clara
Judas (1686) 1, 34; ob der mensch ernst und stutzig oder sanftmütig und gelind Conr. Dieterich
weish. Sal. (1627) 1, 816; (
sie wählten ihn) von wegen seiner trutzlichen handlungen und dasz er ein aufrüss, anhärrig man was ... dan si auf sölchen männern zuo diser zeit sonders vil hieltend, um der stützigen und kriegischen loufen wellen, wellich ja stutzig und kriegisch praelaten erfordertend J. von Watt
deutsche schr. 1, 402
Götzinger; durch dein hilf wöln wir unsre feind als mit hörnern zerstossen trutzig: unt di widersetzig uns seint, in deim namen zertretten stutzig Schede
psalmen 169
Jellinek. A@44)
vom pferde im sinne von '
störrisch'
; im gegensatz zum vb. stutzen,
wo der gleiche anwendungsbereich sich enger zur gruppe '
zögern' (
sp. 762)
stellt, erwächst hier die anwendung des adj. völlig aus 2
und 1
und ist von B
einigermaszen entfernt: oder wo man zwei stutzige pferde zusammen einspannet, die böse und gebeissig sein, da gehet das fuhrwerck ubel von statten G. Edelmann
hochzeitpred. (1580) g 5; da bistu gwis nicht gewesn faul, sonst stutzig wie ein ackergaul Melchior Liebig
geistl. trostb. (1586) b 1
a; dann wann eyn gaul entweder scheu und forchtsam, stützig oder sich nicht will zum fortel begeben und aufsitzen lassen Sebiz
feldbau (1579) 149; ein stutzig pferd
cavallo indomito Kramer 2 (1702) 1031
a; vier pferd, prächtige apfelschimmel, aber stützig ist der eine Bäuerle
kom. theater 3, 68; unsern lohnkutscher mitsamt seine stutzigen pferd soll der teufel holen Nestroy
ges. w. 3, 103; dabei zieht sie die nasenflügel nach oben. wenn sie das tut, ist bei ihr nichts zu machen, so wenig wie bei einem stützigen pferd Hugo v. Hoffmannsthal
Andreas (1932) 79;
vielleicht an die in der neuzeit überwiegende bedeutung von B
angelehnt: die scheuen und stutzigen (
pferde) legen ... bald das eine ohr nieder, bald recken sie das andere in die höhe Lavater
physiogn. fragm. 3, 74. —
vereinzelt: equire stützig, läuffig sein
nomencl. lat.-germ. in usum schol. Hamb. (1634) 174. A@55)
in der gleichen hauptbedeutung wie 2,
jedoch mit herausstellung des sinnes '
jäh'
im zeitlichen sinne, '
brüsk';
zu dem zusammenhang mit 6
und 7
vgl. besonders alem. gähstützig '
jähzornig; schroff, von der bergwand' Martin-Lienhart 2, 621. '
plötzlich',
vgl.stunz (
sp. 550): und als die Gielen bei dem von Rohrschach keines guten bescheids einkommen mochtend, besunnend si sich (wie dann der edlingen rät stuntz und stützig sind), dem von Rohrschach sein haus Rosenburg onversechner dingen inzenemen J. v. Watt
dtsche schr. 3, 443
Götzinger; alsz sie (
drei) aber also in dem gesprech warend ... kamend inen 3 stutzig botschaft Knebel
chron. v. Kaisheim 446
lit. ver.; von jähzorn und heftiger rede: was es für eine gottlose ... narrheit umb ... ungeziembten zorn, und sonderlich dem stutzigen jähzorn sey Conr. Dieterich
Ecclesiastes (1642) 2, 96; du hündischer sklave, werth, dasz man deinen stützigen zorn gedoppelt ahnde mit scharfem sporn, und dein geschmeichel zehnfach strafe! K. Beck
lieder v. armen mann (1846) 123; eine gähe, stützige oder ungestüme redreiche
praeceps facundia Frisius (1556) 540
a; stutzige antwort, worte
nahezu im sinne von 2 '
trotzig': unter desz ist marggraff Dietzman mit seinem gewaltigen wolgerüsten kriegszvolck gegen Doberlaw komen, da seine post sich wider zu jm gefunden, und was sie für stützige antwort von marggraff Hansen erlangt, angezeigt W. Krausz v. Guntzenhausen
chron. (1555) g 2
b; so will ich ain stutzige und unschweygige antwurt geben Luther 7, 863
W.; auf diese stutzige wort antwortet Lorentz gar glimpffig Boccalini
polit. probierstein (1616) 43. A@66)
steil, jäh abfallend, vom berge, wie 1stutzen E;
heute im alem., besonders in der form stotzig (
teil 10, 3, 587): stutzig, stützig '
steil'
schweizerdeutsche gramm. 14, 64;
seit alters bezeugt: gäh, stickel, hoch, stützig
praeceps Decimator
thes. ling. (1615)
index; stotzig, stutzig, jähe Rädlein (1711) 848
b; auch sichst du umb den bühel els zu ring umb den stutzigen fels H. Sachs 3, 84
Keller; die wolcken sind in seiner (
des berges) mit, mit glatten schroffen gspitzet zu, ein velsen auf der andern flu, stützig und gech, unwegsam gahr, voll wilder thieren und gefahr J. R. Rebmann
naturae magnalia (1620) 187; der hoch rauch Eyger sonderlich stützig mit felsen zeiget sich
gespr. zw. bergen (1606) 201; diese berge sind so wunderlich prutzig und stutzig, und strecken ordentlich vasen in die luft, dasz sie ganz sonderbar anzusehen sind. aufwärts spitzen sie sich in kegel zu Görres
ges. br. 2, 176. A@77) '
jäh, brüsk endigend, abschneidend, ohne übergang',
vielleicht unter teilweiser einwirkung von 3stutzen '
truncare',
erst jung: oben die giebel stumpf und stutzig abgebrochen Görres
ges. br. 1, 302; wenn ein stockwerk gar zu stutzig angeschlossen ist Jacobsson
techn. wb. 7, 493
a;
von menschlicher haltung '
abrupt',
dann 2
näher stehend, vgl. auch 5 (
gegen ende): ich hatte die stutzige art meines schnellen stillschweigens selbst empfunden S. v. Laroche
frl. v. Sternheim (1771) 2, 133;
ähnlich: wenn wir beisammen sind, lass ich mirs ja gern gefallen, dasz du steif und stutzig, verdrieszlichst und kalt bist zuweilen Lenau
bei Castle
Lenau u. d. fam. Löwenthal (1906) 402.
dagegen wohl direkt von stutzen '
beschneiden',
im sinne von '
kleinlich, verschnitten, unvollkommen': die form stutzig, schäbig, hungrig, kahl, matt, so dasz der elendste bettler in einem volke, dasz noch tracht hat, dem reichsten unter uns einen pfennig schenken möchte zu einem besseren kleide Fr. Th. Vischer
ästhetik (1847) 2, 294;
vielleicht hierher, oder ob '
trotzig, keck' (
o. 2): stellt euch einmal die engel vor in hüten lächerlich putzig, wie jetzt sie sind bei euch im flor, im nacken sitzend stutzig J. Kerner 6, 67
Pissin. BB. '
zögernd',
von stutzen '
zögern' (
sp. 760).
für die mundarten gelegentlich verzeichnet, doch wohl meistens auf schriftsprachlichem einflusz beruhend, s. Fischer
Samland 115; Crecelius
oberhess. 826; Sartorius
Würzburg 121;
luxemburg. ma. 433; Fischer
schwäb. 5, 1943; Hunziger
Aarg. 264;
vgl. aber das vereinzelte stutz werden
irre werden Fischer
schwäb. 5, 1943. B@11)
älter nhd. vielleicht gelegentlich noch in loser continuität zu A,
in einer bedeutungsentwicklung von '
widerspenstig' (A 2)
zu '
störrisch',
später '
kopfscheu': des ein ... prediger ... nicht gerathen kan, will er anders viel und bleibende früchte bringen, und seine zuhörer nicht stützig und aufflessig machen Mathesius
Sarepta (1571) 233
a; nach dem ... viel zweyfel und anderung in der heyligen christlichen kirchen seind furgefallen, darob vil leut so stutzig und yrrig werden, das sie nicht wissen, wesz sie sich yn den dingen halten sollen O. Clemen
reformat.-flugschr. 4, 251. B@22)
für die ältere sprache charakteristisch ist eine besondere nuance der grundbedeutung '
zögernd',
im sinne von '
schwankend, verwirrt': dieses machte nun Spitigneum stützig, das er nicht wuste, was er thun solte
M. Boregk
behmische chron. (1587) 89; ob nun zwar ... Marbod ... stutzig ward: ob er tieffer ins land gehen solte Lohenstein
Armin. (1689) 2, 827
b; diese gedancken machten ihn in seinem vorhaben sehr stützig Bastel v.
d. Sohle
junker Harnisch (1648) 25; also auch das gemüdt und verstendtnus, die von dem wein zerrüttet, würd leichtfertig, stützig und strauchelt J.
V. Deyger
paedonomia (1547) e 8
b; zuoletst laszt sie (
das gedächtnis) das gemüt so liederlich etwann also blosz, das ainer gleich etwan in allen dingen stutzig wirdt Stephanus Vigilius
de rebus memorandis (1541) 15
a; er will ihr nachdencken stutzig machen Zinzendorf
der teutsche Socrates (1732)
vorwort; dieses machte mich von neuen stutzig und ... zerstreuet in meinen gedanken
Leipziger aventurier (1756) 1, 193. B@33)
stark concrete anwendungen im älter nhd., die der modernen sprache fehlen, vgl. besonders stutzen
stocken, stehen bleiben (
sp. 761). etwas stutzig machen '
etwas zum stocken, stillstand bringen': dan sonst disz ganze werk wurde stutzig gemacht werden und gleich als were nichts gehandelt (1549) Friedensburg
kurmärk. ständeakten 1, 480; die wochenmärckte, handel und wandel (
sollten) durch auflegung einiger schatzung nicht stutzig gemachet ... werden v. Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 56;
einmalig im sinne von '
langsam': gar freudig giengen die Spanier zu beiden seiten daran, doch gegen den raum der geworffenen mawr etwas stutziger, wie ihnen befohlen war G. Klee
berühmter leute leben (1589) 1, 229. B@44) '
aufmerksam, bedenklich, befremdet, misztrauisch, erstaunt',
besonders in jüngerer zeit zu reicher fülle entfaltet. die moderne bedeutung ist kaum aus A (
vgl.B 1)
fortentwickelt, sondern beruht auf neuer ableitung aus stutzen '
zögern'. B@4@aa)
schon seit dem 16.
jh. gut bezeugt: man lesset auch des keysers edict auszkommen, damit man
d. Luther ein forcht und schrecken einjeche, und jn stützig machete Mathesius
ausgew. w. 3, 55
Lösche; das ist das grosse ergernis, welchs gar viel leut stutzig und uns abfellig machet, ja auch die propheten ... hat fur den kopf gestoszen Luther 32, 499
W.; und hat diese sache des bisthumbs den rahtschlegen von der könig. hülffe einen solchen stosz gegeben, das, obwol gemeiniglich die von den landen schon zur hülffe willig, die städte klein und gros auch darüber in rahtschlegen waren, dennoch dadurch gar stutzig worden
M. C. Schütz
hist. rer. Pruss. (1592) B b 4
f; also gieng es Christo, sie wolten yhm nicht glauben geben, ob sie wol stützig wurden uber seiner weissheyt J. Agricola 750
teutsche sprichw. (1534) p 3; ob nun wohl die stände über solchen auch unverhofften begehren ziemlich stutzig worden
acta publica 5, 8
Palm; der ... stutzige, zweiffelhaffte, ... vielwiszende dolmetscher Treuer
deutscher Dädalus (1675) 1, 388; so machte es doch den Phraates stutzig, als er Armenier wider sich fechten sahe Lohenstein
Armin. (1689) 1, 235
b; hört, was sie selbst gethan, von mitleid bald erweicht, bald fremd und stutzig an J. A. Schlegel
verm. ged. 2, 255; einem schreck ähnlich ist das auffallende, was stutzig (noch nicht bestürzt) macht Kant I 7, 255
akad.; das brennt zu früh, das macht die nachbarn stutzig Körner 3, 244
Hempel; ein knabe und ein mädchen, die einander gejagt hatten und stutzig stillstanden, da sie mich erblickten Eichendorf
incognito 90
Weichberge; der amtmann war eine zeitlang stutzig Auerbach
schr. 9, 92; Flamm (stutzig dumm): was, mutter? du muszt dich deutlich ausdrücken G. Hauptmann
Rose Bernd (1904) 106.
vom pferde, von A 4 ('
störrisch')
deutlich geschieden: es wieherte vor lust; als es in seinem traben auf einmal stutzig wird Zachariä
poet. schr. 1, 9;
zweideutig: sie haben ... die mögliche gefahr des eigenen durchgehens ihrer rosse muthvoll überstanden! sie haben vor einer hexe, die alle pferde stutzig machte, hochherzigen muth bewiesen Gutzkow
ritter vom geiste 1, 315. —
selten mit unpersönlichem beziehungswort: du zuockest die achseln, und mich düncket dein muth dürffte dir beinahe, wo nicht gar entfallen, doch ziemlich stutzig werden Chr. Thomasius
auszübung der vernunftlehre (1691) 15; mein kopf wird leicht stutzig: was er nicht im ersten anlauf lernt, das lernt er noch weniger wenn er angestrengt wird J. J. Chr. Bode
Montaigne (1793) 3, 188; die vernunft in ihren dreisten anmaszungen stutzig machen Kant I 4, 341
akad.; wenn sie nicht bey dem ersten grenzpfahl, der ihren verstand stutzig macht, ... umkehrten C. G. v. Brinckmann
filosof. ansichten (1806) 17; ihr sehet, dasz alles, was euch so fürchterlich vorkommt, nur eine kleinigkeit ist, und nur ins auge schlägt und das ohr stutzig macht Heilmann
gesch. d. pelop. krieges (1760) 621. —
häufig stutzig blicken: (
er) hebt den beutel langsam von der erde, indem er ihm stutzig nachblickt Schiller 3, 99
G.; seinem gaste, der das zerstörte gebäude einigermaszen stutzig anblickte Immermann 1, 89
Hempel; verdienste, welche zwar ein jeder stutzig sieht, doch um die ähnlichkeit sich oft umsonst bemüht Schwabe
belustigungen 2, 295; ihr blick wanderte stutzig und forschend zwischen seinem antlitz und dem noch vor ihr liegenden lichtbildchen hin und wieder Storm (1899) 1, 229; was sieht er nicht für abentheuerlichkeiten bei einem ersten stutzigen anblick? Herder 4, 358
S.; dessen huschende augen ... aufzuckten und dann für eine kurze weile, begierig und stutzig zugleich, feststanden E. G. Kolbenheyer
Paracelsus (1926) 3, 166. B@4@bb)
adverbialverbindungen von besonderer häufigkeit und festigkeit, schon im 16.
jh., s. auch a.
stutzig werden: wurde er stutzig und blieb mitten im zimmer stehen
cavalier im irrgarten (1738) 22; durch sein zeugnis würden ... mitläufer stutzig und begännen nachzudenken Hans Grimm
volk ohne raum (1926) 2, 670; dasz ich erst durch einzelne bezugnahmen im texte stutzig wurde, mir das dazu gehörige couvert aus dem papierkorb suchte Bismarck
ged. u. erinn. 2, 313
volksausg.; es braucht einer nur sich auf einen neuen weg begeben, so werden schon viele faule herumlungerer stutzig und wittern irgendeinen lohnenden bissen Adolf Hitler
mein kampf (1933) 574.
stutzig werden über etwas: weil nun darüber alsbald viele stutzig wurden G. Arnold
kirchen- u. ketzerhist. (1699) 2, 338
a; über seine sonderbare gestalt muszte jeder stutzig werden Göthe 22, 34
W.; darüber ward ich stutzig und hielt mit meinen zustimmungen zurück G. Keller
ges. w. 2, 52; alle sind aufmerksam geworden und stutzig über ihr verstörtes wesen v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. 4, 189.
jem. stutzig machen: jedoch sol dieses den wohlsätzenden in seiner fürgenommenen arbeit nicht stutzig machen Zesen
verm. Helicon (1656) 1, b 2
a; einen stutzig machen
scrupulum injicere Stieler
stammbaum 2182; drey oder viermahl war ich schon so glücklich gewesen in ihrer gesellschafft zu seyn, als ich ziemlich stutzig gemacht wurde
die vernünft. tadlerinnen 2, 69; freilich macht es stutzig, zu hören, dasz ein ding ganz und gar aus verhältnissen bestehen solle Kant 3, 229
akad.; ihre einwendungen machten mich anfangs stutzig Göthe 22, 310
W.; dieser entscheidende umstand machte die gegner des prinzen stutzig Schiller 9, 318
G.; vorzüglich die augen eines solchen ruhig gewordenen individuums pflegen stutzig zu machen; es ist etwas drin, was auch dem ... gleichgültigen betrachter auffällt W. Raabe
Horacker (1876) 151.
in dem ausdruck stutzig werden in etwas, jem. stutzig machen in etwas
tritt die grundbedeutung '
innehaltend, zögernd'
besonders deutlich hervor: aber ich bemerkte dagegen sehr deutlich, daz ... die ruchlosigkeit in ihrem sonst frechen gange stutzig ward Schwabe
belustigungen 2, 149; dieses hat mich auch in meinem aberglauben besonders stutzig gemacht Solger
nachgel. schr. (1826) 1, 197
Tieck-Raumer.