stückeln,
vb. ,
seit dem spätmhd. belegt. 11)
zerstücken, in stücke teilen, neben dem häufigeren zerstückeln. 1@aa)
detrunco abhawen, stücklen, abstümplen Calepinus ix
ling. (1598) 411
a; stückeln, zu stücken machen
spezzare Hulsius (1618) 243
a; stückelen
secare, scindere, frangere, ... in partes dividere etc. Stieler 2222: Syrus ist ain stain ... der hât die art, daz er ganzer in dem wazzer ob swimmt, und sô er gestückelt wirt, so vellt er ze podem K. v. Megenberg
buch der natur 462
Pfeiffer; und sagen, dasz der ... bisem, klein stücklet, am gschmack der cyreneischen magsafft gleych Herold-Forer
Geszners thierb. 30; es liesz der herr des orts ein ziemlich theil steinsaltz ... stücklen Butschky
gedenckmahl (1633) 10.
verstümmeln: derwegen der könig Alexander ergrimmet und ihn scheuszlich an seinen gliedmaszen stücklen lassen, liesz ihm die nasen, ohren, lippen, händ und füsz abschneiden Lehman
florileg. polit. 3, 437;
reflexiv: sie wisse demnach, dasz der berührte talck ein ... unterirdisches berggewächs ist und mit dem frauen- oder marienglasz zu vergleichen, in dem es sich auff gleiche arth ... stückelt Ettner u. Eiteritz
medicin. maulaffe 148.
insbesondere als ausdruck des münzwesens, das ausschneiden der münzen: ob aber wol ... die kriegsherren biszweilen zum gedenckzeichen viereckicht silbern und gülden müntz, so man klippen nent, auff ein eyl in belagerung oder stürmen haben stückeln und ... müntzen lassen Mathesius
Sarepta 165
a; fleiszigs auffsehen haben, dasz dieselbigen müntzen ... alle gerecht und gleich gestückelt sein G. Rost
dreifacher theol. spiegel (1623) 110
a;
s. noch Luschin v. Ebengreuth
münzk. u. geldgesch. 64; Karmarsch-Heeren 6, 185.
entsinnlicht: dasz Christi fleisch ... nur ein natur hat ... und nit in zweierley fleisch solle gestücklet werden (16.
jh.)
bei Fischer
schwäb. 5, 1902; so wissen wir, was unser erb ist, das dann bey allen gantz ist und nicht zerbrochen. dann als wenig das leben im menschen mag gestückelt werden (
so wenig auch die weisheit) Paracelsus
op. (1616) 2, 319
Huser. 1@bb) Luther
gebraucht das wort im sinne eines stückweise handelns; tadelnd: (
gott) ist groszer und vermag und wil auch mehr thuen, denn unser gebrechen sind. stückelts yhm nur nicht (
bittet ihn um das ganze) 19, 578
W.; stückeln und tröpfeln: und wenn man sie fragt, wie man im thun solle, stückeln und tröpffeln die hie ein werck, dort ein werck, hie las dich beschneiden, dort opffer so viel auff den altar 36, 357;
ähnlich 36, 453. 1@cc)
vielfältig als adjectivisches (
adverbiales)
particip (
s. teil 4, 1, 2, 4261): gestückelt
incise, concise, articulatim, frustulatim, particulatim Henisch (1616) 1580;
meist unsinnlich gebraucht: gestückelt fragen
minutatim et gradatim interrogare ebda; doch ward von im und seinem convent ouch ein pfruond mit gestükelten gülten daran gesetzt J. v. Watt
dtsche schr. 2, 273
Götz.; in starkem gegensatz zu einem ganzen: auff dasz die physica de corpore physico möge gantz und nit gestückelt erkennt werden Paracelsus
op. 2, 525
H.; gott will das herz haben, nicht gebröckelt, nicht gestückelt, sondern ganz Heinrich Müller
erquickstunden (1667) 13; ein sonderlich heil ist für uns nicht in der äuszern welt zu suchen, wo man überall nur gestückelt antrifft, was man schon ganz besitzt Göthe IV 16, 96
W.; von schriftlichen aufzeichnungen, fragmentarisch: da mir nun dieselbigen (
predigten) zu sehen worden und befunden, wie unordenlich und gestückelt sie verzeichnet Jac. Andree
erinnerung (1567) Cc 1
a; weil dise schrifften gestückelt und an vilen orten bresthafftig an mich ... gelangt seindt Just. Göbler
chron. d. kriegszhändel Maximiliani (1566)
vorr. 3
a;
unvollkommen: derhalben liesze er mir sagen ..., warumb sie denn den stein auff der andern seiten auch nicht ausgearbeitet und poliert hetten, denn die werck, die gott gehörten, solten billich volkomen und nit also gestückelt sein
Fr. Alvares beschreibung (1573) 260. 22) '
aus stücken zusammensetzen',
auch '
anstückeln', '
anflicken'.
meist von stoffen und kleidern: pannucia gestückelt klayde Diefenbach
gl. 409
c;
cento ein gestücklete, zesamen blätzete decke oder kleid Frisius 209
a; ein kleid stückeln ... irgendwo ein stück ansetzen
to piece a garment Ludwig
teutsch-engl. 1908; wie oft und mannigfaltig hat nicht schon die liebe mode an den mannskleidern geschnirkelt und gestückelt Kotzebue
sämtl. dram. werke 5, 226; ein einzigmal hatten die mäuse ... ein joppenmuster ... zugenagt ... es begann dann ein unerquicklich schnitzeln und stückeln Rosegger I 3, 298;
auch in den mundarten: e strumpf stükle
einstricken Seiler
Basel 283; stückeln
mit flicklappen ausbessern, aus zusammengenähten lappen zu einem ganzen herstellen Spiesz
henneb. 247;
flicken Jungandreas
schles. zeitwortbild. 20; Leithäuser
Barmer ma. 151.
gern uneigentlich (
bildlich).
oft neben flicken,
was die herkunft betont: in dem ... bäpstischen gflickten und gstickelten ave Maria (16.
jh.)
bei Fischer
schwäb. 5, 1902; es lest sich mit gottes wort nicht stückeln noch flicken Petri
d. Teutschen weish. 1, c 3
a; an ihren hypothesen gestückelt und geflickt ..., dasz kein lappen mehr haften will Lichtenberg
verm. schriften 9, 368;
auch allein: (
Wieland hätte Shakespeare) seinen charakter lassen, weniger an ihm stückeln ... sollen Gerstenberg
schleswig. lit.-br. 111
lit. denkm.; eine geistige schöpfung ist es (
Mozarts Don Juan), ... wobei der producierende keineswegs versuchte und stückelte und nach willkür verfuhr Göthe
gespräche 8, 98
Biedermann; ihre (
der verfassungen) unzulänglichkeit fühlten nicht allein die beherrschten, sondern auch die herrscher, und so ist schon seit ein paar jahrhunderten immer an ihnen gebessert und gestückelt worden E.
M. Arndt
schriften für u. an s. l. Deutschen 2, 439. 33)
in zusammensetzungen. auf dem gebiet des handwerks und des technischen meist zur bedeutung 1: stückelbank,
bei den lichtziehern '
schneidebank mit einem 6—7
zoll hohen rande an den seiten umgeben, worauf das talg zerstückt ist' Jacobsson 4, 18
b. — stückelmesser,
bei den lichtziehern, auch schneidemesser
genannt, '
eine grosze schneidende klinge ..., womit das talg auf der schneidebank zerstückt wird' Jacobsson 4, 21. — stückelrose,
beim juwelier die kleinen diamanten, deren 100
bis 160
stück auf einen karat gehen Krünitz 176, 538. — stückelschere,
eine schere zum zerschneiden der zaine in der münze, s. Besold thes. pract. (1697) 2, 766; Jacobsson 4, 338
a.
vgl. stückeln 1. — stückelschiefer, '
taillette' Schaffer
dtsch.-frz. wb. 2, 3, 311;
slate in small pieces Beil
technol. wb. 1, 586. — stückeltafel,
bei den lichtziehern, table à depécer Schrader
dtsch.-frz. wb. 2, 1331.
zusammensetzungen mehr occasioneller natur, vorwiegend unsinnlich im anschlusz an die bedeutung 2: stückelepik: dasz er (
Zedlitz) sein werk ('
waldfräulein') in zusammenhängender, ununterbrochener darstellung vollendet hat, statt jener fragmentarischen stückelepik, die gegenwärtig mode ist Grillparzer (1892) 18, 138
Sauer. — stückelgebäude,
aus versen eines autors zusammengestückeltes gedicht: Betulius hat auch Centones, so er stückelgebäude nennet, deren exempel er eines aus dem Opitio zusammengesetzet. es hat aber in teutscher sprache nicht die art, wie im griechischen oder lateinischen Morhof
unterricht v. d. dtsch. sprache 1, 640. — stückelmanier: die stückelmanier, welcher er (
Hagen) und Docen sich ergeben haben, ist mir höchst fatal J. Grimm
bei Steig
Cl. Brentano u. d. br. Grimm 151. — stückelwelt: zum mindsten wardst du strahlend hingestellt, zu kleiden unsrer nacktheit ekle blösze, zu zeigen, dasz noch ganzheit, hoheit, grösze gedenkbar sei in unsrer stückelwelt Grillparzer (1892) 2, 90
Sauer. — stückelwerk: aber das menschenleben war stets ein stückwerk, die welt von heute wird ein stückelwerk Fr. L. Schmidt
denkwürdigk. (1875) 1, 135.