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stueber

nhd. bis sprichw. · 9 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
15 in 9 Wb.
Sprachstufen
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

stüber m.

Bd. 20, Sp. 189
stüber, m. , eine ursprünglich flandrisch-burgundische münze. ihr name stammt von dem vorderseitigen bilde, das einen stieber, ein feuereisen mit stiebenden funken, zeigte und als wahrzeichen der burgundisch-spanischen münzhoheit von der kette des ordens vom goldenen vliesegestiftet 1429 — hergenommen war. bild und name schwinden bald im ursprungsgebiet. mit der befreiung der protestantischen Niederlande wird hier jedoch der stuver, später stuiver, bezeichnung einer selbständigen kleinen münze. schon im 15. jh. taucht er auch auf deutschem gebiete, in Cleve und Ostfriesland, auf und wird im späteren königreich Hannover noch 1823 geschlagen. am Niederrhein verdrängt er zu beginn des 17. jhs. den heimischen albus und wird von den groszen münzständen Jülich-Berg und Kur-Kölnhier bis 1807 — in mengen geprägt. von hier und den nördlicheren nachbargebieten der Niederlande hat er sich nicht sonderlich weit entfernt, ist auch mundartlich nur im westen nachweisbar: stüver Hönig Köln. 178; Rovenhagen Aachen 144a; Leihener Cronenberg. 118a; Woeste westf. 261; steiver Gangler lux. 431, schriftsprachlich jedoch als rechenwert auf dem ganzen deutschen sprachgebiete verbreitet. s. Edward Schröder hans. geschbl. 31, 185. die beiden frühesten belege stammen aus dem mittelniederländischen (a. d. j. 1449) Verwijs-Verdam 7, 2387; wb. d. nederl. taal 16, 316. im englischen als stiver seit 1502 belegt,n. styver, schwed. styfver. 11) die frühesten belege auf deutschem boden erscheinen im norden, noch als niederländische münzbezeichnung: 7 engelsz staters und 5 witte stuvers (a. d. j. 1462) hans. urkundenb. 8, 697; pro quolibet floreno 20 stuvers Koppmann kämmereirechnungen d. st. Hamburg 3, 179 (a. d. j. 1475); 20 halve coepmansgulden und 7 stuver hans. urkbuch 11, 9. vereinzelt steht für das oberdeutsche ein Augsburger beleg: ain iegclich feurstatt in allem land soll irem bischof zwen stüber geben (als bedingung der übergabe Lüttichs) städtechron. 22, 217. von den lexikographen seit dem 16. jh. verzeichnet mit wechselnden wertangaben: sestertius ... dritthalb asses, gar nahe ein halber batzen oder ein stüber Golius onom. (1582) 425; dodrans solidi ein stfer, ix pfenning Saurus-Melanchthon nomencl. (1591) l 3a; stfer m. sestertius. monetae genus Schottel (1668) 1426; vgl. Frisch 350b; ein, zwey, drey, vier, fünff, sechse, siben. do ist ein stber überbliben, sunst wer es siben flemisch pfundt Wickram w. 6, 317 lit. ver.; und mancher arger schalck duplonen ihm erwehlt, da man mit stiebern sticht, da man mit marcken trutzet newer schles. eselsfrasz (um 1620) 4; handlet nur mit stüffern, sterlings, sols, pölchen, dütchen, fettmenchen Grimmelshausen 2, 468 lit. ver.; weil mich damal hungerte, so zohe ich einen stber heraus Lindenborn Diogenes (1742) 1, 118; mit scheidemüntze und stübern ... wohl assortirt Brentano ges. schr. 5, 109; ich suchte nach ein paar stübern und matieren, die man mir auf der letzten station zugewechselt A. v. Droste-Hülshoff 2, 321. nach der münzstätte unterschied man brabantische, klevische, kölnische u. s. w. stüber: dafür hatte ich ... zwölf holländische stüber zu bezahlen Bahrdt gesch. s. lebens 3, 266. im wortspiel mit 2stüber: gib ihr anstatt etlicher stber geld einige nasenstüber Abr. a s. Clara Judas 3 (1692) 74. in beziehung zu anderen münzwerten: zv Salua terra moiss du geven van yeklichem stuck goltz ein ordys, der maichen vier einen stuuer A. v. Harff pilgerf. 225 Grote; also das ein stücke (goldes), auff die lx silberlinge, so man stffer nennt, gelauffen war Bas. Faber Saxonia (1563) 287a; die Brabänter zwar (erlegen ihren teil) von wegen ihrer älte und fürstlichen [] hochheit zum ersten und an gülden zu zwantzig stfern P. Uffenbach atlas minor (1609) 299. eine wohl unorganische neubildung zu 3stüber (stübner) bei Mathesius Sarepta (1571) 176b: weil ein stübner, das ist ein behemischer weiszer grosch, fnfftzehen meid ... gelten soll. als geld schlechthin: schweige nur, so kanst du eben so wohl einen guten stüber gewinnen, als wir Lindenborn Diogenes 1, 27; woraus (aus den kalendern) er für seinen stüber etwas bessers als lebensprognostika und Türkengeschichte lernen könnte Gerstenberg recens. 360 lit.-denkm. mitunter schwingt der beiklang des geringwertigen mit, in verschiedenem grade: und solt es auch nur einen stüber oder halben batzen werth antreffen Chph. Arnold wahrh. beschreibung (1672) 122; als die reiter näher kamen, meinte der blaurock, für seinen stüber, den er schon in der hand hatte, den dienstfertigen thorwärter noch hohnnecken zu dürfen Nicolai Nothanker 3, 86; die uhr verkaufen für ein paar stüber Hebel w. 163 Behaghel; ihr lebtet still und schlicht für ein paar stüber in eurem haus und gärtchen tag für tag H. Eulenberg letzte bilder 5; ein eremit ... ... bat das paar um einen stüber Pfeffel poet. vers. 1, 115. als negationsverstärkung im sinne von 'nicht das geringste', 'nichts': ich wollte, sie hätte keinen stüber ... damit ich ihr mit meinem golde ... eine freude machen könnte Tieck schr. 19, 131; aber in Seldwyla liesz er nicht einen stüber zurück, sei es aus undank oder aus rache G. Keller ges. w. 5, 62; da trafen mich armuth und ungemach; in meiner tasche weder kreuzer noch stüber Kotzebue sämtl. w. 1, 250. die bedeutung des geringwertigen kehrt auch wieder in den meisten sprichwörtlichen wendungen, die zu einem groszen teile wandergut aus dem niederländischen sind, s. Wander 4, 928; Dühringsfeld 1, 145; 2, 407, vgl. noch: amme stüver kamme saihen, bu de daler gemüntet es Woeste westf. 261b; vum šteiver op den dubbel kommen herunterkommen lux. wb. 422a. —
5662 Zeichen · 126 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    1. Stüber

    Adelung (1793–1801) · +8 Parallelbelege

    1. Der Stüber , des -s, plur. ut nom. sing. ein elastischer Stoß mit dem an den Daumen gedrückten und losgeschnellten Mi…

  2. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Stüber

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Stüber , Rechnungsstufe bis 1824 am Niederrhein zu 4 Füchsen oder Pfennigen, 60 im leichten klevischen Taler, = 3,8548 P…

  3. modern
    Dialekt
    Stüber

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    PfWB LothWB RhWB RhWB Stüber [ʿStíwər Dü. Str. ; ʿStiwər Dehli. ] m. 1. kleiner Rausch. Wënn s emol neüe n Wi n gi b t, …

  4. Sprichwörter
    Stüber

    Wander (Sprichwörter)

    Stüber 1. Ein ersparter Stüber ist besser als ein gewonnener Gulden. Holl. : Een stuiver gespaard is beter dan een gulde…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit stueber

32 Bildungen · 14 Erstglied · 16 Zweitglied · 2 Ableitungen

stueber‑ als Erstglied (14 von 14)

stüberand

DWB

stuebe·rand

stüberand , m. , s. DWB gestüberand th. 4, 1, 2, 4261; Krünitz 176, 510 .

stüberbrot

DWB

stueber·brot

stüberbrot , n. : fanden daselbst eine art bäume, deren frucht aussahe wie ein stüberbrot und herrlich zu essen war Pierot freibeuter (1742)…

Stüberdüppen

RhWB

stueber·dueppen

Stüber-düppen -ərsdøpə MülhRuhr n.: irdener Topf, der 1—2 St. kostete; in ihm wurde die Milch aufbewahrt.

Stüberer

Campe

stub·erer

✱ ✱ Der Stüberer , — s, Mz . gl. s. Campe Stube 2).

stüberfalle

DWB

stueber·falle

stüberfalle , f. : er truge eine büchs in der hand, und man glaubete anfänglich, es wäre eine gewöhnliche stüber und batzenfall Lindenborn D…

stübergras

DWB

stueber·gras

stübergras , n. , knaulgras, dactylis glomerata ' vom auffälligen stieben des blütenstaubes zur zeit der blüte ' Staub-Tobler 2, 797 .

stübergroschen

DWB

stueber·groschen

stübergroschen , m. : die münzen so im Niderland uf 4 stibergroschen geschlagen und schaaf genannt, so ... umb 10 kr. gangbar sein (1554) Ch…

Stüberle

ElsWB

stub·erle

Stüberle [ʿStíwərlə Str. ] n. Wassermännchen. ‘Stiwerle mache mit einem flachen Kiesel horizontal über die Oberfläche eines Wassers werfen, …

stübernasen

DWB

stueber·nasen

stübernasen , vb. : ja, wenn der Boreas in lüften raset, und rechts und links die leute stübernaset klagelieder u. br. (1817) 75 .

Stüberrand

Campe

stueber·rand

Der Stüberrand , — es, Mz. — ränder , bei den Kohlenbrennern, die Erde, worauf das Gestübe gepocht und zum Theil mit derselben noch in etwas…

stüberware

DWB

stueber·ware

stüberware , f. : welche ( die krämer ) bei einer jeden stüberswaare liegen und schweren, der teuffel solte sie holen, wenn sie es wolfeiler…

stueber als Zweitglied (16 von 16)

April(en)stüber

PfWB

april·en·stueber

April(en)-stüber m. : = April(en)bise, Aprillestiewer (Äbriləšdīwəʳ) [ KB-Kriegsf Bischh LU-Oggh Limbghf ], Aprilstiewer [KB-Standbl NW-Kall…

gestüber

DWB

gest·ueber

gestüber , n. 1 1) kot der feldhühner Heppe jäger 181 b , zu stieben, stäuben, den kot fallen lassen, von rebhühnern gesagt Kehrein weidm. 2…

glückstüber

DWB

glueck·stueber

glückstüber , m. , dasselbe wie glückstöber, glückstäuber, ' glücksjäger ' mit ungünstiger nebenbedeutung: vnd wie kompts dann, dasz man die…

Heckenstüber

RhWB

hecken·stueber

Hecken-stüber -štȳ:vər Sieg-Felderhoferbrück m.: scherzh. Kothaufen an der Hecke , im Walde, am Wege.

Knippstüber

RhWB

knipp·stueber

Knipp-stüber -ȳw- Geld-Kevelaer , Mörs-Labbeck , Klev m.: sehr sparsamer, geiziger Mensch, Schimpfw.

Kreuzstüber

RhWB

kreuz·stueber

Kreuz-stüber Klev m.: alte klev. Münze mit heraldischem Kreuze; beim Neubau von Häusern wurden früher solche Kr. unter die Türschwellen eing…

nasenstüber

DWB

nasen·stueber

nasenstüber , m. schneller mit einem finger an die nase, seit dem 17. jahrh. gebräuchliches wort. Kramer teutsch-ital. wb. 803 b . Rädlein 6…

Quatempersstüber

RhWB

quatemper·s·stueber

Quatempers-stüber -ȳ:v- ebd. m.: der St., den die Kinder viermal im Jahre dem Lehrer geben mussten für das Reinigen der Schule (veralt.).

Schneestüber

PfWB

schnee·stueber

Schnee-stüber , Schnee-stuber m. : 'starker Luftstoß oder Wind, der Schnee oder auch Regen führt', -stieweʳ [ KL-Siegb ], -stuwweʳ [ KB-Krie…

Strampelstüber

RhWB

strampel·stueber

Strampel-stüber -ȳw- Kref m.: scherzh. Taschengeld, über dessen Verwendung der Sohn keine Rechenschaft abzulegen braucht.

Trinkstüber

RhWB

trink·stueber

Trink-stüber -ȳ:v- Ruhr m.: -geld. Der Hochzeitsbitter sagt am Schluss seiner Einladung: En Dr. en de Hand, dann üs den Gästebeder ok kontan…

Weidenstüber

RhWB

weiden·stueber

Weiden-stüber -stȳ:vər Sol-Herschd m.: Beil , zum Köpfen der Weiden od. zum Abhauen der Zweige; ein kl. Beil , zum Zerkleinern des dünnen Ho…

Ableitungen von stueber (2 von 2)

gestüber

DWB

gestüber , n. 1 1) kot der feldhühner Heppe jäger 181 b , zu stieben, stäuben, den kot fallen lassen, von rebhühnern gesagt Kehrein weidm. 2…

gestübere

Lexer

ge-stübere stn. BMZ auflauf Mone z. 7, 18 ( 1430 ); verscheuchung, verfolgung, md. gestubere Jer. , gestobere Pass.