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strolch

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

strolch m.

Bd. 19, Sp. 1685
[]strolch, m., (auch schwach flektiert); landstreicher, spitzbube; schlechter, verwahrloster mensch. die ältesten belege (1609) finden sich nach Kluge rotwelsch (1901) 1, 126 anm. in einem Karlsruher kopialbuch, das die akten eines diebsprozesses zu St. Peter im oberen Schwarzwald enthält (die ableitung strölchling 'herumtreiber' bereits 1580 in einer schweiz. rechtsquelle bei Staub-Tobler 11, 2241; vgl. auch den für 1633 bezeugten ochsennamen strolcha sowie den flurnamen strolchwiese bei Fischer schwäb. 5, 1875). in literarischer bezeugung erscheint strolch erstmals 1670 bei Grimmelshausen und wird noch im 17. und 18. jh. vorwiegend von schweizer und südwestdt. schriftstellern gebraucht; erst mit dem 19. jh. setzt eine breitere schriftsprachliche bezeugung ein. lexikalisch ist das wort zufrühest verzeichnet in der zu Basel gedruckten clavis linguae latinae Dentzlers (1697) 2, 280a: strolch erro, vagabundus (noch nicht in der ausgabe 1686). Stieler (1691), Kramer (1700/1702), Steinbach (1725; 1734) und Frisch (1741) führen strolch nicht an; doch gelangt es bereits 1727 in das dt.-lat. wb. des Luxemburgers Aler (Köln 1727) 2, 1855a und 1768 in das dt.-ndl. wb. von Kramer-Moerbeek 2, 332a. Adelung 4 (1780) 836 kennt nur das 'obd.' kollektivum strollchengesinde 'landstreicher' und das vb. strollchen (s. u.). Campe 4 (1810) 718b bucht auch strolch als obd. mundartwort, gestützt auf Fulda, der es 1788 in seiner allg. teutschen idiotikensammlung 526 in dem sinne 'grober mensch' für das schwäb. und schweiz. bezeugt hatte. der alem. sprachraum (Staub-Tobler schweiz. id. 11, 2240; Fischer schwäb. 5, 1875; Martin-Lienhart elsäss. 2, 631) ist jedenfalls das mundartliche kerngebiet des wortes, das von hier ausz. t. auf dem wege über die schriftsprachein benachbarten und entfernteren obd. und md. sprachlandschaften fusz gefaszt hat: es lebt mundartlich in Tirol (Schöpf 721; Schatz 613) und Hessen (Crecelius 819; Kehrein 1, 397), doch auch am nördlichen saum des mitteldeutschen (Elberfelder ma. 159a; Damköhler Nordharz 181; Fischer Samland 88) sowie im ostmitteldeutschen (Müller-Fraureuth obersächs. 2, 579a). dem nd. ist es fremd geblieben. strolch und das später bezeugte vb. strolchen stehen auf alem. boden neben strollen 'ziellos umherstreifen' und stroll, m. 'landstreicher, vagabund'. von dieser wortgruppe ist für die erklärung von strolch, strolchen vermutlich auszugehen, doch bleibt die art der lautlichen oder suffixalen erweiterung (antritt der auslautenden gutturalen spirans) ungeklärt. die von Kluge-Götze 15(1951) 774bf. angesetzte gleichung hören-horchen: strollen-strolchen könnte überzeugen, wenn sich strolch als rückbildung aus strolchen erweisen liesze. zu beachten bleibt das frühe auftreten des wortes in einer rechtsquelle mit rotwelschem einschlag, vgl. auch strolche, vb. 'lungern' im Berner mattenenglisch zs. f. dt. wortf. 2, 54. die formalen schwierigkeiten behebt zwar die annahme Storfers wörter u. ihre schicksale (1935) 336f., wonach ital. astrologo, lombard. strolago, strolegh 'astrolog im heerestrosz; gaukler, vagabund' durch schweiz. und schwäb. landsknechte, die im 15./16. jh. in Italien kämpften, in die alem. maa. und in das rotwelsche versetzt worden wären; doch läszt sich diese vermutung nicht weiter stützen. literarische zeugnisse: ich und meines gleichen armer schlucker mit sambt denen müssigen landlauffenden strolchen, deren alle winkel voll stecken Grimmelshausen ewigwähr. kalender (1670) 7a; (ich vergasz,) dasz es ein grosser unterscheid wäre zwischen demjenigen elenden, der weder arbeiten kan noch etwas zu erarbeiten bekommen mag, und zwischen einem unsichtbar herumfahrenden strolchen, wie ich damal war ...; davon jenem seines leben auffenthalt anzupacken erlaubet, diesem aber das zuchthausz gebührt (1672) Grimmelshausen vogelnest I 121 Scholte; (jeder weisz,) dasz die bettler, landsknecht, strolchen, zigeuner und andere mauszköpffe sich keiner andern ursachen halber deren von ihnen selbst ersonnenen so genannten rothwelschen sprachen gebrauchen, als andere ehrliche leuth ... zu betriegen (1673) ders., Simpliciana (Teutscher [] Michel) 211 Scholte; gottlose epicuraeische strolchen und landstreicher Klingler von verpflegung d. armen (1693) bei Staub-Tobler 11, 2240; fremde und unbekannte persohnen ..., die aber nichts als wohlgekleidete strolchen und betrüger seynd qu. v. 1766 ebda; ein landfremder strolch, der in den scheunen übernachtet und monate lang nicht aus den kleidern kommt Pestalozzi s. schr. (1819) 2, 261; ist er (der reisende) endlich an dem orte seiner bestimmung angelangt, so musz er sich wieder gleich einem strolchen vor polizeybehörden stellen Haller restaur. d. staatswiss. (1816) 2, 129; alle augenblicke wird jemand 'eingeführt' (in die stadtvogtei) ..., ein strolch, eine dirne, ein freigeist H. Laube ges. schr. (1875) 1, 217; mäuse und ratten hatten so überhandgenommen in der stadt (Hameln) wie raubritter und strolche im herrenlosen, heiligen römisch-deutschen reich W. Raabe s. w. I 6, 171; (die herren muszten) auf strolchen und gesindel achten J. Gotthelf bei Staub-Tobler 11, 2240; aber der colonist stiesz im walde auch auf widersacher, auf herrenlose strolche, welche von viehdiebstahl lebten G. Freytag ges. w. 16 (1887) 442; in der zwieselkeusche hatte sich ein gesindel zusammengethan von strolchen und zigeunern Rosegger schr. (1895) I 1, 270; (Unrat) machte sich in seinem bespritzten kragenmantel lustig über den wohlaufgenommenen, aussichtsreichen menschen, wie ein höhnischer strolch, der unerkannt und drohend aus dem schatten heraus der schönen welt zusieht H. Mann d. blaue engel (1950) 48; einer der strolche, ein breitschulteriger mensch in zerlumpten kleidern, hatte sie um den leib gefaszt Cl. Viebig die vor d. toren (1949) 191. allgemein als schimpfwort, um die nichtswürdigkeit oder verwahrlosung eines menschen auszudrücken (vgl. Pansner schimpfwb. [1839] 68a): was? antwortet er (der wirt), du strolch, wilstu mein heerberg verschreyen? Grimmelshausen Simpliciana (zweite continuatio) 29 Scholte; (der könig:) ... was? ich den schimpf erleben? ha! meine tochter! mir! von einem solchen strolch (tölpel aus dem wald)! von einem schuft mir enkelchen zu geben! Wieland s. w. (1794) 18, 143; doch nicht obdach blosz und atzung, in verschwenderischer fülle, gab der fürst (von Mexiko) den fremden strolchen (den spanischen eroberern) H. Heine s. w. 1, 375 Elster; wenn der hund (Vieweg) mein buch vor einem vierteljahr versendet hätte, wie er recht gut gekonnt, so wäre jetzt bereits das schicksal desselben entschieden ... aber darin scheint das gewissen, das der strolch bei jeder autorversäumnis anruft, aufzuhören (1856) G. Keller br. u. tageb. 2, 395 Ermat.; reitet ihn denn der teufel, dich diesem strolch (einem reichen spekulanten) und tagdieb (zur frau) zu geben? ders., ges. w. (1889) 6, 296; die strolche, die den vertrag von Versailles gemacht hatten, die hockten jetzt (nach ansicht d. entlassenen soldaten) obenauf Anna Seghers d. toten bl. jung (1950) 98. in intimerem umgangston auch in gutmütigem sinne: aber ich werde indiskret, Louise, doch musz ich dir dies schreiben, um dich zu fragen, wie es kommt, dasz der strolch Freiligrath (Schückings freund) dich so äuszerlich nennt, das ist ja vorbei geschossen (1843) L. Schücking br. 183 Muschler; Gustav Siegmund war kürzlich ein halbes jahr in London als mediziner, hat dich (Freiligrath) aber nicht aufgesucht, der strolch (1855) G. Keller br. u. tageb. 2, 379 Ermat.
7602 Zeichen · 143 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    StrolchDer

    Campe (1807–1813) · +5 Parallelbelege

    † Der Strolch , — es, Mz. — e , im O. D. ein Strolcher. I Schwäbischen und in der Schweiz auch, ein grober Mensch. Fulda…

  2. modern
    Dialekt
    Strolch

    Elsässisches Wb. · +4 Parallelbelege

    PfWB RhWB RhWB Strolch [ʿStròl Rädersd. ; ʿStrólχ Roppenzw. ; ʿStròleχ Heidolsh. ; ʿStrolχ Bf. Str. ; ʿStrùlìχ K. Z. ; …

  3. Sprichwörter
    Strolch

    Wander (Sprichwörter)

    Strolch 1. Für jeden Strolch im Land ist ein Stock im Wald zur Hand. Dän. : Der ere saa mange kjeppe i skoven som staade…

  4. Spezial
    Strolch

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Strolch m. (-[e]s,-e) 1 (Landstreicher) vagabund (-ng) m. 2 (Gauner) loter (lotri) m. , lasarun (-s) m. 3 (Schlingel) lo…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit strolch

21 Bildungen · 15 Erstglied · 5 Zweitglied · 1 Ableitungen

strolch‑ als Erstglied (15 von 15)

Strolchbëttler

Idiotikon

Strolchbëttler Band 4, Spalte 1839 Strolchbëttler 4,1839

strolchen

DWB

strol·chen

strolchen , vb. , ( wie ein strolch ) umherstreifen, sich herumtreiben. zu strolch. vgl. auch 1 strollen. häufiger als kompositum: umher-, h…

strolchenbande

DWB

strolchen·bande

strolchenbande , f. , ' räuberbande, schar von diebsgesindel ': haben sie denn nicht von der strolchenbande gehört, deren nest man neulich i…

strolchengesindel

DWB

strolchen·gesindel

strolchengesindel , n. , im lande herumstreichendes ( diebs- ) gesindel, landstreicher. als obd. wort in der form strollchengesinde verzeich…

strolchengold

DWB

strolchen·gold

strolchengold , n. , unehrlich erworbenes geld und gut: da sagte einmal ein langer, blasser mann, ... dass ich ( ein spieler ) doch nur ein …

Strolcher

Campe

strol·cher

† Der Strolcher , — s, Mz . gl. im O. D. einer der strolchet, im Lande herumstreicht, ein Landstreicher; auch wol nur der Strolch .

strolcheⁿ

Idiotikon

strolcheⁿ Band 11, Spalte 2241 strolcheⁿ 11,2241

strolchig

DWB

strolchig , adj. , nur schweiz., so viel wie strolig ( s. d. unter 1 strollen) ' herumstreichend; liederlich, unstet ', Staub-Tobler 11, 224…

strolchin

DWB

strolchin , f. , landstreicherin, liederliche, unehrliche weibsperson; auch als schimpfwort gebraucht: hast wieder holz gestohlen, du strolc…

strolch als Zweitglied (5 von 5)

Sittenstrolch

RDWB1

Sittenstrolch m сексуальный маньяк

Bëttelstrolch

Idiotikon

Bëttelstrolch Band 11, Spalte 2241 Bëttelstrolch 11,2241

Bëttlerstrolch

Idiotikon

Bëttlerstrolch Band 11, Spalte 2241 Bëttlerstrolch 11,2241

Ableitungen von strolch (1 von 1)

verstrolchen

DWB

verstrolchen , verstromern , verb. , zu strolch, stromer ( s. d. ) gebildet, besonders in der form des part. prät., ' zum gauner geworden, d…