strohwisch,
m.,
strohbüschel, strohbündel; seit dem mhd. bezeugt (
s. Lexer 2, 1250),
z. t. mit flektiertem bestimmungswort, vgl.: wîngarten, boume, gesaetez velt al die wisen unt die heide, ors und ander vihe diu beide, al den bû unz an den strôwes wisch (
var. stros, stro) Wolfram v. Eschenbach
Willehalm 256, 27
L.; stroweswüsch
städtechron. 9, 656.
beispiele für mannigfache verwendung: kyn, spen und holtz zum fewer frisch, ein besn, strowisch und flederwisch Hans Sachs 4, 341
lit. ver.; man stellt manchen für ain schanz, der nie sah, wie der bär danzt vnd ist als wann man strowisch steckt, das man damit die vOegel schreckt Fischart
w. 3, 29
Hauffen; sie sollen
auch die kh mit eim ... strohwsch ... wischen Sebiz
feldbau (1579) 96; strowische mit schweffel vnd pech zugericht, vnd also angezndet vnter die feinde geworffen B. Faber
thes. (1587) 476
b; die gefässe werden mit einem strohwisch gescheuret Comenius
janua (1638)
nr. 582; denn ehe ein strohwisch zu einem ruhewische wird, so musz er erst auff einer bAeurin ihren steisz unter den tragekorb geleget werden J. G. Schmidt
rockenphilos. (1706) 2, 281.
im bilde: es (
das gewissen) were dann sauber mit einem strohwisch vnd scharpffer laug geputzt Lehmann
floril. polit. (1662) 1, 336.
in vergleichen, die von der leichtigkeit des strohwisches
ausgehen: da begegnete er demselben mit solcher krafft, dasz er ... ihn als einen strohwisch ausz dem sattel warff Buchholtz
Herkules (1666) 1, 304; als ihn der marschall mit seinen gewaltigen händen anpackt, und ... wie einen strohwisch in seinen ... karren wirft Archenholz
England u. Italien (1785) I 2, 431.
in älterer zeit oft als strohfackel gebraucht: sind zu Paris ... zwen magistri um des euangelii willen verbrannt worden; da haben die theologen den könig von Frankreich vermocht, dasz er selbs das feuer mit einem strohwisch angezündet hat Luther
tischr. 6, 12
W.; wann man des nachts einen strowüsch anzündet, und mit dem wüsch an einer fohrenbach am rande über dem wasser herleuchtet
haushaltung in vorwerken 191
Ermisch-Wuttke; aber in der nacht fhreten sie den dieb mit fackeln und brennenden strowischen fr gerichte W. Bütner
epitome hist. (1596) 309
b; die fischer des nachtes ... bey brennenden strowischen die fische uberstertzen Aitinger
jagd- u. weidbüchl. (1681) 33.
besonders häufig wird der strohwisch —
meist auf eine stange gesteckt —
als zeichen verschiedener art verwendet; als verkaufszeichen: an einigen orten zeigen sie an, dasz daselbst bier offen sey, oder sonst was verkaufet wird, allg. haush.-lex. (1749) 3, 441; ein reiff stecket man für ein wirtzhausz, ist ein zeichen vnd bedütet daz man wein schenckt im keller, den wein sihestu nit, das fasz sihestu auch nitt deszgleichen mit eim strouwisch Keisersberg
brösamlin (1517) 2, 60
a; guter wein bedarf nicht eines strohwisches Düringsfeld
sprichw. (1875) 1, 344
a.
als warnungszeichen: so lasz mir wenigstens vorher ... für alle die unbefangenen seelen, die mir nachschlendern ... einen strohwisch als warnungszeichen ausstecken Thümmel
reise (1791) 4, 210; wie vor untiefen eine tonne, vor dem halsbrechenden weg ein strohwisch warnt J. H. Voss
antisymb. (1824) 1, 331; schtrohwisch ...
als signal auf eine stange gesteckt (
an eisluhmen) Brendicke
Berlin 179
b.
als saatzeichen: wenn strohwische auf den feldern stecken, so ist es ein zeichen, dasz solches bestellet sey
Noel Chomel, öcon.-phys. lex. (1750) 8, 1734;
ähnlich in der forstwirtschaft: es werde hierinfalls die gemeinde ... dieienige schläge und districten, so der jäger aus herrschaftlichem specialbefehl iedes frühejahr mit strohwisch abhängen wird, von selbsten meiden (1775)
bad. weist. 1, 1, 264
Brinkmann. als auktions- und pfändungszeichen: le brandon, de la paille tortillée au bout d'un bâton qu'on place devant une maison pour cigne de subhastation Schwan
nouv. dict. (1783) 2, 737
a; schulden halber (
drohte) die markgraf' sche apotheke bald unter dem strohwisch wegzugehen Jean Paul
s. w. 56, 109
Reimer; in anspielung darauf: wenn die frau ... eine tulpe pflanzt, so steht es gut im hause ... sagt sie aber heute luperkalien, ... morgen ball, übermorgen concert, freitag komödie, so ist sie auf dem wege, ihre reize publica auctionis lege (unterm strohwisch) auszubieten Hippel
s. w. 5 (1828) 134;
vgl. auch strohwischrecht '
vertrat in der alten Danziger gerichtsverfassung die subhastation' Frischbier
wb. 2, 382
b; J. Grimm
rechtsalterth. 41, 270.