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störenfried

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

störenfried m.

Bd. 19, Sp. 406
störenfried, m. , 'der friedensstörer, unruhstifter' u. s. w., imperat. bildung (zu 1stören, verb. 2, a, α), in der form störfriede bei Christ. Irenäus (s. unten). — als störefried noch bei Krünitz 174, 626 und Campe (doch 'gewöhnlich hört man störenfried' ebenda) und bei den Östreichern F. Bach (gedichte 3, 109 bibl. deutscher schriftst. aus Böhmen) und Bauernfeld, doch auch im norden und mittel Deutschlands: mag störefrieden nur verboten seyn, die freye fahrt (Hamburgs) mit drangsal zu verriegeln Weichmann poesie der Niedersachsen 3, 77; sie hat ihm weisz gemacht, wir alle wären froh, wenn der verdammte mops läg in präsepio; man wäre lange schon des knurrens, schnarchens müde und habe keine ruh vor diesem störefriede Kotzebue dram. w. 40, 259 (und wiederholt bei ihm; doch möglichkeit, dasz er es seiner Wiener zeit verdankt). nach Buchner anleit. z. deutsch. poeterei (1665) 56 ist unser wort 'fast nur bey gemeinen leuten in brauch' (ein offensichtlich auf völliger verkennung der wortstructur beruhendes urtheil). — die flexion ist stark, entsprechend der älteren weise von friede (s. th. 4, 1, 1 sp. 181): der störenfried, des störenfried(e)s Hayneccius (s. unter h) u. s. w. in ihrer erhaltung wohl durch den personalen inhalt des wortes gefördert. aa) möglich, dasz für unseren wortbegriff einiges kostüm aus höllischen kreisen entlehnt wurde, vgl. zusammenrückungen wie der neidische geist und rechte störenfried Mathesius Sarepta 235a (vgl. werke 3, 218); o weh euch, ir Judaskinder, ir störenfridt und teufelischen hetzhundt Joh. Nas antipap. eins und hundert 3, 83a; nun aber richtet der störfriede, der sathan, alles hertzleidt unter und zwischen den eheleuten, und auch sonsten an Christ. Irenäus Adam u. Eva (1570) y 7b; (es hetzt) der unruige hellische mordgeist und störfriede grosze potentaten, könige ... in und wider einander spiegel des ewigen lebens (1585) Nn 4a; weil aber ... der höllische störenfried allerley unkrautssahmen unter den christen auszustreuen gehässig (ist) Hohberg georgica 1, 37. vgl. noch wie denn dargegen die störenfriede Belials kinder sein Mathesius Syrach 2, 17a, eine neigung, die weltanschauung und kunst des reformatorischen zeitalters gleich nahe lag. bb) mannigfach 'der die ruhe, den frieden seiner mitmenschen stört', oft durch entsprechende begriffsbeiordnung weiter erläutert (so im bereich des landfriedens u. s. w.): Johannes der teufer muszte ein störenfried und aufrührer gewesen sein Joh. Prätorius calvinisch gasthausz zur narrenkapfen genant (1598) vorr. 3b; von zanksüchtigen und störenfrieden also (sagen) Nigrinus papist. inquisition 206; als dieses (die abgöttischen ceremonien) gestillet, hat der störenfried (der polnische adel) zu einstellung der neuen religion, wider den hertzogen einen auswendigen krieg erreget Rätel-Curäus chron. des herzogt. Schlesien (1607) 3; du bluthund und störenfried Rinkhart christl. ritter 54 neudr.; (Friedrich II.,) der gefürchtete störenfried, der rebell gegen kaiser und reich, erschien der nation jetzt als der weise beschirmer des rechtes Treitschke deutsche geschichte 1, 67; (heute ungewöhnlich:) gelegentlich sind auch störenfriede (in die Indianerdörfer) eingefallen K. v. d. Steinen naturvölker Zentral-Brasiliens 213 (Ratzel völkerkunde 2, 317); da Mars, der störenfried, sich rüstete zum kriegen Neumark neuspr. palmbaum 10; das wunderschöne feld, da eitel freude blühet, kein störenfried hinsiehet Treuer deutscher Dädalus 1, 498; so schlaget oder schieszt mit pulver oder schrot so einen störenfried ohn alle gnade tot Henrici ernst-scherzh. u. sat. ged. 4, 251; dann erst wird in unsern tagen Deutschland siegreich alles schlagen, jeden störenfried und feind Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. 5, 157 (Fr. L. Jahn werke 1, 247; 2, 842); dieser atheist und störenfried Jean Paul Siebenkäs 4, 55; wer immer in der geschichte förderlich gewesen, ist zuerst ketzer und störenfried ... gewesen Lagarde deutsche schr. 154 (Treitschke histor. u. polit. aufs. 2, 237); vgl. noch: bistu nicht auch der störenfried? der sich der himelsruhe genied, mit allen schanden und schelmerein Hayneccius Hans Pfriem 66 neudr.; da kömmt der störenfried und will mein haus verwirren! Musäus volksmärchen 1, 130; ein solcher störenfried in meiner familie zu werden! Fr. L. Schröder dram. werke 1, 6; da habe ich mir einen schönen störenfried ... in das haus geladen Immermann w. 3, 122; sie sind der störenfried in ihrem eigenen hause Mich. Beer werke 709; sie hielten mich bisher für einen störefried, für den bösen geist Asmodi, der die ruhe der künftigen ehe in vorhinein bedroht Bauernfeld ges. schr. 3, 219. cc) verblaszt (und harmloser als das vorige), überhaupt 'der eine störung, unterbrechung verursacht' (vgl. 1stören, verb. 2, b, β): das gute mädchen, wenn sie kein störenfried sein wollte, muszte dem paar gesellschaft leisten Meyr erzählungen aus dem Ries 1, 56; doch da wollte der zufall, dasz gleich nach ihm der doctor als störenfried eintrat, und es gab nichts als ein zerpflücktes gespräch G. Freytag 6, 221 (vgl. Immermann werke 5, 208); ein vorzügliches beispiel davon ist die satzung, dasz, wenn jemand einem öffentlich redenden ins wort fällt, dem störenfried ... ein derbes ... loch in den rock geschnitten wird Mommsen m. geschichte 3, 285; bei feierlichen aufzügen waren sie (die reichsgrafen) in der regel die störenfriede, indem sie irgend eine streitfrage des ranges oder der reihenfolge dazwischen warfen Häusser deutsche geschichte 1, 83. dd) von einem abstracten begriff: (der gesichtspunkt des glücks) der störenfried in der wissenschaft Nietzsche w. 2, 23. ee) mit einem abhängigen gen.: nach einem siegreich durchkämpften nachttreffen wider den furchtbarsten störenfried dieser marken Fouqué jahreszeiten 4, 258; sie stellten diesen staat dar als den störenfried Europas Treitschke hist. u. polit. aufs. 1, 164. auch: es würgt der aufgereizte bär die störenfriede seines schlummers Kretschmann w. 2, 227; diesen störenfried meiner ruhe (verscheuchen) Fontane I 4, 85; der preussische bevollmächtigte ... erschien wie der störenfried der deutschen einigkeit Treitschke deutsche geschichte 3, 30; es war Deutschlands mission, den störenfried der ruhe Europas (Frankreich) unschädlich zu machen neue preusz. zeit. (1871) nr. 106 (1. beil.). ff) mit adject.: ein rechter störenfried Schottel teutsche haubtsprache 87; sondern vielmehr von innerlichen stöhrenfrieden Prätorius reform. astrol. 228; vgl.den häuslichen störenfried Gutzkow w. 5, 206 (8, 299); wie er war zum friedlichen fürsten ... bestimmt und machte sich statt dessen zum europäischen störenfried Strausz schr. 11, 207; da sollte mir nicht irgend ein unbefugter stöhrenfried in den weg treten dürfen Fouqué altsächsischer bildersaal 2, 610; in diesen bald ränkevollen, bald rathlosen zwisten war Lubecki der beständige störenfried Gervinus gesch. d. 19. jahrh. 7, 70; der wilde störenfried Gutzkow w. 6, 239. — berührung des ausgangs unter a: mit einem leibhaftigen störenfried lässt sich fertig werden L. v. Francois letzte Reckenburgerin 1, 220. gg) im verbalen gefüge (meinungsweise): einen als störenfried betrachten, vgl. Strausz schr. 6, 261; man kommt sogar soweit, männer wie Savonarola ... als störenfriede anzusehen, die mit rohen händen in ein harmonisches gewebe packen Herman Grimm Michelangelo 2, 211; in Luther und Friedrich dem groszen ... störenfriede erblicken Treitschke hist. u. polit. aufs. 2, 237. — (thätlich:) der störenfried tritt dazwischen, ruht nicht (Arnold kirchen und ketzerhistorie 245a) u. s. w. — den störenfried entfernen Gutzkow ritter vom geiste 4, 32; den störenfried ... aus den mauern von schlosz Eichengrün jagen Holtei erz. schr. 9, 151; aus dem fenster werfen, als wunsch bei Laube ges. schr. 8, 114. hh) mehr nur 'wesen, gesinnung eines störenfriedes': wenn B. sich entweder auf seinen störenfried steift oder ihn leugnet G. Freytag 14, 192; und ist zwar bis anher geschehn, das man sich keines zanks versehn, bis heut allein, da der gespan herein ist kommen, weis von wann, der ist des störenfrieds gefliessn, obs schimpf oder ernst, kann ich nicht wissn Hayneccius Hans Pfriem 38 neudr. (s. geflissen th. 4, 1, 1 sp. 2144).
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    StörenfriedDer

    Campe (1807–1813) · +3 Parallelbelege

    Der Störenfried , s. Störefried .

  2. Sprichwörter
    Störenfried

    Wander (Sprichwörter)

    Störenfried Er ist ein Störenfried.

  3. Spezial
    Störenfried

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Stö|ren|fried m. (-[e]s,-e) 1 porsona che destürba la pesc f. 2 (Spielverderber) dezipajüch m.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit stoerenfried

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Zerlegung von stoerenfried 2 Komponenten

stoeren+fried

stoerenfried setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

stoerenfried‑ als Erstglied (1 von 1)

störenfriedisch

DWB

stoerenfried·isch

störenfriedisch , adj. zum vorigen: hat nicht Luther ... ein grewlichs störnfridisch schelmstuck begangen Nas antipap. eins und hundert 5, 3…