stationierer,
m. bettelmönch, der mit reliquien im lande umherzieht, sie zeigt und damit angeblich heilungen verrichtet oder seelen aus dem fegfeuer erlöst; daher mit dem nebensinn des bettlers und schwindlers, gauners, der gelegentlich zur hauptvorstellung wird. begegnet nur nhd. vom ende des 15.
bis anfang des 17.
jahrh. zu grunde liegt mittellat. stationarius,
das allerdings genau in diesem sinne nicht angeführt wird, wol aber in der bedeutung eines händlers, hausierers (
vgl. station 4,
speciell für buchhändler, woraus engl. stationer),
s. Du Cange 7, 587
b f. (3)
und Brinckmeier
gloss. diplom. 2, 575
b (4). Herzog
realencycl.2 17, 307.
vgl. Frisch 2, 321
a. Scherz-Oberlin 1562. Brinckmeier 2, 576
b. Ch. Schmidt
hist. wb. der els. mundart 337
b. Schm.
2 2, 796
f. belege: von stationirern. jtem, sollen alle ertzbischoff, bischoff und prælaten, in stifften ernstlich darob seyn, unnd verfügen, dasz uberflüssigkeit der questionalien, und andere bitter abgestellt, und gemässigt werden.
reichstagsabsch. (1621) 57 (
Augsp. 1500); Ulenspiegel ... nam im für ein
statzinierer usz zuo thuon, und mit dem heiltumb im land umher zuo reiten, und cleidet sich mit einem schuoler in eins priesters gestalt, und nam ein todtenkopff, und liesz in inn silber fassen.
Eulensp. 31 (1515
bl. 43
a,
s. auch Murner
Ulensp. s. 43
Lappenberg); als ... gepoten ist, das
die starcken petler, stationirer, kermisirer, lanndstertzer, und ander verdechtlich müessig geen person in den stettn, märckhten, tafernen, und all anndern flecken und heüsern, lennger nit dann ainsten uber nacht beherbergt, und allain auff den gewönlichen strassen, jnen der durchganng gestatt werden sol.
landpot in Obern u. Niedern Baiern (1516) 16
b; dasz sie den stationierern, wo sie die uf der straszen ankomen, ire pfert nemen, die seckel raumen. Schade
sat. u. pasqu. 2, 44, 13 (
Karsthans, 26.
art.); es ist nindert kain stationierer, er hat in ainem iden dorf ain huoren am baren. an die legen si, was si den armen leuten mit dem streicheisen abliegen und triegen. 3, 148, 2; lieben fladenweiher (
weihbischöfe), bleibt dahaim ... oder man wirt euch eben empfahen mit euer infeln und weihen wie die stationierer mit irem heilthumb und streichholz. 150, 4 (
vgl. d. reg.); die
V. schel ist betlen usz gleisznerei. ... also seint die stacionierer, die zeigen der heilgen heiltumb, so es nit ist, verkünden grosse ablasz. Keisersberg
narrensch. 130 (
richtig: 122)
c: stationierer, so durch das land hin und wieder ihre sammlung suchen, mit ihren einschreiben und pettlen viel gelds zuwegen bringen, und grosz ablasz fürgeben. nennen sich der heyligen bottschafft. etwan ist allein
s. Antonius botschafft zugelassen, yzund kommen dazu des h. geistes, st. Huprechts,
s. Cornelius,
s. Bernards und
s. Valentin gesanden.
auszug der beschwerungs-artikel teutscher nation wider die geistlichen 1521
zu Worms übergeben bei Frisch 2, 321
a; bisher hat eine stad, die bey vier oder funffhundert burger hat, kund geben funff, sechs, sieben hundert gulden werd alleyn den bettelmünchen .., dazu was sonst betteler und stationierer geraubt haben. Luther 15, 361, 9
Weim. ausg.; der stationirer betrug. ein stationirer der fürgab, er köndte die seelen ausz dem fegfewer mit seinem heiligthumb und ablasz, den der heiligste vatter der bapst dazu gegeben hette, erretten, kam an einen ort.
tischr. 245
a; ein stationirer rhümete sich, und sagte, er hette desselben hewes (
worauf Christus in der krippe gelegen) in einer schachtel, aber der pfarrherr nam es jhm heimlich herausz, und legte kolen darein, da nu der stationirer auff der cantzel das hew dem volck wolt weisen, fand er kolen darinnen. 256
a; ein stat Bern hat streng geboten die questioner, terminierer, stationierer, kilchen-, klOester- und landsbetler, ablaskrAemer und curtisanen, mit iren gratzen, expectanzen, pensionen und reservaten, nit inzelassen. Anshelm
Berner chron. 5, 63, 22; es ist eyn kranckheyt die man nennet das kalt fewer, ... wider dise plage ist sant Anthonius artzt gewesen, dasz sein stationierer im sawse habe leben konden. Agricola
sprichw. (1534) 499; das eben wenden wir letz (
verkehrt), mit versaumnus der rechten armen, so (
denen) wir zugeben allein schuldig, auff lose, faule buoben, starcke landtstreicher, Sophoier, Walhen, Jacobs brder, Romferter, farende schuoler, landsknecht, stOerer, stationierer, starcke mOench und pfaffen, huoren unnd buoben. S. Franck
sprichw. 2, 76
b; umb die zeit (1532) ... ist ain stazionierer, mit namen herr Martin Vischer, usser bevelch der münch uf
s. Bernharts perg, im landt zu Schwaben umbher geritten, der hat mit dem hailtum, wie domals gepreuchlichen, gesamlet.
Zimm. chron.2 2, 451, 36; von einem statzionierer mit sanct Sebastians bruoderschafft. Frey
gartenges. (1556) 28
b (
cap. 32,
vgl. oben stationieren); ein stationierer zeigt dem volck kolen für heiltumb. Montanus 404, 12
Bolte (
gartenges. cap. 104,
überschr.); und inn was land ziehen nicht die zigeiner, kauffleut, ... elsessische betler, pilger, stazionirer, farende schuler, kriegsleut, juden.
Garg. s. 32
neudr.; wie Thomas Steinmüller, pfarherr zu Ickingen, eins mals ein stationierer oder bettelmönchen verkündet.
Ambr. liederb. 136 (
überschr.); des glychen duont die heyltuom frer, stürnenstOesser, statzionyerer die nyenant keyn kirchwih verlygen uff der sie nit Oefflich usz schrygen wie das sie fren jn dem sack das hew, das tief vergraben lagk under der kryppf zuo Bettleheyn. Brant
narrensch. 63, 12 (
vgl. die anm. von Zarncke
s. 402
a); die valsch heiltumb umbher fieren, betler und die
statzenierer, die gott und alle welt betriegen. Murner
narrenbeschw. 16, 78; ander stationierer, betler, vopper und vagierer. 33, 80; zu teutsch heiszen sie stationierer. si seint ein teil grosz verfrer: gensbein für heiltumb frens um, bestreichen darmit die völker frum, gewinnent darmit hab und guot. Schade
sat. u. pasqu. 1, 32, 207; der stationierer seind vil in der cristenhait die auf hohen rossen einher traben, die samlen weck, käs und auch vil gelt, grosz guot tuond si zusamen tragen. Uhland
volksl. nr. 348, 9 (
handschr. v. 1524—6); auch kommen stationirer Anthonier, Valentiner die sagen vil erlogner wort das sey geschehen hie und dort bestreichen frawen unde mann mit eim vergulten eselszan und erschinden auch geltes krafft schreiben leuth inn jr bruderschafft hollen die zinsz all jAerlich jar. H. Sachs 2, 1, 86
c (
die Wittemb. nachtigal v. 235); mit der stacionierer brauch ist vor der zeit das Teutschlandt auch betrogen worden mit vil secten die voller lüg und listen steckten. 2, 4, 99
d; einsmals kam auff jr kirchweyh dar ein parfusser mönnich, der war ein stacionirer schalckhafft mit sanct Anthonius bottschafft auch ein seltzamer grillenreiser im grund ein lauter bawrnbscheiser. 4, 3, 83
b (
schwank: der pfarrherr mit dem stacionirer); ausz eim todtenbeinhäuszlein stal (
Eulenspiegel) ein todtenkopff, den er allein mit wenig silbers liesz fassen ein, samb der todtenkopff ein heilthum wer, eim pfaffen gleich sich kleidet er, gleich eim stationirer reit, mit seinem heilthum sommerszeit, hernacher in eim frembden land. 5, 412
b; (
Eulenspiegel) nam jm solch handtierung für, die fürwar henckens werd ist schier, nemlich zu sein ein statzionierer, welches sind die grösten verfürer, die in den landen schweifen umb mit todtenbein und heyligthumb. Fischart
Eulensp. 98 (
cap. 30,
v. 4026,
s. 160
Hauffen).