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Stanze

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Meyers
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Stanze

Bd. 18, Sp. 852
Stanze (ital.), eigentlich Wohnung, Zimmer; daher heißen in der Kunstgeschichte »Stanzen« vorzugsweise die von Raffael und seinen Schülern ausgemalten Räume des Vatikans in Rom. – In der Dichtkunst ist S. soviel wie Reimgebäude, Strophe; insbes. das auch Oktave (ital. Ottava rima) genannte epische Versmaß der Italiener, eine aus acht fünffüßigen Jamben bestehende Strophe, in der die Verse so verschlungen sind, daß der 1., 3. und 5., dann der 2., 4. und 6., endlich der 7. und 8. auseinander reimen. Diese Form kommt schon vom 13. Jahrh. an in volkstümlichen Dichtungen vor; Boccaccio erhob sie zu einer Kunstform und verwendete sie zuerst in umfangreichern Gedichten (»Teseïde«, »Filostrato«, »Ninfale Fiesolano«). Die Strophe findet sich bei Italienern in allen größern epischen Gedichten (Ariosts »Rasender Roland«, Tassos »Befreites Jerusalem«); auch Camões hat seine »Lusiaden«, Byron seinen »Don Juan« in dieser Form gedichtet. In Deutschland hat zuerst Diederich von dem Werder die S. in seiner Übersetzung des »Befreiten Jerusalem« (1626), jedoch nicht mit iambischen Fünftaktern, sondern Alexandrinern, angewandt. Lange darauf bediente sich ihrer Werthes 1774 in der Verdeutschung des ersten Gesangs vom »Rasenden Roland«, doch hat schon er, ebenso wie die meisten deutschen Dichter der spätern Zeit, in dem 2., 4. und 6. Vers den männlichen Reim an die Stelle des weiblichen treten lassen. Mit Meisterschaft hat später J. D. Gries (s. d.) in seinen Übersetzungen aus dem Italienischen die Form der S. gehandhabt. Sie wurde in Deutschland aber auch zu selbständigen Dichtungen verwendet, so schon 1774 von Heinse (im Anhang zum »Laidion«), sodann von Goethe, Schiller und vor allem von den Romantikern. Von größern deutschen epischen Dichtungen in Stanzen sei Schulzes »Bezauberte Rose« und Linggs »Völkerwanderung« erwähnt. Indessen eignet sich die S. im Deutschen mehr zu Widmungsgedichten (z. B. in Goethes »Faust«), zu Prologen, gedankenreichen Apostrophen u. dgl. als zu größern epischen Gedichten, wo sie leicht monoton wird und ermüdend wirkt. Diese Erkenntnis regte Wieland schon 1767 in »Idris und Zenide« zu einer freiern Behandlung der S. an, indem er die Zahl der Versfüße beliebig zwischen vier, fünf und sechs schwanken, die Reime aber ein- oder zweimal wiederkehren ließ und dabei willkürlich verband; im »Oberon« (1780) gestattete er sich noch die weitere Freiheit, Anapäste an die Stelle der Jamben zu setzen. Auch Schiller hat diese freiere Form bei seiner Übersetzung des Vergil angewendet; doch hat sie der korrekt gebauten Strophe weichen müssen. Eine andre Abart der S. ist die Spenserstanze, die Spenser in seiner »Feenkönigin« und nach ihm Lord Byron in seinem »Childe Harold« angewandt haben. Sie ist neunzeilig, die Reimpaarung derartig, daß zuerst zwei Zeilen: die 1. und 3., dann vier: die 2., 4., 5. und 7., und zuletzt drei: die 6., 8. und 9., auseinander reimen, und um dem Ganzen einen wirkungsvollern Abschluß zu geben, hat der letzte Vers stets einen Fuß mehr.
3012 Zeichen · 53 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Stanze

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Die Stanze , plur. die -n, bey den Gürtlern, dicke kurze messingene oder stählerne Platten mit einer Vertiefung in der M…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Stanze

    Goethe-Wörterbuch

    Stanze [bisher nicht online publizierter Wortartikel]

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Stanze

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Stanze , ital.-dtsch., ottava rima , ital., eigentlich Haltpunkt, Strophe, vorzugsweise die Octave (stanza di Boccaccio)…

  4. modern
    Dialekt
    Stanzef.

    Pfälzisches Wb.

    Stanze f. : ' Vorrichtung zum Stanzen von Leder in der Schuhfabrikation ', Stanz [IB-Blieskst PS-Rodalb ( Bernhard 154)]…

  5. Spezial
    Stanzef

    Dt.-Russ. phil. Termini · +2 Parallelbelege

    Stanze , f станс , м

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit stanze

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stanze‑ als Erstglied (17 von 17)

Stanze(n)

Idiotikon

Stanze(n) Band 11, Spalte 1143 Stanze(n) (II) 11,1143

Stanze(n) I

Idiotikon

Stanze(n) I Band 11, Spalte 1143 Stanze(n) I 11,1143

stanzenbrett

DWB

stanzen·brett

stanzenbrett , n. in blumenfabriken ' ein brett, worinn löcher von verschiedener grösze eingebohrt sind, und worein das dünne ende der stanz…

stanzenbunzen

DWB

stanzen·bunzen

stanzenbunzen , m. ' bunzen mit allerley erhaben geschnittenen figuren auf ihrer spitze, die stanzen damit auszuzieren '. Adelung, vgl. Jaco…

stanzendruck

DWB

stanzen·druck

stanzendruck , m. bei meszbüchern des 15. und 16. jh., s. Wattenbach schriftwesen 2 247.

stanzenform

DWB

stanzen·form

stanzenform , f. , zu stanze 2: dieser fortströmende gang des gedichts ( der Aeneis ) muszte nun in der übersetzung durch viele kurze ruhepu…

stanzengravierung

DWB

stanzen·gravierung

stanzengravierung , f. gravierung von stanzen (3) in stahl, herstellung der matrizen ( seltner patrizen ), die zur prägung von metallknöpfen…

stanzenhammer

DWB

stanzen·hammer

stanzenhammer , m. bei den gürtlern ' ein starker hammer, womit auf das platte ende des stanzenstempels geschlagen wird, wenn die knopfplatt…

stanzenschreiber

DWB

stanzen·schreiber

stanzenschreiber , m. , zu stanze 2: welch ein einfall! einen persianischen stanzenschreiber ( Hafis ) in horazianische oden ... zu übersetz…

stanzenschwimmer

DWB

stanzen·schwimmer

stanzenschwimmer , m. : das ist ja alles fades versgewimmer, mir steckt im hals ein groszer strophenklosz. entläszt du ( muse ) jetzt nicht …

stanzenstempel

DWB

stanzen·stempel

stanzenstempel , m. bei den gürtlern, ' ein zu jeder stanze gehöriger stämpel, welcher an dem einen ende etwas rund ist, das blech damit in …

stanzenzeile

DWB

stanzen·zeile

stanzenzeile , f. , zu stanze 2: hier konnte es freylich nicht fehlen, dasz nicht öfters vier oder fünf lateinische hexameter in eine ganze …

Stanzer Tal

Meyers

stanzer·tal

Stanzer Tal , Hochtal in Nordtirol, Bezirksh. Landeck, vom Arlberg bis zum Oberinntal reichend, wird von der Rosanna durchströmt, die nach A…