stäupen,
verb. ,
mit ruthen züchtigen, ableitung von dem subst. staupe,
für älteres zur staupe schlagen,
vgl.staupe I, 3.
die bildung ist zuerst im nd. belegt; mnd. stupen Schiller-Lübben 4, 451
b (
ältester beleg aus einem druck v. 1484),
ebenso mnl. in der nhd. schriftsprache ist das wort besonders von Luther
eingeführt, der es häufig gebraucht. dasz es indessen dem damaligen oberdeutschen sprachschatze noch fremd war, beweisen die dortigen bibelübersetzungen, die entweder eine erklärung für nöthig halten oder ein anderes wort einsetzen. so erklärt Adam Petri in dem
glossar der Basler bibel v. 1523 steupen
durch mit ruotten auszstreychen; gesteupt
durch mit ruotten gestrichen;
in der Nürnberger bibel v. 1526: mit ruoten ausgestrichen,
s. Kluge von Luther bis Lessing s. 87. 90. Eck (
Ingolst. 1537)
setzt dafür schlagen, mit ruoten schlagen, gais(z)len
ein, die Wormser propheten (1527) züchtigen,
die Züricher bibel v. 1530 strafen, schlahen,
s. 82. Lindmeyr
d. wortschatz in Luthers, Emsers und Ecks übers. des n. test. s. 89.
so fehlt das wort auch in den ältesten oberd. wörterbüchern. stäupen, mit ruhten hawen.
chastier de verges Hulsius
dict. (1616) 307
a; geisseln, streichen, schlagen, steupen,
flagellare, verberare, caedere loris, verberibus, fustibus, virgis, saxis Henisch (1616) 1444, 37;
caedere virgis Schottel 1421; staupen, stäupen, steupen, [
da stäuben,
forse]
scopare cioè sferzare, frustare, battere con verga, flagellare, staffilare, met. castigare in genere, massime di pena corporale e con battiture. v. hauen, streichen, geisseln Kramer
dict. 2, 918
a.
wie hier, finden sich sonst vereinzelt umlautslose formen. so bei Stieler,
s. unten 3,
und: staupen,
caedere virgis Haltaus 1739.
im allgemeinen durchaus mit umlaut, im ältern nhd. meist steupen
geschrieben, so regelmäszig bei Luther,
vgl. Weigand 2, 803.
vereinzelt begegnet volksetymologische anlehnung an oder vermischung mit stäuben,
vgl.: darüber wurde der geist endlich unwillig, stäubte das lose gesindel durch einen kräftigen steinhagel aus seinem gebiete hinaus und wurde gegen alle wanderer so barsch und grämisch, dasz keiner ... ohne staupe entrann Musäus
volksm. 1, 43
Hempel (
leg. v. Rübez. 4).
stäuben für stäupen: zwingen kann mich kein bürgermeister, einem gestäubten weibsbilde was in die hand zu geben Alexis
d. Roland v. Berlin (1840) 1, 104 (
ende v. cap. 4).
umgekehrt: er (
d. samum) mordet, geweckt, das leben; im sausenden fluge hebt er die wüst'. und stäupt sie empor in die lüfte Pyrker
Tunisias 10, 163;
wo die ausg. von 1820 10, 220: stäubt
bietet. (
sonst zur etymologie Wachter 1602
und Adelung.) —
mundartlich scheint das wort nur nd. vorzukommen und auch hier nicht allgemein. (
pfälz. staebe '
stäupen' Autenrieth 135
ist wohl druckfehler, da es weitergeht: staeb
staub, staebe
stäuben. für Handschuhsheim bezeugt Lenz 68
a ausdrücklich das fehlen.)
hier geben die ältesten idiotiken ebenfalls formen ohne umlaut: stupen, ut(h)stupen Richey 298 (
nach Matheson); Strodtmann 382
a (
Osnabr.)
; brem. wb. 4, 1080; Schütze
holst. id. 4, 218.
die östlichen dagegen mit umlaut, auch noch in neuerer zeit: pomm. stüpen
mit der ruthe züchtigen Dähnert 470
b;
mecklenb. Mi 88
b;
altmärk. stüp'n,
dafür hier und da fitzen Danneil 45
b. 11) stäupen
gilt zunächst und im eigentlichsten verstande von der öffentlichen auspeitschung eines verbrechers, die vom gericht oder von der obrigkeit als strafe zuerkannt wird. vgl. J. Grimm
rechtsalterth. 703
f. (
42, 289
f.). 1@aa) stäupen ... '
besonders, öffentlich mit ruthen streichen, wie noch jetzt zur strafe gewisser verbrechen geschiehet.' Adelung: denn sie werden euch uberantworten fur die ratheuser und schulen, und jr msset gesteupet werden
Marc. 13, 9; und rieffen den aposteln, steupten sie, und geboten jnen, sie solten nicht reden in dem namen Jhesu, und liessen sie gehen
ap.-gesch. 5, 40; und die heubtleute liessen jnen die kleider abreissen, und hiessen sie steupen. und da sie sie wol gesteupet hatten, worffen sie sie ins gefengnis 16, 22
f.; Paulus aber sprach zu jnen, sie haben uns on recht und urteil, öffentlich gesteupet, die wir doch Römer sind 37; ich bin drey mal gesteupet
2. Cor. 11, 25; ungehorsam, lose buben, mus meister Hans steupen, da hin komen sie gewis
randbem. zu spr. Sal. 19, 29 (
bibelübers. 7,
s. 512); er hat den fast wol gesteupt haissen kreutzigen S. Franck
chron. Germaniae (1538) 309
b; sie haben uns verdampt in rücken, spricht S. Paulus (
s. oben), unverhörter sachen, unnd haben uns steupen, foltern, poltern, stöcken unnd pflöcken lassen Mathesius
Sar. 216
b; den dieb liessen sie (
die alten Preuszen) zum ersten mal steupen, zum andern mit keulen schlagen Schütz
beschr. der lande Preussen 3
b; da er (
Paulus) solte gestäupt und gegeisselt werden, berieff er sich auff seine privilegia, die er als ein römischer bürger hatte, act. 22 Schuppius 306; eine arme hure, die am kack (
pranger) gesteupet wird, und zu wahrer busse kommet, die ist glückselig 508; ich nähme eben so gern ihre aussteuer mit der bedingung, alle morgen am pranger gestäupt zu werden
Shakesp. 6, 212 (
der widersp. zähmung 1, 1); vor funfzig jahren hätte sie bei einem turnier nicht einmal erscheinen dürfen, ohne gestäupt zu werden Hebbel 3, 157
Werner (
Agnes Bernauer 1, 18); in Teanum ... hatte ein consul den bürgermeister ... auf dem markt mit ruthen stäupen lassen Mommsen
röm. gesch. 2, 220; darzu von buben und geselln die man erhenckt, verbrent, entheupt, verweiset und mit ruhten steupt Ringwaldt
lauter warh. 195; da sie wohl hundertmahl gestäupt, vergiftet, ins meer geworfen, erstochen, gehängt, ja gar beschnitten worden Wieland 4, 252 (
Amad. 11, 6); he! wache! stäupt die frevlerinn, rief der tirann Pfeffel
poet. vers. 10, 77;
von der geiszelung Jesu: er ward gestäupt, sein heilig haupt mit dornen scharf gekrönet Joh. Heermann
im hannov. gesangb. 267, 2.
manchmal ist das stäupen
weniger eigentliche strafe als folter u. ähnl.: es wurden auch sieben brüder sampt jrer mutter gefangen, und mit geisseln und riemen gesteupt, und gedrungen vom könige, das sie solten schweinen fleisch essen 2.
Maccab. 7, 1 (
vgl.: mit geisselen und riemen gesteupt, 1.
Mac. 7, 1.
verberibus, lorisque cruciarentur Henisch 1444, 47); hies jn (
Paulus) der heubtman in das lager furen, und saget, das man jn steupen und erfragen solt, das er erfüre, umb welcher ursach willen sie also uber jn rieffen
ap.-gesch. 22, 24; könnet ihr aber diesen bedingungen nicht genüge leisten, so will ich euch als eine lose dirne stäupen lassen, bis ihr mir saget, wie euch dieser ring ist zu handen kommen Musäus
volksm. 4, 59
Hempel; vgl. auch: als man ihm die nachricht brachte, es sollte in dem schloszhofe eine execution vorgehen, und ein knabe gestäupt werden, der sich eines nächtlichen einbruchs verdächtig gemacht habe ... der knabe leugne zwar auf das hartnäckigste, und man könne ihn deszwegen nicht förmlich bestrafen, wolle ihm aber als einem vagabunden einen denkzettel geben und ihn weiter schicken Göthe 18, 299 (
Wilh. Meister 3, 9). 1@bb) stäupen
gern mit henken
zusammengestellt: sol ich dich steupen oder hencken oder in das tieffe meer versencken? Joh. Römoldt
laster der hoffart (1564) G 3
b; gehangen wird er noch, zum wenigsten gestäupt Göthe 7, 111 (
mitschuld. 3, 9);
so in dem sprichw.: wo hencken recht ist, da ist steupen kirmesse (
ein fest, vergnügen) Luther
sprichw. 279; steupen ist für hengen kirchmesz, steupen ist hengens vorlauff Petri Tt 2
a. — stäupen und enthaupten
als römische hinrichtungsart: das todesurtheil sprach bey staatsverbrechen damals noch der consul aus ... von dem curulischen thron sah er unerschüttert wie mit den Vitelliern ... seine gefallnen söhne gestäupt und enthauptet wurden Niebuhr
röm. gesch. (1811) 1, 330; was von der besatzung übrig war, (
ward) in Rom auf offenem markte gestäupt und enthauptet Mommsen
röm. gesch. 1, 384. 1@cc) stäupen
mit nähern angaben, besonders der wirkung: bis aufs blut steupen,
usque ad sanguinis effusionem caedere Stieler 2151; einen bis aufs blut stäupen,
sferzare uno fin' al sangue Kramer
dict. 2, 918
a;
tergum alicujus virgis sauciare Steinbach 2, 690; stäupen ... aufs blut,
virgis caedere; tergum virgis lacerare Frisch 2, 323
b. — zu tode steupen,
tangere aliquem virgis ad necem usque Stieler 2151; zu tod stäupen,
far morire uno (
di?)
colpi di sferzate ò staffilate; staffilare à morte Kramer
a. a. o.; und ist ge botten, das man jn under dem galgen zu tod solt steuppen S. Franck
chron. Germ. (1538) 19
a; deiner mutter will ich's klagen, dasz ihr sohn meinen sohn wird stäupen lassen bis in den tod, dasz er ihm wird lassen sein zartes, weiszes fleisch in langen blutigen streifen vom rücken hauen! Holtei
erzähl. schriften 1, 216. — einen durch die gantze stadt stäupen,
aliquem per totam urbem virgis caedere Steinbach 2, 690; men schal se (
die ehebrecher) myt geyselen uth der stat stupen, koppen unde steinen
qu. (
vom j. 1484)
bei Schiller-Lübben 4, 451
b; wenn ich es nicht vollkommen erweiszlich mache, will ich mich zu dieser insul hinaus stäupen, oder gar in die see stürtzen lassen
Felsenburg 3, 64; man sollte sie aus dem Olympus stäupen Kotzebue
dramat. sp. 1, 23. 1@dd)
bildlich: mit dem eisernen besen stäupen
vom kampfe: nach diesem fieng zu reden an, ein wolversuchter kriegesmann, der offtmals war dabey gewesen, da man steupt mit dem eisen besem
froschm. Oo 4
a (3, 1, 5,
v. 4). 22) stäupen
für züchtigung mit ruthen überhaupt, vgl. oben die erklärungen: 2@aa)
im allgemeinen: ich stäupe,
virgis caedo, virgis concido Steinbach 2, 690; sie stäupten ihn,
virgis multabant eum; von einem lange gestäupet werden
ebenda; verkündige allenthalben die grosse krafft des herrn, weil du von himel herab (
durch zwei engel) gesteupt bist 2.
Maccab. 3, 34,
vgl. v. 26
und 38; es ist herr Omnes ein toller teufel, er gehorchet nicht, bis das er auff das maul geschlagen wird, mit wolthaten verwehnet man sie, aber mit besemen mus man sie steupen Luther 16, 321, 23
Weim. ausg.; da springet zu, greifet den dieb und stäupet ihn Mörike
ges. erz. s. 191;
mit zusatz (
vgl. 1, c): dann soll keiner hinfort des Telemachos vater mich nennen, wenn nicht schnell dich (
Thersites) ergreifend ich jedes gewand dir entreisze, ... und dich heulenden fort zu den rüstigen schiffen entsende, aus der versammlung gestäupt (
πεπληγὼς ἀγορῆθεν) mit schmählichen geiszelhieben Voss
Il. 2, 264.
so auch in bezug auf Brun den bären im thierepos: daer na (
fluchte er) Lamfroit van den stupen, dat hi hem so lede dede
Reinaert 860. 2@bb)
als strafe für knechte: gleichwie ein knecht, der offt gesteupt wird, nicht on striemen ist
Syrach 23, 10; die kinder mit vleis ziehen, den bösen knecht wol steupen 42, 5 (
vgl.: steupen ... das ist, züchtigen, streichen,
Sir. 42, 5. Gueintz
deutsche rechtschr. 1666
s. 138); thu dein kinder auffziehen recht, thu wol steupen dein falschen knecht H. Sachs 5, 159
a.
so auch: der bischof wardt zornig, befalch, den narren auch zu steuppen. so sprücht er: 'muess ich dann von deiner nasen wegen gestrichen werden?'
Zimm. chron.2 3, 495, 34; das ging eine weile so fort, bis ich (
der entlaufene narr des bischofs) ihn (
Weislingen) um ein vorschreiben bat, dasz ich zurückkehren könnte und nicht gestäupt würde Göthe 13, 2, 289, 10
Weim. ausg. (
Götz v. Berl., bühnenbearb., handschr. 4, 2). 2@cc)
von züchtigung der kinder: kinder steupen,
ferulâ pueros castigare Stieler 2151; ein kind stäupen,
sferzare, castigare etc. un figliuolo, batterlo con verghe, scudisciarlo, dargli un cavallo Kramer
dict. 2, 918
a; ein kind stäupen Adelung,
im gewöhnlichen leben dafür die ruthe geben Adelung, Campe.
belege: gleich wie ein vater sein kind steupet, nicht das er als ein hencker oder stockmeister es todschlage, sondern durch den schilling seiner bosheit, unart und schalckheit stewere Luther 16, 120, 37
Weim. ausg.; (las nicht ab den knaben zu züchtigen.) steupestu jn, so darff jn der hencker nicht steupen, es mus doch gesteupet sein, thuts der vater nicht, so thuts meister Hans
bibelübers. 7, 513 (
randbem. zu spr. Sal. 23, 13); gleich wie ein hauszvatter mit seinem sone und knechte handelt, den son steupt und schleget er viel mehr unnd öffter denn den knecht, doch sammelet er jhm einen schatz zum erbe. aber einen bösen, ungehorsamen knecht schleget er mit der ruten nicht, sondern er stösset jn hinausz für die thür
tischred. 23
a; als wenn ich durch die finger sehe, das einer meinen son steupte oder schlüge 23
b; unsere vorfaren haben die kindlein an disem tage (
der unschuld. kindlein, 28.
dez.) gekindelt, und mit des heiligen Christs gerten gesteupet Mathesius
postilla 3, 29
a; gleich wie ein vater ein kind steupet mit einer ruthen
M. Neander
menschensp. (1631) E 3
b; ein kind irret und sündiget als ein kind, und der vater stäupet, ermahnet und duldet als ein vater Scriver
seelenschatz (1681) 581; dieser (
der genius des todes auf e. denkmal) ist ein kleiner runder junge und macht ein heulendes gesicht, als ob er gestäupt worden wäre Solger
nachgel. schr. 1, 33; die mutter ... sprang in solchen fällen hinzu, sagte wohl (
zum vater): 'stäupe stärker, der verzweifelte bub hat es wohl verdient', und unterdesz, ohne dasz es die kinder merkten, faszte sie ihm den arm und die hand, worin er die ruthe hatte, dasz er nicht zu stark zuschlagen konnte Freytag 19, 206 (
bilder 2, 2, 6,
aus Barth. Sastrow); Luther erzählt, dasz ihn die mutter ... um einer armseligen nusz willen blutig gestäupt Ranke
werke 1, 196; wen den se (
die kinder) pipen, du wilt se gripen, een betgen stüpen, den scheld de moder gewis
Tewesken wasset de bart (
vor 1700)
v. 58,
bei Lauremberg
s. 143
Lappenberg. 2@dd)
ebenso werden kinder in der schule vom lehrer gestäupt: als nu de rector (
der schule) de beiden jungen um ore undeugde wolde stupen Beninga
chron. v. Ostfriesland bei Schiller-Lübben 4, 451
b; auf der hohen schulen da schreibet man keinen an, da steupet man keinen wie in den kleinen schulen Mathesius
Syrach (1586) 1, 31
a; mein alter gerieth in die grimmige wut eines verspotteten lehrmeisters. er faszte ihn bey den hosen und stäupte ihn vor den augen der jauchzenden schüler, von denen einige so dienstfertig waren, ihn zu halten, um ihn die strafe besser fühlen zu lassen Rabener
schr. (1777) 4, 173; sogar alsdann sieht er noch süsz und zärtlich aus, wenn er meinem alten onkel in seine stäupenden hände fällt 177; redet er die sprache des pöbels, wenn er die sprache des glaubens zu reden vermeynt; so soll ihn sein präceptor stäupen, und ihm für jeden ungesitteten ausdruck einen streich geben 287.
vgl. auch: wann die kinder in Italien drey jahr alt seynd, so können sie gut italiänisch reden. woher lernen sie das? nicht ausz der grammatic, ... sondern ausz dem gehör. was sie täglich sehen und hören, das können sie leicht behalten. man darff sie deszwegen nicht stäupen Schuppius 50.
daher auch das sprichw.: wer steupet den schulmeister? Petri
Kkk 3
b. 2@ee) stäupen
in bezug auf hunde ist im allgem. kaum gebräuchlich, wird aber vorausgesetzt von der nd. sprichwörtl. redensart: he het daar enen hund stupen seen, '
er wird sich daselbst nicht einfinden, weil er beispiele gesehen hat, wie schlecht man seinesgleichen daselbst aufnimmt: vestigia illum terrent'
brem. wb. 4, 1080; da hett he enen hund utstupen seen, '
dorthin kommt er nicht wieder' Schütze 4, 218. 2@ff) stäupen
wird dann auch gesagt, wo gar nicht von bestrafung, sondern von miszhandlung die rede ist: und zu seiner zeit sandte er einen knecht zu den weingartnern, das sie jm geben von der frucht des weinberges. aber die weingartner steupten jn, und liessen jn leer von sich. und uber das, sandte er noch einen andern knecht. sie aber steupten denselbigen auch
Luc. 20, 10
f., vgl. Matth. 21, 35.
Marc. 12, 3. 5; es ist auch geschehen, das (
sie, die hofleute, die Marienburg verkauft hatten) etliche unsers ordensbrüder des nachts, wenn sie zu der metten wolten gehen, nacket auszgezogen, mit ruten gesteupet, ... und sie mutternacket schemlich in den creutzgang ... gejaget haben Schütz
beschr. der lande Preussen (1599) 263
a;
vgl. auch: lasz mich mit glühnden zangen kneipen, ... lasz mich mit ruten peitschen, stäupen — nur warten, warten lasz mich nicht! Heine 2, 50
Elster. ferner: sind auff den madratzen und kotzen gelegen, und haben sich selber gesteupet Mathesius
postilla 3, 86
a. 33) stäupen
in freierem und weiterem gebrauche, vgl. oben Kramer; steupen, gesteupet,
et staupen, gestaupet,
propr. est caedere virgis, sed metaph. pro quacunque castigatione sumi solet Stieler 2151. 3@aa)
im ausgeführten bilde: dich falsches glücke! red ich an: ... du stäupst nur einen tauben rücken, der drat und geissel müde macht, und, ohne sich vor dir zu bücken, den aufgefangnen streich verlacht Günther 201; es hat der vorwurf, den der traum ins ohr mir schrie, dem roszlenker gleich mich aufgepeitscht, blutigen geiszelschwungs! ja mich in herz und mark gepeitscht meiner reu' marterknecht; wie er mich trifft, wie er mich stäupt, durchschauert mich grause, die zu grause qual! Droysen
Aischylos3 127 (
Eumen. 153). 3@bb)
sehr gewöhnlich von gott, indem allerlei unglück und plagen als göttliche züchtigung gefaszt werden; in geistlicher sprache (
bei Luther
und unter seinem einflusz).
dabei ist meistens die vorstellung der väterlichen züchtigung (2,
c)
der ausgangspunkt: gott stäupet die seinige vAetterlich und nicht richterlich,
dio sferza, castiga, batte, flagella i suoi da padre, e non da giudice Kramer
dict. 2, 918
a; denn welchen der herr lieb hat, den züchtiget er, er steupt aber einen jglichen son, den er auffnimpt
Ebr. 12, 6; gott zörnet darumb mit seinen kindern nicht, wenn er sie gleich züchtiget und straffet ... und zwar er selbs schleget unnd steupet sein heufflin nicht, ... sondern lessets geschehen, dasz sie geschlagen und gezüchtiget werden Luther
tischreden 30
a; gott der vatter versucht es auch mit uns alten narrn, doch kindern im glauben, auch mit ruoten, steupt uns jetzt mit armuot, dann mit kranckheyt ... Seb. Franck
sprüchw. (1541) 2, 105
a; denn das ist allzeit dein gebrauch: wer kind ist, musz was leiden; und wen du liebst, den stäupst du auch P. Gerhardt
nr. 76, 10
Goedeke; und dasz ich ja dein eigen sei, hast du mich auch aus groszer treu gestäupt mit vaterruten
hannov. gesangb. 247, 5;
so ferner: in hoc regno mera misericordia, auch den, wen er uns am meisten steupt Luther 17, 1, 326, 12
Weim. ausg.; verlasse gott ja nicht, laufe nicht von ihm, ob er dich gleich steupet und züchtiget Mathesius
Syrach (1586) 1, 8
b; gott ... kennet euch nicht ... denn sonsten würde er euch auch steupen, und mit der ruthe zu rechte ziehen Mich. Neander
menschensp. (1631) E 4
a; wenn gott ein volck heimsucht und steupt, wird buben über schälck erlaubt Kirchhof
wendunm. 2, 108
Österley (2, 56); gott steüpt ein wenig hie auff erden
Königsb. dichterkr. s. 236
neudr.; darinn lasz die straf' ergehen, schlage zu und steupe fort, liebster gott, und schone dort! Neumark
lustwäldchen (1652)
s. 23; ich (
gott) steupe dich üm zu-zu-sehen wie du bey deinem gott wirst stehen 18; mein vater und mein gott! ich ehre dein gericht, ... indem ich durch den schlag die grosse lieb' empfinde, du stäupest hart und scharff und doch noch zu gelinde Günther 705.
so im gegensatz zu schärferer strafe: (
gott spricht, er) habe als ein vater geeivert. ... und deutet selbs den eiver also, und spricht, ich war ein wenig zornig, als solt er sagen, ey mein eiver ist kurtzer kleiner zorn, er wehret nicht lange, so beisset er auch nicht gar durch, sondern steupt ein wenig, das er das böse abkere Luther 4, 242
b.
doch auch in stärkerem sinne, von der bestrafung der bösen (
hier also von '
richterlicher züchtigung'): denn die gottlosen so dich nicht kennen wolten, sind durch deinen mechtigen arm gesteupt, da sie durch ungewönliche regen, hagel, gewesser ... verfolget, und durchs fewr auffgefressen worden
weish. Sal. 16, 16; denn weyl yhr beydes teyls unrecht seyt ..., werdet yhr euch zu beyden seytten verderben, und wird gott eynen buben mit dem andern steüppen Luther 18. 329, 12
Weim. ausg. (
schr. 3, 122
a Jenaer ausg.); szonder got wyl eynen buben myt dem andern stewpen 29, 549, 29.
Christus als subject: darffst nicht gedencken, das er dich erst gen Rom schicke umb eine absolution odder wOelle dich steuppen und erwrgen 23, 694, 30; Christus wird nicht zugleich fromme und böse stäupen und in die hölle werfen ... er wird die fromme zur seligkeit annehmen ... die böse kobel den schwarzen engeln die mit keulen lausen hinterlassen Val. Herberger
ev. herzpost. 677. —
von irdischen herrschern, als ausdruck der tyrannei: das lied des kriegs soll durch die berge gellen, bis auch kein glied mehr übrig bleibt der kette, die den arm uns reibt; bis kein despote mehr uns stäupt Freiligrath
5 2, 100. 3@cc)
so auch mit unpersönlichem subject; zunächst im bilde, die rute stäupt: der himmel läst dieselben (
jugendsünden) doch nicht ungestrafft ... mich hat dessen ruthe zu verschiedenen mahlen sehr hefftig gestäupet
cav. im irrg. (1746)
var. A 2
a; allein der putz unsrer weiber ist die zuchtruthe des himmels, womit wir weidlich gestäupet werden Möser
patriot. phantas. 1, 69; und dencke nur getrost zu dulden, was du verdient mit deinen schulden, die ruthe, die dich itzund stäupt Hoffmannswaldau
auserles. ged. (1697) 2, 277.
ferner: denn der fluch des propheten stäupet mit ewiger unfruchtbarkeit die augen der ungläubigen und giebt ihnen nicht zu kosten den vorschmack des paradieses Musäus
volksmärchen 1, 98
Hempel (
Melechsala).
die plagen als subject: der mensch ist nicht von stahl und fleisch und blut musz sincken, wenn unruh und gefahr uns in die länge stäupt Günther 83; wo armuth, schand' und gram die geilen schlemmer stäupt, und gicht den trunkenbold mit heiszen zangen kneipt Lichtwer
schr. 200 (
recht der vern. 3).
s. auch die belege unter a. 3@dd)
abgeblaszter im passiv, ohne dasz ein züchtiger genannt wird: er wird ietzo gar sehr gesteupet,
variis difficultatibus affectus, atque afflictus est, fractus malis, et prope dissipatus perit Stieler 2151; es ist unserer sünden schuld, dasz wir so gestäupet werden Kramer
dict. 2, 918
a; es ist deiner bosheit schuld, das du so gesteupt wirst, und deines ungehorsams, das du so gestrafft wirst
Jerem. 2, 19; sie (
die gerechten) werden ein wenig gesteupt, aber viel guts wird jnen widerfaren
weish. Sal. 3, 5. 3@ee)
von gesellschaftlichem tadel, übler nachrede, verruf u. ähnl.; im bilde: nachrede für nachrede, oder medisance für medisance: so ist es doch immer besser, sich eine kluge frau schelten zu lassen, als die ruthe zu verdienen, womit die welt den gefallenen stolz stäupt Möser
patr. phantas. 3, 23;
ungewöhnlicher: ehrliebende Ebräer werden die gelegenheiten nie gern sehen, da einer ihres geschlechts mit recht und unrecht zu einem überschwenglichen reichthum kommt, weil er der ganzen nation hasz und neid aufladet. sein name, er heisze Süsz oder Ephraim, wird zeiten hinab auch den unschuldigen vorgerückt und er mit demselben gestäupet Herder 24, 70
Suphan. 3@ff)
von litterarischer kritik, zunächst in bezug auf den autor selbst, im ausgeführteren bilde: ihr musen! ist es nicht ein unverdienter lohn, ... so stäupt, so züchtigt mir den geilen Midas-sohn, bisz sein vertracktes fell die spate reu empfindet Günther 492 ('
der entlarvte Crispinus ... oder die von den Musen gestriegelte tadel-sucht').
so auch: schwing deine geiszel, sänger der tugend! schwing die feuergeiszel, welche dir Braga gab, die natternbrut, die unsre deutsche redlichkeit, keuschheit und treue tödtet, zurückzustäupen Hölty 86
Halm. dann auch: jetzt griff er ... mich selber an und stäupte meine opera J. Paul 4 (
Qu. Fixlein), 12. 3@gg)
auf naturvorgänge angewendet: der winde kämpfend heer fällt rasend aufs gestäupte meer Uz
s. 169
Sauer. 44)
eine sonst unbekannte verwendung ist: staupen etiam abusive est stuprare. mägdestaupen,
vexare puellas, nomen virgineum adimere Stieler 2151. 55)
der inf. substantivirt: das stäupen,
supplicium virgarum Frisch 2, 323
b; ein gutes stewpen one striemen, ... ist alls wider natrlich art B. Waldis
Esop 4, 93, 134. (
dagegen ist ein staupen,
z. b. in Luthers
randbem. zu Hes. 21, 10,
eher als subst. = staupe,
f., zu fassen, s. das. 5,
d.)