ständchen,
n. ,
deminutiv zu stand. 11)
den bedeutungen des grundworts entsprechend ganz selten und vereinzelt. zu stand 4,
d, krambude: und sie findet bei der schwarzen Eve, auf dem ständchen nah am Hühnerborn, Magelone, Till und Genoveve, und fragmente aus dem Wunderhorn. Kind 1, 245 (
der jahrmarkt zu Knofelingen).
zu stand 8,
deutlich als freie momentane bildung: unsere nation kennet sich schwerlich, bald ist es religions- bald politische parthei, bald die unübersteigliche grenze eines standes oder ständchens, was ... den gedanken an ein theilnehmendes publicum ... aufhält. Herder 17, 297
Suphan. 22)
gewöhnlich sagt man ständchen
in bedeutungen, die bei dem grundwort nicht entwickelt sind und deren gemeinsame grundlage die vorstellung eines stehenbleibens und kurzen verweilens auf der strasze oder vor einem hause ist; vgl.: ständlein, ständchen,
n. stationcella cioè dimora piccola che si fà stando in piedi, massime in piazza. Kramer 2, 931
c; '
ständichen, ständchen (das,
dimin.)
statiuncula. Steinbach 2, 671. 2@aa) '
eine kurze musik, welche man vor einem hause oder fenster stehend bringet'. Adelung
unter stand (6),
vgl. auch ständlein, ständerlein.
so seit ende des 17.
jahrh. bezeugt: ständgen,
et nachtständgen,
statiuncula musica. Stieler 2133; ständchen ... 2)
improprie eine nachtmusic,
symphonia nocturna, concentus nocturnus. Steinbach 2, 671; ständgen, ist eine nächtliche music, so ein amante seiner geliebten durch andere machen läst, oder selbst allein vor ihrem hause in ein musicalisches instrument, als: laute u.
d. g. eine charmante arie singet. Amaranthes
frauenz.-lex. (1715) 1894
f. (Schultz
alltagsl. s. 11); ständchen, ständerlein,
symphonia nocturna, da man mit musicalischen instrumenten vor einem haus oder unter einem fenster einer persohn zu ehren, in der nacht stehen bleibet, und bisweilen dazu singet. Frisch 2, 318
a.
s. auch Heynatz
Antibarb. 2, 441 ('
Campe schlägt sangständchen
oder ständchensang
für serenade ...
vor').
sache und wort besonders üblich bei studenten, vgl. Kluge
studentenspr. 127
b.
zeitschr. f. d. wortforschung 1, 49,
sowie Weigand 2, 795. Gombert
bemerkungen 3, 1. 5, 20. Kluge
6 375
b (
zuerst bei Zesen 1645,
vgl. unten).
s. ferner ständlein, ständerlein. —
belege: nun ist Schelling also hier! ... nun kann der tanz losgehen, mit ständchen, fackelzug, gastmahlen, ehrenbezeigungen aller art! Varnhagen
tageb. 1, 344; ein ständgen hat mein schatz Lisette gern bey nacht, drm hab ich heute schon ein trefflich stck erdacht, das wil ich vor ihrer thr singen, dazu mssen mir die geigen nicht schweigen. Chr. Reuter
Harlequins hochzeit-schmausz s. 55
neudr. (10); hast du schon angethan dein schlafgewändchen? die schöpfung ruht im sternennachtgewande. dem schönen haupt gelöst das lockenbändchen? ich trage fest um's herz die alten bande. o so wie du die schönste bist im ländchen, so würd' ich sein der glücklichste im lande, wenn einen augenblick mein leises ständchen dein fenster aufzuschlieszen wär' im stande. Rückert (1882) 5, 88 (
sicil. 48).
[] s. auch Voss 2, 128 (
idyllen 8,
überschr.). Uhland
ged. (1864) 240 (
sterbekl. 1,
überschr.).
freier: das sind die wölfe, die heulen so wild ... sie hörten von meiner ankunft gewisz, die bestien, und mir zur ehre illuminierten sie den wald und singen ihre chöre. das ist ein ständchen, ich merke es jetzt, ich soll gefeiert werden. Heine 2, 455
Elster (
Deutschl. 12).
mit verben: einer jungfer ein ständlein,
sive ständgen machen,
virginis ostium occentare. Stieler 2133; einem ein ständchen machen,
noctu occentare ostium alicujus. Steinbach 2, 671.
dafür in neuerer sprache stets jemanden ein ständchen bringen. Adelung,
vgl. S. Kleemann,
zeitschr. f. d. wortforschung 1, 49 (
belege von 1745—57): kurtz darauf wurde der geheime rath Gasser zum prorector erwehlet. seine hausbursche brachten ihm ein ständgen.
der reisende avanturier (1749) 2, 479; hab' mich von ihnen geschlichen, meinem liebchen ein ständchen zu bringen. Fr. Müller 2, 148; die piferari von Robert, die ... jene pfeifer aus den albanischen gebirgen vorstellen, welche um weihnachtzeit nach Rom kommen, vor den Marienbildern musizieren und gleichsam der muttergottes ein heiliges ständchen bringen. Heine 4, 52
Elster; nach vierzehn jahren wollen wir diesz ständchen wieder bringen. Göthe (1840) 6, 15 (
feier des geburtst. des erbpr. Carl Friedr. 1783).
ironisch: sie geht spazieren alle nachmittage solo und kehrt zur dämm'rungsstunde heim. dann woll'n wir auf sie passen hier und bringen ein ständchen ihr mit geigen, hinterm steg gespielt, und rumpeltopf und vogelpfeife. ich kenn' ein zotenlied auf leichte weiber. das singen wir und machen sie zum märchen von ganz Bologna. Immermann 16, 382
Hempel (
Card. u. Cel. 1, 1).
andre verbindungen gelegentlich: oder wer sänge uns so artige hirtenlieder, wie jenes, das ich neulich, o Möris, dir abhorchte, als du in nachahmendem gebehrdenspiel ein ständchen an die schöne Amaryllis aufführtest? — dieses ständchen war eine ... freie übersezung der dritten idylle Theokrits, wo ein waldsänger im character eines geishirten singt und tanzt, als ob er vor der felsengrotte der grausamen Amaryllis um liebe flehte. Voss
Virgils ländl. ged. 2,
s. 459 (
zu id. 9, 21—5); wenn wir so alle mitten im ... vormusizieren des ständchens säszen. J. Paul 52 (
Katzenb. 2), 66 (
hier also mit aufgabe der vorstellung, dasz ein ständchen
stehend ausgeführt wird); dann sprang sie schnell hervor .. und sang ihm das lustige ständchen, das Friedrich gestern belauscht. Eichendorff
2 2, 64 (
vgl. ständchensinger); einer, der sich vor dem hause seiner geliebten mit dem freunde prügelt, weil er kein ständchen zusammen bringen kann, um sie an's fenster zu locken. Hebbel
tageb. 3,
s. 461.
im bilde: die nachtfalter rannten mit ungeschickter galanterie die blumen an, denen das ständchen galt, das sie mit schweren flügeln absummten. Ludwig 2, 288. — ständchen
bezeichnet dann auch geradezu das musikstück, das bei solchen gelegenheiten vorgetragen wird oder dafür bestimmt ist; eine bestimmte musicalische form ist dafür nicht vorhanden, vgl. Riemann
musiklex.5 1081
b. —
auch sehr gewöhnlich als überschrift von liedern, so z. b. Bürger 30
b.
vgl. dazu: das ständchen ist nicht das beste gedicht; mir war am meisten an der äuszern form eines ständchens gelegen, die bey einem stücke, das unter dem fenster eines geliebten mädchens geklimpert wird, das wichtigste ist. Zelter
an Göthe 1, 12. — ständchen
werden meistens am abend gebracht und das wort wird zunächst in diesem sinne verstanden, also gleichbedeutend mit serenade (
theil 10, 1, 623),
s. oben die angaben der wörterbücher. doch giebt es auch morgenständchen, s. th. 6, 2581,
und im gegensatz dazu werden jene andern als abend- oder nachtständchen bezeichnet, s. theil 1, 26. 7, 217.
so in den ältesten belegen: nichts desto weniger must' er sich zur lust bekwämen, und einem abend-ständichen von lauten und stimmen, welches ihm der grafe bringen liesz, zuhören. Zesen
Ibrahim (1645) 1, 224; weil kein man gefunden würd, dehr sich bemühet, seiner frauen haar-band am arme zu tragen; ... ihr ein abend-ständichen zu bringen. 350.
ferner fackelständchen (
theil 3, 229)
u. a.: genähert habe ich mich diesem vorzüglichen manne niemals als
[] in einer nacht, da wir (
die Straszburger studenten) ihm (
dem professor Schöpflin) ein fackelständchen brachten. Göthe 26, 47. —
der plural von ständchen
ist gewöhnlich dem sing. gleich: ich erinnere mich der zeit noch wohl, da ich die artige zigeunerin hiess, und da sich die jungen herren von Toledo um die ehre rauften mir ständchen zu bringen; ich machte, meiner treu! eine theurung in den saiten, so viele guitarren und lauten wurden mir zu liebe zersprengt! Wieland 11, 231 (
don Sylvio 1, 3, 7); man konnte kaum etwas malerischeres sehen, als diese phantastischen studententrachten, ihre sangreichen wanderzüge in der umgebung, die nächtlichen ständchen unter den fenstern imaginärer liebchen. Eichendorff 31, 35
Koch; man bringt dir keine ständchen jetzt, du armes krankes kind! Uhland
ged. 240; sieh, dieser ist's, der deinen buhlen schlug, ... ein ende setzte jenem nächt'gen flüstern, den ständchen, dem gekos. Grillparzer
4 8, 5 (
bruderzw. 1).
doch findet sich in weniger sorgfältiger sprache auch ständchens: die bürger brachten ständchens. Charl. Schiller
brief vom sept. 1803
bei Düntzer
Göthe u. Karl Aug. 2, 442. (
hessisch natürlich ständerchen.) 2@bb)
kurzes geplauder im stehen. Weigand 2, 795,
so zuweilen in volksthümlicher sprache, vgl. ständerling 1, -lein, ständlein 1,
b: ein ständchen, ständerchen machen,
ein weilchen stehen bleiben, um mit jem. zu schwatzen. Hetzel
wie der Deutsche spricht 298; und doch blieb sie selbst, die ihm vorleuchtete, auf jeder treppenstufe stehen und verwickelte ihn durch ihre fragen in neues erzählen. ... da oben auf der stufe vor der thür ... wurde das längste 'ständchen' gehalten. Ludwig 2, 317. 2@cc)
vereinzelt: mache mich auch zu keinem ecksteine: da machen alle hunde ein ständgen dran. Weise
comödienprobe (1695) 37. 2@dd)
holl. standje
bedeutet lärm, zank, vgl. Franck 955. 33) ständchen
als deminutiv zu stande,
f. giebt Adelung
an, vgl. stand 11,
a und ständlein.
so siebenb. für ein holzgefäsz. Haltrich 88.