sputen,
verb. mit einer thätigkeit eilen, vorwärts machen. als transitive und reflexive ableitung des vorigen substantivs durch das alte westgermanische sprachgebiet verbreitet; ahd. spuoten: o domine, salvum me fac, o domine, bene prosperare, ja du truhten tuo mih kehaltenen, truhten wola gespuote mîna fart ze dir. Notker
ps. 117, 25; postea acceleraverunt. darnâh kespuoton sie sich. 15, 4;
alts. spôdian,
fördern, guten erfolg verleihen: spuodda thie mahta is handgewerek, hêlag drohtin.
genesis 106;
ags. spêdan
to speed, have success, succeed Bosworth-Toller 900
a.
während das wort im mhd. ausgestorben ist, lebt es auf nd. und [] nl. boden weiter: spoeden,
festinare, properare, accelerare, progredi Kilian;
namentlich in reflexiver fügung sik spoden
in der bedeutung '
sich beeilen, sich eilends fortmachen': nichts desto min ... leet de rat gudliken des heren bischoppes sendebaden aviseren und warnen, de sik in alle billigkeit (
lies hilligkeit) van dar spodeden. Lappenberg
hamburg. chron. 343 (
bericht über den aufstand 1483); deswegen de duchtige Henrik Vridag sik ser hemliken von Hamborch spodede na der Harborch. 355; de derde wolde nicht lenger rouwen, spodde sich midde na der Vastenouwen. Liliencron
hist. volksl. 3, 22, 60 (
v. 1508);
und wird so, in niederdeutscher form seit dem 17.
jahrh. auch in den wörterbüchern der neuhochdeutschen schriftsprache angeführt: sich mit der arbeit hasten,
alias spuden,
maturare, accelerare opus Stieler 780;
aber ausdrücklich als niederd. dialectwort bezeichnet: spuden, sputen,
festinare, ist vor alters in Oberteutschland bekannt gewesen ... im niderteutschen aber ist sich spuden noch gangbar. Frisch 2, 311
a;
auch Adelung
kennt sich spuden,
eilen, etwas mit geschwindigkeit verrichten, als '
nur in den gemeinen sprecharten, besonders Niederdeutschlands, üblich'.
seit den siebziger jahren des 18.
jahrh. aber erscheint das wort in der litteratursprache bei schriftstellern hoch- und niederdeutscher heimat, gleichsam als dichterisches modewort, anfangs in der niederdeutschen form sich spuden: der prinz wirft alle uhren zusammen, schimpft auf ihre trägheit, dasz sie sich nicht spuden, und die stunde so schnell bringen, als seine leidenschaft es heischt. Klinger
theater 2, 219; Luca Giordano muszte sich freilich spuden, um solche flächen auszufüllen. Göthe 28, 26; spude dich, Kronos! fort den rasselnden trott!
der junge Göthe 3, 159 (
v. 1774); flugs ist kaftan, gurt und alles umgethan; die wirtin spudet sich, ihn recht heraus zu kleiden. Wieland 22, 206 (
Ob. 5, 28;
lesart der ersten ausgabe müht sich viel); Voss
schreibt in hochdeutscher umsetzung sich sputen: hole die silberne kann', und spute dich, liebe Susanna. 1,
s. 100,
vgl. s. 174 (
mit weitläuftiger erklärung s. 223); erst fädle ein, und spute dich am saum; ich nähe kettenstich. 4, 243;
welche form seitdem allein geblieben ist: aber sputet euch, ich werde sehr müde. Arnim
schaubühne 2, 240; es wäre gut, ich sollte mich nun aber auch sputen. Tieck 9, 277; die schönen recherinnen sputeten sich wie flüchtige rehe, in hochgefüllten schürzen das zusammengerechete nachtragend. J. Gotthelf
Uli der knecht 204; Uli sputete sich freilich ganz wunderbar, und es schien manchmal, als ob er zwei- und dreifach sei. 205; frisch, munter, sputet euch allerseits! Keller 5, 15; siehst du nicht, seit du (
schnee) die erde hast so weich belegt, wie ich mich spute? Göckingk
lieder zweier lieb. 107; kommt herbei, ihr luftgen schwestern! seht! ein holdes erdenkind. sputet euch, bevor sie fliehet! Uhland 308; da sputen sich die ritter: sie wappnen sich in stahl, sie heischen ihre rosse, sie reiten stracks zu thal. 363; auf weiter heid stand weisze meid, grub tief die erd' mit grabescheit ... die schöne meid, die sputet sich. H. Heine 15, 24; sagt, dasz wir warten hier, und sputet euch! Grillparzer 8, 124;
mit verdeutlichendem zusatz: knecht Ruprecht, rief es (
das Christkind) alter gesell, hebe die beine und spute dich schnell! Storm 1, 187; sich bei etwas, sich mit einer arbeit sputen: wisset ihr euch bei allen geschäften so zu sputen? Scheffel
Ekkeh. 240; warten sie, ich hole sie (
die strümpfe) ihnen gleich, ich habe mich so damit gesputet, weil ich damals schon dachte, sie müszten fort. Heyse
kinder der welt 1, 288;
auch sich zu etwas sputen: wenn er sich nicht zur hülfe sputet. Lenau
werke s. 516
Barthel. G. Keller
braucht sich sputen
gern in der verengten bedeutung '
sich schleunig wohin begeben',
mit örtlichen zusätzen: ich wollte fragen, was denn vorginge, erhielt aber keine antwort; vielmehr sputeten sie sich ängstlich von hinnen. 1, 168; doch weisz ich nicht, wie es kam, dasz ich mich schleunig wieder auf unser schiff sputete. 4, 32; (
der flusz) warf die last (
die auf ihm schwimmenden holzscheite) mit wilder kraft vor sich her, als der ungeschlachte holzknecht der guten stadt, dasz das holz gar eilig in deren bereich sich sputete. 6, 11;
[] sputete er sich, was er vermochte, durch das offene thor (
des Münsters). 63; dann thun dem schiffer die augen weh, er sputet sich ängstlich zu lande. 9, 39; ein heimatloser sputet sich waldeinwärts durch den grünen plan. 52.