spache(n),
m. f. dürres holz, reis. westgerm. wort unbekannter herkunft. in ältester zeit auch in starker form: ags. spæc
dünner zweig, glossiert framen, cremium. Bosworth-Toller 898
a,
daneben spraec
sarmentum (
beides nur in glossen). 903
b,
wozu isl. sprek,
n. stecken. da ebenso wie hier auch bei sprechen
die anlaute sp
und spr
wechseln (
ags. sprecan
und specan,
engl. speak,
auch ahd. spehhan
neben sprehhan Graff 6, 369,
s. auch unten spechten,
u. s. w.),
so ist die vermutung von ten Doornkaat Koolman 3, 260
f. und Franck 926
nicht unwahrscheinlich, dasz eine ableitung zu dieser wurzel in der ursprünglichen bedeutung '
ein geräusch machen'
vorliegt (
vgl. schwed. spraka,
dän. sprage
knistern, knacken, prasseln und Fick
3 3, 355),
vgl. Skeat 578
b.
sonst nur im deutschen bekannt: mnd. spaken '
abgefallene dürre äste und zweige' (spaicken
in einer Barmer urk., gewöhnlich sprocken,
vgl. das.) Schiller - Lübben 4, 299
b.
nl. spaecke,
pertica Kilian,
holl. spaak,
vgl. Franck 926
und zur bedeutung unten 2,
b. ahd. spah, -ch, spahha, -cha, spacho,
sarmentum, cremium, ramus, malleolus, dazu spahhahi,
cremium. spahhîn,
virgeus. Graff 6, 320
f. (
sarmentum spah Wadstein
kl. alts. sprachdenkm. 79
b, 4);
mhd. spache
als schwaches masc. oder fem., [] dürres reisholz. Lexer
handwb. 2, 1062. Scherz - Oberlin 1524:
cremium ... spacha, spach. Dief.
gloss. 156
b;
malleolus hamar
vel spacha. 344
c;
sarmentum ... spachun, sprok.
nov. gloss. 327
a.
nhd. aus der gewöhnlichen umgangs- und litteratursprache geschwunden, dagegen erhalten in technischem sprachgebrauche (
hier häufig in der niederdeutschen form spake, s. unten 2,
d)
und in mundarten: schwäb. spach,
m. span. Schmid 497;
bair. der, die spachen,
auch spachten (
Oberpf.) '
holzspan stärkster art, wie sie z. b. in zäune geflochten werden', zau ~spahhe~. Schm. 2, 654;
österr. spach'n Hügel 150
b, spchen Schöpf 681;
dagegen kärnt. spâkn
holzspan. Lexer 235;
siebenb. spàch,
f. holzscheit. Kramer 124;
thür. spachen,
m. groszer splitter, stückchen holz; in Leipzig spacken
in der wendung nicht ein spacken holz,
auch nicht das mindeste; nassauisch-westerw. spacher, f. Schmidt 220. Kehrein 1, 379.
die form mit anorganischem t
s. auch unten 2,
b (
zu ende).
c. nd. spacke,
f. holzscheit, kluft holz. Schambach 202
b, spake, spâk, speke, '
starker holz-stecken oder stange zum umdrehen der ankerwinde oder zum heben und umwälzen von schweren gegenständen, windebaum, hebebaum'. ten Doornkaat Koolman 3, 260 (
daraus schwed. spak,
m. hebel?). 11)
dürres reis oder stecken, reisholz. so im mhd. der dürre zustand wird oft ausdrücklich betont: als ob mit donres duʒʒenbreche ein groʒʒer walt mit durren spachen.
jüng. Tit. 3919; daʒ in die lide erkrachen muʒʒen in der wise,als ob sie sin geznt uʒ durren spachen. 4557;
verwendet z. b. zu zäunen (
vgl. 2,
c): der zûn dûht in ze dicke und ze hôch, mit den zenen er dannen zôch ein spachen.
Reinhart 49; man hôrte swert da klingen und schefte vil erkrachen als eines zûnes spachen, die der wint kan derren. Konr. v. Würzburg
troj. krieg 32743.
und als brennmaterial: sie hieʒʒen vur machen von holzze und von sphachen. Herbort v. Fritzlar 8110 (
vgl. die anm.); fur von durren spachen. 15753; si hieszen ein fewer machen da von darn spachen.
quelle bei Schm. 2, 654.
besonders wird das krachen (
infolge der dürre, im feuer, im winde u. s. w.)
hervorgehoben. der reim spachen : krachen
ist geradezu stehend in mhd. dichtung (
s. auch die vorstehenden stellen): dô wurden an den stunden sîn hende alsô gewunden, daʒ si begunden krachen als die dürren spachen.
Parz. 210, 10; dem minnetôten wîbe ... begonde ir herze krachen, reht als ob tûsent spachen krachten von des viuwers nôt. Heinr. v. Freiberg
Tristan 6580.
auch für das heu der nachernte, nachmahd, grummet, s. Heyne
hausaltert. 2, 131. 22)
nhd. meist ein gröszeres und festeres holzstück bezeichnend. so in mundarten für span oder holzscheit, s. oben. ferner in bestimmten technischen gebrauchsweisen: 2@aa)
bei den förstern spachen hauen,
späne ('
ist ein dem holzquantum nachtheiliger kunstgriff der holzhauer, besonders wenn diesen die spachen
und spähne um einen billigen preis oder gar als accidenz überlassen werden'). Jacobsson 7, 372
b. Krünitz 156, 134.
übertragen spachen abhauen,
einem fehler abgewöhnen. Schmid 497. 2@bb)
weit verbreitet ist spache
für radspeiche, wobei wol lautliche vermischung im spiele ist, vgl. speiche.
so stets holl. spaak,
vgl. Franck 926,
westf. spâke,
f. Woeste 248
b.
ferner frühnhd.: die suw ... stiesz den wolff stürmlich in das güsbett (
leitung des mühlwassers) und zuket in der stark flusz des waszers über ab durch das rad und zerstieszen im die spachen syne gelider ellenglich. Steinhöwel
Aesop s. 216
Österley; Alberus im
lexico beym wort weg hat spach und speiche,
radius. Frisch 2, 296
b;
ferner in österr. mundarten Hügel 150
b. Schöpf 681 (
auch bei Scherz-Oberlin 1524
wird spache
mit radius erklärt, für die angezogenen belege unzutreffend). —
pfälz. spächte
speichen. Autenrieth 133. 2@cc)
nassauisch-westerw. spacher
starker holzspan, stäbchen, für zäune und fachwerkwände. Schmidt 220. Kehrein 1, 379 (
hier auch spache '
stück von pfählen in weinbergen, die zum weitern gebrauche zu kurz oder zu schwach sind');
dazu spachergerte, f., woraus spachern
gemacht werden, und spachern
verb. [] (
s. das.).
ebenda. mit eingeschobenem t:
spachten-zäune, sepes vimineae. Frisch 2, 288
c,
spachterzäune, '
aus spitzen pfählen gemacht zum schutze um felder und gärten gegen wildschaden'. Kehrein
weidmannsspr. 274. 2@dd)
nd. spake in den küstenmundarten (
ostfries., s. oben)
bezeichnet einen hebel oder windebaum (
ebenso schwed. spak). 'spake,
ein jeder hölzerner hebebaum, der sich mit der hand regieren läszt, vorzüglich die, welche bey den spillen und bey dem geschütz gebraucht werden.' Jacobsson 7, 373
a. Krünitz 156, 141; spaaken,
hölzerne bäume zur umdrehung der winde beim bratspill. Karmarsch-Heeren
3 1, 156; hand-
oder spillspaken,
die hebebäume für das brat- und gangspill; nothspake,
stärkere spake zur unterstützung des bratspills, wenn der anker zu fest im grunde sitzt; '
die am umkreise eines steuerrades befindlichen kurzen handhaben, an denen dasselbe herumgedreht wird, heiszen auch spaken,
sie sind die äuszeren enden der radspeichen'. Bobrik 643,
s. auch Campe (
unter spake).