Eintrag · Althochdeutsches Wörterbuch
sêro adv.
adv., mhd. sêr(e), nhd. sehr; as. sêro, mnd. sêr(e), mnl. sere, seer; afries. sēre; ae. sáre. — Graff VI,269 f.
ser-: -o O 1,22,26. 3,1,33. 23,38. 4,25,7. 5,15,26. 20,88. 25,85. 86. Oh 133; -e S 353,18. Npw 34,15: -] S 351,30; sairu: Gl 5,518,10 (vgl. Rhein. Vjbll. 33,285,41, Gespr.; zu -ai- für ê vgl. Haubrichs-Pfister, Stud. S. 57, zu -u für o a. a. O. S. 18).
sêro steht bei Verben u. in best. Wendungen, die entweder das Verursachen von körperlichem u. seelischem Schmerz oder das Empfinden von seelischem Schmerz ausdrücken, so daß in diesen Fällen die Grundbedeutungen des Adj. erkennbar bleiben. Bei weiteren Verben der Gemütsbewegung, die Furcht, Erschrecken oder Mißfallen ausdrücken (vgl. unter 3), tritt die Vorstellung von ‘Schmerz’ in den Hintergrund; hier beginnt sêro bereits, den Grad, die Intensität einer (negativen) Gemütsbewegung auszudrücken: sehr, heftig. Diese Bedeutungsveränderung ist die Voraussetzung für einen weiteren Bedeutungsübergang zu ‘schnell’ (vgl. 4). 1) auf (körperlichen und/oder seelischen) Schmerz hervorrufende Weise, schmerzhaft: a) allgem.: thoh si (die Mutter) iz (das Kind) sero fille, nist, ni si avur wolle ..., theiz iaman thoh ni wunto O 3,1,33. biginnit er es nahtes, ni er blintilingon werne joh sero firspurne! 23,38. sie (die Dornen, bildl. für die Sünden) stechent unsih sero joh wuntont filu suaro 4,25,7. wio mag werdan thaz io war, thaz quami uns in gidrahti, thih thuungin unmahti, elilenti sero odo karkari suaro 5,20,88; b) in best. Wendungen: α) sêro tuon jmdm. Schmerz zufügen, mit Dat. d. Pers., bei abstr. Subj.: sero duit in (den böswilligen Lesern) thiu frist theiz (das Gute) bithekitaz nist O 5,25,86 (zur Konstr. vgl. Erdm. S. 485); β) iz quimit sêro heim es bekommt jmdm. schlecht, es trifft jmdn. hart, mit Dat. d. Pers.: ni duen wir so (sc. unsih minnon) ... sero quimit uns iz heim Oh 133. 2) schmerz-, leiderfüllt: (Maria) kumta sero then grun; iz was ira einego sun O 1,22,26. 3) sehr, heftig: a) alleinstehendes Adv.: ich gelob, daz mir gelonet sol werden nach minen werchen: den lon den fiurht ich ser, wan ich diche gesundot han mit gedanchen S 351,30, ähnl. 353,18. thie andere alle (die böswilligen Leser) filu frua sero grunzent tharzua O 5,25,85; b) verbunden mit einem Adv. des Grades: α) mit sô: thia minna zalti (Petrus) hiar, so zam, ther êr so sero hintarquam O 5,15,26; β) mit [h]uuio: daz neuuisson sie, uuio sere si des ingelton scolton Npw 34,15. 4) schnell: sairu tost Gl 5,518,10 (vgl. Rhein. Vjbll. 33,285,41; nach ghanc hutz .i. i fors); zu afrz. tost ‘schnell’ u. zum Bedeutungsübergang von ‘sehr’ zu ‘schnell’ bei mnl. sêr(e) u. anderen Gradadverbien vgl. ebda.
Vgl. Leuschner, Steigerungsadv. S. 26 ff.