sekretär,
m. 11)
schreiber, lehnwort aus (
mittel-)
lat. secretarius.
es begegnet hochd. zuerst im 15.
jahrh.: sîn heimlîcher rât und secrêtâri,
s. Lexer
handwb. 2, 843,
womit zugleich die älteste form und bedeutung angegeben ist. mnd. im Braunschweiger schichtbuch (
von 1514)
als secreter: do wart de abbet dul unde dovendich, unde wolde de rechticheyt nicht holden vor eyn rechtscheding, unde gingk darmede umme myt sinem secreter, wu dat he dat closter wolde rumen.
d. städtechron. 16, 407, 16.
das wort scheint im ältern nhd. zuweilen den vertrauten eines fürsten, einen '
geheimen rat'
zu bedeuten (
vgl. oben): secretari, einer mit dem ein fürst oder herr etwas heimlichs redt,
ab aure, a secretis, secretarius, a consilijs. Maaler 369
a; Pillero der fürst steht auff, und spricht: fraw köngin, da ist hart betrübt der könig, weisz nicht was jn ubt, weyl er verhelt sein trawrigkeit vor mir, der ich bin lange zeit gewest sein secretarius, derhalb ich mich besorgen musz, er hab kein vertrawen zu mir. H. Sachs 4, 2, 45
a.
gewöhnlich aber ist die bedeutung '
schreiber, geheimschreiber, beeidigter schreiber'
deutlich zu erkennen; das wort ist daher wol von sekret (
s. daselbst 2)
abzuleiten und bedeutet eigentlich '
der das siegel führt'.
so gibt Maaler
a. a. o. als hauptbedeutung an: secretari (der) stattschreyber,
scriptor, librarius, secretarius, ab epistolis, ad manum servus. die wortform ist in der ältern zeit gewöhnlich die lateinische, secretarius, geheimschreiber Kinderling 329: unde ein jder part heft enen secretarium bi sik gehat. Lappenberg
Hamb. chron. 85; nach vollentung döszen übergibt der herr prælath seinen beamten, dem secretario, oder ain andern anstath döszen ein versigltes decret.
steir. taid. 139, 42; Eginhardus keyser Caroli schreiber oder secretarius (wie man es heut nennet, da die schreiber nicht mehr schreiber heissen mögen, weil es gar zu teutsch ist, und jeder ein frembden namen haben will, gleich als ob er dann mehr were, als er vor diesem gewesen). Zincgref
apophth. 1, 12; secretarius. an einem gutten secretario ist vil gelegen; und bestehet sein amt nicht so an der zierlichen feder, als in dem rechten verstande
u. s. w. Butschky
Pathm. s. 244; ich habe keinen teütschen secretarius, so drauff andtworten konte, undt mitt eygener handt kan ich es schwerlich thun, den ich habe garzu viel zu schreiben. Elisabeth Charlotte 3, 100; es ist kein eintziger fehler in ewerm brieff, ihr schreibt wie ein secretarius, gar eine schönne handt. 103; dasz er (
der kurfürst) ihn hernach zum biblioteckarius gemacht, hernach zum geheimen secretarius. 265 (
vgl. das reg.); secretarius. herr secretari, ir habt gescheczt die pawrn und aus der schuel geschweczt. H. Sachs 23, 62, 11
f. Keller - Götze. häufig auch secretari (
auszer als voc., wie im letzten beispiele),
so schon im 15.
jahrh., s. oben: ab aure, a secretis, ein geheimer schreiber, secretari, geheimer rath. Corvinus
fons lat. 2
b; Martin Frey, unser secretari, und Sigmundt Schenck, unser kanzleischreiber.
tirol. weisth. 4, 707, 44; so bald die brieff angeben und geschriben gewesen, verschafft Grandbuchier das Ulrich Gallet sein secretari .. zu dem Picrocholo ward abgefertiget.
Garg. 211
b (33.
cap.); ein secretari und stadtschreiber. Opel - Cohn 27, 39.
vgl. auch: aug so wis, das der seckeretary von Pamerg uns dorg den Melgor Deig hat 5 stuckla pfeben (
melonen) hat geschickt. Paumgartner
briefw. s. 172
Steinhausen (
vom j. 1592). —
noch weiter verkürzt: sekretar, secretarius ... regimentssekretar,
scriba praetorianus, castrensis, auctoratorum. Stieler 2020. —
seit dem 18.
jh. gewöhnlich mit franz. endung, secretair, so z. b. bei Campe
erg.-wb.; jetzt meist sekretär geschrieben, vgl. Weigand 2, 677.
verschiedene formen neben einander bei Schiller
kabale u. liebe 1, 2: sekretair Wurm. die vorigen.
frau. ah guten morgen, herr sekertare (
so immer im munde der frau).
werke 3, 361;
Miller ... werden doch das nicht von mir denken herr sekretarius? 363. —
ganz vereinzelt ist die umbildung: der geschworne schreiber oder
secretierer in einen verschränckten ort begriffen (in der schreiberey) zeichnet die vorgelauffene händel auff. Comenius
sprachenth. 652.
bei H. Sachs
auch volksetymologische entstellung zu seckeldarius, s. th. 9, 2805. —
dazu sekretärbrief, m., im gegensatz zum eigenhändigen schreiben: ich werde viel lieber ein billiet von J. L. entpfangen, alsz ein secretariusbrieff, wie vom könig. Elisab. Charlotte 3, 521.
ferner sekretariat, n. 22)
schreibtisch, schreibschrank. Campe
erg.-wb., so jetzt sehr häufig, auch mundartlich, in Basel der sékĕrdär Seiler 267
b,
luxemb. secrétaire Gangler 412. 33)
name einer vogelart auf den Philippinen und im innern von Africa, falco serpentarius. Nemnich.
vgl. Oken 7, 153.