schmollen,
verb. subridere, aliquid aegre ferre, erst im späteren mhd. als smollen
belegte ablautbildung zu mhd. smielen,
lächeln, mit der allgemeinen bedeutung das gesicht verziehen, aus der sich die folgenden abspalten. 11)
das gesicht zum lachen, lächelnd verziehen, lächeln: subridere, schmollen Dief. 561
b; schmollen, schmöllelen, schandlächlen,
subridere Maaler 358
c.
diese bedeutung ist der ausgebildeten schriftsprache fremd; einige male begegnet sie bei Schiller;
s. auch den beleg aus Uhland
unter c; der gebrauch ist oberdeutsch, vgl. Schm. 2, 549. Höfer 2, 102. 1@aa)
ohne nähere bestimmung: (
der affe) sasz also vor dem kind zu schmollen, und bläckt die zän, gleich wie ein mutter gegen jhrem kind thut.
buch d. liebe 4
a;
danach bei Tieck: sasz er (
der affe) vor dem kinde schmollend, bleckte gegen ihn den zahn, wollte wie die mutter lachen,
Octavian. 123; Fiesco (schmollt). Schiller 3, 106 (
Fiesko 3, 10);
mit adverb: freundlich schmollt der schwarze könig, wenn ihm Zeres tochter lacht; liebe sonnt das reich der nacht. 1, 240.
im particip: darauff mit schmollend-süssem mund sprach si zu jhm von hertzen grund. Weckherlin 409; so vil schöne lieblichkeit, schmollende holdseeligkeit so vil höflichkeit und lachen lieblich machen deinen thewren purpur-mund. 479; die morgenröhtin, new-geboren, der sonnen kind, von thränen nasz, doch schmollend, bald durch lieb und hasz von jhr verfolget und verloren. 582; indem er solche wort noch sprach, kam ungebetten holdseelig, frewden voll Venus herzu getretten. jhr schmollend rohter mund, jhr krauszlecht reines haar, und jhrer augen glantz so lieblich-braun und klar. 737. 1@bb)
mit näherer bestimmung, durch den genitiv: ich förcht ewer etlich werden schmollen diser sachen, und des alten trinckers wol lachen, dasz er so sinnspitzig das nadelloch trifft. Fischart
Garg. 121
a;
durch präpositionale verbindungen: über einen
oder etwas schmollen: das kam mir so lächerlich vor, dasz ich mir nicht abbrechen konte, darüber zu schmollen.
Simplic. 1, 366, 18
Kurz; aber der böse feind schmollte darzu! Schiller
räuber 4, 1
schauspiel; man schmollte über dein rescript. 1, 2; ob der red jederman thet schmoln, allein der doctor wurd schamrot, namb an die wort zu grossem spott. H. Sachs 2 (1591), 4, 93
c. in sich schmollen,
still für sich hin lächeln: ich schmolt in mir, und fieng an lachen. Thurneisser
archid. (1575) 6
b. 1@cc)
lächeln und leise vor sich hinsagen: ein bäuerlein, das treulich am feuer mitgefacht, lehnt dort an seinem spiesze, nimmt alles wohl in acht: 'drei könige zu Heimsen', so schmollt es, 'das ist viel: erwischt man noch den vierten, so ists ein kartenspiel'. Uhland
ged. (1864) 363. 22)
verbreiteter ist die bedeutung geworden, das gesicht im unmute, verdrieszlich verziehen, durch verziehen des gesichts still den ärger zu erkennen geben: schmollen,
se abstenir de rire Hulsius
dict. (1616) 286
a; ich weisz nicht, warum er schmollet,
cur vultum contrahat, equidem ignoro Stieler 1883; ich schmolle,
a risu abstineo, aliquid aegre fero, in simultate sum; er schmollt mit mir,
mecum in simultate est Steinbach 2, 467. schmollen, heiszt auch bei einigen,
a risu abstinere ob secretum rancorem, das maul krümmen,
aliquid aegre ferre. Frisch 2, 209
c. 2@aa)
absolut: des nîdes gesinde siht man slîchen bî den strâʒen, ûf den stîgen, snudern, smollen und swî
gen. renner 14117; wer wollte beständig bey büchern nur sitzen und nicht ein freund des Bacchus seyn, laszt feige sich quälen, laszt thoren nur schwitzen, sie schmollen bey wasser und fliehen den wein. Kindleben
studentenlieder 24
neudr. besonders im liebesleben: sie hatte sich in den träumen einer glücklichen ehe versprochen, sie werde in der ihrigen, wie jede andere gattin, ordentlich schmollen und weinen können. J. Paul
leben Fibels 17; denkt euch ein mädchen, das jezt hold, jezt finster sich gestaltet, und ob es lacht, und ob es schmollt, stets neuen reiz entfaltet. Gotter 1, 89; du schmollst, dasz ich, aus weiberunbedacht, den frohen augenblick zu meiner klage wählte! 292; auch meine mädchen schmollen, weil ich verschuldet bin. Kindleben
studentenlieder 88
neudr.; wohl hundert launen, kraus und hold, umflattern täglich meine traute. bald singt und lacht, bald weint und schmollt, bald klimpert sie auf ihrer laute. Bürger 19
b; schmollt der mann und grillt die frau, so faszt sie nur behende, führt mir nach dem mittag sie und ihn an nordens ende. Göthe 12, 224; ob ich trauen soll und bauen auf dergleichen liebeszeichen? ja! doch sollen wir nicht schmollen, wenn sie heut nicht thun desgleichen. Rückert
ged. (1841) 364; dasz sie alle so von uns nichts wüszten, wie wir nichts von ihnen wissen wollen, nach gefallen so wie wir sich küszten, oder schmollten, wenn sie lieber schmollen!
ges. ged. 1, 246.
in verbindung mit maulen,
von einer frau: und wär ich so reich, ich zög ihn mir gleich, ich maulte und schmollte; müszte thun, was ich wollte, sonst hätt er nicht ruh. Ludwig (1891) 1, 33.
im particip: Florentine wurde bei diesen worten ganz roth, sie setzte sich schmollend auf eine entfernte bank. Eichendorff (1864) 2, 394; am darauf folgenden tage war Elga verdrieszlich, schmollend. Grillparzer 11, 241; Minerva schweigt und läszt ihr köpfchen schmollend hangen. Wieland 10, 168.
als substantivierter infinitiv: o! wie offt hat fleisch und blut durch ein ungedultig schmollen, weil kein retter kommen will, der verzweiflung ruffen wollen! Günther 862; sie trutzt mit mir und ich mit ihr, so hat sie's haben wollen; mir aber nagt's am herzen hier, das schmollen und das grollen. Mörike (1889) 1, 16. 2@bb)
näher bestimmt; durch einen dativ: deine hand sank schon lange aus der meinen — schmollst du mir? Klinger 9, 237; o mein hermelinchen, mein püppchen, wie kannst du mir schmollen? Grabbe 2, 30
Blumenthal; in verbindung mit präpositionen: schmollt ihr mit einander? Hebbel 2, 92; die streitbaren mädchen schmollten jedoch nicht nur unter sich, sondern auch mit ihren geliebten. Keller
werke (1894) 3, 87; der alte Feyertag sprach kein wort und schien mit seinem eidam zu schmollen, der nicht that, als ob er es bemerke. Heyse
kinder der welt (1880) 2, 260; hier sitzt Polylogus und schmollt mit einer pflaume. Günther 970; ob sie sich nicht duellirten, weil um's butterbrod sie schmollten? Platen 270.
dafür älter: von der red schmolletten die schuoler und sprachen. Steinhöwel
Äsop 51
Österley. gegen einen schmollen: die wahrheit aber gewann nichts dabey, und vielleicht schmollen sie heute und morgen noch im kauf gegen ihren freund. Möser
patr. phant. (1786) 4, 62.
frei: die alte schule (
der kriegskunst) schmollt aus dir, Sever. Geibel (1888) 7, 46. 33)
selten tritt die bedeutung '
das gesicht vor hunger verziehen'
und nur in der älteren sprache hervor (
vgl.schmoller 2): ir sollen das nit zürnen, dan wan ir und euwer hofgesind all assen, so sasz ich uf dem thurn und schmolt, davon bin ich onmechtig worden.
Eulenspiegel 30
Lappenberg; mange liute sint doch sô swinde, daʒ si irem teglîchem gesinde des brôtes etswenne niht geben wollen, des siht man ofte von hunger smollen.
renner 5286; swer aber des guotes hât envollen, und doch niht mac vermîden smollen, swenne er vor im eʒʒen siht, der hât mit grôʒer untugent phlîht. 5306.
auch das gesicht andächtig verziehen: gieng sie in ein cellelein andächtig zu schmollen.
wiszbad. wisenbrünnl. 205. 44)
in Nürnberg schmollen,
bei einem hochzeit-, kindtauf- oder anderem schmause hospitieren. Schm.
2 2, 549.