Wossidia
Schäpel Pl. Schäpel, -s
m. Scheffel, Hohlmaß für Getreide, Hopfen, Hülsenfrüchte 1. Sachliches a. Meßgefäß; über dessen Fassungsvermögen
s. unt. b; zylindrisch, oben offen, z. T. mit nach oben etwas zunehmendem Durchmesser; meist mit Handgriffen versehen;
s. Abb.; aus Holz hergestellt; in früheren Jahrhunderten wurden die zum Eichen (Wrögen) dienenden Normalscheffel aus Metall gegossen, so noch auf großherzoglichen Befehl 1835 ein Roggenscheffel für Schw K. E. H. Krause in singlecolSchäpel (Museum Rostock) Hans. Geschbl. 15, 83; vier Scheffel, ohne Handgriffe, aus Glockenbronze, aus dem Jahre 1330 in Ro 80
f.; hiervon behielt der Roggenscheffel bis 1868 seine wichtige Funktion 79; in der Mitte des Bodens hatte er ein Loch, das mit einer Schraube geschlossen wurde; beim Öffnen floß das Getreide in das unter den Normalscheffel gestellte zu wrögende Gefäß 79; 91; über Brett oder Eisenstange zum Abstreichen des Scheffels
s. unt. c und Hans. Geschbl. 15, 92. Übertr. kann Schäpel zur Bezeichnung auch anderer Meßgefäße werden: Schäpel viereckige Kästen, in die die Kartoffeln beim Aufnehmen geschüttet wurden, dat wir väl mihr as 'n Schäpel (
d. h. als ein 'richtiger' Scheffel) WaWaren@Dambeck bei RöbelDambR. b. Meßwert: der Schäpel war bis ins 19.
Jh. hinein von unterschiedlicher Größe; ein Rostocker Scheffel faßte laut Gein. 38,489 Liter (aber 38,537 l Arch. Landesk. 1868, S. 569), ein Wismarscher 39,796 l (38,284 l Arch. Landesk. 1868, S. 407), ein Güstrower 39,842, ein Schweriner 40,445, ein Parchimer 54,728, ein Strelitzer, Grabower und Berliner 54,962 und ein Warener 57,009 l Landesk. 59; 5 Parchimsche Scheffel sind ungefähr 7 Rostocker Leng. Landw. 1,26; '3 Scheffel Parchimsche Maße machen 4⅜ Scheffel Rostocker. 3 Scheffel Schwerinsche Maße machen 4 Scheffel Rostocker' (Verordn. 1706) Bär. Ges. 3, 2, 48; 98 Rostocker Scheffel gleich 96 Wismarsche: Arch. Landesk. 1852, S. 14; weitere Vergleiche ebda; der Parchimsche und der Berliner Scheffel, die oft gleichgesetzt wurden und laut Gein. (
s. ob.) auch fast gleich groß waren, wurden als großer Scheffel von dem Rostocker, dem kleinen, unterschieden Arch. Landesk. 1852, S. 15; herzogliche Bestrebungen, diese Verschiedenheiten durch Einführung eines einheitlichen Scheffelmaßes zu beenden,
schon seit dem 16.
Jh.: 'dieweill die Kornmasse in unsern Landen und Embtern zu ghar ungleich, also daß kein Scheffell mitt dem andern ubereintrifft, daher dann in Rechenschafften große Unrichtigkeitten und Zweiffel erwachssen, haben wir ... zu aller unser Embter Notturfft einerley Scheffel, nach Rostocker Maeß fertigen, auch zu Rostogk wroyen (eichen) und brennen lassen' (Amtsordn. 1583) Bär. Ges. 2, 1, 610; Edikt des Herzogs Albrecht von Friedland, Wallensteins, das für Mecklenburg den Rostocker Scheffel als alleingültig vorschreibt (1629) 4, 2, 182; die einheitlichen Scheffelmaße sollten nur in Ro, Gü, Pa, Schw und HaHagenow@BoizenburgBoiz hergestellt und für alle andern Orte von dort angefordert werden zum Preise von 26 ßl, für das Wrögen waren 4 ßl zu entrichten (1703) Gr.-Ges. 1, 626; einen gewissen Erfolg hatte erst das Edikt von 1757: 'Soll bey aller Scheffel-Maasse der Rostocker Kornscheffel mit dem Bolzen, jedoch daß dieser nicht höher als der Rand stehe, zur alleinigen und durchgängigen Richtschnur gelten' Ges. 4, 1, 621; der Rostocker Scheffel wird damit zum 'regulirten Landesscheffel' 622; Leng. Landw. 1, 25; wonach Landesschäpel (
Bd. 4, 823) zu berichtigen; trotzdem hielten sich andere alte Scheffelmaße neben diesem; nach dem einheitlichen Maßsystem des Norddeutschen Bundes wurde schließlich ein Scheffel auf 50 Liter festgelegt Arch. Landesk. 1868, S. 399; dieser als nigen Schäpel vom ollen unterschieden Wo. Sa.; so sollte der
Preisterroggen weiterhin in oll Meckelbörger Schäpel gemessen werden,
s. Preisterroggen (
Bd. 5, 589). Zuordnung des Rostocker Scheffels zu andern gebräuchlichen Maßen: 1 Fatt oder Viert = ¼ Schäpel; 12 Schäpel = 1 Drömt; 96 Schäpel = 1
Last Leng. Landw. 1, 25; Gein. Landesk. 59; Schäpel meint meistens Roggenschäpel, er diente außer für Roggen auch zum Messen von Gerste und Weizen, doch gab es neben diesem noch besondere Scheffelmaße für Hafer (
s. Hawerschäpel,
Bd. 3, 555) und für Hopfen (
s. Hoppenschäpel,
Bd. 3, 805); in Ro wurden seit 1330 vier metallene Normalscheffel, für Roggen, Hafer, Hopfen und Salz (dieser war gleicher Größe mit dem Roggenscheffel) als behördliche Maße gehalten K. E. H. Krause in Hans. Geschbl. 15, 79 ff. Da der gemessenen Roggenmenge ein bestimmtes Gewicht entsprach, wurde die Größe des Scheffels statt nach Litern oft nach Pfunden bestimmt: de olle, lütte, Rostocker Schäpel hatte 60 Pfund allgem.; 56 ℔ Ro; 54 ℔ Ha; de olle, grote, Parchimer, Berliner Schäpel 80 ℔ Schw; Sta; 70—76 ℔ Schw; 82 ℔ Wa; Sta; de nige Schäpel 70 ℔ Gü; für den Weizenscheffel wird 60 ℔ angegeben Wi; für Gerste 48 ℔ Ro@ und 50 ℔ Wi; Gü; für Hafer 40 ℔ Wi; Gü; 41½ ℔ Ro. c. Handelsgepflogenheiten: auf 96 Scheffel gab es zumeist 4 Scheffel Aufmaß, so daß die Last auch mit 100 statt 96 Scheffeln angegeben wird (
s. Last,
Bd. 4, 848); 'früher war es in Rostock durchgehends üblich, daß auf eine Last Korn noch 4 Scheffel Übermaß gegeben wurden' Arch. Landesk. 1852, S. 14; noch 1848 gerügt: 'wozu ist es gut, daß ... bei allen Kornarten auf 24 Scheffel der 25ste umsonst gegeben wird?' (Pa) Land. Ann. 1848, 1, S. 219; herzogliches Verbot von entsprechenden Maßgefäßen: 'daß sich ... hin und wieder Scheffelmaße finden, welche man 24ger Scheffel nennt und das Übermaß des 25sten Scheffels in sich enthalten'
N. Strel. Anz. 1822, S. 661
a; 'alles Korn soll dem Käufer ohne Übermaß, glatt abgestrichen, zugemessen werden' Leng. Landw. 1, 26; das hier erwähnte Abstreichen geschah durch ein Brett (Strikholt), mit dem die Oberfläche des Korns im Maßscheffel glatt gestrichen wurde, so daß Überschüssiges herabfiel;
s. afstriken 1 c (
Bd. 1, 201); Abstreichen mit einer eisernen Stange
s. Bolten
1 3 (
Bd. 1, 1005) und Beleg v. 1757 ob. b; Gebote, daß der Scheffel beim Verkauf gestrichen werden solle, mehrf., so 1757: 'soll ... der Rocken, Gersten, Weizen, Erbsen, Wicken und Buchweizen ... von dem Verkäufer glatt abgestrichen ... werden' Bär. Ges. 4, 1, 622; im Unterschied zu diesem afsträken oder sträken Schäpel, auch glatten Schäpel Ro, Sta oder kahlen Schäpel (
s. kahl 1,
Bd. 4, 24) genannt, gab es den hüpen, hüüpt Schäpel (
s. hüpen,
Bd. 3, 883); beim Haferverkauf wurde 1757 vorgeschrieben, umschichtig einen gestrichenen und einen gehäuften Scheffel abzumessen, Beleg
s. hüpen (
Bd. 3, 884); das gleiche Ergebnis wurde durch das nur bis zur Hälfte der Oberfläche durchgeführte Abstreichen eines jeden Scheffels erreicht: halfsträken oder halfhüpen Schäpel;
vgl. auch rüfeln
1 2; für das Zumessen von Getreide als Naturallohn
s. Lohnschäpel (
Bd. 4, 965).
d. Schäpel als Maßeinheit für landwirtschaftliche Nutzflächen; diese Entwicklung wurde möglich, weil seit dem 17.
Jh. die Hufe nicht mehr nach ihrem Flächenmaß bestimmt wurde, sondern nach der Menge der Aussaat, die sich nach der Bodengüte richtete, also nach ihrem Nutzungswert,
s. Hauw 1 b (
Bd. 3, 540); ebda die verschiedenen Festlegungen der einer Hufe entsprechenden Scheffelzahl; nur auf guten Boden kann sich beziehen: (ein Stück Land in Ro Rostock@KörkwitzKörkw) 'ist ungefehr 4 schll. saat oder ein Morgen groß' (1599) Baumg.-Bentz. Ribn. 197;
en Schäpels Saat WiWismar@MecklenburgMeckl; '3 Scheffel ... Land ausraden' (1674): Beleg
s. Fohr
1 (
Bd. 2, 1035). 2. sprachl. Belege a. Meßgefäß; Rda.: wo Arwten buugt sünd, is noch ümmer 'n Schäpel wääst GüGüstrow@BützowBütz; Scherzfrage: wur kümmt de Flöh in 'n Schäpel? — swart SchöSchönberg@RaddingsdorfRadd; im Schäfergruß: Broder ..., dor steiht de Schäpel, dor drink ut RoRostock@RibnitzRibn; Vergl.: denn (wenn ich das Gefragte wissen müßte) müßt ick jo 'n Kopp hebben as 'n Schäpel Wa; im Hochzeitsbitterreim über die Zutaten zu den Speisen: is de Kœkschen mit Schüffel un Schäpel taumäten LuLudwigslust@WarlowWarl; Scherzrede über kleinen, dicken Menschen: dee is mit 'n Schäpel mäten un kahl afsträken Wa; Schäpel als Meßgefäß für Geld, nämlich Hartgeld, bei großem Reichtum: ick heff gaut drei Schäpel vull antwortete ein Schäfer, der ein Gut kaufen wollte, auf die Frage nach der Größe seines Vermögens WaWaren@PenzlinPenzl; Geld mit Schäpeln meten ungemein reich sein Mi 75
a; In de Rossmarienstrat ..., Wo s' dat Geld mit Schäpels mäten (Volksreim) Wo.
V. 3, 29; der Genügsame sagt: Heff ick ... ook dat nich by Scheepeln Bün ick tofreeden ook by Leepeln Babst 1, 74;
vgl. schon für Gry. Beleg bei Läpel 1 b (
Bd. 4, 839). b. gemessene Menge: 'dabunt ... duodecim tremodia annone quatuor modiis, videlicet schepel' (1360) UB. 14, 551; 'teyn scheppel rogghen, neghen schippel gersten unde en drømet haveren' (1379) 19, 372; 'ik ... let bruwen to weke XVIII scepel moltes unde ... voderde alle daghe XV schepel haveren' (1372) 18, 128; 'teyn schepel rogghen Wittenbørgher mate' (1371) 62; twe Kisten ..., Wo twintich Scheepel Koorn in gahn Babst 1, 38; söß Schäpel un 'n Viert, dat wir Sackgewicht, dat müßt 'n Knecht up sinen Wagen laden kœnen RoRostock@NiederhagenNiederh; de riken Buern hebben oft üm 'n Schäpel Weiten späält oder vier Koort vier Daler Gres; kannst 'n Schäpel Hawer drägen? gesagt beim Kitzeln des Kindes WaWaren@KisserowKiss; ick heff noch 'n Schäpel Roggen mit em (dem Tode) annahmen sagt ein Genesener (1890) Wa; bi 'n iersten Schäpel Roggen (den man gemeinsam ißt) möten sei (die Ehefrauen) taulihrt (an Gehorsam gewöhnt)
warden HaHagenow@RedefinRed; wat min Mann weit (näml. an Rdaa.), is nich mit 'n Schäpel Lin aftoseigen er weiß sehr viel Wa; Asch un Schäpel Sand möt 'n ierst up hebben, eher stirbt man nicht HaHagenow@RedefinRed; bildl. werden auch Menschen und menschliche Eigenschaften nach Scheffeln gemessen: dei Dummen warden nich all', jedes Johr ward 'n Schäpel utsei't Wo. Sa.; büst 'n Kierl, wo 'n Schäpel Verstand in hüürt Wa; vor gesteigertem
Adj. und
Adv. in der Bedeutung 'sehr viel': dat wi Jägerslüd' doch en ganzen Schäpel kläuker sünd as hei Wo. Sa.; Schultsch ... regierte ... noch en gauden Schepel forscher as Dörchläuchten sülwst Reut. 6, 101; Korl ... kek den Herrn Konrekter noch en ganzen Schepel verdutzter an 85. 3. Zss.: Bolten-, Butz-, Dörps-, Hawer-, Hoppen-, Landes-, Lohn-,
Roggen-, Solt-, Tubben-,
Tüffel-, Vierfatt-,
Viertschäpel; Geld-, Kahlen-, Klump-, Stein-,
Zipollschäpel;
Feldschäpel. — Mnd. schepel. — Br. Wb. 4, 636; Dä. 403
b; Da. 182
b; Kü. 3, 44; Me. 4, 315.