säuseln,
verb. ,
ein leises geräusch von sich geben, deminutiv zu sausen (
vgl. daselbst).
niederl. suyselen, suysen
susurrare Kilian.
den ältern mundarten ist das wort fremd. 11)
eigentlich. 1@aa)
von tönen u. ähnl.: (
Wilhelm) überliesz sich ganz den schwebenden tönen, die in der labenden nacht um ihn säuselten. Göthe 18, 109; es kräuselt und säuselt der schall.
wunderhorn 1, 432
Boxberger; macht er ein sanft getön, indem die seidnen falten mit säuselndem geräusch zu dem pantoffel wallten. Zachariä
renomm. 3, 194; welch ein gelispel hör' ich in den zweigen, welch ein geräusch aus jener dämmrung säuseln? Göthe 9, 57 (
Iphig. 3, 2); säuselt, säuselt, holde töne, säuselt lieblich um mich her. Grillparzer 3, 125; so säuseln diese klänge wohllautend durch die aufhorchsamen bäume. Lenau 2, 146
Koch (
Faust 1682).
so auch: allein sein kleines lied wird nicht empor verwegen fliegen an des donnrers wagen — es säuselt um der freundschaft ohr. Gotter 1, 4. 1@bb)
von gegenständen, die durch ihre zitternde bewegung ein solches geräusch hervorbringen. der wind säuselt: 'er (
Jehovah) schwebet auf meinen fittigen', sprach der säuselnde wind. Herder 9, 47.
besonders aber von bäumen u. ähnl.: sie kamen an das tannenwäldchen, dessen wipfel in der abendluft sanft säuselten.
Siegwart 1, 20; oft fuhr sie bey dem säuseln der blätter .. bebend aus ihrem nachsinnen. Klinger 5, 325; ich höre das säuseln der bäume. 8, 85; deinem (
der nachtigall) abendgesang lauschet dein freund hier oft, und dem wellengeplätscher, und dem säuseln des uferschilfs. Hölty 103
Halm; die vergänglichkeit flüstert herab, im säuseln des hains. Stolberg 2, 201; es nickt die dunkle eiche und säuselt sanft auf sie. Fr. Müller 2, 329; schwester, kühl und luftig weht es hier und duftig säuselt baum an baum! Voss 5, 144. 1@cc)
ohne bestimmtes subject: da säuselte es .. in den wipfeln der bäume und die erde bebte sanft. Klinger 6, 35. 1@dd)
in freierer verwendung von gegenständen, die selbst kein geräusch von sich geben, aber damit erfüllt sind: ach das säuselnde in lauben verwachsene dörfchen schien alle seine blühenden zweige als arme um ihn zu legen. J. Paul
Hesp. 3, 186; ... und es wüthet frecher der feinde gewalt, wüthet wie flammen auf säuselnder höh'. Stolberg 14, 179; in säuselnder kühle beginnen die spiele der jungen natur. Schiller 1, 304; kühler säuseln hier die schatten. Lenau 2, 5
Koch. 22)
wie säuseln
von dem geräusch eines leichten, die luft durchschneidenden gegenstandes, also von einem sanften sausen gesagt wird, so heiszt es zuweilen geradezu '
sich mit leisem geräusch durch die luft bewegen': der herrliche regen säuselte auf das land. Göthe 16, 36.
vergl. flieg' ich in taubengestalt mit silbergrauem gefieder säuselnd vom dach. Voss
bei Campe
s. v. silbergrau. 33)
in freierem und übertragenem gebrauche: mir ... ist es wie einem bräutigam, der ... sich gedankenvoll lüstern vor die geheimniszreichen vorhänge versetzt, woher ihm die lieblichkeit der liebe entgegen säuselt. Göthe 18, 96; alles, was bei einer groszen weltbegebenheit heimlich durch die lüfte säuselt. 45, 41; ich fühl', o mädchen, deinen geist der füll' und ordnung um mich säuseln. 12, 139; träume säuseln um mein ohr. Gotter 3, 534; hier, wo die blume bebt, wo sich die bäche kräuseln, vernimm der liebe säuseln. J. G. Jacobi (1809) 3, 33. 44)
in transitiver fügung: (
dann) wird (
mein geist) durch des wiesenbaches rohr, und blätter, die sich kräuseln, ein lied in ihr entzücktes ohr zu lob und liebe säuseln. Bürger 11
b; wie könnt' er ruhig seyn, wenn dich ein and'rer faszt, .. dich zärtlich an sich drückt, und liebesworte säuselt. Göthe 7, 6.
freier, durch säuseln hervorrufen: herrlich empor! dem wandrer säuselt sie (
die eiche) ehrfurcht. Klinger
theater 2, 152. 55)
häufig ist der substantivierte infinitiv: o all ihr elisiumsscenen meiner kindheit! — werdet ihr nimmer zurückkehren — nimmer mit köstlichen säuseln meinen brennenden busen kühlen? Schiller
räuber 3, 2
schauspiel; sieh die fläche des flusses, er ist jedem säuseln preiszgegeben, und der wind jagt ihn über die ufer.
werke 2, 393; .. von einer grasart, in deren breiten, fächerartigen blättern der westwind, welcher da beständig weht, ein melodisches säuseln zu erwecken nicht müde wird. Immermann 1, 9; in stillem, sanften säuseln kommt Jehova. Klopstock 1, 142; ein heilig säuseln und ein gesangeston durchzittre deine wipfel, o schattengang. Hölty 99
Halm; thränen des danks, dasz ihre jugendtage gleich dem säuseln des main vorüberflohen. 101