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ratten

mhd. bis Dial. · 6 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
Anchors
9 in 6 Wb.
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4 von 16
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5

Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Ratten

Bd. 16, Sp. 620
Ratten, eine Gruppe größerer Mäuse mit langem Schwanz, der mehr als 200 Schuppenringe zählt, und dickern, plumpern Füßen. Die Wanderratte (Mus decumanus Pall.) ist 24 cm lang, mit 18 cm langem Schwanz, oberseits bräunlichgrau, unterseits scharf abgesetzt grauweiß, der Schwanz schwach behaart. Zuweilen kommen weiße Tiere mit roten Augen vor. Der Wanderratte gedenkt, wie es scheint, schon Älian, der von Einwanderung der »kaspischen Maus« spricht; sie stammt wohl aus Indien oder Persien, setzte 1727 bei Astrachan über die Wolga und wurde 1732 aus Indien nach England verschleppt. 1750 erschien sie in Ostpreußen, 1753 in Paris, 1780 war sie in Deutschland überall häufig, in der Schweiz aber erschien sie erst 1809. Nach Nordamerika gelangte sie 1755. Gegenwärtig findet sie sich überall, wo nur Handelsverbindungen mit Europa bestehen, und bewohnt Häuser, Ställe, auch Höhlen an den Ufern langsam fließender Gewässer. Sie klettert und schwimmt sehr gut, erwürgt junge Gänse, Enten und Küchelchen, junge Kaninchen, Tauben, mitunter sogar alte Hühner; sie frißt fetten Schweinen und brütenden Truthennen Löcher in den Leib, und auch kleine Kinder frißt sie an; an Getreide, Kartoffeln, Obst etc. richtet sie in Kellern und Kammern den empfindlichsten Schaden an. Sperrt man eine Gesellschaft von Wanderratten zusammen, so frißt eine die andre auf. Wo sie einrückt, verschwinden alsbald die Hausratten, denn sie werden unbarmherzig von ihr niedergemacht. Die R. leben gern gesellig, kriechen oft in einem gemeinsamen Nest zusammen, fressen aber eine krepierte Genossin sofort auf. Jung gefangene R. werden sehr zahm. Das Weibchen wirft jährlich zwei- bis dreimal etwa einen Monat nach der Begattung 5–21 nackte Junge, die sie liebevoll pflegt. In neuester Zeit hat man mehrfach (z. B. auf Neuseeland und den Scillyinseln) beobachtet, daß die Wanderratte den Menschen verläßt, um sich am Strand anzusiedeln und von Fischen, Krabben, Muscheln zu leben. Die Hausratte (M. rattus L.) ist 16 cm lang, mit 19 cm langem Schwanz, oberseits dunkel braunschwarz, und diese Färbung geht nur allmählich in die wenig hellere der Unterseite über. (S. Tafel »Nagetiere III«, Fig. 1 u. 2.) Sie ist vielleicht eine klimatische Abart der ägyptischen Ratte (M. alexandinus) und dürfte schon im Altertum durch den Schiffsverkehr nach Europa gekommen sein. Auf einem römischen Altar in Reims fand man die Ratte dargestellt. Sie ist in Persien sehr gemein, wird zuerst von Albertus Magnus als deutsches Tier genannt und ist gegenwärtig über alle bewohnten Teile der Erde verbreitet, kommt aber überall mehr vereinzelt vor und weicht mehrfach der Wanderratte, der sie in ihrem Wesen sehr ähnlich ist. Bisweilen findet man eine größere oder geringere (bis gegen 30) Zahl R. mit den Schwänzen so verwachsen und verflochten, daß sie sich nicht wieder voneinander befreien können. Derartige Rattenkönige sind wiederholt beobachtet worden, ohne daß man über ihre Entstehung etwas Sicheres ermitteln konnte. Von andrer Seite wird die Existenz des Rattenkönigs bestritten. Vgl. Bellermann, Über das bisher bezweifelte Dasein des Rattenkönigs (Berl. 1820). Die sogen. Rattenfelle des Pelzhandels stammen vom virginischen Beuteltier. Man hat in neuerer Zeit erkannt, daß die Maus ungemein leicht den Pestbazillus aufnimmt, und daß an ihren Kadavern die R. sich infizieren. Ihre umherliegenden Kadaver gelten im Orient seit Jahrhunderten als Zeichen, daß die Beulenpest im Anzug ist. Die Erkenntnis des Zusammenhanges zwischen R. (Mäusen) und Pest ist sehr alt, sie sind die Heerscharen des Pestsenders, für den in Indien Rudra und Schiwa, in Griechenland Apoll und in Nordeuropa Uller (Haller) galten. Herodot erzählt von einer Schar Mäuse, durch die das Heer des Sanherib in die Flucht geschlagen sei. Nach Samuelis brachten Mäuse eine Pest in das Land der Philister. Im Mittelalter kommen in den kirchlichen Verfluchungsformeln auch Spitzmäuse und Lemminge als Pestträger vor. In der Vertilgung der R. und Mäuse sieht man in neuerer Zeit eins der besten Vorbeugungsmittel gegen Einschleppung der Pest. Man benutzt im Freien Schwefelkohlenstoff, in geschlossenen Räumen Piktolin, auch sind stark kohlenoxydhaltiges Generatorgas, Meerzwiebelpräparate u. mit bestem Erfolg ein bestimmter Bazillus (Ratin) angewandt worden. Vgl. Ungewitter, Die Rattenplage und ihre rationelle Bekämpfung (Erfurt 1901).
4379 Zeichen · 54 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    rattensw. M.

    Köbler Mhd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    ratten , sw. M. Vw.: s. rate (1)

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Rattenv., ntr, trs

    Campe (1807–1813) · +2 Parallelbelege

    Ratten , v. I) † ntr . mit haben . 1) Geräusch verursachen, rauschen. 2) I N. D. faulen; rotten . II) * * trs . ziehen, …

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Ratten

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Ratten , s. Herder Maus .

  4. modern
    Dialekt
    Ratten

    Rheinisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Ratten- in der Zs., wie –fell, –gang, –gift, –küttel, –loch wie nhd.; dazu:

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit ratten

193 Bildungen · 168 Erstglied · 25 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von ratten 2 Komponenten

rat+ten

ratten setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

ratten‑ als Erstglied (30 von 168)

Rattenbeck

SHW

Ratten-beck Band 4, Spalte 1249-1250

Rattenbutik

SHW

Ratten-butik Band 4, Spalte 1249-1250

Rattendolch

SHW

Ratten-dolch Band 4, Spalte 1251-1252

Rattendreck

SHW

Ratten-dreck Band 4, Spalte 1251-1252

Rattenfalle

SHW

Ratten-falle Band 4, Spalte 1251-1252

Rattengift

SHW

Ratten-gift Band 4, Spalte 1251-1252

Rattengikes

SHW

Ratten-gikes Band 4, Spalte 1251-1252

Rattenhund

SHW

Ratten-hund Band 4, Spalte 1251-1252

Rattenjagd

SHW

Ratten-jagd Band 4, Spalte 1251-1252

Rattenkopf

SHW

Ratten-kopf Band 4, Spalte 1251-1252

Rattenkor

SHW

Ratten-kor Band 4, Spalte 1251-1252

Rattenkores

SHW

Ratten-kores Band 4, Spalte 1251-1252

Rattenloch

SHW

Ratten-loch Band 4, Spalte 1251-1252

Rattenmaus

SHW

Ratten-maus Band 4, Spalte 1251-1252

ratten als Zweitglied (25 von 25)

abpratten

RhWB

ab-pratten: einem etwas a., durch Eigensinn abnötigen Allg.

anpratten

RhWB

an-pratten: einen a., anschmollen Allg.

auspratten

RhWB

aus·pratten

aus-pratten: zu Ende pr. Allg. RA.: Katz, geh von der Sopp, wann ich ausgebratt han, fress ich se selwer! dem prattenden Kinde in den Mund g…

Bambelkratten

ElsWB

bambel·kratten

Bambelkratte n m. eig. baumelnder Korb ( wohl alte Strafart ) : du kumms t in d e r B.! droht man Kindern Geberschw.

baratten

KöblerMnd

barat·ten

baratten , Adj. nhd. aus Barat seiend E.: s. barat (2) L.: MndHwb 1, 146 (baratten) Son.: jünger

Gërste(n)ratten

Idiotikon

Gërste(n)ratten Band 6, Spalte 1629 Gërste(n)ratten 6,1629

Hüenerkratten

ElsWB

huen·er·kratten

Hüenerkratte n m. grosser Weidenkorb, den man über Henne und Küchlein stülpt Horbg.

Kipflekratten

ElsWB

Kipflekratte n [‘ X ìpfləràtə Liebsd. ] m. Korb, der 5 Liter fasst.

Kirsenkratten

ElsWB

kirsen·kratten

Kirse n kratte n Hattst. M. Horbg. ; Kirsche n kratte n . Betschd. m. Kirschenkorb. — Idiotikon Schweiz. 3, 874.

Klunkkratten

ElsWB

klunk·kratten

Klunkkratte n [Klùkràtə Attenschw. ] m. Korb, der beim Äpfelabnehmen aufgehängt wird.

Maharatten

Herder

Maharatten od. Maratten , kriegerisches Hinduvolk in Vorderindien, sollen aus Nordindien stammen und bei der mongolischen Eroberung in die G…

Metzenkratten

DRW

metzen·kratten

Metzenkratten, m. Korb mit dem Fassungsvermögen einer ¹Metze (I) vgl. Metzensack die andern vischer ... soll ein jeder alle jar ain metzen k…

Mulkratten

ElsWB

mul·kratten

Mulkratte n [Mýlràtə Rädersd. Roppenzw. ] m. Maulkorb. — Idiotikon Schweiz. 3, 874.

schratten

DWB

schrat·ten

schratten , m. berg voll risse und spalten, auch eigenname eines solchen gebirges im Entlebuch Stalder 2, 350 : auszerdem führt er ( eine ar…

spratten

RhWB

sprat·ten

spratten -at- Rip an uWupp u. Köln-Stdt schw.: sich sträuben, weigern. — Abl.: die Spratterei, dat Gespratt(s), der Spratter, sech zerspr.

steinkratten

DWB

stein·kratten

-kratten , m. , steinkorb: ( der hausierer zog ) mit einem korbe oder steinkratten Jer. Gotthelf 1, 92 ;

stratten

DWB

strat·ten

stratten , vb. , weben, stricken oder ähnlich: contexere stratten, wircken voc. a. d. j. 1476 bei Diefenbach nov. gloss. 111 . dunkel, viell…

Villgratten

LDWB2

Vill|grat|ten nom. propr. n. (Tal in Osttirol) Valgrata.

wagenkratten

DWB

wagen·kratten

wagenkratten , m. ein obd. wort, s. DWB kratte theil 5, 2070, doch auch ndl. wagenkrat. 1 1) dasselbe wie wagenkorb 1. 2 2) dasselbe wie wag…