Prosa von ca 190 Belegen 31 ‘Prose’ (zT im Reim). ‘Prose’ GWB49
1,400,9
evtl Verschreibung für ‘Pose’1) 1
metrisch ungebundene Sprachform a
als Kriterium dichterischer Texte u meist iUz ‘Poesie’, ‘Vers(e)’, ‘Reim(e)’ u ‘Rhythmus’; oft ‘in (der) P. (schreiben)’; mehrfach im Hinblick auf Übs, auch ‘in..P. übertragen, auflösen’ ua; einmal ‘allgemeine P.’ für deversifizierte Sprache ohne besondere stilistische Merkmale das..Opus [
‘Was wir bringen’]..Ich muß mich durchaus an die P. halten, ob gleich der Gegenstand durch Abwechslung der prosaischen und metrischen Formen sehr gewinnen könnte GWBB16,90,12 Schiller 8.6.02 nach Beschaffenheit der Situationen, Charaktere, Gesinnungen und Gefühle mit dem Sylbenmaße zu wechseln, wie Shakspeare mit dem Jambus und der P. thut GWB40,420 FrzHaupttheat Plp Die deutsche Sprache ist auf einen so hohen Grad der Ausbildung gelangt, daß einem jeden in die Hand gegeben ist, sowohl in P. als in Rhythmen und Reimen sich dem Gegenstande wie der Empfindung gemäß nach seinem Vermögen glücklich auszudrücken GWBB49,214,7 Meyr 19.1.32 Beilage 28,73,16 DuW 11 7,238,24 DivNot 25
2,90 Wj II 4 Var [〉Prosaisches
; Zit s v prosaisch 2]
uö(häufig) im Vergl mit Implikation des Wirklichen, Alltäglichen (vgl 5a) Einbildung und Gegenwart verhalten sich wie Poesie und P. GWB31,223,3 ItR
‘schlotternde P.’: abwertend u bildl-personifizierend für die nicht versifizierte erste Fassung der ‘Iphigenie’ GWBB8,134,9 Herder 13.1.87
als Epochenbezeichnung, in geschichtsphilos Betrachtung Poesie Volksglaube Tüchtig Einbildungskraft|..P. Auflösung in's Alltägliche Gemein Sinnlichkeit GWB41
1,131,23 Geistesepochen b
als kunstvoll gestalte- [] ter, gehobener Sprachstil, Kunstprosa; mehrfach ‘poetische P.’, je einmal ‘harmonische P.’, ‘gereimte P.’ für eine rhythmisierte bzw mit Stabreimen, Homoioteleuta ua versehene ungebundene Schreibart; auch mit nationalsprachl Kennzeichnungen; einmal ‘schlechte P.’ die klare kräftige Prose des alten und neuen Testaments GWBN12,57,13 Üb:Howard Die poetische P. nahm überhand. Gesner und Klopstock erregten manche Nachahmer; andere wieder forderten doch ein Sylbenmaß und übersetzten diese Prose in faßliche Rhythmen GWB27,90,2 DuW 7 Alles poetische sollte rhythmisch behandelt werden! das ist meine Überzeugung, und daß man nach und nach eine poetische P. einführen konnte, zeigt nur daß man den Unterschied zwischen Prosa und Poesie gänzlich aus den Augen verlor GWBB12,360,22 Schiller 25.11.97 den ganz eigenen, schwer zu bezeichnenden Stil der italiänischen P. im Deutschen wieder zu geben GWB41
1,235,7 Üb:Indicazione Neulich versicherte mich jemand, Xenophon habe eben so schlechte P. geschrieben als ich; welches mir denn zu einigem Troste dienen sollte GWBB29,91,3 Zelter 19.3.18 B38,205,17 Knebel 30.7.24 41
2,352,9 Anz:L'Eco 26,123,19 DuW 2 38,343 FGA VermischtesMagazin [G?]
uö als bloß rhythmisch alternierende, nicht reimende Schreibart; abwertend zog der fünffüßige Jambus, der sich durch Einfluß der Engländer bei uns verbreitete, die Poesie zur P. herunter GWB29,82,12 DuW 18 c
als einfache, keine rhetor Mittel verwendende Schreibart; auch explizierend ‘reine, deutliche P.’ u abwertend ‘dürre, gewöhnliche, platte P.’ Man erlaube uns einigen poetischen Ausdruck, da überhaupt Prose wohl nicht hinreichen möchte GWBN8,226,5 FaultDickh ein bedenklicher Wortgebrauch bei französischen Vorträ
gen..Man glaubt in reiner P. zu reden und man spricht schon tropisch GWBN7,206,26 PrincPhilZool II Epimenides..um dasselbige, was sich die Deutschen bisher so oft in dürrer P. vorgesagt, symbolisch zu wiederholen GWBB25,251,15 Knebel 5.4.15 der Stil [
eines von Goethe in Übungen bei Gellert angefangenen Briefromans] ging über die gewöhnliche Prose hinaus GWB27,66,8 DuW 6 5
1,251 Xen 317(400) [
zwei Belege] GWBB4,276,5 Branconi 28.8.80 B7,25,13 FStein 10.3.85 [
Zit s v prosaisch 4a]
uö ‘P. machen ohne es zu wissen’, in Anspielung auf die frz Redensart ‘faire de la prose sans le savoir’ (nach Molière, ‘Bourgeois gentilhomme’); vgl s v prose GWBB23,167,5 J O'Donell 24.11.12 d
iSv Rede-, Ausdrucksweise; mehrf mit wertenden Attr Erster Aufzug.. ..die Jünglinge bequemen sich zur schlichten Prose, damit das Mädchen sie verstehe GWB41
1,152,19 Üb:Arnold,Pfingstmontag [1820] der Abschied [
von der Mailänderin in Anwesenheit ihres Bruders] schloß sich in freundlicher mäßiger P. GWB32,335,10 ItR 41
1,163,13 Üb:Arnold,Pfingstmontag [1820] B11,299,15 Schiller [27.12.96] 2
in ungebundener Sprachform verfaßte (dichterische) Texte; auch iUz ‘Poesie’, ‘Verse’; selten ‘P. vortragen, rezitieren’; einmal im Wortspiel mit ‘prosaisch’ (vgl s v 4a) Was uns von Poesie und P. aus den besten griechischen Tagen übrig geblieben, gibt uns die Überzeugung, daß alles..aus unmittelbarem Anschauen der äußern und innern Welt hervorgegangen sei GWB49
1,63,2 Philostrat [
betr Ausg.l.H.] Was an Poesie und P. auf dem Musterblatte mitzutheilen wäre, liegt auf einigen Blättern bey GWBB41,22,11 Cotta 6.5.26 daß ich eines Tages Poesie und Prose, Plane, Skizzen und Entwürfe..verbrannte GWB27,68,23 DuW 6 daß er [
Serlo] auch Gedichte lesen ließ..anstatt daß man bei andern Gesellschaften schon anfing, nur diejenige P. vorzutragen, wozu einem jeden der Schnabel gewachsen war GWB22,122,8 Lj IV 19 B12,206,9 Schiller 26.7.97 35,319 TuJ 1805 Var [〉Abhandlung]
uö für die einem versifizierten Text zugeordnete (erläuternde, kommentierende) Ausführung; insbes im Hinblick auf die ‘Noten u Abhandlungen zum Divan’ Des Divans Poesie und Prose [P.
K] empfehle zum ferneren Wohlwollen GWBB32,73,3 HPogwisch 15.10.19 T10,41,12 v 9.4.25 B39,178,5 Göttling 9.4.25
uö 3
als Qualitätskriterium literar Inhalts; auch ‘zur P. herabziehen’ uä a
für nicht-fiktionale Literatur, Sach-, Fach- od Gebrauchsliteratur; auch iUz ‘Poesie’; je einmal ‘historische P.’ u in Antiklimax ‘Poesie, P. und Leben’ diesem trefflichen Werke [
Schillers ‘Glocke’], welches..sich zwischen poetischer Lyrik und handwerksgemäßer P. hin und wider bewegt GWB40,120,22 SchillersIfflandsAndenk jene eigentlichen, im Gedicht [
‘Harzreise’] nur angedeuteten Anlässe..ich habe..hiezu, um die Poesie nicht zur Prose herabzuziehen..gewöhnlich geschwiegen GWB41
1,329,28 Üb:Harzreise Wenn durch die Phantasie nicht Dinge entständen, die für den Verstand..problematisch bleiben..Dies ist es, wodurch sich die Poesie von der P. unterscheidet, bei welcher der Verstand immer zu Hause ist und sein mag und soll GWBGespr(FfA II 12,252,2) Eckermann 5.7.27 7,30,4 DivNot B21,111,7 AHumboldt 5.10.09 K 49
1,58,10 Neudt relig-patriotKunst [Meyer/G]
uö b
für dichterisch wertlose fiktionale Literatur, (bloße) Unterhaltungsliteratur Unerhörte Liebe..Schön, sich aber doch einer gewissen philisterhaften P. nähernd GWB40,343,8 Üb:Wunderhorn Er [
FCAEberwein] hat das allerletzte Elend von P. in einer kleinen Oper componirt GWBB27,51,26 Zelter 8.6.16 wie das Gedicht [
‘Die Musen’] von [
KPh]Conz..eigentlich nur gute P. ist GWBB11,158,22 Schiller 13.8.96 B38,231,1 Zelter 25.8.24 42
2,39,7 Zu Übs aus:Maturin,Bertram 4
literar-ästhet Realismus, sachliche, wirklichkeitsgetreue Darstellung; einmal ‘etw zur P. machen’: etw realistisch erscheinen lassen Man hat..alles was..die Einbildungskraft in Anspruch nimmt, in die Oper verwiesen, und auch hier hat sich die P. des Trauer- und Lustspiels..eingeschlichen, daß die Geister selbst oft die prosaischten Figuren von der Welt sind GWBB25,292,8 GfBrühl 1.5.15 merkwürdig..bei diesem Gedicht [
‘Unter dem Felsen am Wege’], daß die reine P. der Handlung durch Transposition der einzelnen Ereignisse poetisch wird GWB7,17,14 DivNot das Eigentliche der Fiction, das Schickliche der Nachahmung..Diese Lehre von der Fiction..ist nöthig, um gewissen Puristen zu begegnen, die..in der Baukunst gern alles zu P. machen möchten GWB47,72,9 Baukunst 1795 49
1,92,21 Philostrat 47,197,6 Samml 8 B29,300,26 GfBrühl 1.10.18
uö(selten) iSv Schlichtheit, Anspruchslosigkeit (bei einer dramatischen Präsentation) Auf einem gewissen ebnen Wege der Natur und P. machen sie [
Schauspieler des Weimarer Theaters] ihre Sachen über die Maße gut; aber..wo nur eine Tinctur von Poesie eintritt, wie doch bey dem gelindesten pathetischen immer geschieht, sind sie gleich Null oder falsch GWBB12,357,19 Schiller 22.11.97 5
übertr auf eine Lebenswirklichkeit (ohne Kunst bzw Sinn für Kunst); zT mit Anklang an die Form a
Alltäglichkeit, Normalität, auch: Trivialität; einmal ‘zur P. werden’ iSv alltäglich, bodenständig u real erscheinen es ist wirklich eine Art der fürchterlichsten P. hier in Weimar GWBB11,232,24 Schiller 15.10.96 Wird Vers und Reim denn angeklagt,|Wenn Leben und P. das Tollste sagt? GWB3,299 ZXen IV 999 was für ein Lied soll ich von ihm [
Gott] singen? im Augenblick wo mir alle Prose zur Poesie und alle Poe-
[] sie zur Prose wird GWBB3,199,5u6 ChStein 10.[12.77] B23,191,1 Zelter 3.12.12
in Abwandlung einer Redensart ‘wenn die P. abgetan ist, kann die Poesie um so lustiger gedeihen’ für: erst die Arbeit, dann das Vergnügen GWBGespr(He2,964) Bertram 1814 b
Leidenschaftslosigkeit, Nüchternheit; einmal ‘in seine P. übersetzen’ für: etw illusionslos einschätzen Die Alte [
Barbara] suchte so viel möglich durch ihre Prose die Poesie ihrer Freundin in's Gebiet des gemeinen Lebens herunter zu locken GWB21,64,6 Lj I 12 [
Charlotte über die Beurteilung Lucianes durch die Pensionsvorsteherin] wenn die ersten Seiten ihrer Briefe..immer nur Hymnen sind über die Vortrefflichkeit eines solchen Kindes, die ich denn recht gut in meine Prose zu übersetzen weiß GWB20,17,24 Wv I 2 53,441,4 Aus Notizb c
iSv Rahmen, Staffage So lebten sie [
Goethe u ChBuff]..eine echt deutsche Idylle, wozu das fruchtbare Land die P. [Prose
Var], und eine reine Neigung die Poesie hergab GWB28,154,23 DuW 12 prose
frz redensartl ‘faire de la prose sans le savoir’: zufällig das Richtige treffen, eine Sache unbewußt gut machen; nach Molière, ‘Bourgeois gentilhomme’ II 6 GWBB5,309,14 ChStein 12.4.[82]
Syn zu 4
GWB
Natürlichkeit 1) vgl Die Franzosen. Bearb GFemmel (1980),336 Elke DreisbachE.D.