Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
PHELLE stm.
1. dass der phelle ein seidengewebe war, leidet keinen zweifel (vgl. sericus pfelle vel sîden sumerl. 17,32. andere beweisende stellen s. nachstehend); aber die art des gewebes, ob atlas, stoff, sammt, ist schwer zu bestimmen. bei Suchenw. 40,154 und 164 wird selbst das griech. βύσσος (Luc. 16, 19) durch phellel wiedergegeben; aber wir brauchen nicht an gleichheit des stoffes zu denken, nur die kostbarkeit wird ins auge gefasst. Wackernagel im glossar zum leseb. erklärt pfellel, pfelle für baumwollenstoff, doch hat sich hiegegen schon Weinhold mit recht erhoben. vgl. die deutschen frauen s. 421, anm. 4. von samît wird phelle bald
a. unterschieden. semît, phellol, purpur, golt MS. 2,239. b. pfellel unde samît was sîn ander covertiur Parz. 540,10. vgl. auch phellelîn. dâ ligent inne pfelle breit und manic tiwer samît Parz. 11,19. war umbe si in niht wunden in pfeller ald in semît? myst. 301,27. pfellil unde samît Pass. K. 193,30.
b. theils nicht. ein roc geteilt pfellîn, daʒ was ein samît grüene Wigamur 2566. ein samît, daʒ man bî keiner jâre zît sô tiuren pfeller nie gesach troj. (bei Scherz 2,1222), auch troj. 3753. 3757 ist phellir = samît. — dasselbe gilt von achmardî und cyclât. was Trist. 11106 cyclâdes cleit genannt wird, heisst 11127 pfelle. ein kappe von achmardî, der pfellel was grüene als ein gras Türl. Wh. 104. b. 94. a. — dass der pfelle nicht starr war, sondern in schöne falten fiel, sagt uns Tristan. der selbe pfelle der tet sich an den valt und an den strich alsô nâhe und alsô wol als ein pfelle beste sol Trist. 11127. vielleicht war pfelle das allgemeine wort, und samît, achmardî (vgl. Türl. Wh. 94. a. 104. b) unterarten. dâ man die grüenen achmardî wurket und die phellel rîch Parz. 71,26 könnte demnach von grünem pfellel ohne gold und von goldpfellel zu verstehen sein.
2. was die farbe betrifft (der phellil varwe ist als ein glas, golt, laʒûr, grüene unde wîʒ Türl. Wh. 94. vgl. das. 103), so wird erwähnt (vgl. auch Weinhold a. a. o. 423, wo leider nur keine citate angegeben sind):
a. weiss. snêwîʒ zwâr Türl. Wh. 151. a.
b. schwarz. hermîne vederen dar obe pfelle lâgen swarz alsam ein kol Nib. Z. 56,33 u. ö.
c. roth. coccus rot phelle sumerl. 4,20. in einen rôten (Lachm. rîchen) pfelle man den tôten want Nib. 992,1. ein pfeller guot von sîden rôt alsam ein bluot Trist. (Scherz 2,1205). der phelle (samît) als ein rôse bran in einem rôten glaste troj. 28. a. Wigal. 10903.
d. grün. grüener dan ein meiisch gras Trist. 2546. phellil grüene als ein gras Türl. Wh. 103. b. 104. b. Wigal. 10704. 10904.
e. lazurfarbig. ein banir von phelle laʒurvar Ludw. kreuzf. 696. blau. in blâen phellel geleit das. 6228.
f. braun. vil brûner dan ein vîolate reht eben brûn der gloijen blate Trist. 11125.
g. bunt. daʒ poulûn von reinen phellile maniger hande varwe T. Wh. 128. b.
3. die pfelle waren
a. ohne eingewebtes gold. mit einem pfellel sunder golt gesteppet ûf palmât Parz. 552,15.
b. mit gold. vgl. phelle, mit golde wol beslagen Diemer 164,5. alser glohte in eime fiur ac drûffe ein pfellel lieht gemâl Parz. 243,3. ein phelle von golde tiur unde rîche, geworht vil spæhlîche Kl. 1164 Lachm. rîch, und an gewürhte wunderlîch. er was von Sarrazînen mit kleinen bortelînen (vgl. Nib. Lm. 408,4) in vrendeclîchem prîse nach heidenischer wîse wol underworht und underbriten Trist. 2533. vol mânen und gesterne von golde T. Wh. 104. b. vgl. das. 112. einen pfell mit golde vesten Parz. 375,8. Wigal. 8899. 10904. das gold wan nicht nur eingewebt, sondern bisweilen auch aufgeheftet, und dann hiess der pfelle: genagelt, vgl. Nib. Z. 197, 52. Wigal. 5568; wie denn auch edelsteine aufgesetzt wurden, Türl. Wh. 112. a.
4. besonders hervorgehoben wird auch, dass die stücke breit, Wigal. 9076, und nicht abgeschnitten waren. pfelle breit, ganze die man nie versneit Parz. 11,14. ungeschrôten Wigal. 1701. der wirt hieʒ in tragen manegen rîchen pfelle, die wâren ungesniten Gudrun 64,3. wie es scheint, gab auch alter einen vorzüglichen werth. âne alten phellol MS. 2,206. a.
5. wo wurden diese phelle verfertigt? in der heidenschaft, d. h. in mohammedanischen landen, in Asien sowohl als in Afrika. von liehten rîchen pfellen verre ûʒ heiden lant Nib. Z. 87,11. brâht verre ûʒ heiden lant Kl. 1166 Lachm. Wigal. 10579. von Sarrazînen nâch heidenischer wîse geworht Trist. 2536. besondere angaben sind: von einem lande dâ niht wan megde innen lebent und die besten pfelle webent die man ûf erden ie gewan troj. 28. a. der samît ûʒ den alben was komen dâ die megde sint das. 28. b. — alphabetische aufzählung der orte, von denen die verfertigung von phelle erzählt wird. vgl. hiezu Weinh. d. deutschen frauen s. 422 anm. Acratôn, eine stadt, die wahrscheinlich im nördl. Afrika lag, Parz. 309. 687; vielleicht Alexandria Arachoton, heute Kandahar. Adramahût, stadt in Morland, wohl das alte gr. 'Ατραμύττιον, das heutige Adramiti, Lesbos gegenüber unter dem Ida. W. Wh. 125. 447. T. Wh. 104. b. Agatyrsjente Parz. 687 (Weinhold a. a. o. denkt an die bei Herodot und Ptolemäus genannten skythischen Agathyrsen). Alamansura W. Wh. 248,26 (Manssura am Indus? Almanssurah am untern Tigris? Manssurah in Aegypten? auch in Granada giebt es einen küstenfluss Almanzora). geworht ze Alexandrîe Gregor. 881. Arabî, stadt in Môrlant, Parz. 228. 235. 736. pfelle ûʒ Arabîn Nib. Z. 87,33. geworht in Arabîn das. 126,72. T. Wh. 94. a. Wigal. 10903. vil manegen kulter spæhe von Arraʒ man dâ sach von vil liehten pfellen Nib. Z. 279,32. Assigarzionte Parz. 736,16 (ist an Spanien zu denken?). Aʒʒabê Bit. 12. b, wohl Assabeh, Ecebeh am zusammenfluss von Tigris und Euphrat. Belinar T. Wh. 94. a. Drîant s. Trîant. Ipopotiticôn Parz. 687. 770. Kalomident Parz. 687. 770 (in Spanien?). Kandalac T. Wh. 37. a. 94. a. Kaukasas Wigal. 10853. Libîâ. ein wâfenhemde sîdîn leite an diu meit daʒ in deheime strîte wâfen nie versneit von pfelle ûʒer Libîâ Nib. Z. 66,13. Nouriente Parz. 375,14 (in Spanien?). Ninnivê Parz. 306, 13. 235,11. Wigal. 10703. 10904. Patschar (wo erwähnt?) vielleicht Bassra am untern Euphrat. Pelpîunte Parz. 708 (in Spanien?). daʒ nie von Kriechen kâmen noch von Salenicke pfeller alsô dicke Lanz. 8482, Thessalonich. Samargôn, hauptstadt von Persien, T. Wh. 94. a. 37. a. Sarant (wo erwähnt?), vielleicht Sari oder Saria am Tedjenflusse in Tabrestan, südlich vom kaspischen see. Syrîe Wigal. 4082. Tabronît, reiche stadt in Indien, Parz. 374,28. krâm gewant von T. 616. 16. W. Wh. 63,16. vielleicht Tabrestan? vgl. zu Sarant und Weinh. d. deutschen frauen a. a. o. Tangrunet T. Wh. 94. a. Thasmê, stadt im Secundillenlande (in Indien). ein meister Sârant von Trîande erfand dort eine sehr vorzügliche art pfelle, die Sâranthasmê genannt wurden, Parz. 629,27. 736,17. pfellel der ein künstec hant worhte als in Sârant mit grôʒem liste erdâht ê in der stat ze Thasmê Parz. 808,5. W. Wh. 63,16. Trîant Parz. 629. 786. W. Wh. 59, 13. 63,16. 444,13. T. Wh. 94. a (Drîant). ist es das italische vorgebirge Trianto?
6. vor allen andern geschätzt aber waren die phelle, die nicht von menschenhänden, sondern von gewissen dem salamander verwandten thieren, Samanirît genannt, gewebt wurden. was bis jetzt darüber zu sagen ist, ist in der anm. zu Wigal. 7435 mitgetheilt. als nachtrag dazu ist noch zu bemerken, dass der ungedruckte Reinfrid von Brunsw. s. 203 der hannoverschen handschrift eine ausführliche erzählung derselben sage enthält, die in der hauptsache mit der erzählung im Titurel übereinkommt. auch im Lohengrin s. 138 und 164 werden solche unverbrennliche von salamandern verfertigte pfelle erwähnt. für die art und weise, wie sie den greifen abgenommen werden, vgl. Parz. 71,17. — aus W. Wh. 366 und einigen stellen in Benecke's Wigalois a. a. o. lässt sich schliessen, dass diese pfelle schneeweiss waren. vgl. auch Weinh. die deutschen frauen s. 421, anm. 5, wo noch mehr beispiele aufgeführt sind.
7. wozu wurden diese phelle gebraucht?
a. sie dienten zu kostbaren ehrengeschenken, unter denen sie nebst gold und edelsteinen genannt werden, Nib. Z. 1113,1. Parz. 11,15. T. Wh. 28. a.
b. als kleidungsstücke, sowohl der männer: Holofernes dâ saʒ, mit phelle behangen, mit golde wol beslagenen Diemer 164, 5. hermîne vederen, dar obe pfelle lâgen swarz alsam der kol Nib. Z. 56, 33. vgl. das. 87,11 u. 179,61 u. ö. pfelle zer zimier erdâht Parz. 687,14. rock und mantel, Wigal. 700. 705. 4079. Trist. 2532. 11130. du nimest pfellel an dich, alsam tuot ouch diu pfafheit (... daʒ selbe rîche kleit) Pass. K. 248,72. purper, phell er tägelich truog Suchenw. 40,154. in half niht purper noch sein phell das. 40,164. der reiche im evang. trägt phellel unde rîchiu kleit Barl. 85,22. wâpenroc Parz. 39,19. 71,7. 735,23. Wigal. 5568. als der frauen, ûf edel röke ferrans von pfelle ûʒ Arabî Nib. Lm. 535,3. 533,1. 776,2. 1234,2. Parz. 808,8. 375,9. Wigal. 4114. 10577. kappe (reitkleid) Wigal. 8897. T. Wh. 104. b. einer rîchen vrouwen gewant. eʒ was ein phellil dalmatica En. 787. Elisabeth hatte vel rîches gewandis von phellel Ludw. 14,13.
c. als festes wâfenhemde. ein wâfenhemde sîdîn leite an diu meit daʒ in deheime strîte wâfen nie versneit Nib. Z. 408,1.
d. als leichentuch. in einen rîchen pfellel man den tôten want Nib. Z. 159,41. Kl. 1165 L. die lîchenamen vil werde hieʒ der künec in guote pheller rîche mit keiserlîchen sachen verwinden und vermachen Barl. 395,40.
e. als decke über die polster, auf denen man sass oder lag. vil manegen kulter spæhe von Arraʒ man dâ sach von vil liehten pfellen Nib. Z. 279,32. ein pfelle gesteppet ûf palmât Parz. 552,17. Wigal. 7473. 10853. mit pfellor ist mîn stuol bereit Boner 41,29. über die schemel. die güldînen schemele ob liehten pfellen guot (zum aufsteigen auf die rosse) brâht man dar den frouwen Nib. Z. 86,43. auch das hündlein liegt auf einer decke von phelle Trist. 16347.
f. über den sattel. für den palas rîchen mit freuden si dô riten, vil manegen pfellel spæhen, rîch und wol gesniten, sach man über sätele den frowen wolgetân allenthalben hangen Nib. Z. 121,22. Wigal. 2534. wie manich tûre pellel breit ûf iren rossen wart bekant, gesehen, Crane 1428.
g. zur decke über die tafel, Parz. 309,18.
h. zu zelten, T. Wh. 112. a. 128. b. 129. b. Wigal. 10350.
i. zu banieren. T. Wh. 130. a. Wigal. 10900. 10703. ein banir von phelle lâʒûrvar Ludw. kreuzf. 696. Serons banir het ein roch goltvar, in blâen phellel geleit das. 6228.
k. als baldachin, Parz. 687,26.
l. zu decken über die rosse, Parz. 540,10. Trist. 662. T. Wh. 103. b. 130. a.
m. als schützender überzug über den schild. ein hulft von liehtem pfelle ob sîner (des schildes) varwe lac Nib. Z. 260,11.