Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
OUCH conj.
1. als erstes wort des satzes, auf welches dann sofort das verbum folgt.
a. um einen neuen satz beizufügen: überdies, zudem, ferner, noch mehr. ouch wart in dâ ze hove gegeben in alle wîs ein wunschleben Iw. 11. ouch was gelegen dâ bî der zuhtlôse Keiî das. 12. ouch solʒ mîn vrouwe dâ für hân das. 13. ouch kan er mirʒ wol undersagen mit solher vuoge als er ie pflac das. 41. ouch enhebt er niht den strît der den êrsten slac gît ebenda. ouch sult ir niht vergeʒʒen Walth. 11,12. ouch hieʒ der fürste durch der gernden hulde die malhen læren das. 25,35. ouch hôrte ich ie die liute des mit volge jehen das. 31,1.
b. um einen neuen satz dem vorigen stärker oder schwächer entgegenzustellen (oft indem nur die rede auf ein anderes, ein entgegenstehendes subject übergeht): von der andern seite, aber auch. des selben waldes herre gruoʒte in harte verre: ouch verstuont her Îwein wol, daʒ er sich weren solde Iw. 46. vrowe, ich habe missetân: zwâre daʒ riuwet mich. ouch ist daʒ gewonlîch, daʒ man dem schuldigen man nâch riuwen sünden vergebe das. 294. si vâhtens bêdenthalben an. ouch ensparten si (die gegenpartei) lîp noch den muot das. 201. des gnâdeten si ime genuoc: ouch gert er urloubes sâ das. 190.
c. um den vorhergehenden satz durch einen zweiten zu verstärken, zu bestätigen, zu erklären: und wirklich auch, und wahr ist es, und demnach etc. unz er den engen stîc vant, den sîn neve Kâlogrêant alsô kûme durch gebrach. ouch leit er grôʒen ungemach Iw. 45. er was benamen der beste, den ich lebende weste: ouch enist eʒ von den schulden sîn, eʒ ist von den unsælden mîn das. 154. ir dienest was wol lônes wert: ouch wæn ich, daʒ sis alsô gnôʒ, daʒ si des kumbers niht verdrôʒ das. 296. er sagte in diu mære, waʒ hie was geschehen; ouch mohte mans die wârheit an sînem rôten helme sehen Nib. Z. 29,64. ouch hêt daʒ wol gedienet der ritter Nib. Lm. 932,4.
2. ouch wird der rede eingeschaltet. dieses ouch bezieht sich entweder auf den ganzen satz (wie nr. 1) oder nur auf einen theil desselben. es wird demnach gebraucht
a. um einen neuen satz beizufügen: auch, ausserdem, zudem, obendrein. daʒ hœret er und ist uns bî: nu kieset ouch, wie küen er sî Iw. 60. sô nement si mir ouch den lîp das. 154. ich weiʒ ir zwêne und ouch niht mê das. 155. dâvon dîn name sî gêret und ouch dîn lop gemêret Walth. 3,22. sô var er balde und kome uns schiere, lâʒe sich niht tœren: irre ouch etelîchen der got und in girret hât das. 10,21. in wâren undertân ouch die besten recken Nib. Z. 2,33. dâmite reit ouch Sîvrit das. 21,63. sîn pflâgen ouch die wîsen das. 5,13.
b. um eine stärkere oder schwächere entgegenstellung anzudeuten, die entweder zwischen sätzen oder zwischen zwei satztheilen stattfindet: aber auch, von der andern seite. doch wære diu eine maget dâwider schiere verclaget. sô wære ouch dirre wirt wol wert Iw. 184. der leu vert mit mir alle zît: ichn vüere in durch deheinen strît, ichn trib in ouch von mir niht das. 197. er zerstach sîn sper unz an die hant. dâ mite wart ouch er gesant ûʒ dem satele das. 102. nû lâ dir niht ze wê sîn nâch dem guote, lâ dirʒ ouch niht zunmære sîn Walth. 22,36. sumer, daʒ ich iemer lobe dîne tage, trôst, sô trœste ouch mîne klage das. 64,19. er tuo durch einer willen sô.... sô tuot in ouch diu eine vrô das. 93,13. dô gedâht ouch Sîfrit an die hêrlîchen meit Nib. Z. 19,54. die sigelôsen recken ze Tenemarken riten. do enhêten ouch die Sahsen sô hôhe niht gestriten das. 33,72.
c. um einen satz anzufügen, der aus dem vorigen folgt, oder ihn verstärkt, bestätigt, erklärt: und wirklich auch, demnach auch. daʒ sint ouch zwêne selhe man, ir ietweder slüege âne wer disses volkes ein her Iw. 155. hie mite was ouch er gereit unde was der êrste an in das. 176. dô lieʒ erʒ ouch belîben das. 201.
d. um bei sätzen wie satztheilen den begriff 'ebensowohl, gleichfalls' auszudrücken. ern lâʒe sich ouch Iw. 60. unt weiʒ eʒ ouch das. 155. der gâhte ouch das. 176. der ouch mîner helfe gert das. 184. der ouch in sîner jugende grôʒer êren vil gewan Nib. Z. 1,44. ich bin ouch ein recke und solde krône tragen das. 17,51. gemeiniglich wird hiebei in der betonung ein unterschied gemacht; bezieht sich ouch auf den ganzen satz, so pflegt ouch in der hebung zu stehen, sonst in der senkung, z. b. des hôrtent ir mich ouch nu jehen Iw. 39, wo sich ouch auf den ganzen satz bezieht; dagegen doch müeʒen wir ouch nû genesen das. 11, wo ouch nur auf nû geht. doch giebt es von dieser regel manche ausnahmen, z. b. daʒ ouch wir pflegen ritterschaft Nib. Z. 18,14.
e. bei swer u. s. w., sowie in fragen und frageweise ausgedrückten bedingungssätzen: irgend, immer; unbedingte allgemeinheit. swer ouch die süeʒen arebeit durch sie ze rehte kan getragen Walth. 92,30. swer ouch anders under in solte sîn Iw. 28. swer ouch dankes missetuo das. 107. swaʒ ouch mir dâ von geschiht das. 157. wie mac er ouch daran verzagen das. 60. weme habt ir ouch iht verseit das. 172. sult ir ouch vor ime genesen das. 131. weste si ouch, welch nôt mich twanc das. 69.
f. in der vergleichung. sîn forme gît denselben schîn, den ouch diu mîne geben kan Engelh. 603. wande eʒ wart nie schœner wîp gesehen stille und überlût dan ouch diu keiserlîche brût an lîbe und an gebærde was troj. bl. 7. a. vgl. Haupt zu Engelh. 448, wo noch mehr beispiele aufgeführt werden. — die stellung des wortes, wo es sich auf einen einzelnen begriff bezieht, ist meistens vor demselben, doch auch ziemlich häufig nach demselben, z. b. mit worten und mit werken ouch Walth. 24,6.