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Orākel

mhd. bis spez. · 10 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
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10 in 10 Wb.
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Orākel

Bd. 15, Sp. 89
Orākel (lat. oraculum, »Spruchstätte«), ein Ort, wo, meist im Namen einer Gottheit durch Vermittelung von Priestern, Weissagungen erteilt werden sowie die Weissagung selbst. Die Zahl der O. war bei den Griechen sehr groß; nach der Offenbarungsart unterschied man Zeichen-, Spruch-, Traum- u. Totenorakel. Das berühmteste Zeichenorakel war das uralte des Zeus in Dodona (s. d.), wo aus dem Rauschen der heiligen Eiche, später auch aus dem Klang eines ehernen Beckens bei Berührung durch die vom Winde bewegten Kettchen einer von einem ehernen Knaben gehaltenen Peitsche geweissagt wurde. Im Zeusheiligtum zu Olympia dienten die Eingeweide der Opfer und der Brand der Opferstücke als Zeichen. Hierher gehören auch die Los- und Würfelorakel, wie das des Herakles zu Bura in Achaja. Am angesehensten waren die fast ausnahmslos mit dem Apollokult verbundenen Spruchorakel, wo von Priestern oder Priesterinnen in ekstatischem Zustand, meist hervorgerufen durch physische Einflüsse, Einatmen von Erddämpfen oder Genuß erregenden Wassers, gesprochene Worte in einen Spruch, oft in Versen, gefaßt wurden. Außer dem berühmtesten aller O. in Delphi (s. d.) gab es zahlreiche solcher im eigentlichen Griechenland, namentlich in Böotien und in Kleinasien, wie das von den Branchiden geleitete in Didyma bei Milet und das zu Klaros bei Kolophon. Durch Traumorakel wurde in Asklepiosheiligtümern, vor allen in dem zu Epidauros, Kranken Bescheid über ihre Heilung gegeben (s. Inkubation). Andre berühmte Traumorakel waren namentlich die der Heroen Amphiaraos in Oropos und Trophonios in Lebadeia. In Totenorakeln erhielt man im Wachen oder Schlaf von den heraufbeschwornen Seelen Verstorbener Offenbarungen; sie beianden sich besonders an Stellen, wo man einen Eingang in die Unterwelt annahm, wie zu Kichyros in Epirus, Heraklea am Pontos, am Vorgebirge Tänaron und am Avernersee bei Cumä in Italien. Auch an ausländische O. wendete man sich, so an das des mit Zeus gleichgesetzten ägyptischen Ammon in der Oase Siwah. Befragt wurden die O. von einzelnen wie ganzen Staaten nicht nur um zukünftige Dinge, sondern überhaupt, wenn man menschlicher Einsicht nicht traute und sich göttlichen Rates bedürftig fühlte. Auf diese Weise haben die angesehenern O., vor allem das in Delphi, zuzeiten großen Einfluß geübt in religiösen und auch politischen Fragen. Wie weit die Priester selbst von der Wahrhaftigkeit ihrer Tätigkeit überzeugt waren, läßt sich nicht entscheiden, aber auch nicht behaupten, daß alles lediglich beabsichtigte Täuschung war. Die sprichwörtliche Dunkelheit und Zweideutigkeit der O. wird allerdings als priesterlicher Kunstgriff zu gellen haben, und daß sich Priester gelegentlich bei der Deutung der vermeintlichen göttlichen Kundgebungen und bei Abfassung der Aussprüche durch weltliche Rücksichten beeinflussen ließen, liegt nahe. Das delphische O. wurde zeitweise geradezu der Parteilichkeit für Sparta beschuldigt. Der Verfall des alten Götterglaubens führte auch den Niedergang der O. herbei; in weitester Ausdehnung erneuerten sie sich in der römischen Kaiserzeit in der ganzen römisch-griechischen Welt; fast alle bedeutendern Tempel, namentlich die zu den griechischen hinzugekommenen ägyptischen und orientalischen Götter, hatten O., oft der verschiedensten Art nebeneinander. Erst Theodosius, Ende des 4. Jahrh., machte dem öffentlichen Orakelwesen ein Ende. In Italien gab es ursprünglich nur Losorakel (s. Sortes); über die Art der Erforschung des göttlichen Willens seitens des römischen Staates s. Auspizien und Sibyllinische Sprüche. Vgl. Wiskemann, De variis oraculorum generibus (Marb. 1835); Wolff, De novissima oraculorum aetate (Berl. 1854); Döhler, Die O. (das. 1872); Hendeß, Oracula graeca (Halle 1877); Bouché-Leclercq, Histoire de la divination dans l'antiquité (Par. 1879–81, 4 Bde.).
3822 Zeichen · 47 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    orakelstm.

    Findebuch (Mhd. Wortschatz) · +1 Parallelbeleg

    * orakel stm. Ot.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Orākel

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Das Orākel , des -s, plur. ut nom. sing. aus dem Lat. Oraculum, nach der Mythologie der Alten, 1) die, gemeiniglich räth…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Orakel

    Goethe-Wörterbuch

    Orakel -ck- B5,62,15 1 (göttliche od prophetische) Weissagung, schicksalhafte, durch Rätselsprüche od Zeichen verkündete…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Orakel

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Orakel , lat. oraculum , im Glauben der Alten ein Ort, wo ein Gott Mittheilungen über die Zukunft gab; der göttliche Aus…

  5. Sprichwörter
    Orakel

    Wander (Sprichwörter)

    Orakel Er ist Herr Orakel; wenn er den Mund öffnet, darf kein Hund bellen.

  6. Spezial
    Orakel

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Ora|kel n. (-s,-) oracul (-ui) m.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit orakel

22 Bildungen · 22 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von orakel 2 Komponenten

ora+kel

orakel setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

orakel‑ als Erstglied (22 von 22)

Orakelblume

SHW

Orakel-blume Band 4, Spalte 1099-1100

Orakelaberglaube

GWB

orakel·aberglaube

Orakelaberglaube [ mBez auf Wallensteins u Senis astrolog Studien als Hintergrundmotiv in ‘Wallensteins Tod’ ] Der moderne Orakel-Aberglaube…

orakelbuch

DWB

orakel·buch

orakelbuch , n. buch mit orakeln: so dasz unbemerkt ihm ich das orakelbuch entzog. Voss Arist., die ritter 116 .

orakeler

DWB

ora·keler

orakeler , m. einer der orakelt: ( es ist ) sehr begreiflich, dasz die düsteren orakeler und geheimpriester abhold waren den lichtforschende…

Orakelfrage

GWB

orakel·frage

Orakelfrage Buch-Orakel [ Überschrift ] . Der..nach einer aufgehellten Zukunft sich umschauende Mensch greift begierig nach Zufälligkeiten, …

orakelgetön

DWB

orakel·getoen

orakelgetön , n. : wo im dampfenden tempel die Pythia sasz auf dem dreifusz, flosz vom munde sogleich hohes orakelgetön. Rückert 6, 210 .

orakelhaft

DWB

orakel·haft

orakelhaft , adj. und adv. im tone eines orakels, orakelmäszig: ein orakelhafter ausspruch u. dergl.; ein ziemlich orakelhafter bescheid! F.…

Orakel II

RhWB

Orakel II Sol (veralt.) n.: nächtl. Fehmgericht gegen Handwerksbrüder, die gegen die Zunftordnungen verstossen hatten, bes. in der Zeit nach…

orakelkünder

DWB

orakel·kuender

orakelkünder , m. : beredefreund. wer bist du? orakeldeuter. ich ein orakelkünder. Rückert nachl. 235 (wahrsager Voss Arist., die vögel 966 …

orakelmärlein

DWB

orakel·maerlein

orakelmärlein , n. : da soll Lamech bald einen mann, bald noch dazu einen jüngling erschlagen haben .. und der mann und jüngling soll, wie d…

orakelmäszig

DWB

orakelmäszig , adj. , vergl. orakelhaft : seine orakelmäszige antwort. Thümmel reise 1 (1791) , 125.

Orakelplan

GWB

orakel·plan

Orakelplan Getrenntschr; Lemmatisierung in Analogie zu ‘Orakelstätte’ (sd) Stätte, Areal, Landschaftsraum, wo ein Orakel seinen Sitz hat 49 …

orakelredend

DWB

orakelredend , partic. : orakelredende wipfel. Voss georg. 2, 16 (der Griechen gewohntes orakel die eiche. Stilling ).

Orakelsinn

GWB

orakel·sinn

Orakelsinn Gehalt, Bedeutung eines Orakelspruchs 39,471 Iph 1 Var [ Zit s v Orakelspruch ] Nikolaus Lohse N.L.

orakelspruch

DWB

orakel·spruch

orakelspruch , m. ausspruch des orakels oder wie eines orakels: ein orakelspruch, den du nicht recht gefaszt. Hofmannswaldau pastor Fido 141…

Orakelstätte

GWB

orakel·staette

Orakelstätte Ort, Sitz eines Orakels [ Liste der von Philostrat beschriebenen Gemälde ] 14. Amphiaraus; Prophet, auf der O. prangend [ Vorst…

orakelwort

DWB

orakel·wort

orakelwort , n. : ich eile fort, hole mir von Delphis dreifusz irgend ein orakelwort. Platen 4, 108 .

orakelzelt

DWB

orakel·zelt

orakelzelt , n. : die kleine hütte ( Moses stiftshütte ) steht vor mir, des ewigen orakelzelt. Herder ebr. poesie 2, 146 .