nähern,
verb. mhd. næheren (
selten),
abgeleitet vom comparativ næher. 11)
transitiv, näher bringen, äuszerlich oder innerlich: wo von der fackel der zaun aufflammt, die der wanderer sorglos näherte, oder vielleicht in dämmernder frühe hinwegwarf. Voss
Ovids verw. 1, 39; wie viel ungleichheit der seelen! wie näher müszte es uns nähern, wenn wir freunde sein sollten. Schiller 1, 364;
mit dativ: nehmt, ihr stunden, nehmt doch flügel, nähert mir das holde licht. Günther 171, 31
Tittm.; er (
der weg) nähert mich dem ziele. Gotter 3, 116; gram und alter näherten den marchese dem tode. Schiller 4, 237;
mit dativ und zu: wem nähert uns jede freude als zu dir? Wieland
suppl. 4, 127. 22)
reflexiv, räumlich oder zeitlich näher heran, hinzu kommen, äuszerlich oder innerlich näher treten: die wagen aber waren so umringt, dasz sich zuletzt niemand mehr nähern konnte. Göthe 30, 89; die stunde nähert sich,
instat hora. Stieler 1319; die nacht sich jetzt genähret hat.
Galmy 73; nachdem sich die zeit nehert. Baumann
quellen 2, 219; nähert sich ihr ende? Gellert
schriften 1, 49; aber im ganzen glaubte ich, hätten wir uns durch die ordensunterhandlung wieder genähert. Gotter 3, 336; in sehr kurzer zeit sind Walter und die dame schon so weit, dasz nur die frage ist, wie man sich nähern (
heimlich zusammen kommen) könnte? Wieland
Oberon 6, 60;
mit dativ: mhd. ich streit ie swâ ich strîten vant, sô daʒ mîn werlîchiu hant sich næhert (
var. nâhete, nâhet) dem prîse (
den ruhm annähernd errungen hat).
Parziv. 472, 7;
nhd. mit diesem gezänk .. näherten wir sich (
uns) der kammern und fanden .. die beide liebger bei einander im bette ligen.
Simplic. 2, 570, 1
K.; wir wuszten, dasz wir uns dem berühmten wasserfall .. näherten. Göthe 16, 156; als wir uns Brieg näherten. 16, 274; sie sprach so schmeichelhaft von seinen talenten, dasz sein herz und seine einbildungskraft sich eben so sehr diesem vorschlage (
schauspieler zu werden) näherten, als sein verstand und seine vernunft sich davon entfernten. 19, 83; ich horchte an dem lohnbedienten, der sich mir,
[] jedoch nur langsam ... näherte (
vertraulich und mittheilsam wurde). 16, 213; und näherte dem feinde sich, mit gleichem groszem schritt. Gleim
kriegsl. 2, 69
neudruck; ähnlicher werden, gleichkommen: wie die gestalten, sahen wir auch die kräfte und triebe sich ihm (
dem menschen) nähern. Herder
ideen 1, 238; je mehr er (
zärtlicher affekt) sich derjenigen wollust nähert, die
u. s. w. Wieland 1, 119; Pestalozzi bemerkt ganz gut, dasz die groszen unserer zeit sich in gesicht, kleidung .. den Asiaten täglich nähern. J. Paul
Titan 2, 79.
mit den präpositionen gegen, zu: da man vermeinet sich gegen der person, so man verlanget, zu nähern.
Amadis 157
K.; folgendts nähert er sich gegen dem Amadis, und sagt. 222; der juncker sich gegen im nähert. 95; dasz er sich gegen dem ort nähert, da seine Oriana war. 135; darumb nähert er sich zu seinem gefangnen, und sagt. 116; und näheret sich zu seinem feind. 126; wie sie geschwind gewesen sich zu ihm zu nähern, als er zu boden gelegen, also eilten sie hernach hindersich zu weichen. 133; als er zu dem Galaor sich genähert. 266; wir nähern uns alle stunde zum tode. Stieler 1319; wie zu Rachel sich Jemina nähert, als wollte sie ihr helfen. Klopstock
Mess. 17, 590; drauf folgt in stillen grotten ein bad, zu dem Almansor selbst .. .. sich niemals nähern darf. Wieland
Oberon 11, 4;
mit einem adverb der richtung dahin, hinzu, herzu, zusammen: entwürfe von alten grabmonumenten, gefäszen und andern dahin sich nähernden (
ähnlichen, verwandten) dingen. Göthe 17, 209; in diesem gespräch nähert sich Amadis hinzu.
Amadis 147
K.; da nähert sich auch der könig hinzu, derwegen sie sich alle hinzu näherten. 171; als der ander sich hinzu nähert. 369; welches zill und termin sich denn herzu nähert. 391 (
s. auch herzu, hinzu
th. 4, 2, 1263
u. 1550); als wir uns zusammen necherten.
F. Platter 219
B. 33)
intransitiv mit der bedeutung des reflexivs: bis der nähernde tod die seel aus dem befleckten staub aufweckt. Geszner 1, 226;
mit dativ: mhd. sô næhert ir dem prîse.
Parz. 612, 3
var.; nhd. indessen näherten wir dem diebs-thurn.
Simpl. 1, 125, 2
K.; wenn ich einst dem tode nähere, laszt dieses lied das letzte sein, was ich höre.
Dyanasore 3, 222; ein ziel, das wir nie ergreifen werden, wiewohl wir ihm ewig nähern. Wieland 3, 383; mit meinem unglück, was mir nähert.
Oberon 7, 67; nähern zu: des menschen augen næhernt (
var. nâhend) mêr zuo ainander (
stehen näher beisammen) denn anderr tier augen nâch des menschen grœʒ. Megenberg 115, 11; hinzu nähern: dasz ihrer keiner hinzu nähern dorffte.
Amadis 190
K.