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Mummel

nhd. bis Dial. · 9 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Adelung
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13 in 9 Wb.
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Mummel

Bd. 3, Sp. 307
Der Mummel, des -s, plur. ut nom. sing. im gemeinen Leben, der Nahme eines erdichteten Ungeheuers, womit man die Kinder fürchten macht, und welches durch eine vermummte Person[] vorgestellet wird; an einigen Orten Mummanz, Mummelmann, Mummelbätz, Mummelack, (Lat. Acco,) bey dem Cäsarius von Heisterbach Mummark. Ungeachtet der Verkleidung, welche gemeiniglich mit der Vorstellung und Aufführung eines Mummels verbunden zu seyn pflegt, so stammet dieses Wort doch unstreitig von dem brummenden Laute Mum, Mum her, welchen der vorgegebene Mummel von sich hören lässet, und welcher so alt ist, daß dieses Schreckbild der Kinder schon im Griech. Μομμω heißt. Indessen sind dieses mum, mum, und der Begriff der Verkleidung, Vermummung, genau mit einander verwandt, weil eine im Gesichte verhüllte Person diesen Laut am leichtesten und gewöhnlichsten hervor bringen kann. Statt dieses Lautes ist an vielen Orten auch der Laut bau, bau, oder wau, wau üblich, im Ital. bau, bau, und baco, baco; daher wird der Mummel auch in vielen Gegenden der Baubau oder Wauwau, Ital. il Baubau, im Nieders. Bumann, im Holländ. Bietebaw, ohne Zweifel von dem Nieders. biten, beißen, genannt. Unser Hochdeutsches Popanz scheinet eben daher zu stammen. Das Oberdeutsche Butzemann kommt wohl von dem veralteten Butze, eine Larve, her, wovon auch die Nieders. Budde, Buddeke, Butke, alle in der Bedeutung dieses Mummels, abstammen können, wenn sie nicht gleichfalls den Laut bu, bu zum Grunde haben. In den Nieders. Benennungen des Mummels Bullkater, Bullenmann, Bulol, Liefländ. Bubbul, Holländ. Bulleman, Engl. Boggle-Boe, u. a. m. erkennet man einen ähnlichen Laut. Viele andere Nahmen hat Popowitsch in seinem Wörterb. S. 521 gesammelt. Es ist ein sehr altes Vorgeben, daß der Mummel die ungezogenen Kinder fresse. Er heißt um deßwillen schon bey dem Plautus Manducus und Manduco, und auch im Deutschen in einigen Gegenden der Kinderfresser, im Hennebergischen der Freßmann, in Westphalen die Etheniune, von eten, essen, wo man ihn als ein altes fürchterliches Weib vorstellet. Übrigens wird er in Westphalen auch Watermöme, Wassermöhme, und im mittlern Lateine von seiner bärtigen Larve Barbualdus genannt. Zum Beweise wie sehr sich der Mensch und seine Art zu denken und Wörter zu bilden in allen Jahrtausenden und unter allen Himmelsstrichen gleich ist, will ich hier bemerken, daß die Mandingoer, eine Neger-Nation am Senegal in Afrika, eben einen solchen Mummel haben, die Weiber im Zaume zu halten, als derjenige ist, mit welchem man in Deutschland die Kinder schreckt. Er ist ein fürchterlich verkleideter Mann, welcher einen schrecklichen Lärmen macht, die ungezogenen Weiber zu fressen droht, und sogleich gehohlt wird, wenn sich eine Frau mit ihrem Manne zankt, welche denn eben so sehr vor ihm zittert, als ein Deutsches Kind vor seinem Mummel. Weil er seine Ankunft gleichfalls mit dem brummenden Laute mum, mum, ankündiget, so wird er daselbst der Mumbo Jumbo genannt; ein Nahme, welcher unserm Mummel so ähnlich ist, als das Schreckbild selbst. In Deutschland hat man für verschiedene Zeiten auch verschiedene Arten von Mummel. In Franken lässet sich am Feste der Erscheinung Christi die Berch oder Brech sehen, welche ihren Nahmen vermuthlich von dem Brechentage, dem alten Oberdeutschen Nahmen dieses Festes, hat; in Baiern heißt sie die Frau Berst, welche den Kindern den Bauch aufschneidet, und daselbst ihr Amt das ganze Jahr verwaltet. In ganz Deutschland schreckt man um diese Zeit von Weihnachten an mit dem Knechte Ruprecht, der den heil. Christ. begleitet; S. Ruprecht. In Österreich und Baiern hat man am Nicolai-Tage vor Weihnachten den Klaubauf, welcher in Gesellschaft des heil. Nicolai herum gehet, die ungezogenen Kinder zu bestrafen, anderer zu geschweigen.[]
3776 Zeichen · 42 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Mummel

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Der Mummel , des -s, plur. ut nom. sing. im gemeinen Leben, der Nahme eines erdichteten Ungeheuers, womit man die Kinder…

  2. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Mummel

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Mummel , s. Nuphar und Nymphaea .

  3. modern
    Dialekt
    Mummel

    Elsässisches Wb. · +7 Parallelbelege

    † Mummel I in der Rda. ‘mummels spielen’ zum Spass schrecken bei Fisch. ‘wann ein Vatter mit dem Kind mummels spielt’ Ga…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit mummel

67 Bildungen · 50 Erstglied · 13 Zweitglied · 4 Ableitungen

Zerlegung von mummel 2 Komponenten

mum+mel

mummel setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

mummel‑ als Erstglied (30 von 50)

Mummel I

Idiotikon

Mummel I Band 4, Spalte 227 Mummel I 4,227

Mummel II

Idiotikon

Mummel II Band 4, Spalte 227 Mummel II 4,227

Mummelbart

RhWB

mummel·bart

Mummel-bart my- Ess m.: einer, der in den Bart brummt, undeutlich spricht.

Mummelbiene

PfWB

mummel·biene

Mummel-biene f. : 'Hummel', Mummelbien [ PS-Fehrb ]; vgl. PfWB Mummel 3; Syn. s. PfWB Hummel 1. —

Mummelblume

PfWB

mummel·blume

Mummel-blume f. : 'Taubnessel', -blumm [LA-Mart ( Wilde 242)]. SHW Südhess. IV 814 and. Bed. —

mummelen

KöblerMnd

mumm·elen

mummelen , sw. V. nhd. murmeln, leise die Lippen bewegen, brummen, heimlich reden ÜG.: lat. murmurare Hw.: vgl. mhd. murmelen (1) Q.: Nic. G…

Mummeler

PfWB

mumme·ler

Mummeler 1 m. : 1. 'mürrischer Mensch, Griesgram', Mummeleʳ [ KB-Kriegsf ]. — 2. 'Mensch, dem (infolge von Mumps) die Backen geschwollen sin…

mummelesser

DWB

mummel·esser

mummelesser , m. verhüllte schreckgestalt und kinderfresser ( th. 5, 736): dann die gestalt des kreuzes hat unzweifelhaft solche kraft, dasz…

Mummelgreis

Pfeifer_etym

mummel·greis

mummen Vb. ‘dumpf und undeutlich reden, brummen, murmeln’ (16. Jh.), dazu das Iterativum mummeln (s. unten); vgl. auch nl. (mundartlich) mom…

Mummelholz

RhWB

mummel·holz

Mummel-holz mu- Dür-Lüxh n.: in der Dunkelheit leuchtendes, vermodertes Holz.

Mummelīe

WWB

mumme·lie

Mummelīe f. geheimnisvolles Flüstern ( Kr. Herford Hfd Db).

mummelig

PfWB

mummelig Adj. : ' dick, fett, wohlgenährt ' [KL-Lind ( Höh 157) PS-Lu'wink]; vgl. PfWB Mummel 2, PfWB bummerig , PfWB bumpelig , PfWB mockel…

Mummel II

RhWB

Mummel II = Hummel s. bei mummeln II.

Mummelimaⁿⁿ N

Idiotikon

Mummelimaⁿⁿ N. Band 4, Spalte 229 Mummelimaⁿⁿ N. 4,229 A

Mummelisureⁿ

Idiotikon

Mummelisureⁿ Band 7, Spalte 1291 Mummelisureⁿ 7,1291

Mummelkalb

PfWB

mummel·kalb

Mummel-kalb n. : 'männliches Kalb', Mummelkalb [ NW-Haßl Speyd SP-Schiffstdt LA-Burrw GH-Büchbg Freisb Hagb Kand Max'au Minf Neubg Wörth ]; …

mummelkappe

DWB

mummel·kappe

mummelkappe , f. einhüllende, vermummende kappe: ein kohlkopf, behängt ihr ihn mit einer mummelkappe, er ähnt dem menschenhaupt aufs haar. W…

mummel als Zweitglied (13 von 13)

Bärenmummel

PfWB

baeren·mummel

Bären-mummel m. : Schreckgestalt, die Kinder ängstigen soll, Bäremummel [ BZ-Wind ]. Syn. s. Butzemann . —

Butze(n)mummel

Idiotikon

Butze(n)mummel Band 4, Spalte 227 Butze(n)mummel 4,227

Butz(e)mummel

LothWB

butze·mummel

Butz(e)mummel [bùdsəmùməl Ri. ] f. Frauenzimmer mit schlecht sitzenden Kleidern. — ElsWB els. 1, 680 ebenso.

butzenmummel

DWB

butzen·mummel

butzenmummel , m. dasselbe: unverständige eltern und loses gesinde, welche die kinder mit dem mummel, butzenmummel, langen mann, dem schwarz…

Farr(en)mummel

PfWB

farren·mummel

Farr(en)-mummel m. : 1. a. = PfWB Farr 1, Farremummel [LU-Altr (neben Farre u. Faʳʳn ) SP-Ottstdt Spey LA-Venn Impfl GH-Schwegh (neben Faʳʳ …

G(e)mummel

Idiotikon

G(e)mummel Band 4, Spalte 227 G(e)mummel -ü- 4,227

gemummel

DWB

gem·ummel

gemummel , gemümmel , n. gemurmel, gesumm u. ä. 1 1) gemummel admurmuratio, susurrus, strepitus qualis est garrientium Henisch 1488 , murmur…

Honigmummel

PfWB

honig·mummel

Honig-mummel f. : = PfWB Honighummel , Hunichmummel [ PS-Hengsbg ]; vgl. PfWB Mummel . —

Prunsmummel

RhWB

Pruns-mummel -unts-, Pl. -əln (s. o. bei Prundel, prundeln ) vereinzelt NBerg in Lennep-Radevormwald f.: verächtl. Weib, das geschmacklos ge…

schwertmummel

DWB

schwert·mummel

schwertmummel , f. die zu den nymphäaceen gehörigen pflanzen, ambrosiana. Oken 3, 454 . vgl. DWB mummel 4, th. 6, 2661.

Ableitungen von mummel (4 von 4)

bemummelen

WWB

be-mummelen V. bemommeln betrügen ( Kr. Münster Mün Mü).

gemummel

DWB

gemummel , gemümmel , n. gemurmel, gesumm u. ä. 1 1) gemummel admurmuratio, susurrus, strepitus qualis est garrientium Henisch 1488 , murmur…

Mummele

ElsWB

Mummi II , meist aber Demin. Mummele [Mùmi Hüss. ; Mùmələ Hüss. Katzent. ; Pl. Mùmlə Bf. Barr Str. ] m. Laus (Kindersprache). — Idiotikon Sc…

vermummelung

DWB

vermummelung , f. verhüllung. übertragen: ob einige sophisterei und tückische vermummelung in den artikeln gebraucht sei. Melanchthon 9, 619…