lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

Mergel

mhd. bis spez. · 17 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
Anchors
17 in 17 Wb.
Sprachstufen
8 von 16
Verweise rein
65
Verweise raus
17

Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Mergel

Bd. 13, Sp. 630
Mergel (franz. Marne), Gestein, semiklastisches Gemenge von Calciumkarbonat oder Calciummagnesiumkarbonat (dolomitischer M.) mit Ton, der bei Behandlung mit Salzsäure als Tonschlamm ungelöst zurückbleibt. Kalkige M. brausen mit Säure stark, dolomitische M. nur schwach; beim Anhauchen empfindet man Tongeruch. Je nach dem Tongehalt, der zwischen 15 und 60 Proz. schwankt, unterscheidet man tonärmere Kalkmergel und tonreichere Tonmergel; erstere zeigen oft Übergänge in Kalkstein, letztere in Ton (Schieferton). Durch reichliche Beimengung von Quarzkörnern entsteht der Sandmergel. Nicht selten wird der M. dunkelgrau bis tiefschwarz durch beigemengte organische Substanzen (bituminöser oder Stinkmergel, Brandschiefer, Ölschiefer). Auch in Konsistenz, im Anfühlen, das meist mager, im Ansehen, das meist matt, und in der von Weißlich bis Dunkelgrau wechselnden, oft infolge eines Eisengehalts ins Rötliche oder Grünliche abändernden Farbe zeigt der M. große Verschiedenheiten. Er findet sich erdig als Mergelerde, dicht mit erdigem Bruch als gemeiner oder verhärteter M., dicht mit unebenem bis muscheligem Bruch, und dann oft mit kieseligem Bindemittel, als fester Steinmergel. Die M. erscheinen häufig schieferig bis dünnschieferig, mitunter reich an kleinen Glimmerblättchen (Glimmermergel, Schiefermergel, bei festerer Beschaffenheit Mergelschiefer). Die dunkeln, bituminösen, schieferigen M. enthalten oft sein verteilt oder in Form von Konkretionen Eisenkies und Markasit, ausnahmsweise auch Kupfer-, Blei- und Silbererze (Kupferschiefer). Die M. bilden häufig ganze Schichtkomplexe; verhärtete und Steinmergel kommen aber auch in Form von mannigfach gestalteten Konkretionen (Mergelnieren, s. Konkretionen und Adlersteine) in vielen tonigen oder mergeligen Gesteinen vor. Beim Verwittern blättert sich der M. auf oder zerfällt in kleine, eckige Stücke. Schließlich liefert er einen fruchtbaren, lehmigen, kalk- und tonhaltigen, kurzweg als Mergelboden bezeichneten Boden, der durch einen wenn auch kleinen Gehalt an Alkalien, durch Reichtum an alkalischen Erden und an löslicher Kieselerde, oft auch durch Gehalt an Phosphorsäure- und Chlorverbindungen zu den ergiebigsten Bodenarten gehört, die wir kennen. Er verbindet die wasserhaltende Kraft des Tones mit der raschen Erwärmung und Auflockerung des Kalkbodens. Sandiger Kalkmergelboden ist das Ideal der Zusammensetzung eines Ackerbodens. Die M. sind in allen sedimentären Formationen verbreitet. Besonders reich an mannigfach gefärbten Mergeln ist der Keuper (daher bunte M., marnes irisées); sie schließen oft Gips in dünnen Lagen und Adern ein (Gipsmergel). Von dunkeln Streifen und Flammen durchzogene graue M. (Flammenmergel) sowie mit Glaukonitkörnern gemengte M. (Glaukonitmergel, Grünsandmergel, auch wohl chloritische M. genannt, Pläner) kommen in der Kreide und in der Tertiärformation vielfach vor. Oolithische M., d. h. Kalkoolithe mit tonig-mergeligem Bindemittel, sogen. Rogensteine, treten bankartig im Buntsandstein am Harz auf. Auch im Diluvium und in den jüngsten Ablagerungen des Meeres und der süßen Wasser findet sich M., oft reich an Muschel- und Schneckenschalen (Muschelmergel). Man benutzt die M. als Dungmittel auf kalkarmem Boden, besonders auf Torf- und Sandboden (Mergeln, vgl. Dünger und Düngung, S. 280; dazu die Schriften von Heinrich: »M. und Mergeln«, Berl. 1896, und Bechtel: »Kalken und Mergeln«, Wien 1900); die Glaukonitmergel auch wegen ihres Gehalts an Kalium; viele M. sind zur Herstellung von hydraulischem Mörtel (Zement) vorzüglich geeignet (Zementmergel, Zementsteine).
3606 Zeichen · 49 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    MERGELstm.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +2 Parallelbelege

    MERGEL stm. vom lat. marga . ahd. mergil . mergel. mergel gypsus gl. florian. 18, vgl. fundgr. 1,383. b. mergel domit ma…

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    mergelM.?

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    mergel , M.? nhd. Mergel, zum Düngen verwendete fette Lehmart ÜG.: lat. glarea Hw.: s. mergel (2)?; vgl. mhd. mergel, mn…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Mêrgel

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Der Mêrgel , S. Adelung Märgel .

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Mergel

    Goethe-Wörterbuch

    Mergel mineralog u geol: hauptsächlich aus Ton und Kalk bestehendes Sedimentgestein; vereinzelt spezifizierend ‘dissemin…

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Mergel

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Mergel , Kalkerde mit wenigstens 10 Procent Thonerde. Der gemeine M., wie er in den Diluvialgebilden vorkommt, ist eine …

  6. modern
    Dialekt
    Mergelm.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Mergel m. : wie schd., Mäʳjl (mäÄjl) [ Schnekkenburger 20, 56]. Südhess. IV 634 ; Rhein. V 1085 .

  7. Sprichwörter
    Mergel

    Wander (Sprichwörter)

    Mergel 1. Der Mergel hält dreissig Jahr. ( Köln. ) – Boebel, 134. 2. Mergel macht den Vater reich und den Sohn arm. – Ei…

  8. Spezial
    Mergel

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Mer|gel m. (-s) ‹geol› pera da tai f. , marna (-nes) f.

Verweisungsnetz

69 Knoten, 59 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 5 Hub 1 Kompositum 52 Sackgasse 11

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit mergel

60 Bildungen · 57 Erstglied · 2 Zweitglied · 1 Ableitungen

Zerlegung von mergel 2 Komponenten

mer+gel

mergel setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

mergel‑ als Erstglied (30 von 57)

Mergelwein

SHW

Mergel-wein Band 4, Spalte 633-634

mergelartig

GWB

mergel·artig

mergelartig [ mBez auf JCWVoigts ‘Mineralogische Reisen durch das Hzgtum Weimar u Eisenach’ (1781-1785) ] Gelmerodaer Höhe im Durchschnitt..…

Mergelbodem

RhWB

mergel·bodem

Mergel-bodem -əl(ts)- Allg. verbr. wie Mergel 1 m.: leichter Ackerboden, stark mit Mergel untermischt.

mergelbrâde

MNWB

mergel·brade

° mergelbrâde aus Tiermark hergestelltes Gericht (Brschw. Jb. 37, 46). Zu march/merch.

mergelbrāde

KöblerMnd

mergelbrāde , F., M. nhd. aus Tiermark hergestellter Braten (M.) E.: s. mergel (2), brāde L.: MndHwb 2, 962 (mergelbrâde) Son.: örtlich besc…

mergelbrēde

KöblerMnd

mergelbrēde , F. nhd. „Mergelbreite“ (ein Flurstück) E.: s. mergel (1), brēde (1) L.: MndHwb 2, 962 (mergelbrê[i]de)

mergelbrēide

KöblerMnd

mergelbrēide , F. Vw.: s. mergelbrēde

Mergelditzchen

RhWB

Mergel-ditzchen Bo-OBachem Sechtem n.: Lösskindchen; s. M.kindchen.

Mergelepoche

GWB

mergel·epoche

Mergelepoche erdgeschichtliche Epoche der Entstehung von Mergelformationen (im Zshg kristalliner Bildungskraft der Natur); pl B26,348,19 Leo…

Mergelflöz

GWB

mergel·floez

Mergelflöz Die Gelegenheit, daß Ihro unserer Großherzogin von Weimar Königl. Hoheit mir befehlen Ew. Hochwohlgeb. ein Stück des bey Dornburg…

Mergelgestein

GWB

mergel·gestein

Mergelgestein Krystallberg..wo man bei..Sonnenschein die Äcker von..tausend kleinen Bergkrystallen widerschimmern sieht. Sie haben ihren Urs…

Mergelgewanne

PfWB

mergel·gewanne

 Mergel-gewanne f. : FlN; a. 1420: Item eyn morgen uff der mergel gewanden [Prot. Pfarrarch. LA-Impfl].

mergelgrube

DWB

mergel·grube

mergelgrube , f. grube in welcher mergel gewonnen wird: tief ins gebröckel, in die mergelgrube war ich gestiegen. A. v. Droste-Hülshoff ged.…

mergelgrund

DWB

mergel·grund

mergelgrund , m. grund eines ackers oder landstückes, der mergel hält: mergel-, sand- oder moorgrund. Möser patr. phant. 1, 338 .

mergelgrōve

KöblerMnd

mergel·grōve

mergelgrōve , F. nhd. Mergelgrube E.: s. mergel (1), grōve (1) W.: s. nhd. Mergelgrube, F., Mergelgrube, DW 12, 2091? L.: MndHwb 2, 962 (mer…

mergelhûbe

Lexer

mergel·hube

mergel-hûbe swf. BMZ swâ mergelhûben ( im alt dr. 59 kleuberhauben) und beckelhûben beginnent gên ein ander strûben Renn. 11456. nach Bech's…

mergelhūbe

KöblerMhd

mergelhūbe , sw. F. nhd. eine Haube? Q.: Renner (1290-1300) E.: s. mergel, hūbe (1)? W.: nhd. DW- L.: LexerHW 1, 2110 (mergelhûbe), Benecke/…

mergelig

RhWB

mergelig Verbr. wie M. Adj.: m.haltig, vom Ackerboden.

Mergel II

RhWB

Mergel II me·r.jəl, –i- [ Eup -ę- ] < mlat. margila Rip in Sieg , MülhRh , Eusk , Rheinb , Bo , Köln , Bergh , Dür , Jül , SNfrk in Eup , Ge…

mergelkalk

DWB

mergel·kalk

mergelkalk , m. aus mergelerde gebrannter kalk, sparkalk, erdkalk. Jacobsson 4, 200 b .

Mergelkaule

RhWB

mergel·kaule

Mergel-kaule -əltskū:l Allg. f.: Grube, in der Mergel als Dünger gegraben wurde.

mergel als Zweitglied (2 von 2)

schmergel

DWB

schmer·gel

schmergel , m. 1) nebenform zu schmerbel ( s. d. ); namentlich für ranunculus ficaria, scharbock: lauft aus, ihr kleinen götter, bringt fris…

Ableitungen von mergel (1 von 1)

Gemergel

PfWB

Ge-mergel n. : ' Eingeweide des Schlachttieres ', Gemeʳl [ HB-Peppk ]. Syn. s. Geraube 1. Vgl. Rhein. V 1086 mergeln 'mit stumpfem Messer sc…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „mergel". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 18. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/mergel/meyers
MLA
Cotta, Marcel. „mergel". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/mergel/meyers. Abgerufen 18. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „mergel". lautwandel.de. Zugegriffen 18. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/mergel/meyers.
BibTeX
@misc{lautwandel_mergel_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„mergel"},
  year         = {2026},
  howpublished = {lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern},
  url          = {https://lautwandel.de/lemma/mergel/meyers},
  urldate      = {2026-05-18},
}