Eintrag · Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA)
liod
bei O, im L, in NMC, Nps, im Ph:
‚(Preis-)〈Var.:
Lied, Gesang, Lobgesang; canticum, cantile-
na, carmen, hymnus, melos, tropus‘
-eo-, -ie-, -i-; -th, -t〉. Beim Nom.Sg. leo-
den in Gl. 1,80,30 Pa ist die Endung -en
vom lat. Lemma carmen übernommen (vgl.
Splett 1976: 143). Die späten Belege mit
ausl. -t (Npw und Gl. 3,231,46 [Clm. 2612,
12. oder 13. Jh., Wien, Cod. 2400, Anfang
des 13. Jh.s]) zeigen bereits die mhd. Aus-
lautverhärtung. – Mhd. liet st.n. (pl. liet und
lieder)
‚Gesangsstrophe, strophisches Ge-, in der Wendung (jmds.) liet
dicht, Lied‘
singen
‚jmds. Willen folgen‘, sprw. swes
brôt man ezzen will, des liet sol man ouch
singen gerne
‚man soll die Meinung dessen(Mhd. Wb. 1, 1029; latinisiert
vertreten, von dem man (wirtschaftlich) ab-
hängig ist‘
cuius enim panem manduco, carmina canto;
vgl. H. Schwarz, PBB 75 [1953], 363 f.),
frühnhd. lied n., nhd. Lied n.
‚auf eine Me-, in den Wendungen von etw.
lodie gesungenes (lyrisches) Gedicht, epi-
sche Dichtung‘
ein Lied singen können
‚über etw. aus ei-, das Ende vom Lied
gener, meist unangenehmer Erfahrung be-
richten können‘
‚der, sprw. wes Brot ich
Ausgang einer Sache‘
ess‘, des Lied ich sing‘ (s. o.).