Eintrag · Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA)
lector
GB, in Gl. 2,50,10 (2. Viertel des 9. Jh.s).
86,27 (Mitte des 9. Jh.s). 147,35 (2. Drittel
des 9. Jh.s); 3,689,42 (2. Hälfte des 9. Jh.s)
und in weiteren Gl., häufig im SH:
‚Lesepult,〈Var.: ledd-, lecht-; -ir, -er〉. Das
Vortragspult, Kanzel; ambo, anabrathum,
analogium, lectorium, pluteum, pulpitum,
tribunal‘
Wort ist aus mlat. lectorium n.
‚Lesepult‘
entlehnt. Dabei wurde die Graphie -ct- als
gelehrte Schreibung bewahrt. Das lat. unbe-
tonte e bleibt im Ahd. erhalten (vgl. Franz
1883: 24. 38f.). In Gl. 3,127,45 leddar (SH,
Anfang des 13. Jh.s) und 252,16 ledder (SH,
13. Jh., obd.) ist der Guttural bereits an den
Dental assimiliert. – Mhd. lecter, lector st.m.
‚Lehrpult auf dem Chor‘, daneben lectner
st.m. und assimiliertes letter, lettener st.m.
‚Lehrpult auf dem Chor der Kirche, Kan-. Die n-haltigen Va-
zel, Chor in der Kirche‘
rianten lectner und lettener haben wohl mlat.
lectorinum, lectrinum n.
‚Lesepult‘zur Grund-
lage. Frühnhd. lector, lecter m.
‚Lesepult‘,
daneben assimiliertes letter m., selten letner
m.
‚Lesepult, Trennwand zwischen Laien, nhd. mdartl.
und Klerikern, Emporkirche‘
S1165lectri, lecteri 1166
rhein. veralt. letter n.
‚Chorstuhl‘, nhd. Lett-
ner m.
‚Querbühne zwischen Schiff und.
Chor der Kirche‘