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kunnen

ahd. bis Dial. · 11 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

MWB
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Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)

kunnen

kunnen Prät.-Präs. (III) mit Stammvokal a im Sg. Indik. Präs., u in den übrigen Formen (daneben vor allem Omd., Ofrk. und Alem. seit der 2. Hälfte des 13. Jh.s im Prät. zunehmend gesenkt zu o); vgl. Mhd. Gr. (KSW) 2,895-898 und 903 (§ V 187), dort auch zu selteneren Formen, sprachlandschaftlichen Besonderheiten und Vorkommen von Umlautmarkierungen. – Ind. und Konj. Prät. sind an der Form i.d.R. nicht zu unterscheiden, vgl. 2 5Mhd. Gr. § M 97; Mhd. Gr. (KSW) 2 § V 187. – ein Part.Prät. fehlt im Mhd., in Mhd. Gr. (KSW) und dort ausgewerteter Lit. ist es nur einmal und spät bezeugt (hette gekunt HvFritzlHl 15,8 unten unter 1.1.7); die Konstruktion mit dem sog. Ersatzinf. (vgl. 2 5Mhd. Gr. § S 34,3) ist für ~ im Mhd. noch nicht belegt. – die seit dem 12. Jh. auftretende Fügung Prät. + Inf. Perf. (kunde gelobet hân, geschehen sîn), bezeichnet den Irrealis der Vergangenheit (nhd. ‘hätte zu preisen verstanden, hätte geschehen können’); gleichbedeutend konnte zuvor (und weiterhin daneben) Prät. + Inf.Präs. (kunde loben, geschehen) gebraucht werden, vgl. 2 5Mhd. Gr. § S 11 mit Lit.; zur Variation der beiden Fügungen mit Modalverben in der Überlieferung des Nib vgl. Braune, PBB 25 (1900), S. 33-38, mit ~ besonders S. 37f. – als Beleg für (sonst nicht bezeugten) Imp. wird in der Lit. (Frnhd. Gr. § M 140 mit Weinhold, Mhd. Gr. § 413) irrtüml. Rennew 765 angeführt (zu → kunnen swV.!). – Gliederung: Unter 1. wird der Gebrauch als Vollverb beschrieben, unter 2.-5. die Gebrauchsweisen mit Infinitivrektion; in 2. und 3. macht ~ wie in 1. eine Aussage über das Subj., während es in 4. die Aussage des Infinitivverbs modalisiert; 2. hängt semantisch enger mit 1. zusammen (‘können’ aufgrund von Wissen, erlernter Fähigkeit); 3., ‘können’ aufgrund körperlicher oder seelischer Kraft, zeigt überwiegend negierten Gebrauch, ist aber nicht immer deutlich von 2. zu trennen; 4., der modalisierende Gebrauch i.S. objektiver Möglichkeit, kommt vor allem mit unpers., einen Zustand bezeichnenden oder passivischen Infinitivverben und mit nicht-agentiven Subjekten vor; 5. ist eine schwierig zu deutende Restgruppe. 1 ‘etw. kennen, wissen, verstehen, sich auf etw. verstehen, kundig sein in Bezug auf etw.’ ; bezeichnet i.d.R. ein auf Tätigkeit und Handeln (z.B. auch Lehre) bezogenes Wissen, eine erlernte Fähigkeit
1.1 mit Akk.d.S.; bei den Bezugsgrößen handelt es sich um
1.1.1 etw., was man aufzusagen weiß
1.1.2 den Verlauf von Straßen und Wegen, Reiseweg
1.1.3 die Heilkraft von Kräutern
1.1.4 eine Sprache
1.1.5 Bücher, Schriften (besonders die hl. Schrift)
1.1.6 das Recht
1.1.7 Liebe
1.1.8 verschiedene Handwerke, Fertigkeiten, Künste, Wissenschaften ( liste , wîsheit , künste )
1.1.8.1 allgem.
1.1.8.2 besonders
1.1.9 höfisches Benehmen
1.1.10 (un)moralisches Handeln
1.2 in engerer Verbindung mit dem Akk. eines Indefinitums ( iht, niht, vil, wunder ‘viel’ , usw.), das nicht weiter ergänzt ist
1.3 mit Präp.-Obj.
1.3.1 das Obj. ist ein Abstraktum (Handwerk, Fertigkeit, Kunst, Wissenschaft usw.)
1.3.1.1 an etw.
1.3.1.2 in etw.
1.3.1.3 mit etw.
1.3.1.4 von etw.
1.3.1.5 ze etw.
1.3.2 mit einer Person (auch mit Gott, mit einem Tier)
1.4 mit Obj.-Satz (bei koordiniertem wizzen )
1.5 phras., verneint mit verre, baz ‘nicht weiter wissen, es nicht besser verstehen’
2 mit Inf., ‘(aufgrund einer erlernten Fähigkeit, Einsicht oder Kenntnis) etw. zu tun wissen, verstehen, sich darauf verstehen, etw. zu tun’ ; der Inf. bezeichnet
2.1 Wissen, Verstehen, Erkennen, Erforschen, Ausdenken
2.2 Mitteilen, Darlegen, Lehren von Wissen, Erkenntnissen
2.3 die Ausübung verschiedener künste und liste (vgl. oben 1.1.8 )
2.4 Geschicklichkeit allgemein
2.5 (un)moralisches Handeln
2.6 höfisches Benehmen
2.7 Fähigkeiten von Tieren
3 mit Inf., ‘(aufgrund seelischer oder körperlicher Kraft, gestattet durch äußere Umstände) imstande, in der Lage sein, etw. zu tun’ ; meist negiert
3.1 negiert, ‘nicht imstande, in der Lage sein, etw. zu tun’ ; Hinderungsgründe sind
3.1.1 seelische Verfassung / Disposition
3.1.2 physische Schwäche
3.1.3 äußere Umstände
3.2 nicht negiert
4 mit Inf.; drückt Möglichkeit (negiert: Unmöglichkeit) dessen aus, was das Hauptverb aussagt
4.1 Präs.
4.1.1 Ind.
4.1.2 Konj.
4.2 Prät.
4.2.1 faktisch
4.2.2 Potentialis (auf Gegenwart oder Zukunft bez.)
4.2.3 unerfüllter Wunsch
4.2.4 Irrealis (auf Vergangenheit bez.)
4.2.4.1 mit Inf. Präs.
4.2.4.2 mit Inf. Perf.
5 mit Inf., ‘pflegen, zu’ ? eine Reihe von Belegen wird traditionell teils als rein umschreibend / pleonastisch (häufig vor allem bei Wolfram), teils als Bezeichnung eines Habitus gedeutet (vgl. BMZ 1,806,45: ‘meine Natur, meine Sitte bringt es mit sich’ , mit unklarer Belegzuordnung; DWB 5,1739-41 [Hildebrand]: können II,6; Kahl, können und mögen, S. 32f.; Fritz, Modalverben, S. 49); Beispiele, die am ehesten diese Lesart stützen könnten
   1 ‘etw. kennen, wissen, verstehen, sich auf etw. verstehen, kundig sein in Bezug auf etw.’; ~ bezeichnet i.d.R. ein auf Tätigkeit und Handeln (z.B. auch Lehre) bezogenes Wissen, eine erlernte Fähigkeit    1.1 mit Akk.d.S.; bei den Bezugsgrößen handelt es sich um    1.1.1 etw., was man aufzusagen weiß: der dorfman ist niht wol beriht, / kan der pfaffe des glouben [das Credo] niht Freid 70,21. 8,2; chan er des heiligen gloͮben niht vnde wil in [...] niht lernen Spec 1,22; welich mensche vierzehen jâr alt wirt unde kan ez des pater nosters niht, man sol ez an ein velt legen PrBerth 1:44,13; künnent sie daz avê Marîâ dar zuo, daz ist vil wunderguot ebd. 1:44,10; geschiht aber daz ez [das Neugeborene] ze priesters handen niht komen mac, sô sol ez ein kneht oder ein dierne, frouwe oder man [sc. taufen] , die diu wort kunnent als sie in dem sermône stênt von den siben sacramenten ebd. 1:31,37; ich wæne die phaffen unt die nunnen / ein gemäinez bîwort [Sprichwort] chunnen, / daz si sprechent ‘post pirum vinum [...] ’ [Birnen verlangen nach Wein, TPMA 1,487] Priesterl 66    1.1.2 den Verlauf von Straßen und Wegen, Reiseweg: die wîsten sie dare / die den wech kunden, / aldâ si wilt funden En 4559. 1803; die die strâzen kunden, / die wîsten sâ ze stunden / die ritterschaft ûf den wec / gegen der burc UvZLanz 7577; die strâze er vil wol kunde / wider in sîns herren lant Wig 1060; die die waltstîge kunden, / die gevuoren alle baz dan ich Tr 2702    1.1.3 die Heilkraft von Kräutern: ich han hi gesaget von den wurzen, di uch bekant [...] sin [...] so han ich gesait ein teil ir craft, di ich weiz unde ouch nutze ist. nu wil ich uch sagen von den wurzen, ane di nimant guͦte electuaria [ eingedickter Saft, Latwerge] gemachen kan. der craft sag ich io, so verre ich kan [sie kenne] [...] und ouch uch nutze ist zu kunnene. Macer Gewürzvorr. 2    1.1.4 eine Sprache: [der Hl. Geist] lerte si allin wistuͦm unde daz si alli sprache chundin Spec 79,18; dô frâgte ich es an der stunde / der die sprâche chunde, / waz si sungen KvHeimUrst 372; dô er ir sprâche reden began, / die lützel ieman kunde dâ Tr 2237. 2283. 8533; wan ich die lantsprâche kan ebd. 8701; die [...] niht wan einir zvngin chundin Spec 76,13; swer iht vremeder zungen / von den bîlanden kunde Tr 3697; swer hie wälhisch sprâche kan Parz 85,18. undi sich swer dir ebreschin icht kan, / daz iri nibilibi lebindic niman ÄJud 97; diu frouwe in ir biutel vant / einen brief, den schreib ir mannes hant. / en franzoys, daz si kunde Parz 55,19; si kunde franzois und latîn Tr 7986; die Kerndner auch diutsch kunnen. / der êrn muoz man in gunnen EnikWchr 27523; nîgen wart dô niht vermiten / gegen den [...] die latîn noch tiutsche kunden Ottok 43536; want ich [...] lutzil dûtschis kan, / ôt alse mich dî larte, / der spune mich ê narte NvJer 304    1.1.5 Bücher, Schriften (besonders die hl. Schrift): und erfuͤlt wart von dem hiligen geist der im so getan genad und chunst gab, daz er die hiligen schrift vollichlich chunde und si geistlich verstunde PrOberalt 19,33; do hiez er [Herodes] im gewinnen die diu buoch chunden AvaLJ 20,2; wan ir [Laien] der bvͦche niht kvnnet, an den vogelen svlt ir sehen, waz iv ze tvͦnne si. mines trehtines geschephede sint iv niht geben aingenote ze dem ezzenne svnder ze einem bilde Spec 35,22; swelher so welle, / der widirrede daz; / der chan diu buoch baz VRechte 368; wan er diu e chunde, do vragt in unser herre von der e, daz er in von sein selbs worten lert PrOberalt 153,28; dar ume sprach Kristus vile wê den juden pristeren [...] wan si di schrift kunden, und hilden sich vur gerecht, und si doch ungerecht wâren HvFritzlHl 36,7; man solte nieman ze priester wihen, er koͤnde denne beide, die alten e und die núwen e Mechth 5: 24,34. der aller wîseste man, / der diu buoch von erzenîe kan Eracl 3240    1.1.6 das Recht: [Kaiser Karl] was recht richtere. / er lerte uns die phachte: / der engel si imo uore tichte. / er chonde ellu recht Rol 705; er kvnde sin recht vnde sine e / vil wol vnde nimman baz Herb 3218; swer lêhenreht kunnen welle, der volge dises buoches lêre SpdtL 231,1    1.1.7 Liebe: wer hât mich diz [Minne] gelêret al, / daz ich ez nû sô wole kan / und ich es doch nie began? / ich kondes lutzel hûte frû: / ich kan ez sô wol iezû, / des is mîn herze vile swâr En 10229    1.1.8 verschiedene Handwerke, Fertigkeiten, Künste, Wissenschaften (liste, wîsheit, künste):    1.1.8.1 allgem.: die wîsen kunnen manegen list, / der fremede tumben liuten ist Freid 79,11; siê kunnen alle liste Himmel 30; der kvnde vnd wiste / die selben liste, / [...] der man do phlac vnde noch phlit [die Sieben freien Künste:] [...] an einer leret man buchstaben [...] Herb 7661; ein vierzehenjærec kint / kan al die liste, die nu sint Tr 3720; daz beste daz er kunde, / sô schuollist, sô hantspil ebd. 7966. die kvnden vnde westen / an buchen vn an phafheit / list vnd wisheit Herb 10686; want ich inhaldin nit vor einen wisen man, / di gude liste aleine kan, / wan virborgine wishet / der selen nit vurrsteit. di wisheit wil, dat man si teile, / want si geschaffen ist zu heile WildM 4,152; sô wil ich iuch lêren drîerleie wîsheit, die mag iu lieber sîn danne alle die wîsheit die alle meister kunnent PrBerth 1:5,25. ez dunket manegen tumben man / diu kunst diu beste, die er kan Freid 115,7. 78,20; got noch künste kan genuoc Parz 796,16; alle die kunst die sie künnent, diu ist nihtes wert, sie künnen danne die selben drîe künste PrBerth 1:5,32; der êrste mensche, Adâm, der hate alle kunste vor dem valle und hete alle hantwerg gekunt âne lernen HvFritzlHl 15,8    1.1.8.2 besonders: – Lesen: ine kan decheinen buochstap. / [...] disiu âventiure / vert âne der buoche stiure Parz 115,27. – Schäferei: sô sprechet [...], / ir sît von chintheite gwon mit deme fihe gên; / swer wole chunne den list daz der unter iu sî der tiurist Gen 2550. – Heilkunde: die êbrêisken froͮwen / die chunden selbe den list, / der zuͦ chintpette guͦt ist Exod 181; die erzenîe kunden, den bôt man rîchen solt NibB 255,1; wan sie vil kunde / und genuoc von erzenîen Eracl 3510. – Zauberei: in weiz, ob er zouber kunne Walth 51,18; si kunde eht zoubers die kraft Er 5189; daz er von lêre kan / dekeiner slahte zouberlist Tr 1002; an im geschach ein wunder, / ein list den kunder: / ein salbe er under ougen streich, / daz im sîn liehte varwe entweich; / er wart vil ungeschaffen UvTürhTr 2234; do sprach der keiser: ‘Vite, was du czoͮberes chanst, das du den tieren vnd dem viure gebiutest vnd dir div gehorsam seint?’ Konr 14,101; so nennet man in Anticrist / und tut in zouberliche list / unde goukelie leren. / da beginnet her keren / sinen vliz so vaste an / daz der nie niekein man / wider im nicht enkunde HeslApk 18553. – Geometrie: wander wole konde / die list von gêometrîen En 9408. – Astronomie: alle die wîsheit die alle sternenseher künnent PrBerth 1:5,27. – Ritterkunst: der helit vil wale kunde / aller slagte frumicheit / ind was ein rittêre gemeit ErnstA 341,9; den besten meister mîn, / den wil ich dich lêren heizen [...] daz du doch drî swanke künnest, swâ man strîte / in herten veltstürmen Kudr 359,3; da ich niht der wizze kan, / da vind ich maͤngen wisen man / der mich kan geleren wol / wie ich ritter wesen sol RvEWh 5411. – Schiffbau: da er sîne junger lêrte / zimbern groze chiele [...] den list er wol kunde Wernh 3138. – Sticken: genuoge worhten an der rame [Stickrahmen] : / der werc was aber âne schame. / und die des niene kunden [...] Iw 6201. – Musizieren: diu cleinen vogellîn wol singent / in ir besten wîse, die si kunnen Walth 46,3; ich hân gevlizzen / an iegelîchem seitspil / und enkan doch keines alsô vil, / ine kundes gerne mêre Tr 3668. 3684. 7966. – Beredsamkeit: einer rede sie begonde, / die si vil wole konde, / mit michelme sinne En 9746; seht (sô helfe iu got) / ze disem gebiurischen man, / wie wol er sîne rede kan Greg 1126; daz ich widir vweris herren man / negeine gote rede ne kan Roth 1029; konde wir unse rede baz, / gerne tete wir daz, / [...] daz wir si uore brechten Glaub 3743; und vil swinder und behender wort sprach si deme bischove zu, alsô daz den bischof wunderte daz si sô wîslîche rede kunde HvFritzlHl 10,7. – Schach: kunnet ir / schâchzabelspil? [...] ir ist / under uns genuoc, die disen list / wol kunnen Tr 2231    1.1.9 höfisches Benehmen: ir nîgens si begunden / mit zuht die si wol kunden Parz 641,28; in zôch nehein Curvenâl: / er kunde kurtôsîe niht, / als ungevarnem man geschiht ebd. 144,21; wan daz ich ein lützel fuoge kan, / sô ist mîn schœne ein wint Walth 116,11; ein guotes rîcher man / der deheiner slahte vuoge kan Wig 5770; si kunde ê schœne vuoge / und höfscheit genuoge Tr 7981    1.1.10 (un)moralisches Handeln: ez wænt ein ungetriuwer man, / ich künne untriuwe, als er kan Freid 44,6; diu wîb kunnen liste vil: / waz ob si mich betriegen wil En 11241; ich pin vor valsche vrî: / ich enkan decheinen widersaz [verstehe mich nicht auf Unredlichkeit] Parz 439,21; verrâtens ich doch wênic kan, / swie mich des zîhen sîne man ebd. 27,1; der reine valsches niht enchan KvHeimUrst 1515; wie sol ich dich trügenheit lêren? sô kanst dû ir selber ze vil der trügenheit PrBerth 1:16,21; unde dâ von kunnent sie vil liste unde schalkeit ebd. 1:34,9; moralisches Urteil: er enweiz noch enkan / noch daz vbel noch daz gut Herb 12194    1.2 in engerer Verbindung mit dem Akk. eines Indefinitums (iht, niht, vil, wunder ‘viel’, usw.), das nicht weiter ergänzt ist: swer niht enweiz und niht enfrâget, / und niht kan und in lernens betrâget, / [...] und hazzet den, der rehte tuot: / disiu driu sint tôren muot Freid 78,19; vil lieber man, / daz ich weiz und daz ich kan / daz kanst ouch dû unde weist En 6568; vil pfaffen ist der kuͤnste bloz, / die doch wænent kuͤnnen vil Rennew 31871; ich waene, si ist ein Vênus hêre, die ich dâ minne, / wan si kan sô vil [Zauberkünste] MF:Mor 22: 3,2; uil ist des wir kunnin, luzil des wir tvͦgen [viel ist, was wir wissen, wenig, was wir vollbringen (Ohly)] TrudHL 5,8; er fuort in în zem palas, / dâ diu werde massenîe was. / sus vil kund er in schalle [trotz des Getümmels um ihn (Bartsch/  Marti z.St.)] , / er sprach [...] Parz 147,29 (oder zu 1.3.1.2?); kumt sanges tac, man gehœret singen unde sagen: / man kan noch wunder Walth 58,26; Reinhart, der wunder konde ReinFu K,654; chunde ich iht, des wære ich vrô KvHeimHinv 36. 108; swaz die alten [Frauen im Tempeldienst] chunden, / daz enmahte ir [der kleinen Maria] niht engân Wernh 1366; der hiez mich lêren, daz ich kan Tr 3107; und kan der mensche mê underwîlen, dan in ieman gelêren mac Eckh 4:414,63; ob er fraget des er niht enkan, / des bescheit in schier ein wiser man BvgSp Vorrede,19    1.3 mit Präp.-Obj.    1.3.1 das Obj. ist ein Abstraktum (Handwerk, Fertigkeit, Kunst, Wissenschaft usw.)    1.3.1.1 an etw.: dô reit der hêre Chôres, / der Troiâre prêster / [...] und was doch ritter vile gût / und hete manlîchen mût / und kunde wole an ritterschaft En 9069    1.3.1.2 in etw.: dô sprach Dionysius: Timotheus ist ein gotlîdender man. der in dem wol künde, der vürliefe [überträfe] alle menschen Eckh 4:424,160; Parz 147,29 (s.o. unter 1.2., wohl nicht hierher).    1.3.1.3 mit etw.: ir offenlîchiu mære [ihr Umgang miteinander in der Öffentlichkeit] , / mit den si wunder kunden Tr 12991; iwer vater [...] kunde wol mit schallen [verstand sich darauf, Ruhm zu erwerben] Parz 317,25. – Kriegskunst, Ritterwesen: der wol mit rîterschefte kan Parz 66,10; Wh 225,5; Wig 8456; die wol mit strîte kunden Parz 210,22; Wh 78,5; mit der tjost si bêde kunden Parz 704,6. 738,23; Centaurî wâren si genant / und kunden mit geschütze wol KvWTroj 6277. – Heilkunde: lât mîne wunden schouwen / etswen der dâ künne mite Parz 577,9. – Jagdwesen: swer mit gejegede kunde Tr 14357; der chan vil wol mit vederspil / und ist ein wiser weide man StrKD 61,290; ez was ein ritter hoch gemut, / der gewan vil mangen habch gut. / er hete die gewonheit / daz er vil dicke beizzen reit, / und konde doch mit hebchen [ zebeizen StrKD 61,15, s.u.] niht Erz III 194,5; nu nemet iuwer hût hin dan, / wan ine kan hie mite [Zerwirken des Wildes] niht baz Tr 3045. – Liedkunst: ich bin Wolfram von Eschenbach, / unt kan ein teil mit sange Parz 114,13. – höfisches Benehmen, Auftreten: der niht mit ritters fuore kan Parz 152,12. – moralisches Handeln: er ist verlorn, swer nû niht wan mit triuwen kan MF:Mor 7: 5,4; ein tugentrîcher wîgant, / der niht mit valschen listen kan RvEGer 815; du hast einen vil guten site / unde kans da vil wole mite, / daz du der sundigen scones / unde mit deme guten des ubelen lones Glaub 1947; der vch disen rat git, / der kan harte wol da mit [Herrscher sein] Herb 10904    1.3.1.4 von etw.: alle die von wurzen oder von sternen künnent PrBerth 1:5,27    1.3.1.5 ze etw.: der werltliche man, / der wol zefrivden [l. ze vröuden ] chan Warnung 1568; wâ von sprichet dan dehein man, / der iht ze guoten dingen kan, / daz der bœs hab sælikeit? WälGa 4508; alda reit ein criche vnde, / der zv rosse wol kvnde Herb 11552; sun, nû vürhte ich dîn dar an: / du enkanst ze ritterschefte niht Greg 1537; wir [Stadtbürger] kunnen niht ze turney noch ze tjosten Loheng 1163; ez was ein riter hoch gemut; / der gwan vil manigen habch gut / und het die gwonheit, / daz er vil dicke beizen reit, / und chunde doch zebeizen [ mit hebchen Erz III 194,5, s.o.] niht StrKD 61,5; ir schif giengen ebene, dô si ûz dem lande kêrten. / die ze arbeite [des Seemanns] kunden, die tumben si dô lêrten Kudr 285,4; mich [Isôt] wundert sîn [...] daz der gevüege Tristan / nicht zu vrouwenliebe kan HvFreibTr 3720; dô tet der kunic als ein man, / der wol zurliuge kan Ottok 9539; und daz er dâ und zaller zît / ze ritterschaft wol kunde ebd. 16423; ich [...] chan zü ercznei wol, / dez wil ich helfen dïr Märt 2415. nu rât waz ich tuo: / ich kan hie harte wênic zuo Parz 156,16; dâ kan ich wol zuo, / swaz ir mir gebietet, daz ich daz allez tuo Kudr 997,1; nâch rât der allerbesten, / die darzuo kunden Ottok 13279    1.3.2 mit einer Person (auch mit Gott, mit einem Tier): er ist gar ein sælic man / der mit dien liuten kan KLD: UvW Leich 4,182; ich wæne, mîn vriunt Tristan / niht mit juncvrouwen kan UvTürhTr 280. dem reht wære und mit gote wol künde ["und sich auf Gott wohl verstünde" (Quint)] , dem würde alliu solchiu lîdunge und învelle ze grôzem vrumen Eckh 5: 231,7; der mit gote wol künde ["recht zu Gott stünde" (Quint)] , der sölte alwege anesehen, daz der getriuwe minnende got den menschen hât brâht ûz einem sündigen lebene in ein götlich leben ebd. 5: 232,6. iz [den Kriegselefanten] wîset mit grôzeme sinne / sîn meister [Führer] , der dâ mite kan SAlex 4376    1.4 mit Obj.-Satz (bei koordiniertem wizzen): alle die ie smiden begunden, / di ne wessen noch ne chunden / wi daz swert gehertet was Rol 3308    1.5 phras., verneint mit verre, baz ‘nicht weiter wissen, es nicht besser verstehen’ duo sprach Sŷmon: / ‘Pêter, war ist dîn wîstuom komen? / nu enkanst dû niht mêre. / ih wil dih wol lêren [...] Kchr 2359; wir wîp bedurfen alle tage / daz man uns tumbe rede vertrage [...] wan wirne kunnen leider baz Iw 7684    2 mit Inf., ‘(aufgrund einer erlernten Fähigkeit, Einsicht oder Kenntnis) etw. zu tun wissen, verstehen, sich darauf verstehen, etw. zu tun’; der Inf. bezeichnet    2.1 Wissen, Verstehen, Erkennen, Erforschen, Ausdenken: ih hân vil manigen man, / die mir wol kunnen revaren, / wâ si sint gelendet Kchr 1497; wert ist mir der man, / der guot und übel betrahten kan, / der mich und iegelîchen man / nâch sînem werde erkennen kan Tr 18; ’ine weiz’ sprach Tristan sâ zestunt / ’ine kan niht wizzen, waz ez ist, / wan mir enmac kein arzâtlist / gehelfen noch gevrumen hie zuo ebd. 7775; dise namen [ Tristan und Tantris ] die beswærent mich. / ine kan niht wizzen, wie in sî: / si lûtent nâhe ein ander bî ebd. 10105; der gewaltige herre / der teilet sînen knehten / ir lôn alsô rehte / nâch ieglîches werken: / daz kan er wol gemerken Wernh 5688; swer der wurze crapht wissen wil, der chan si irkennen nicht, her inwisse, was der wurze nature si Macer Prosavorr. 24; an alle die arge liste, die ieman irdenkin kan UrkCorp (WMU) 102,2    2.2 Mitteilen, Darlegen, Lehren von Wissen, Erkenntnissen: wie er die troume chunde skeiden Gen 1968; unt wie er lantreht bescheiden chunde / allen den ers gunde VAlex 219; der bedarf [...] guͦtir lute ratis, / die in geistliche kvnnen leren / wie her gote sule dienen Ägidius 944; nû sprechent bôse lugenâre, / daz er [Alexander] eines goukelâres sun wâre. [...] nimer geloube ez nehein frum man. / sînen vater ich wol genennen kan. / [...] Philippus hîz der vater sîn, / al Macedonenlant was sîn VAlex 78; den aller wîsten man [Josephus] , / der dem chunige wol gesagen chan / von anegenge der werlte, / wi si aller êrst got gescuofe, / dar nâh von allem mennisken kunne Kchr 1022; chanst dû mir rehte gesagen, / war umbe der houscriche / springe ûf unt nider diche / unt iewederhalp veteche hât, / unt iedoch an sehs painen stât ebd. 1889; dirre schvle ich hie pflegen sol, / ich kan die kint leren wol ReinFu K,894; vil wol ich vch dar [zum gefangenen Bären] gewisen kan ebd. K,1581    2.3 die Ausübung verschiedener künste und liste (vgl. oben 1.1.8): er frâgte waz si chunden wurchen oder wie si ime wolten dienen Gen 2573. 2547. – Sterndeutung: si kan an den sternen sehen, / swaz iemanne sal geschehen En 2279; die [Heiligen drei Könige] waren geleret daz si chunden an dem gestirn sehen PrOberalt 30,18. – Erd- und Himmelsvermessung: di wisen begunden sih ouh uermezzen, / si chunden wol mezzen / in lutzelir wile / di manic tusint mile / uon der erden zo dem himele Glaub 392; ja nekanstu der erde niht gemezzen Kchr 2431. – Lesen / Verstehen einer Fremdsprache: ein maget, / diu vil wol, ist mir gesaget, / wälhisch lesen kunde Iw 6457; nû lebet der liute niht ze vil, / die kriechisch kunnen verstân RvEBarl 16049. – Baukunst: dô sprâchen di knechte zu Thomas: kanst du soliche palaste machen? HvFritzlHl 24,16. – Seefahrt: nu bin ich âne liute hie / und enkan ouch selbe niht gevarn Tr 2363. 2357. – Backen: allere brôte [...], / dei dehein phister chunde machen, dei man ûz melewe scolte bachen Gen 1972. – Bestellen des Feldes: der junger brûder huote der lember, / er nechunde nieht bûwen Gen 600. 595. – Jagen: er chund ouch fâhen rêher dei vêhen Gen 1076. – Weinbau: von wynstockin czu legin, das doch alle wynczurlle kvnnen Pelzb 130,15. – Herstellen von Kleidung: des menschen vel ist dünn und mag leicht versêrt werden. daz ist dar umb, daz der mensch kan im selber ander decke machen, dâ mit er sich bewart, des andreu tier niht künnen BdN 23,33. – Färben von Tuchen: der wollen varb kunt noch nie kain maister an ander wollen pringen BdN 245,25. – Zerlegen von Wild: daz ist der rehte bastsite [Kunst des Zerlegens] : / diu [drei Rippen] lât er iemer dar an, / der die brust gelœsen kan Tr 2896. – Herstellen eines Kampfstoffs: daz was Alexanders site: / daz er chriechisc fûr chunde wurchen / unde liez iz niemen merchen, / von welher liste iz im chom VAlex 975. – Heilen: want he nicheinen arzet vant, / di sich des underwnde, / dat he in giheilin kunde WildM 2,20; die wisen arzate / chunden im niht geraten / mit wrzen noh mit salben Wernh D 4984. – ritterliches / kriegerisches Kämpfen: sehzek (28#’r) wîgande der aller iegelich hât sîn swert in handen, si chunnen alle mahtige uehtin TrudHL 41,3; der site was unter guten knechten: / si cunden wol uechten / mit spiezen unt mit geren Rol 4474; sturm, slac, stich, stoz, / schal, geschreige, ruf, doz [...] der harte kvne man, / der mit disen dingen kan / wol bewaren sine diet Herb 10150; wie wol sî strîten kunden / ze orse und ze vuoze Iw 6992; ir hêrre strîten kunde Parz 72,20; beidiu fliehen unde jagen, / swenn ietweders ist zît, / daz müezen si ân widerstrît / kunnen unde trîben Ottok 25192. – rhetorisch gewandtes, angemessenes Reden / Verfassen: got der guote geruochet senten ze muote / daz ich chunne reden alsô ich diu buoch hôre zelen, / sô wurde diu zala minnechlîch Gen 3; sînen mannen die wol redinen chunden ebd. 1517; daz ich dich bitten kunne, / daz gib du mir, heiliger Crist! SüklV 6; vnde war ih herir dan ein ein wissage / vnde sin geist in minem munde, / dannoh nemohtih noh ne konde / dih gelobin, so ih solde Litan 246; ôwê daz sô fruo erstarp / von Veldeke der wîse man! / der kunde se baz gelobet hân Parz 404,30    2.4 Geschicklichkeit allgemein: [Adam und Eva] ilten zeinem fichpoͮme nach des boͮmes loͮbe, / zesamene siz bedwngen [fügten es zusammen] so si beste chunden, / die scham si ue[r]burgen mit uil grozzen sorgen GenM 15,3; Parzivâl der tumbe [...] kunde im ab geziehen niht: [...] helmes snüer noch sîniu schinnelier, / mit sînen blanken handen fier / kund ers niht ûf gestricken / noch sus her ab gezwicken. / vil dickerz doch versuochte, / wîsheit der umberuochte Parz 155,21    2.5 (un)moralisches Handeln: daz si an ir erneste mâzze chunnen gehaben, daz si weder ze scerfe noch ze senfte sîn den undertanen Spec 122,14; also schiere do ich da chom, daz ich svnden chunde [verstand, was Sünde ist] , do wârf ich got minen sepphâre zervcge ebd. 3,10; der sich lasters kunde schamen, / der hæte benamen / die liute gevlohen iemer mê Iw 2631. 4965    2.6 höfisches Benehmen: dâ kunde wale de kûne man / gesprechen bit sulichen zuhten / dat it bit êren hôren mohte / de kuning ind allit dat rîche ErnstA 341,3; swenne der junge man / mit zuhten wol gesprechen kan / unde swîgen dâ er sol, / sô stât sîn dinc wol Kchr 1649; wan dez ich leit mit zühten kan getragen MF: Reinm 13: 5,4; herre, ir habet missetân, / welt ir den rîter alsus lân. / wem habt ir ouch iht verseit? / lât ez an sîne hövescheit. / er gelîchet sich wol einem man / der betelîchen biten kan Iw 4574; êren unde triuten / kunden sin mit werdekeit Parz 59,19    2.7 Fähigkeiten von Tieren: so daz selbe tier [...] sich hat gesattet von den tieren, / dei ez chan vahen wol, so leget ez sich in sin hol MillPhys 11,2; der herre san wole gesach / daz die hinde harte genotet was. / ouch clagete sie iz an der stunde / mit den dinge alse si kvnde, / mit lute ioch mit gebere, / daz sie in noten were Ägidius 394; dô saz er [...] ûf ein ors, daz beidiu kunde / hurtlîchen dringen / und snelleclîchen springen Parz 36,12; mit Hiudane ir hunde, / der dannoch niene kunde / unlûtes loufen sus noch sô Tr 17252; dest ein gebiurscher tuc, / swer hirzen unde geizen / gelîcher werde gan. / der snegge slîchet trâge, / sô [dagegen] kan diu spinne weben KLD: Kzl 1: 6,10    3 mit Inf., ‘(aufgrund seelischer oder körperlicher Kraft, gestattet durch äußere Umstände) imstande, in der Lage sein, etw. zu tun’; meist negiert    3.1 negiert, ‘nicht imstande, in der Lage sein, etw. zu tun’; Hinderungsgründe sind:    3.1.1 seelische Verfassung / Disposition: dô [...] er ze sînem bette quam / [...] neheines slâfes her ne phlach, / hern mohte noch enkonde En 11023; swie gerne sie abir wolde / zurnin, sie nekonde Athis A* 33; des wart ernvwet sin leit. / er konde es vergezzen niht Herb 1883; ein rede der liute tuot mir wê, / da enkan ich niht gedulteclîchen zuo gebâren MF:Reinm 15: 5,2; ich solte iu klagen die meisten nôt, / niuwen daz ich von wîben niht übel reden kan ebd. 20: 1,7. 25: 4,6; sine konden von ir triuwen niht ein ander verlân NibB 2110,4. – (formelhaft umschreibend in Wendungen i.S.v. ‘nicht unterlassen, vermeiden usw. können, etw. zu tun’ den troum newolte er verswîgen, wand er nechund iz vermîden, / er muose zellen daz ime got ruohte offenen Gen 1758; ich enkan des niht gelan, / ich ensage dir eine warheit Herb 11888; sin mohten noch enkunden nie / durch keine ir angest verlân, / sin bûweten den arcwân Tr 16484    3.1.2 physische Schwäche: vnde stach im daz ros vnde, / daz ez niht enkvnde / enthalden den, der druffe saz Herb 9088; swes man dâ began, / des enkund’ im gevolgen niemen, sô michel was sîn kraft, / sô si den stein wurfen oder schuzzen den scaft NibB 130,3; erblichen was sîn varwe: er’n kunde niht gestên. / sînes lîbes sterke muose gar zergên ebd. 987,1; dô truoc man si von dannen; sine kunde niht gegân ebd. 1070,2; dô er in brâhte zu der tür, / ine kunde der helt niht dervür / vor unkreften bringen KlageB 2100; er greif den hirz mit handen an / und wolte in ûf den rucke legen. / dôn kunde er in nie dar gewegen, / wan er was ime ze swære Tr 2866; ir aller keiner kunde / noch enmohte keine stunde / ûf sînen vüezen gestân [auf dem Schiff in schwerer See] ebd. 2433    3.1.3 äußere Umstände: daz eim riche sundere / daz himelriche si also unkunde / alse si eime olbendin / daz er sih konne gebovgen / durh der nalden ovgen [Mc 10,25] TundN 17; alse di dir [Tiere] dan uz gen begunden / vn̄ ire zegele bit in gezihen nit inkunden ebd. 464; man konde eine nalden / niergen an im gestecket han [hätte nirgendwo … können] , / so sere was er [...] mit philen bestacht Herb 6772; do was ez abuntstunde. / daz folc daz enkvnde, / swie gerne so ez tete, / gestriten also spete ebd. 6000; sæligiu künigîn, / ez sol mit iuwern hulden sîn, / daz ich wider ze lande var, / wan mîn dinc stât alsô dar, / daz ich langer niht belîben kan Tr 8179; frouwe wol getân, / der tac ist hôch ûf: ich kan niht komen hinnen KLD: UvL 40: 2,5    3.2 nicht negiert: la mich da liden daz ich kan TundN 393; ich kan jagen unde vâhen, / mich enmüedet niht mîn gâhen Weinschwelg 105; ir aller vorchte was nicht klein, / ze vluchte wârn bereit ir bein, / si konden al gevliehen wol Boner 32,7; var ûz jagen, daz ich mich chunne gelaben Gen 1120; der kvnic ist so riche, / daz er mirz wol vergelten kan ReinFu K,1561; swaz sin neve kvnde / ze tvn, daz im tete we, / daz tet er vaste ebd. K,294; wolde si wizzen mære / war er gekêret wære, / daz kund ir lîhte diu gesagen / durch die er sî het erslagen Iw 5881; wie kunde ein werbender man [Kaufmann] / sîn kint sô schône erzogen hân, / ezn müeze ûz edelem herzen [des Sohnes] gân? Tr 4092; vnd swa sv̂ werdint berovbet [...], kunnen sv́ den roͮber gezeigon, so sol der herre schaffon, daz es wider werde gegebin UrkCorp (WMU) 248A,7; kanst du sie [mit Teig bestrichene Fischstücke] gestemphen in ein forme [wenn du eine Form zur Verfügung hast] , daz tuͦ BvgSp 19    4 mit Inf.; ~ drückt Möglichkeit (negiert: Unmöglichkeit) dessen aus, was das Hauptverb aussagt    4.1 Präs.    4.1.1 Ind.: ez ist [...] vil dicke worden scîn, / wie liebe mit leide ze jungest lônen kan. / ich sol si mîden beide, sone kan mir nimmer missegân NibB 17,4; lieber bruoder mîn, / swaz der mînen helfe dar an kan gesîn, / des bring’ ich iuch wol innen ebd. 355,2; ezn kan ouch âne in [Gott] niht geschehen Iw 6345; daz kan mich niht vervân / an einer stat, / dar ich noch ie genâden bat MF:Hartm 2:1,6; sît ez niht bezzer werden kan Tr 4982; swaz mir leides kan [mag] geschehen, / dar ûf ahte ich harte kleine KLD: UvL 19: 4,5; waz bedarf ich sælden mêre? / wie kan mir gelingen baz? ebd. 24: 2,7; waz kan wîbe und wîbes êren / und ir güete sîn gelîch? SM:UvS 10: 3,1. 36: 2,7; fvͤr allen kriech, der vmb das sælb gvͦt immer kan werden UrkCorp (WMU) 2575,2; wenn ain vergiftiger sündær [...] volpringt die puoz, sô kan diu vergift der sünden sô grôz nümmer werden, si verswind von der rew und von der puoz BdN 241,29; Tristan, ich bin in sorgen, / suln wir lange hinne ligen, / sô enkan ez werden niht verswigen UvTürhTr 1134. – vor allem im Bedingungsgefüge und verwandten Satzarten: vnde swenne daz geschiet, / so kan vns geschaden niet Herb 3616; weizgot ich lâze mînen zorn, / ob ez sich gevüegen kan Iw 2063; swie sîn hâr ist getân, / ist et er ein getriuwer man, / diu varwe im niht geschaden kan Wig 2855; und wil got des rehten pflegen, / als er ie hât getân, / sô wæn uns niht geschaden kan ebd. 9914; mag iu diu ze wîbe / und uns ze vrouwen werden, / sôn kan uns ûf der erden / an wîbe niemer baz geschehen Tr 8476; wan einem man kan niht geschaden, swer für guot hât, swaz er tuot SM:UvS 30: 4,7; swer nâch guotes wîbes hulden ringet, / dem kan selten immer missegân KLD: UvL 22: 2,2; ez kan uns dort niht gevromen, / wan daz wir dur got geben SM:JvR 1: 9,4; kein werk kan gewürket werden dan in sînem eigenen bilde Eckh 5: 276,14    4.1.2 Konj.: swaz uns geschehen künne [mag] , daz lât kurzlîche ergân NibB 2097,1; heizet iuwer gesinde hie ûf nemen / al des si künne gezemen [was ihnen gefallen mag] / von trinken und von spîse Wh 277,16; kunne uns niht vervâhen [zum Erfolg führen] daz, / sô denken aber vürbaz, / ob uns danne iht bezzers sî RvEBarl 8585    4.2 Prät.    4.2.1 faktisch: wandez hete der schanden last / sînen rücke überladen. / ez enkund im niht geschaden / an sînen vreuden alsô / daz er iender unvrô / gegen einem hâre wurde dervon Iw 2638; er wând’, er sold’ in [den Hort] niezen: des enkunde niht gesîn NibB 1137,4; ez enkunde niht wern langer, si muosen dannen varn ebd. 1692,1; in selben und sîne gesellen / die sîne schilde truogen, / diene kunde niht genuogen, / swaz si der heiden valten Wh 406,4; daz kunde niht in allen / gefrumen umbe ein halbez ei KvWSchwanr 1552; daz mir nie enkunde werden heil mîs herzen wunde, / dâ von lîde ich sender sende nôt KLD: GvN 21: 3,4. 10: 1,9    4.2.2 Potentialis (auf Gegenwart oder Zukunft bez.): ô wol mich danne langer naht! / wie kunde mich der verdriezen? MF:Reinm 7: 18; wie kunde daz gesîn [wie wäre das möglich] ? / ob ander niemen lebte wan sîn unde dîn [Siegfried und Kriemhild] , / sô möhten im diu rîche wol wesen undertân. / die wîle lebt Gunther, sô kundez nimmer ergân [wäre das ganz unmöglich] NibB 816,4; âne dîne helfe kund ez niht gesîn ebd. 354,2; wie kunde daz ergân, / daz ich dich minnen solde? ebd. 285,1; mit wie getâner ahte / daz iemer kunde geschehen, / daz si sich möhten gesehen Tr 14383. 6230; Tristan [...] wiste wol: solt er genesen, / dazn künde niemer gewesen / wan eine [allein, nur] von ir liste ebd. 7296; sî hât mir sô hôhen roup genomen, / der mir unsanfte ganzer immer kunde wider komen KLD: UvL 20: 4,2; sîst so sælic, daz mir niemer kund an ir ze sælden misselingen SM:UvS 22: 5,6; der in [den Krötenstein] möht erwerben, / der enkünde niht verderben / keine wîs an dem guote Volmar 470; so verzihen wir vns alles rehtes vnd der liste vnd hilfe, von der disiv gegenwrtige hantvesti ir craft verliesin konde UrkCorp (WMU) 1802,19. – zur Umschreibung des Superl. durch verneinten Komp.: von herzeliebes schulden hât / mîn lîp vil kumberlîche nôt, / daz si niemer kunde groezer sîn MF: Reinm 38: 3,3; wie könde lieber mir geschehen, / danne ob ich wîlent möhte sehen / ein wîb schœne unde reine? SM: KvT 3: 3,1; obe ich daz dâ funde, / sône kunde mir ûf erde niemer werden baz KLD: GvN 4: 4,6    4.2.3 unerfüllter Wunsch: mir ist von den kinden dâ her mîne tage / entflogen mit den winden, daz ich vón herzen klage. / kunde ez gehelfen! nu hilfet ez nieht; / swaz ich dár umbe tæte, sô wær ez geschehen Kolmas 120,3    4.2.4 Irrealis (auf Vergangenheit bez.)    4.2.4.1 mit Inf. Präs.: bi vnsern iaren / en kvnde des geschehen niet [hätte nicht geschehen können] , / daz ein michel her entriet / also sere einen man Herb 10033; der ist schœner danne ein feine; / von vleische noch von beine / enkunde niht gewerden / sô schœnes ûf der erden Tr 17479; wie kunde in iemer grœzer heil / ze dirre werlt geschehen? UvTürhTr 98; dû bist genant der guote got, / ân des gewalt, ân des gebot / [...] nie niht enkunde werden LobGesMar 71,4; wol mich sô minneclîcher arebeit! / mir enkunde niemer baz geschehen. / dar nâch wart mir vil schiere leide MF: Reinm 13: 3,4; nune kundez sich gefüegen zwâre ninder baz NibB 1883,4. – zur Umschreibung des Superl. durch verneinten Komp.: ir enkunde in dirre werlde leider nimmer gescehen NibB 13,4; des küneges ingesinde konde ez niht lieber gesîn ebd. 1714,4; der erste gegenblik dines heren antlútes gegen mir, das konde mir in ertrich leider nach miner gerunge nie geschehen Mechth 7: 45,11; NibB 781,4; daz was sô rehte wîz hermîn, / daz ez niht wîzer kunde sîn Tr 2552; sô vremediu notelîn, / diu niemer vremeder kunden sîn ebd. 8060; drî [Striche] wâren [...] sô rehte lâsûrfîn / daz si niht blâwer kunden sîn KvWTurn 688    4.2.4.2 mit Inf. Perf.: hey waz man rîcher spîse den edeln jegeren dô truoc! / [...] ez enkunde baz gedienet nimmer helden sîn NibB 964,2; von helden kunde nimmer wirs gejaget sîn ebd. 1002,2. 232,1; wan dez ich leit mit zühten kan getragen, / ich enkonde niemer sîn genesen MF:Reinm 13: 5,4; wan daz im got half ûz der nôt, / sôn kunder niemer sîn genesen Tr 1329; nu sluzzet ir doch die porte zuo / hiute, dô ir ritent vruo: / wie kundez danne sîn geschehen? UvTürhTr 3195    5 mit Inf., ‘pflegen, zu’? eine Reihe von Belegen wird traditionell teils als rein umschreibend / pleonastisch (häufig vor allem bei Wolfram), teils als Bezeichnung eines Habitus gedeutet (vgl. BMZ 1,806,45: ‘meine Natur, meine Sitte bringt es mit sich’, mit unklarer Belegzuordnung; DWB 5,1739-41 [Hildebrand]: können II,6; Kahl, können und mögen, S. 32f.; Fritz, Modalverben, S. 49); Beispiele, die am ehesten diese Lesart stützen könnten: hôh alsam diu sunne stêt daz herze mîn. / daz kumt von einer vrowen, diu kan staete sîn MF:Reinm 32: 1,2; KLD:Kzl 4: 2,7; frouwe, ich tuon iu ungemach. / ich kan ze lange sitzen: / daz tuon ich niht mit witzen Parz 29,19; du kanst ze lange sîn [ausbleiben] KLD: OvB 9:4; wan dô sîn komen zeigte sus / der sterne Sâturnus: / der kan mit grôzem froste komn Parz 492,27; diu frouwe dô begunde, / daz si dâ vor niht kunde, / beidiu zabeln und wuofen, / in slâfe lûte ruofen ebd. 104,26; von dem ertrîche / dem menschen ist geboren an / daz er dem tôde wahsen kan / und er verliesen muoz sîn leben KvWSilv 3750. – Literatur: Kahl, können und mögen, S. 12-33 (diese und weitere materialhaltige ältere Arbeiten werden referiert bei Fritz, Modalverben, S. 117-128); Diewald, Modalverben, S. 344-350.

MWB 3,2 719,61; Bearbeiter: Plate

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    kunnênsw. v.

    Althochdeutsches Wörterbuch · +3 Parallelbelege

    kunnên sw. v. , mhd. kunnen; ae. cunnian. — Graff IV,411. chunn-: 1. sg. -em Gl 1,128,13 ( Pa ); 3. sg. -et 166,24 ( Pa;…

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    kunnenv. anom.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +12 Parallelbelege

    kan , kunnen v. anom. vermag, verstehe. ursprünglich präteritum, das die bedeutung eines präs. angenommen hat, und für d…

  3. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    kunnenPrät.-Präs.

    Köbler Mnd. Wörterbuch

    kunnen , Prät.-Präs. Vw.: s. künnen

  4. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    kunnen

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    kunnen , künnen , 1 1) gleich können, s. d. 2 2) verschieden davon, doch nicht im stamme, gleich erforschen, noch im 16.…

  5. modern
    Dialekt
    kunnen

    Lothringisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    kunnen können. s. kenne n .

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit kunnen

15 Bildungen · 7 Erstglied · 5 Zweitglied · 3 Ableitungen

Zerlegung von kunnen 2 Komponenten

kun+nen

kunnen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

kunnen‑ als Erstglied (7 von 7)

kunnenbêr

MNWB

kunnen·ber

° kunnenbêr , n. , gesellige Zusammenkunft der Schuhmachergilde in Northeim (vgl. Nd. Jb. 45, 66). (Oder l. kannenbêr ?)

kunnenbēr

KöblerMnd

kunnen·bēr

kunnenbēr , N. nhd. gesellige Zusammenkunft der Schuhmachergilde E.: s. künne, bēr (1) L.: MndHwb 2, 707 (kunnenbêr)

kunnen, konnen, konen

LW

kunnen, konnen, konen, unr. v. 1. können, sich worauf verstehen (das Obj. durch mit (mede), oder Accus.). 2. können, phys. und moralisch ver…

kunnen als Zweitglied (5 von 5)

bekunnen

MWB

bek·unnen

bekunnen V. ‘erfahren, kennenlernen’ ichn weiz sin niht noch han bekunt, / was du mir sagest hie zu stunt [ neque scio neque novi quid dicas…

erkunnen

Lexer

erk·unnen

er-kunnen swv. BMZ erkunte, erkunnet (st. erkunnen s. das vorige ) kennen lernen, erforschen. zieml. allgem. ( nicht bei Wolfr. ), vgl. noch…

irkunnên

AWB

ir- kunnên sw. v. , mhd. erkunnen; ae. acunnian. — Graff IV,412. ir-chunnet: part. prt. Np 72,15; er-: dass. Nb 161,19 [136,12] (-ê-). etw. …

Verkunnen

Campe

verk·unnen

✱ ✱ Verkunnen , v. trs . berauben, trennen. Sich verkunnen . Von Kunne , das Geschlecht. Oberlin.

Ableitungen von kunnen (3 von 3)

bekunnen

MWB

bekunnen V. ‘erfahren, kennenlernen’ ichn weiz sin niht noch han bekunt, / was du mir sagest hie zu stunt [ neque scio neque novi quid dicas…

erkunnen

Lexer

er-kunnen swv. BMZ erkunte, erkunnet (st. erkunnen s. das vorige ) kennen lernen, erforschen. zieml. allgem. ( nicht bei Wolfr. ), vgl. noch…

Verkunnen

Campe

✱ ✱ Verkunnen , v. trs . berauben, trennen. Sich verkunnen . Von Kunne , das Geschlecht. Oberlin.