krällen,
krellen,
kratzen u. ä. II.
Alter, bedeutung, heimat. I@11)
mhd. krellen,
ahd. chrellan
ist wahrscheinlich nach folg. bechrellen, erchrellen
im 12.
jh.: der tôt ime nâhit, sîn übermuot fellit, der tôt in bichrellit.
fundgr. 2, 80. 1, 196, erchrellit
in Diemers
gen. 111, 17,
der tod wie ein raubthier packt ihn mit seinen klauen. In dieser jetzt ungebräuchlichen bed. gibt doch noch Stieler 701
grellen, die klauen einschlagen, damit packen; über dieses gr-
s. unter kralle
a. e. auch Schottel 1329
hat nur grellen,
M. Kramer 1787
neben krellen. I@22)
die nhd. herschende bed. ist: krellen,
kratzen, ungulare. voc. th. 1482 r iij
b. I@2@aa)
intrans., oder mit verschwiegenem acc.: der pisz und krellet wie ein katz.
meisterges. in Lappenb.
Eulensp. s. 234; und lauft gar zorniklich auf in mit krellen, schlahen und mit raufen.
fastn. sp. 280, 30; mit krellen, beiszen, schlahen, raufen. H. Sachs 1, 512
d; schreiet, tobet, kratzt und krelt. 3, 1, 148
c; thut beiszen, kreln und rumorn.
das. I@2@bb)
trans. und refl.: dieselben (
leidtragenden) krällen sich under den augen (
im gesicht) dasz s bluten.
Rožmital reise 181; ich will dich reiszen, krellen und grimmen.
fastn. sp. 281, 11; mich kratzeten und krelten und zu der thür auszprelten. H. Sachs 1, 290
d; welchen ein blat vom (
das m
vom folg. b) baumen krelt, welchen ein kleines kind erschreckt, den wil ein jeder stoszn in dreck. Eyring 3, 251; ihr hebamme thue ihnen wehe mit ihren fingern, als wann man sie krällte.
Mauriceau 298; ganz junge kinder krellen sich wol etwas mit ihren kleinen nägeln im gesichte. Struve
über erz. der kinder (1798) 158; wer mit katzen spielt, wird gekrellt. Frisch,
also noch im 18.
jh. auch noch mit e
für ä,
letzteres entstammt dem gedanken an kralle. I@2@cc)
von einem garstigen, ranzigen geschmacke: gleich wie die nusz, die man mit groszem krachen zwischen den zähnen pfleget aufzumachen, krellet, und endlich doch ist nichts zu naschen als würm' und aschen (
wenns eine faule nusz ist). Neumark
lustwäldchen 80,
wenn nicht das kratzen des zahnfleisches durch die schale gemeint ist; doch s. grallen von geschmack unter krallen
a. e. tirol. von schlechtem weine, saurer wein krâlt im halse Schöpf 338,
vgl.krätzer.
s. auch krellkirsche. I@33)
heimisch ist es im schwäb., henneb. Fromm. 2, 413,
mähr. 5, 461,
erzgeb., sächs. (
neben krallen),
in Nürnberg kröllen Grübel 2, 88,
in Ansbach erweitert krällern.
mit dehnung oberlaus. krählen Anton 9, 11,
schles. krêlen,
s. über diese dehnung unter kralle I, 1,
b. aber fremd ist es dem schweiz., bair. östr., wo kräueln
gilt. auch dem nd. scheint es fremd. I@44)
aber auch in noch anderer bedeutung. I@4@aa)
in zukrellen, eine thür: sie hatte den, der sich so nannte, den abend auf den ort bestellt: die tühr war aber zugekrellt. Schwieger
geharnischte Venus 269.
das liesze sich mit dem vor. allenfalls in verbindung bringen durch kralle II, 3,
b haken, wenn auch ein thürhaken so hiesz, eine krampe. I@4@bb)
dunkel ist mir krellen
in aufkrellen
in die höhe werfen 1, 679 (
s. dazu grellen),
und hess. krellen
starr machen, z. b. der frost krellt die hände,
s. Vilmar 225;
ebend. sich krellen
sich stoszen z. b. an den elbogen mit der bekannten empfindung des erstarrens die da folgt, diesz auch nordfränkisch Schmeller 2, 384.
vgl. dazu krall
starr. IIII.
Herkunft und verwandtschaft II@aa)
das gewöhnliche krällen
und das alte bichrellan, erchrellan
sehen in der that aus, als läge kralle
dahinter, das freilich spät bezeugt und räumlich eigentlich beschränkt ist, vielleicht nur durch zufall. ob engl. 'crallit,
engraven'
bei Halliwell 277
b ein altes cralle
ritzen ergibt? vgl. doch Stratmann 123.
der stamm liegt auch vor in einem mhd. bauernnamen der Krelle
MSH. 3, 293
b,
jetzt Krell. II@bb)
über den stamm kommt licht aus dem schwedischen. da gibt es mundartlich ein starkes krälla,
praet. krall,
pl. krullu,
part. krullið
in der bed. kriechen, wimmeln (
wie ameisen z. b.) Rietz 353
a, Rydqvist 1, 194.
eine nebenform krilla
heiszt jucken, kribbeln, auch kratzen (
z. b. beim lausen) Rietz 352
a,
auch dän. krille
jucken. der grundbegriff wird das krümmen der finger, der klauen sein, und dafür bestand also altgerm. ein starkes krillan
mit ablaut i : a : u,
diesz aber stellt sich mit wechsel der liquida zu dem gleich ablautenden krimmen,
das in der bedeutung dem krallen, krällen
gleich kommt. II@cc)
aus diesem krillan,
das da noch aus dem schwed. hervorblickt, und dem grundbegriff sich krümmen erklären sich auch deutsche wörter, wie mhd. krul, krülle
locke (
s.krolle),
ostfr. krillen
ringeln, umdrehen, mit a
in krallen
verdrehen vorhin, kralle
verdrehte stelle in einem faden, wie kralle
die gekrümmte klaue, die sich krümmend greift, verwundet.