kollern ,
den koller haben, toll sein, wild thun, poltern, s. koller.
nd. kullern,
schwed. kollra. 11)
von menschen. 1@aa)
von sinnen sein, auch wüten, toben (Stieler 942): und (
David) verstellet sein geberde fur inen (
als wäre er wahnsinnig) und kollert
unter iren henden und stiesz sich an die thür am thor
u. s. w. 1 Sam. 21, 13,
mit anklang an kollern
rollen, sich wälzen? denn das hebr. wort zwar bedeutet rasen, aber die vulg. hat collabebatur inter manus eorum,
und der zusammenhang stimmt dazu; dieser kollert so fein (
thut so närrisch), das ich nicht weisz ob er auf dem heubt oder auf den ohren gehen wil. Luther 8, 67
a,
doch schon bildlich, von unsinnigen worterklärungen, darum von lange vorhergehendem gebrauch zeugend; der narr kollert einmal,
verfällt in seinen koller, hat einen anfall. Stieler. 1@bb)
in reimformel kollern und pollern: disz ist der gemeine gebrauch, dasz man derjenigen spottet, welche ohne verstand, mit kollern und pollern, ungereimte sachen wollen. Hohberg 3, 1, 82
a.
b,
vergl. koldern und poldern
sp. 1612
und nachher kollern und tollern
unter 3,
c. 1@cc)
milder werdend von jähzornigem zanken, lärmendem reden, '
jurgari' Stieler (
wie poltern
auch): fieng er an zu fluchen, mit donner und hagel (
d. i. flüchen) drein zu kollern.
Simpl. 1, 202, 31
Kz.; ich fieng gewaltig an zu kollern und sagte .. 4, 60, 21.
auch mit denselben praepositionen, wie zanken: was habt ihr jetzt mehr vor ursachen über mich zu kollern. 3, 181, 25; fienge derowegen an mit ihr (
seiner frau) zu kollern. 3, 88, 17; ich habe geistliche seelenhirten ... gewaltig darwider (hätte bei einem haar donnern gesagt) kollern gehöret. 4, 15, 12. 1@dd)
noch weiter abgeschwächt närrisch, wunderlich sein oder thun (
so z. b. oberpf. Schm. 2, 290,
selbst vom wetter),
seine laune, seinen bösen tag haben u. dgl., freilich mit nachklang der vorigen bedeutungen: ich dächte also .. wenn die frau visitatorin kollerte, so müszte die frau thorschreiberin dermaleinst verstand genug besitzen, sich nach ihrer decke zu strecken. Möser
phant. 1, 173 (255); oft kollert drob (
über untreue) sich mancher halb von sinnen. Bürger
Bellin str. 6.
bei Rädlein 553
b selbst gleich schmollen.
doch folg. noch wie unter a Luther: dieser unsinnige schwätzer .. der wol sein eignes kollern nicht versteht. Tieck
ges. nov. 4, 98. 22)
von pferden. 2@aa)
der koller heiszt das kollern,
wie der infin. bei vielen krankheiten früher galt: zuletzt wenn sie die laun und das kollern ankompt, den herrn aufs pflaster legen (
abwerfen). Luther 6, 145
a; das kollern hat den namen von der cholera, weil es von ergieszung der gallen ihren (
auf cholera
bezogen) ursprung nimmt. Hohberg 2, 228
a. 2@bb)
seltener als lebendiges zeitwort: schüchtern kollerten sie vielleicht und wollten der schlacht uns nicht entführen, wofern sie deine zunge vermissten. Bürger 223
a,
sträubten sich. 2@cc)
doch im part. praes.: der wille ist wie ein kollernd pferd, wild und unbändig
u. s. w. Scriver
seelensch. (1684) 111; wie ein kollerndes pferd .. stutzen (
am abgrund). Liscow 279. 33)
diesz part. kollernd
hatte seine eigne entwicklung. 3@aa)
es diente als adj., besonders zur bezeichnung der krankheit, wie bei andern krankheiten das part. praes. galt (
entsprechend dem subst. inf. das kollern 2,
a): zu Delphis ist ein sonderlich loch .. gewesen, darausz er (
der teufel) die leute angewehet .. dasz sie hennebrittend (
s. unter klucks 2) und kollernd sind worden
u. s. w. Mathesius
Sar. 213
b (16.
pred.); wiewol sichs selten zutregt, das fromme .. weiber von mennern, ob die auch schon bös und kollernd sind, geschlagen werden. Barth
weibersp. C 4
a.
noch bei M. Kramer 1768. 1787 kollerend
als besondres wort, gleich kollerig. 3@bb)
es ward aber gekürzt in kollern (
was allein häufigen gebrauch ausweist),
wie andre part., mit dem inf. sich mischend. Agricola
nr. 650
gibt als sprichwort 'der vater ist abermals kollern worden',
in der erklärung: kollern wird vom griechischen wort cholera kommen, das da heiszt wallend und hitzig geblüt.
man sagte er ist
oder wird kollern: wenn ein pferd kollern und unsinnig wird. Coler
hausb. (1640) 278. 3@cc)
daher denn ein scheinbares adj. kollern: nu es gehet wie es gehen sol, on das auf dem rechten wege nichts bleiben wil, es wil entweder hotte oder schwode (
rechts oder links, gr. 3, 310) hinaus, wie die kollern und tollern geule thun. Luther 6, 157
b (
auslegung des 101.
ps. v. 5),
s. dazu kollertoll.
diesz kollern
war als adj. um so mehr zu fühlen, da es sich an adj. wie lüstern, kützeln
kitzlich (
sp. 874)
anlehnte, s. unter kleisper (
adj.) 4. 44)
von gewissen tönen. 4@aa)
besonders vom geschrei des zürnenden puterhahns: sie (
die insulaner) antworteten nicht, sondern kollerten mit mir und unter sich selbsten eine sprache dahin wie erzörnete kalekuttische hanen.
Simpl. 2, 280, 16
Kz., zugleich als beleg für die allgemeine bed.; der kollernde puter. Voss
Luise 1, 13; er im zorn kollert wie ein welscher hahn. Pestalozzi 6, 6. 4@bb)
vom girren wilder tauben: allein was kollert und girrt mir hier zur seiten vom eichstamm ... teuscht mich der einbildung spiel? sieh! plötzlich flattert ein täubchen aus éinem astloch empor. Kleist
frühl. 1754
s. 40. 4@cc)
ähnlich von dem rollenden klange in den eingeweiden (
wie kolkern), es kollert mir im leibe;
ebenso nd. kullern,
wie vom puter (
br. wb.): es wird leider nicht lange dauern (
mit dem vernünftigen reden), es kullert schon etwas unterm zwergfell. Immermann
Münchh. 2, 139,
von einem besessenen. 4@dd)
vom rasseln der schlüssel: diese läszt als weisze frau nun ihre schlüsselbündel kollern. Platen 276. 4@ee)
selbst trans.: wie er die verschiedenen instrumente nachmachte ... er pfiff die kleinen flöten, er kollerte die querflöte. Göthe 36, 115,
bildete ihren klang kollernd nach. 4@ff)
diese bed. bedarf aber einer besonderen prüfung. der gebrauch unter a schlieszt sich zwar deutlich an das vorige kollern
an, der kollernde puter
hat eben den koller
wie ein zürnender mensch. aber das kollern
unter b will sich nicht anschlieszen, eher das unter c; es bleibt möglich, dasz hier ein eignes, heimisches klangwort vorliege, das mit dem vorigen sich vermischte, s. besonders unter 5.
da aber der klang fast immer ein rollender ist, kommt eine herkunft vom folg. kollern
rollen in frage, wie man vom rollenden donner
spricht. wie eng und unscheidbar so verschiedene begriffe und wörter verwachsen können, zeigt recht deutlich die stelle Simpl. 4, 15
u. 1,
c, wo Grimmelshausen
ganz deutlich zugleich an das rollen des donners und an den koller eines unsinnigen, vielleicht auch an den puterhahn gedacht hat. 55)
endlich im bergbau. wenn da etwas an einer maschine nicht recht geht, schlottert, was sich durch einen ungewöhnlichen klang verrät, wie ketten, seile, sagt man das kunstgezeug, das seil kollert (Frisch, Adelung),
bei Hertwig 246 die kunst kollert, '
wenn etwas daran zubricht'.
hier ist wol das unter 4,
f angenommene klangwort besonders deutlich.