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knöchel

nhd. bis spez. · 7 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
8 in 7 Wb.
Sprachstufen
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

knöchel m.

Bd. 11, Sp. 1451
knöchel, m. articulus, condylus, talus, nodus. II. Formen, verwandtschaft, heimat. I@aa) wir empfinden knöchel mit recht als verkleinertes knochen (knoche), das übrigens selbst auch einst den knöchel bezeichnete. das masc. von letzterem bezeugt, dasz die bildung aus der alten zeit stammt, als man für die verkleinerung noch das geschlecht des mutterwortes beibehielt (s. gramm. 3, 666). doch knöchel selbst ist ahd. mhd. nicht bezeugt, vielleicht noch nicht vorhanden. wol aber knuchel, aus mhd. zeit, aber aus mitteld. lande: an sînen knuchelin an den handen. Grieshaber vaterländisches s. 272. das u ist nicht verderbnis, sondern der echte vocal, aus dem das o von knochen (s. d.) erst entstand. noch im 15. jh. knuchel (s. II, 1), auch niederrh. Fromm. 2, 441b, im 16. 17. jh. (jedenfalls schon älter) knüchel, s. sp. 1453. im nd., engl. gilt das u noch, s. unter I, d. I@bb) merkwürdig aber auch knugel, knügel. so in den Wiesbader glossen 2, 16 cnugel vom fingerknöchel (Haupt 6, 321a, vgl. 326), aus dem 12. oder 11. jahrh., jedenfalls westmitteld., denn noch Alberus gibt knügel talus z 3b, talus der knügel am fuos, scaurus der dicke knügel hat ll 3b (daneben knöchel condylus z 4b, fingerknöchel), und so noch z. b. in der Wetterau (gesprochen knijel). ebenso in einem mitteld. voc. des 15. jh. knygel internodium Dief. 304c (y für ü?), auch knogel condylus 140b (nrh.). das g zeigt sich wieder im norden: schwed. knoge m. (pl. knogar) knöchel, dial. knugge Rietz 337b, n. knog und knogle. daneben besteht auchn. knokkel, schwed. knjokel Rietz 337b, sodasz das g eine altberechtigte nebenform darstellt. I@cc) aber auch die drittmögliche auslautstufe (k) ist nicht blosz nd.: die selben schuo sint oben uszgeschnitten und nider (niedrig) das sie kum den knyckel bedecken. Keisersberg bilg. 94d, y wol für ü? vgl. knickel 1 und knichel internodium Mones anz. 7, 301b (rhein.). auch nürnbergisch knöckla fuszknöchel Grübel 1, 175 (aber als neutr.), wie in einem Nürnb. voc. v. 1530 knockle vel rückglenk, spondylus Dief. 548b, bei H. Sachs knocke (s. d.) knöchel, vgl. unter knöchelfleisch. also ein deutliches und sicheres beispiel, dasz in einem worte alle drei lautstufen entwickelt waren, und das musz schon dem mutterwort knochen (s. d. I, 2) eigen gewesen sein, wie schon hier knocke und nord. knoge (b) beweisen. I@dd) im nd. u. s. w. herscht, dem md. hd. ch entsprechend, k, und wieder auch beide vocale, o und u: mnd. knokel condylus Dief. 140b, cnokel internodium 304c (nov. gl. 219b), aber auch (nnd.) knukkel brem. wb. 2, 830, hamb. knückel Richey 132, westf. knüekel Fromm. 3, 366, pomm. knüchel Dähnert 244b. ferner nnl. knokkel (und kneukel), mnl. cnokel, aber auch knuckel condylus Dief. n. gl. 107b. altfries. knokele, knokle, neufries. kneukel Richth. 876a. engl. knuckle, wie ags. cnucl, aber auch altengl. knokil Stratm. 116. endlich schwed. knjokel, knokkel Rietz 337b, aber auch altn. knykill (s. II, 5). I@ee) dem nhd. knöchel wird eben das denken an knochen den sieg verschafft haben, die form wie das ganze wort musz von mitteld. landen aus ins hd. vorgedrungen sein, wie knochen selbst dort seine heimat hat. es ist in den alem., bair. mundarten noch heute zum theil unbekannt (z. b. im Bregenzerwalde), die oberd. wörter sind knoten, knorren, knübel u. a. I@ff) übrigens gibt es auch ein neutr. knöchel als wirkliches dem. zu knochen, z. b. schweinsknöchel als gericht (ostmd.), vergl. knöchlein und knöcheln 1. IIII. Gebrauch und bedeutung. II@11) hervorstehendes knöchlein an den gelenken von fusz und hand oder faust, die gewöhnliche bed.: knuchel der gelieder, condilus. voc. th. 1482 q 8b; knuchel an den gelaichen (gelenken), condus. das. (dieser Nürnb. voc. bringt oft md. wörter früh). II@1@aa) bes. der knöchel über dem fusze, eigentlich enkel (auch bickel, knoten, knorren, sprungbein): occuus, enkel ader knöchel. Diefenb. wb. v. 1470 sp. 195, knochel dess. gl. 393b, beides md. quellen: und füret mich durchs wasser bis mirs an die knöchel gieng. Ezech. 47, 3; du machst unter mir raum zu gehen, das meine knöchel nicht gleiten. ps. 18, 37. 2 Sam. 22, 37; also balde stunden seine schenkel und knöchel feste. apost. 3, 7; du ... stärktest meine bein und knöchel. Weckherlin 70 (ps. 18, 64); du machtest raum zu gehen aller seiten, damit mir nicht die knöchel möchten gleiten. Opitz ps. 18, 13; (der rock) umschlägt ihr im gehn die wolgebildeten knöchel. Göthe 40, 285; reichlich herunterwallt zum wolgebildeten knöchel. 296; prangende schienen zugleich mit schlieszender knöchelbedeckung. Voss. von oberd. wbb. gibt Denzler das wort (noch Schönsleder nicht) nur in diesem sinne: 'knöchel, knoden am fusz, talus', mit seinem heimischen worte es erklärend. II@1@bb) der entsprechende knochen an der hand: traf des Telemachos hand an dem knöchel. Voss Od. 22, 277 ἐπὶ καρπῷ, an der handwurzel, am ballen. so vielleicht im folg.: mit dem zucket er sein schwerdt und traf den herzogen auf sein helm, aber der streich glitschet ab und kame bisz auf den knüchel. Aimon b. II@1@cc) die fingerknöchel, an den gelenken: es wundert mich dasz sie nicht einen ring am thor haben, man klopft sich die knöchel wund. kinderm. nr. 178; müszte nicht ... die knöchelseite der hand nach oben gekehret sein? Lessing 8, 114. II@1@dd) im pl. als volksmäsziges kraftwort für faust, hand, finger, nl. kneukels (s.knöbel 1, b): wer ihnen (den pfaffen) den bauch, beütel und knüchel gefüllt hat, haben sie in den himmel erhebt. Moscherosch christl. verm. 386, es musz doch pl. sein wie im folg.; einen auf die knöchel schlagen, auf die finger. Steinbach 1, 887, M. Kramers deutsch-holl. wb.; hier thut die gerechtigkeit schon etwas übriges, strickt ihre knöchel aufs rad und pflanzt ihre schlauköpfe auf spiesze. Schiller 150a (Fiesco 1, 9), hier die füsze wol eingeschlossen. II@1@ee) knöchel der zehen M. Kramer: bis zô den knuchelen dînre zêen. Fromm. 2, 441b, aus Köln 15. jh. II@22) auch von dem gelenke selbst, dem der knöchel eigentlich dient: knuchel oder glaich (gelenk), vertebra. voc. th. 1482 r 1a; articulus, knochl. voc. opt. Lpz. 1501 C 4b. II@33) auch von andern gelenkknochen vielleicht, vgl. das nürnb. knockle rückenwirbel unter I, c, nl. knokels (cneukels Binnaert) van den ruggraet, verticuli, vertebrae, spondyli Kilian. das nl. wort gilt auch für knochen überhaupt, daher kneukelhuis beinhaus. II@44) knöchel für würfel, als landsch. bei Campe, s.knöcheln 1, knöchelchen 2. II@55) eigen condylus .. ein knöchel dʒ an den fingeren wachst. Dasypodius, es musz einen knorrigen, knochigen auswuchs meinen, z. b. gichtknoten. so ist das nd. knukkel auch harter auswuchs, geschwulst (brem. wb. 2, 830), ebenso altn. knykill m. Fritzner, schwed. knokkel auch knotenartige erhöhung überhaupt Rietz 338a, und das ist wahrscheinlich die urbedeutung. II@66) ein rest davon auf deutschem boden scheint schles. knöchel, knichel m. kleine bodenerhöhung, hügel. Weinhold 45a, s.knübel ebenso, auch knocke 5.
7082 Zeichen · 246 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    KnöchelDer

    Campe (1807–1813) · +3 Parallelbelege

    Der Knöchel , des — s , d. Mz . w. d. Ez. eine rundliche Hervorragung mancher Knochen an verschiedenen Theilen des mensc…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Knöchel

    Goethe-Wörterbuch

    Knöchel 1 Knochenvorsprung an Hand- u Fußgelenken a vorspringender Teil des Hand- bzw Fußgelenks Ihr [ Mignons ] Körper …

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Knöchel

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Knöchel ( Malleoli ), bei höhern Wirbeltieren die beiden länglichen Knochenhügel, die am untern Ende des Unterschenkels …

  4. Sprichwörter
    Knöchel

    Wander (Sprichwörter)

    Knöchel Er wird mir schon einmal unter meine Knöchel kommen. Holl. : Iemand in de knokkels krijgen. ( Harrebomée, I, 420…

  5. Spezial
    Knöchel

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Knö|chel m. (-s,-) 1 ‹anat› (Fußknöchel) ciaidla (-les) f. 2 ‹anat› (Handknöchel) conëdla (-les) f. ▬ sich den Knöchel v…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit knoechel

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knoechel‑ als Erstglied (15 von 15)

Knöchelband

Campe

knoechel·band

Das Knöchelband , des — es, Mz. die — bänder , in der Zergliederungskunst, verschiedene Bänder, welche an den vordern und hintern Theil des …

Knöchelbedeckung

Campe

knoechel·bedeckung

Die Knöchelbedeckung , Mz. die — en , eine Bedeckung der Knöchel, besonders eine solche Bedeckung, als Theil eines Harnisches. Prangende Sch…

knöchelchen

DWB

knoechel·chen

knöchelchen , n. das mitteld. demin. zu knochen, wie löchelchen, sächelchen, büchelchen u. s. w.; bei Rädlein 551 a , Steinbach 1, 887 knöch…

knöchelfleisch

DWB

knoechel·fleisch

knöchelfleisch , n. nl. kneukelvleesch, knorpot. M. Kramer (1719) 2, 124 c , knöckelfleisch 125 a , letzteres nürnbergisch ( s. knöchel I, c…

knöchelhoch

RDWB1

knoechel·hoch

knöchelhoch (nicht immer "по щиколотку") непролазный durch knöchelhohen Matsch stapfen - пробираться по непролазной грязи

knöchelich

RhWB

knoch·elich

knöchelich Adj.: 1. -χ- grobknochig, plump, steif, ungefällig Sieg-Fussh . — 2. -eχ-, im Rätsel vom Hahn: Et kimmt e Mann von Dippedappe, h…

Knöchel II

RhWB

Knöchel II -χ-, Pl. -ələ südl. Wupp m.: Hügel.

Knöchelschellenring

GWB

knoechel·schellenring

Knöchelschellenring am weibl Fußknöchel getragener Schellenring (aus China); als erot Accessoire [ aus ‘Gedichte hundert schöner Frauen’ von…

knöchelspiel

DWB

knoechel·spiel

knöchelspiel , n. das knöcheln, ἀστραγάλισις : die hasardspiele, bei denen es keineswegs mehr wie bei dem altitalischen knöchelspiel um nüss…

Knöchelspielerin

Meyers

knoechel·spielerin

Knöchelspielerin , Name einer altgriechischen Marmorfigur, die ein auf dem Boden sitzendes, mit Knöcheln ( astragali , s. Würfel ) spielende…

Knöchelwetzer

PfWB

knoechel·wetzer

Knöchel-wetzer m. : 'der O-Beinige (dessen Fußknöchel beim Gehen sich streifen)'. Des isch e Knechelwetzeʳ [ BZ-Dernb ]. —

Knöchelzug

PfWB

knoechel·zug

Knöchel-zug m. : 'das Pressen des Knöchels in den nassen Ton, um eine Kurve oder Einkerbung in das entstehende Gefäß zu machen', der Gnechel…

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APA
Cotta, M. (2026). „knoechel". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 15. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/knoechel/dwb?formid=K09086
MLA
Cotta, Marcel. „knoechel". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/knoechel/dwb?formid=K09086. Abgerufen 15. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „knoechel". lautwandel.de. Zugegriffen 15. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/knoechel/dwb?formid=K09086.
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