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Hebamme

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Meyers
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Hebamme

Bd. 9, Sp. 21
Hebamme (Wehmutter, lat. Obstetrix, franz. Sage-femme), eine für die Hilfeleistungen bei Entbindungen geprüfte weibliche Medizinalperson, welche die Befugnis hat, normale Geburten selbständig zu besorgen (vgl. Geburtshilfe). Im Deutschen Reich bedürfen die Hebammen nach § 30 der Gewerbeordnung vom 21. Juni 1869 eines Prüfungszeugnisses der nach den Landesgesetzen zuständigen Behörde. Ihre Ausbildung erhalten die Hebammen in den Hebammenlehranstalten, die sich an den meisten Universitäten (Universitäts-Frauenkliniken) und auch sonst in größern Städten als öffentliche Entbindungsanstalten finden; namentlich in Preußen haben die Provinzen vielfach besondere Hebammenlehranstalten geschaffen. Die Ausbildungszeit der Hebammen in diesen Anstalten beträgt z. B. in Bayern 4, in Elsaß-Lothringen 9 Monate; im Mittel dauert sie etwa 6 Monate. Aufnahmebedingungen sind im allgemeinen Alter zwischen 20 und 35 Jahren, unbescholtener Ruf, Gesundheit, geistige Befähigung und Schulbildung. In Holland, Belgien, Italien, Rußland beträgt die Ausbildungszeit der Hebammen 2 Jahre. Um das Wissen der Hebammen nicht verfallen zu lassen, werden sie in Abständen von 2–3 Jahren durch den beamteten Arzt nachgeprüft. Stellenweise finden neben diesen Nachprüfungen auch Wiederholungskurse statt; namentlich in Hessen, wo alle praktizierenden Hebammen nach und nach zu 8–14 tägigen Wiederholungskursen in die Lehranstalt nach Gießen auf Staatskosten eingezogen werden. Den Niederlassungsort kann sich die H. frei wählen, doch erkennen die einzelnen deutschen Bundesstaaten nicht alle gegenseitig die Prüfungszeugnisse an, können es auch nicht infolge der verschiedenen Ausbildungsanforderungen. Fast überall. ist die Tätigkeit der H. durch Dienstanweisungen geregelt, außerdem gibt es mehrere für die staatlichen Kurse zugrunde gelegte Lehrbücher, nach denen sich die Hebammen zu richten haben. In Sachsen besteht keine freie Niederlassung, sondern eine Art Konzessionssystem; dafür ist Sachsen auch der einzige Bundesstaat, der die Besoldung und Unterstützung der Hebammen gesetzlich geregelt hat; die Hebammen werden dort mit einem garantierten oder festen Gehalt angestellt; sie können zwangsweise pensioniert werden, erhalten aber dann etwa 300 Mk. Ruhegehalt. Die H. kann zeitweilig zwangsweise von der Praxis abgehalten werden, wenn durch sie eine Übertragung von Krankheiten (Kindbettfieber u. a.) droht; ihr Prüfungszeugnis verliert sie nur, wenn aus Tatsachen hervorgeht, daß sie die damals nötigen Kenntnisse und sonstigen Vorbedingungen nicht mehr besitzt (§ 53 der Reichsgewerbeordnung). Der Betrieb einer Privatentbindungsanstalt durch eine H. ist nach § 30 der Gewerbeordnung konzessionspflichtig. Eine Reform des Hebammenwesens ist ein dringendes Bedürfnis; der Bildungsgrad der meisten Hebammen ist für ihren verantwortungsvollen Beruf ein zu niedriger; hochgebildete Frauen dagegen wenden sich diesem Gewerbe, das unter einer gewissen sozialen Mißachtung und unter wirtschaftlichem Druck leidet, einstweilen nur ungern zu. Die Vorbildungszeit wird mit der Zeit auf ein Jahr gesteigert werden müssen, und die stellenweise stattfindenden Wiederholungskurse werden allgemein einzuführen sein. Die Sorge für Pensionierung der Hebammen darf nicht den Gemeinden überlassen bleiben, sondern muß auf Staat oder Provinz genommen, bez. gesetzlich geregelt werden; nur so ist es möglich, alte, verdiente, aber nicht mehr tüchtige Hebammen, wie sie fast in jeder größern Gemeinde zu finden sind, zur rechtzeitigen Niederlegung des Berufs zu veranlassen. Zahlreiche Hebammenvereine bestreben die wirtschaftliche und wissenschaftliche Hebung des Standes. Über Geschichte des Hebammenwesens s. Geburtshilfe. Vgl. E. Dietrich, Das Hebammenwesen in Preußen (Merseb. 1896); Springfeld, Die Rechte und Pflichten der H. (Berl. 1898); Rapmund u. Dietrich, Ärztliche Rechts- und Gesetzkunde (Leipz. 1899); Poten, Hebammenunterricht und Hebammenwesen (Berl. 1895); neuere Hebammenlehrbücher von B. R. Schultze (13. Aufl., Leipz. 1904), Leopold und Zweifel (7. Aufl., das. 1902), Frank (Wien 1900), Vogel (Stuttg. 1901) u. a.; »Hebammen-Lehrbuch«, im Auftrag des preußischen Ministers etc. (Berl. 1904); »Allgemeine deutsche Hebammenzeitung« (hrsg. von Winter, das., seit 1896).
4268 Zeichen · 58 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    hebammesw. F.

    Köbler Mhd. Wörterbuch

    hebamme , sw. F. Vw.: s. hebeamme

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Hêbamme

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Die Hêbamme , plur. die -n, eine Person weiblichen Geschlechtes, welche ein Geschäft daraus macht, Kinder zu heben, d. i…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Hebamme

    Goethe-Wörterbuch

    Hebamme a Geburtshelferin durch Ungeschicklichkeit der H. kam ich für todt auf die Welt 26,11,16 DuW 1 [ für: levatrice …

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Hebamme

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Hebamme ( Wehmutter , lat. Obstetrix , franz. Sage-femme ), eine für die Hilfeleistungen bei Entbindungen geprüfte weibl…

  5. modern
    Dialekt
    Hebamme

    Bayerisches Wörterbuch · +3 Parallelbelege

    Hebamme Band 1, Spalte 1,344–349

  6. Sprichwörter
    Hebamme

    Wander (Sprichwörter)

    Hebamme 1. Es sind alle gute Hebammen, wenn's gut geräth. (S. Gerathen 27.) – Körte, 2700. 2. Jede Hebamme ist gut, wenn…

  7. Spezial
    Hebamme

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Heb|am|me f. (-,-n) efon (-s) f.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit hebamme

30 Bildungen · 30 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von hebamme

hebammen + -e

hebamme leitet sich vom Lemma hebammen ab mit Suffix -e, auf Verb-Stamm zurückgeführt.

Zerlegung von hebamme 2 Komponenten

heb+amme

hebamme setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

hebamme‑ als Erstglied (30 von 30)

Hebamme(n)

Idiotikon

Hebamme(n) Band 1, Spalte 212 Hebamme(n) 1,212

Hebamme(n)bänkli

Idiotikon

Hebamme(n)bänkli Band 4, Spalte 1385 Hebamme(n)bänkli 4,1385

Hebamme(n)ma(nn)

Idiotikon

Hebamme(n)ma(nn) Band 4, Spalte 252 Hebamme(n)ma(nn) 4,252

hebammenamt

DWB

hebammen·amt

hebammenamt , n. munus obstetricium. Frisch 1, 430 c ; alle diejenige hebammen, welche in allhiesiger stadt zeithero das hebammenamt getrieb…

hebammenarzt

DWB

hebammen·arzt

hebammenarzt , m. geburtshelfer: herr Osiander ist als einer der ersten hebammenärzte allgemein erkannt. Heynes briefe an J. v. Müller 109 .

hebammenbuch

DWB

hebammen·buch

hebammenbuch , n. buch zur belehrung der hebammen: dasz er ( der hebammenmeister ) ausz denen an der zahl zwar überflüssigen und weitläuftig…

hebammendienst

DWB

hebammen·dienst

hebammendienst , m. : hebammendienste verrichten. E. T. A. Hoffmann 11, 120 ; in einem bilde: es wird vielleicht eine misgeburt zur welt kom…

hebammenexamen

DWB

hebammen·examen

hebammenexamen , n. : ( eine frau soll nicht ) das hebammenamt in oder auszerhalb der stadt treiben, sie habe dann vorher das gewohnliche he…

hebammengeschäft

DWB

hebammen·geschaeft

hebammengeschäft , n. : die zu denen hebammengeschäften abgeordnete herren ( ratsmitglieder zur beaufsichtigung ). ebenda s. 3.

hebammenkunst

DWB

hebammen·kunst

hebammenkunst , f. : die ganze hebammenkunst, und derer lehrsätze von stück zu stück, durch gründlichen unterricht erkläre. ebenda s. 5. übe…

hebammenmeister

DWB

hebammen·meister

hebammenmeister , m. aufseher und lehrer der vereidigten hebammen in der stadt Straszburg. Straszb. hebammen-ordnung s. 4 ff.

hebammenordnung

DWB

hebammen·ordnung

hebammenordnung , f. : revidirte, vermehrt und verbesserte hebammenordnung ( der stadt Straszburg von 1728); eine andre ( verordnung ), unte…

hebammenpfetz

DWB

hebammen·pfetz

hebammenpfetz , m. einer der bei seiner geburt von der hebamme gepfetzt, durch ungeschickten griff beschädigt ist: so wiszt ihr nun, das er …

Hebammensack

PfWB

hebammen·sack

Hebammen-sack m. : im SprW.: En Paffesack un en Hewammesack sin nit se fille 'Pfarrer und Hebammen kriegen nie genug' [ GH-Kand ]. Els. II 3…

hebammenschild

DWB

hebammen·schild

hebammenschild , m. schild an der wohnung der hebamme: den gewohnlichen hebammenschild oder tafel, mit der stadt wappen versehen, offentlich…

hebammenschule

DWB

hebammen·schule

hebammenschule , f. fachschule für hebammen: der hebammenmeister soll schwöhren .. nicht nur allein die hebammenschuhl ehestens zu eröffnen …

hebammenstuhl

DWB

hebammen·stuhl

hebammenstuhl , m. stuhl den die hebammen bei entbindungen anwenden, gebärstuhl. ebenda s. 7.

Hebammentäsche

PfWB

hebammen·taesche

Hebammen-täsche f. : 'Hebammentasche' im SprW.: E Paffekutt un e Hewammdäsch sin nit se fille [ LA-Nd'hochstdt ].

Hebammentauff

Idiotikon

Hebammentauff Band 12, Spalte 559 Hebammentauff 12,559

hebammenunterricht

DWB

hebammen·unterricht

hebammenunterricht , m. : indem mein groszvater .. anlasz nahm, dasz ein geburtshelfer angestellt, und der hebammenunterricht eingeführt ode…

hebammenwesen

DWB

hebammen·wesen

hebammenwesen , n. : das allhiesige hebammenwesen in besser und volkomneren stand zu setzen. Straszb. hebammenordn. s. 3.

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APA
Cotta, M. (2026). „hebamme". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/hebamme/meyers
MLA
Cotta, Marcel. „hebamme". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/hebamme/meyers. Abgerufen 12. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „hebamme". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/hebamme/meyers.
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