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Hagestolz

mhd. bis sprichw. · 11 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
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11 in 11 Wb.
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Hagestolz

Bd. 8, Sp. 619
Hagestolz (eigentlich »Hagbesitzer« im Gegensatz zu Hofbesitzer, a. d. altsächs. hag, umfriedigtes Grundstück, und staldan, besitzen), ursprünglich ein jüngerer Sohn, der als Kleinhäusler bei dem erstgebornen Bruder, dem das väterliche Grundstück zufiel, wohnte und wegen unausreichenden Einkommens keine Familie erhalten konnte. Man legte den Namen später den Unverheirateten überhaupt, namentlich alten, ehescheuen Junggesellen bei. Schon bei Hrabanus Maurus findet sich das lateinische caelebs (»ehelos«) durch hagustalt übersetzt; später kommen in verschiedenen Dialekten die Ausdrücke: Hagestalt, Hagestolt, Hagestelz etc. vor. Brunner in seiner »Deutschen Rechtsgeschichte« weist darauf hin, daß die altsächsischen Gefolgsleute, solange sie am Hof des Herrn weilten, unverheiratet bleiben mußten; diese Gefolgsleute aber hießen Hagnstalden. Aus Gründen der Politik und Moral hat man die Hagestolzen früher zuweilen für nicht vollberechtigte Staatsbürger erklären wollen. Schon den Juden wurde die Eingehung einer Ehe zur Pflicht gemacht, und in mehreren griechischen Staaten, namentlich in Sparta, galten nach Lykurgs Gesetzen die ohne physische Notwendigkeit im ehelosen Stand Beharrenden als von der vollen staatsbürgerlichen Ehre ausgeschlossen. Auch römische Gesetze bevorzugten die Verehelichten, namentlich hinsichtlich der Erbfähigkeit. Ganz unabhängig vom römischen Rechte bestand ein Hagestolzenrecht (jus hagestolziatūs) in einigen Distrikten Braunschweigs, Hannovers und der Pfalz, das dem Landes- und Gutsherrn einen gewissen Anspruch auf den Nachlaß der Hagestolzen gab. Die Volksdichtung ist unermüdlich, ihnen und den alten Jungfern ihre Mißbilligung auszusprechen, und läßt sie im Jenseits die verschiedenartigsten unnützen oder erniedrigenden Arbeiten verrichten. Vgl. Haberland, Altjungfern- (und Hagestolzen-) Schicksal nach dem Tode (»Globus«, 1878, Nr. 13); Schrader, Die Schwiegermutter und der H. (Braunschw. 1904).
1950 Zeichen · 18 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    hagestolzst. M.

    Köbler Mhd. Wörterbuch

    hagestolz , st. M. Vw.: s. hagestalt

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Hagestolz

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Der Hagestolz , des -en, plur. die -en, ein alter Junggesell, eine Person männlichen Geschlechtes, welche funfzig Jahre …

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Hagestolz

    Goethe-Wörterbuch

    Hagestolz gelegentl Hagen- typisierend für den ehelosen, mitunter etwas wunderlichen, älteren Mann, auch für Misogyn, Fr…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Hagestolz

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Hagestolz , althochdeutsch Hagastalt, d.h. ein Alleinwohnender, jetzt ein freiwillig Eheloser, der aus selbstsüchtigen G…

  5. modern
    Dialekt
    Hagestolz

    Schweizerisches Idiotikon · +1 Parallelbeleg

    Hagestolz Band 11, Spalte 370 Hagestolz 11,370

  6. Sprichwörter
    Hagestolz

    Wander (Sprichwörter)

    Hagestolz 1. Ein Hagestolz sitzt frei, bis er sich verändert. – Graf, 43, 162. Die Ehelosigkeit wurde im Mittelalter als…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit hagestolz

7 Bildungen · 6 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

Zerlegung von hagestolz 2 Komponenten

hage+stolz

hagestolz setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

hagestolz‑ als Erstglied (6 von 6)

hagestolzeneiland

DWB

hagestolze·n·eiland

hagestolzeneiland , n. : durch euer ( des bräutgams ) beispiel angereizt, bekehre sich, wer schon allmälich an der küste des hagestolzeneila…

hagestolzenkram

DWB

hagestolze·n·kram

hagestolzenkram , m. kram, wie ihn ein hagestolz um sich her hat ( vgl. das zweitfolgende ): packt aus den hagestolzen kram. Overbeck ged. 8…

hagestolzenrecht

DWB

hagestolze·n·recht

hagestolzenrecht , n. rechtliche befugnisse und rechtsverhältnisse eines hagestolzen. Schottel tractat von unterschiedl. rechten in Teutschl…

Ableitungen von hagestolz (1 von 1)

Hagestolze

Campe

Der Hagestolze , des — n , d. Mz . w. d. Ez. oder die — n; die Hagestolze, der — n, Mz. die — n , eine Person männlichen oder weiblichen Ges…