gurgeln,
vb. den rachen (gurgel)
spülen; laute in der gurgel oder solchen ähnliche geräusche hervorbringen. von gurgel,
f., abzuleiten, vgl. it. gorgogliare;
doch ist zu beachten, dasz einer der frühesten belege im Breslauer arzneib. 52 (
s.B 1 e
β)
auf das knurren im leibe geht (
vgl.gurren 1 a)
und dasz hier wie bei K. v. Megenberg (
s. 1) gurgel
noch fehlt; das legt die vermutung nahe, dasz in dem denominat. ein schallnachahmendes verb aufgegangen ist. gorgeln hat sich gegenüber gurgeln
auf die ma. zurückgezogen: (1421)
bei Diefenbach
nov. gl. 189
a; Ortolff v. Bairland (1479) 40
a,
jedoch (1488) 56
b gurgeln;
buch der liebe (1587) 153
b; görgeln Hulsius
d.-it. (1618) 143
b;
s. auch Fischer
schwäb. 3, 751; Woeste 82
b; Mensing 2, 455.
mnd. tritt gorgeln
neben entlehnungsversuchen wie gargaren, gargariseren, gargheln
nach lat. gargarizare
auf, s. Schiller-Lübben 2, 13
b; 134
a;
vgl. mnl. gorgelen.
mit dem ende des 16.
jh. hat sich gurgeln
schriftsprachlich durchgesetzt. s. auch gargeln.
mlat. gurgulare Diefenbach 271
b wird aus dem deutschen stammen. AA.
spülbewegungen im halse, in der gurgel hervorbringen. A@11)
in specifischer verwendung für das rachenspülen. pleonastisch im hals gurgeln: so man damit (
mit eisenkraut) gorgelt in dem hals und in dem mund K. v. Megenberg
buch d. natur 424
Pfeiffer; auch 329; 365; 367;
gargarizare gurgelen in der kelen oder in dem halsz
gemma gemm. (1508) l 3
d;
gargarizo ich gurgel im hals Alberus
dict. (1540) i i 3
a;
dann bis heute ohne jede ergänzung gebraucht: gragari gorgelen (1421)
bei Diefenbach
nov. gl. 189
a;
gargarizare gurgeln, gorgeln
gl. 257
c;
gargarizatio das gurgelen Frisius
dict. (1541) 388
b; durch gurgeln, abwaschung ... curiert werden Ettner v. Eiteritz
med. maulaffe (1719) 829; man quälte mich mit gurgeln und pinseln Göthe 27, 214
W.; des morgens kann ich ruhig eine viertelstunde lang gurgeln, ohne irgend wen zu belästigen Fontane
familienbriefe (1905) 1, 138.
in älterer zeit sind verschiedene abweichende constructionsweisen in gebrauch; reflexiv sich gurgeln
se gargariser nouv. dict. (1762) 1, 361
a; Adelung 2, 844: damit soll sich der kranck offt lawlecht gurgeln, oder vil mehr den mund und die zungen damit schwencken und waschen Gäbelkover
arzneib. (1595) 1, 61; und gurgel dich damit J. Agricola
chirurgia (1643) 129; stark gurgeln aber darf sich der kranke nicht Bremser
med. parömien (1806) 267;
transitiv wie spülen
gebraucht: das pulverlin von den gebrannten hundtszänen ... in wein gesotten, und den mund damit wol gegurglet, vertreibet das zanwee (
Plinius, nat. hist. 30, 3:
colluunt) Heyden (1565) 205; (
ein wasser) damit man den hals, so er siech, gurglet, wescht und heylet S. Roth
dict. (1571) g 6
a; (
wasser) den mund zu gurgeln
pour gargariser la bouche Duez
guidon (1657) 594;
noch Adelung den hals mit wasser gurgeln 2, 844.
wohl vom lat. gargarizare aliquid beeinfluszt: wenn man ez (
aufgelöstes baummark) gorgelt in dem hals, so pricht ez die apostem in der keln K. v. Megenberg
buch d. nat. 364; nym sein (
des medicaments) eyn löffel vol in den mund und gorgel es umb und umb und spey es denn wider aus Ortolff v. Bairland
artzneipuch (1479) 40
a.
s. auch gurgelung. A@22)
unter röchel- und würgebewegungen '
von sich geben'
und '
zu sich nehmen'
: gurgulare (
i. e. eructare) gorgeln
vel vyern Diefenbach
gloss. 271
b; '
vom würgen und dem damit verbundenen laut beim erbrechen oder beim reize dazu; sich erbrechen' Staub-Tobler 2, 418;
vgl.utgörgeln
vomieren, von kindern Woeste
westfäl. 283
a;
s. auch gurgelsuppe.
blut von sich geben: und gurgelte das blut häuffig ausz dem halse A. H. Buchholtz
Herkules (1666) 1, 487; aber das häuffige geblüte, welches er von sich gurgelte, machte, dasz er mir nicht antworten konte
poln.-preusz. Robinson (1736) 14.
umgekehrt: ingurgitare in sich gurgeln
vel schlucken Diefenbach
gloss. 298
c;
bes. vom trinken: mein träumen gieng allein auf trinken, gurgeln, schluken; jedoch mund, hals und schlund, die blieben immer truken Joh. Grob
epigramme 170
lit. ver.; noch heute mundartlich eins gurgeln Martin-Lienhart 1, 231; Staub-Tobler 2, 418;
ähnlich bier hineingurgeln Hertel
Thür. 111;
vgl. noch durch-, herunter-, vergurgeln Sanders 641
a;
ergwb. 241
a;
s. auch gurgler 3. BB.
laute von bestimmter art hervorbringen, durch ähnliche bewegungen im halse wie unter A;
hier bestimmen z. t. greifbar onomatopoetische absichten die wortwahl. B@11)
dumpfe, unscharfe, unklare, also meist häszliche laute hervorbringen. mit der rein terminologischen bedeutung verbindet sich oft ein mehr oder weniger pejorativer gehalt. B@1@aa)
von dumpfen tierischen kehllauten, gurren, quarren, speciell für balztöne: (
der birkhahn) gurgelt und pullert, wie die kleinen pflugräder, dasz man es weit höret H.
F. v. Fleming
d. teutsche jäger (1719) 1, 142; (
zuerst hört man das zischen des birkhahns) nachher das sogenannte ... gurgeln J. A. Naumann
naturgesch. d. vögel (1822) 6, 344;
s. auch gurgelhahn.
von tauben: (
da) gurrt, gluckst und gurgelt es durcheinander Gutzkow
zaub. v. Rom 1, 10; seine tauben gurgelten auf dem strohdach Freytag
soll u. hab. (1855) 3, 112;
ferner: (
der rohrsperling) zwitschert, pfeift, schnattert, zischt und gurgelt H. Allmers
marschenb. 103;
vom quarren der frösche: mooriges schilf, worin die frösche gurgeln Gutzkow
ges. w. (1872) 11, 127;
unbestimmter in dichterischem bilde: wo gefleckte kröten sich gurgelnd blähn bei menschenäsern Schubart
sämtl. ged. (1825) 2, 298.
anders von unartikulierten kehllauten: nun erfreute er (
der affe) sich seines sieges auf das lebhafteste, indem er ... ein bedeutungsvolles gurgeln hören liesz Brehm
tierleben (1890) 1, 85. B@1@bb)
mit vorwiegend gutturaler articulation sprechen: (
für die aussprache des hebräischen wurde mir) ein gewisses näseln und gurgeln als ein unerreichbares nicht wenig empfohlen Göthe 26, 201
W.; (
manche können) den konsonanten r nur gurgelnd aussprechen Mörike 5, 138
Krausz; Sophiechen spricht das echt stralsundische deutsch, das etwas tief in der kehle sitzt und — gurgelt K. v. Pommer-Eiche
tagebuch (1911) 150;
vgl. der gurglet, as häb er en wirtel im hals Fischer
schwäb. 3, 930.
daneben öfter ein halbunterdrücktes sprechen umschreibend: als ich mich zu ihm herüber beugte, gurgelte er mir schnarrend 'generös' in das ohr Hauff
sämtl. w. (1890) 3, 269; pack dich, gurgelte ich endlich nach dem lästigen hin Laube
d. junge Europa (1908) 1, 79; bestien, verfluchte! gurgelte Hans Adam (
im zorn) Handel-Mazzetti
Jesse u. Maria 2 (1906) 213.
mit stärker abschätzigem gehalt (
vgl. u. c): (
der sohn des rabbi recitiert die thora;) und er gurgelte gar lieblich jene fetten gutturalen Heine 1, 439
Elster; (
Kamtschadalen) die ihre töne aus grosen kröpfen heraus mehr gurgeln als sprechen Schubart
leben u. gesinn. 1, 80. B@1@cc)
rein pejorativ, auf geschmacklose weise singen, dann plärren, grölen (
vgl. auch 2).
von den unnatürlichen koloraturen der arien: eine sängerin muszte, um bewundert zu werden, gurgeln und trillern wie eine nachtigall Wieland I 10, 29
akad. (
Abd. I 2); (
arien, aus dem zusammenhang gerissen, in fremden sprachen gesungen, sind für die meisten) ein bloszes gurgeln und trillern Heinse 5, 108
Sch.; (
halbkenner wollen) die vortreffliche sängerin bereden ... eine ganz fremde aria d'agilità nach italienischer art zu gurgeln v. Ayrenhoff
werke (1814) 3, 275; die sänger der hiesigen nationalbühne verdienen das lob, dasz sie gefühlt haben, was sie sangen; ... dasz sie nicht blos gurgelten, sondern sprachen
bei O. Jahn
Mozart (1856) 3, 470; wenn ich mit ausdruck singen höre — nicht leiern oder gurgeln — so was eigentlich singen ist Iffland
theatral. w. 4, 218;
bildlich für überkünstelte poesie: statt unnatürlicher töne, die ein Lohenstein gurgelt, hört man in teutonischen haynen lieder von geist und anmut beseelt Wieland I 1, 457
akad. für grölen, plärren schlechthin: '
aus vollem halse singen, plärren'
wb. d. dt. sprache (
Prag 1821) 110
a; (
schildwache:) wir singen auf befehle, nur zu, es glückt uns schon. ich gurgle falsche töne Kotzebue (1827) 1, 175;
anders, im sinne von '
röcheln'
etwa (
vgl. u. d): auch musz der küster, der ein gespenst ist, nicht singen, sondern gurgeln Bürger 469
b Bohtz; s. vorgurgeln. B@1@dd)
vom hervorbringen geringster menschlicher kehllaute, meist soviel wie '
röcheln'
; bes. von sterbenden oder nach luft ringenden menschen, s. Ludwig t.-engl. (1716) 822; Woeste
westf. 82
b; Fischer
schwäb. 3, 930: (
wenn er stirbt) so fehet dan der mensch an zu rühelen und zu gurgeln in der kelen wie ein trechter Keisersberg
emeis (1517) 9
a; über dem röcheln und gurgeln erwachet die magd, so in der kammer lag A. v. Kreckwitz
lustwäldlein (1632) 266; (
indem ich den einen mörder entwaffnete) wollte mein camerad dem gurgelnden Merillo die schlinge vom halse machen Schnabel
d. im irrg. d. liebe herumt. cavalier (1738) 527; ein tiefes gurgelndes stöhnen kam von ziemlich nahe W. Alexis
d. hosen (1846) 1, 295; gurgelnde und pfeifende laute ... trafen sein ohr G. Hauptmann
bahnwärter Thiel (1892) 55; bub, stammelte er ... dann kam ein gurgeln aus seinem munde, als müszte er ersticken E. Zahn
schattenhalb (1917) 155.
ebenso bei sprachbehinderten: ihr nennt es st-ottern?weisz nicht, wie es heiszt, ich weisz nur, dasz der hals mir so gewachsen, da klemmt sichs, schnurrt und gurgelt wohl ein bischen Tieck
schriften (1828) 3, 273; (
des lehrers worte waren) nicht sehr klar des weges, und bei aufpassen hörte man sie vor ihrer ankunft gurgeln Hans Grimm
volk o. raum 1, 508.
für '
unarticulierte laute von sich geben, stammeln'
im schwäb., s. gorgeln Fischer 3, 751. B@1@ee)
hervorbringen unarticulierter geräusche auszerhalb des bereiches der kehle, oft in unpersönlicher construction. B@1@e@aα)
meist vom wasser, gluckern, plätschern, murmeln, rauschen: wenn nicht mehr in dem trechter ist, so fahet es an zu gurgeln und bluttern Keisersberg
emeis (1517) 8
b;
ähnlich: trinklieder, die das gurgeln und plodern der weinschlücke nachahmen Gervinus
gesch. d. d. dichtung5 (1871) 2, 506;
anders: (
der pfaffen keller sind) al vol wein, der würt unsz gurglen süsz hinyn Murner
luth. narr 97
Kurz; in neuerer literatur für das geräusch flieszenden oder bewegten wassers sehr beliebt: lauter gurgelt der bach durch mäander des veilchenthals Hölty
ged. 65
Halm; Valtin und Grete hörten nichts mehr als das gurgeln des wassers Fontane I 2, 402; (
das hochwasser) gurgelte und murmelte lustig B. Auerbach
schr. (1892) 11, 131; (
der bach bildete einen sumpf, in dem es) geheimnisvoll gurgelte und murmelte E. v. Dincklage
kurze erzähl.2 177; unten gurgelte die flut klagend an den holzpfählen G. Freytag
ges. w. (1886) 4, 129;
von anderen wassergeräuschen ebenfalls nicht selten: nur manchmal, wenn vom tiefen grund die bläschen gurgelnd aufwärts quellen G. Kinkel
ged. 2 (1868) 365; (
es) rauschte ein dichter guszregen nieder, auszen plätscherte es von den traufen und gurgelte in den rinnsalen Anzengruber
ges. w. (1890) 2, 184; das wasser gurgelte dumpf am bug und tröpfelte silbern von den rudern H. Hesse
P. Camenzind (1905) 167; wie Tantalus stehe ich mitten in der fluth, und die wasser gurgeln zur tiefe rings um meinen dürstenden mund G. Freytag
ges. w. (1886) 2, 297. B@1@e@bβ)
in verschiedenen anderen bereichen; vom knurren im leibe schon im 14.
jh. belegt: swer di vicblatern hat von grozir vuchte, di leimic ist, der hat bladem (
wind), des zu vil ist itwederhalp bi den siten unde gurgelt in dem buche
Bresl. arzneib. 52
Külz; von darmblähungen auch Bacher
Lusern 260;
ähnlich: ich glaube, dasz mein kurtzer ahtem nur von winden kompt; den wie ich ein wenig starck gehe, gurgeln sie mir im halsz Elisabeth Charlotte
briefe v. 1707 -15, 236
Holland. vereinzelt von mehr surrenden geräuschen: (
er stieg in den lift) die maschine gurgelte, es ging in die höhe B. Auerbach
schr. (1892) 18, 190;
im kriege von granaten: bei jedem gurgeln und sausen in der luft P. Alverdes
Reinhold (1931) 44;
danach hieszen bestimmte geschosse gurgelaugust, gurgelpanje Th. Imme
soldatenspr. (1917) 63, 136. B@22)
singen, schmettern, zwitschern, meist von vögeln: gar suze gedune er da vernam: uz heller stimme gorgeln (
chorum) Schönbach
mitt. a. altd. hss. 6, 112
in Wiener sb. 1897;
im 18.
jh. fest: hört, wie gurgeln sie so schön! höret, wie sie musicieren Brockes
ird. vergnügen (1721) 4, 10; (
es) erfüllt ihr liederreicher chor und helles gurgeln luft und ohr
ebda 4, 57;
auch jahreszeiten (1745) 65; 73;
bes. für das schlagen der nachtigall: ich hörte sie bezaubernd streicheln mit holdem gurgeln luft und ohr Chr. Fr. Weichmann
poesie d. Niedersachsen (1721) 2, 108; sie gurgelte, tief aus der vollen kehle den silberschlag Hölty
ged. 56
Halm. vielleicht auch hierher, wenn nicht abschätzig gemeint und dann also zu B 1 c: (
sie hatten) musicisch mit vier und fünff stimmen zu figuriren, ... bergreyen, Bremberger, villanellen und ... reuterliedlein zu singen, zu gurgelen und im halsz nachtigallisch zu dichten und zu uberwerffen Fischart
Garg. 277
ndr.; (
wir) gurgelten nach einer melodie ein muntres lied, die arbeit zu beleben Wieland II 1, 57
akad. (
sommernachtstraum iii 7),
für das engl. to warble '
trillern, trällern'
; ebenso übersetzt von Herder 25, 112
S.