grübeln,
vb. 11)
man stellt grübeln
gewöhnlich neben graben;
vgl. engl. grub;
thatsächlich lassen gerade die älteren belege das wort als eine iterativ- und deminutivbildung zu diesem verbalstamm erscheinen (
vgl. Wilmanns 2, 98). 1@aa) grupilot
fodit; crupilont
rimantur Graff 4, 308; die gerne lernen und nâch der künste kernen grübeln wöllen in der jugent (
wie nach einem nuszkern) Hugo v. Trimberg
renn. 17425;
vgl. 21907; wo er (
der satan) etwa ein kleines loch findet, so grüblet er und boret so lang daran, bisz das er mit dem ganzen leib ... hinein schleuft C. Huberinus
mancherlei form zu pred. (1557) 73
a;
obrimo .. a rimando, quod proprium est avium in aquis, grübeln Reyher
thes. (1668) 2, 4875; mit dem messer in die erden grüblen
fodere scrobiculos cultro Stieler 689; wie er mit den fingern in deren (
der steinernen wand) spalt grübelte Grimmelshausen
Simpl. 567
ndr.; (
der hirsch in der brunst) grübelt mit dem gehürn im erdreich Heyden
Plin. 172; verlegen grübelte er mit der gabel auf dem teller J. Gotthelf 2, 342;
seit alters häufig in wendungen wie daz er (
der kleine finger) in daz ore grubilot
Milst. gen. 6, 3;
dafür auch: meister, die diu ôren grübeln Hugo v. Trimberg
renn. 22473; kinder grüblen oft in der nase, wenn sie würmer haben Wirsung
arzneib. 193; es ist ein alt sprichwort, wer zuo vil in der nasen grüblet, der macht sie schweissen Gebweiler
lob Marie 24
b;
im spiel mit der bedeutung 3: nun haben die philosophen über diese materie seit jeher schon in ihren nasen gegrübelt, auswendig daran gegrübelt Lichtenberg
verm. schr. (1801) 3, 117; so darfstu in den zenen nit grüblen
Eulensp. 67
ndr.; so musz man sie (
die wunde) tiefer .. schneiden und mit den fingern drin grüblen Mich. Herr
sittl. zuchtb. (1536) 224
a; warzu nutzt aber solches grübeln und graben in der wunden? Würtz
wundarzn. (1612) 30;
vgl.: deszgleichen (
soll man) ime (
dem huf) nit zu dief hinein griblen Hörwart v. Hohenburg
kunst d. reiterei (1581) 67
b;
auch mit accus. object: (
der knecht) grübelt mit eim meszer zwischen den kacheln .. ein kleines löchlein Kirchhof
wendunm. 2, 219
lit. ver.; wann ein geschwulst einfällt, die sich grüblen (
herausgraben) lasset Paracelsus
chir. (1618) 12 b;
doch dann gewöhnlich adverbial erweitert, im sinne grabend hervor-, wegschaffen u. ä.: etlich graben mit karsten im sandt und griblen ihn (
den bernstein) herfür G. Braun
beschreib. u. contraf. (1576) 46
a; so darfst eigentlich dasselb (
rindfleisch) nit ausz den zänen gribeln (: übel) Fischart 2, 211
Hauffen; der kern (
der steinnusz) mehrentheils musz heraus gegrübelt werden Hohberg
georg. cur. 3, 348
a; stach und hackte und grübelte den schutt zu beiden seiten weg H. Federer
berge u. menschen 456; kartoffeln grübeln Fischer
schwäb. 3, 864; Martin-Lienhart 1, 628
a;
ähnliches meint wohl die angabe grübeln '
bohrend ausgraben' Hertel
Thür. 110. 1@bb)
eine wesentlich nur aus lexicalischer tradition nachzuweisende bedeutung zeigt entwicklung zu uneigentlichem gebrauch wie '
sticheln': grüblen
fodicare, stimulare, pungere Calepin xi
ling. (1598) 574
b;
fodico .. grübeln, sticheln Corvinus
fons 359;
aculeata haec sunt, animam fodicant .. disz sein spitzige wort, sie grübeln und gehen einem durchs hertz Faber
thes. 11
a; das grübelt einem ins hertz hinein Aler 988
b;
von da aus wird verständlich: fodico grüblen, stupfen, bekümmert machen Frisius 573
a;
doch scheint hier 2 b
im spiele; anders: die, so ich lieb gehalten, .. die stochern und grübeln heimlich auf mich Mathesius
Sir. 128
a. 22)
auf der anderen seite zeigt sich oft eine unverkennbare hinneigung der bedeutung zum vb. krabbeln und seinen stammverwandten (
s. th. 5, 1911);
und wenn wie in der schriftsprache auch mundartlich neben formen mit langer stammsilbe solche mit kürze erscheinen, erhellt schon daraus, dasz eben ein anderer wortstamm hereinkreuzt (
s. u. 4). 2@aa)
wie krabbeln 4
krabbelnd oder tastend, suchend greifen, wühlen: (swer) ûf der erden als ein wibel tac und naht nâch guote grübelt Hugo v. Trimberg
renn. 21907; der arm Lentz .. steig ins wasser, suocht sein sichel, buckt sich und grüblet also lang im muor. in solchem grüblen und suchen .. Frey
gartengesellsch. 31
lit. ver.; und wenn die puben sie benaschen und grubeln nach der untern taschen
fastnachtsp. 1, 375
K.; des todes zeichen sind dise: wenn der mensch .. an den leilachen grübelt oder faltzet Heyden
Plin. 68;
auch in modernen maa.: grübeln
und grūbeln '
krabbelnd greifen, leicht kratzen, kitzelnde griffe machen' Fischer
schwäb. 3, 864; griebla '
grabbeln, mit den nägeln sanft kratzen und irgendwo etwas herauszuziehen suchen' Sartorius
Würzburg 49;
vgl.groüpelen
wühlend suchen, herumsuchen Bauer-Collitz 41
b;
auf manche der stellen unter 1 a
fällt von hier aus ein schärferes licht. 2@bb)
wie krabbeln 3
jucken, kitzeln, kribbeln, prickeln, und zwar gewöhnlich unpersönlich gewendet: ih sihe wol, daz iu grubile in dem houbet
Reinh. 1884,
nach einer sehr wahrscheinlichen conjectur J. Grimms,
sendschr. an K. Lachmann 51; wolversuchte cavallier, die ihnen nicht lassen unter der nasen grübeln Schupp
schr. 301; wird mir doch ums herz so warm, dass mir ordentlich in der nase grübbelt Fel. Weisze
lustsp. 3, 394,
vor rührung; ebenso: es grübelte mir in der nase Thümmel
reise 6, 171;
vgl. kribbeln 2 a; es grübelt mir in den händen
senti un .. formicolio nelle mani Jagemann 548; kaum berührte er den (
zitter-)fisch .., so grübelte es ihm Oken 6, 40; schmerzen .., welche .. mit einem grübeln endigen 6, 107;
in hd., namentlich obd. maa. weit verbreitet: 's griebelt m'r im maga
ich habe ein kitzelndes, prickelndes, übles gefühl im magen Sartorius
Würzburg 49;
ähnlich Staub-Tobler 2, 691; Martin-Lienhart 1, 628
a;
auch uneigentlich: es hat mr so we geton, dass es mr am herz gegrüwelt hat
ib.; es grüblet-mer (ums herz)
ich habe scrupel Staub-Tobler;
es kränkt, reut mich Martin-Lienhart; 's grüblet ihm
er würde es gern ungeschehen machen Fischer
schwäb. 3, 864; dem grübelte die sache, je mehr er daran dachte W. O. v. Horn
bei Sanders;
es hat ihn beleidigt, ärgert ihn Fischer
a. a. o. (
ganz wie krabbeln 3 e, kribbeln 2 d);
auch persönlich: eine fliege .. kroch hinein in das gehirn und fieng ihn an schrecklich zu martern, zu kratzen und zu grübeln Helvicus
jüd. hist. (1617) 2, 134; der ehrgeitz grübelt mir durchaus nicht im gehirne H. W. v. Logau
poet. zeitvertr. 79;
anders, wie krabbeln 1 a: es grübelt mir schon eins (
ein hochzeitscarmen) im kopf herum Miller
briefw. dreier ac. freunde 2, 119;
wie krabbeln 2, kribbeln 1: der weier grübelt und wiebelt von fisch
scatet piscibus Aler 1, 988
b;
ein weiterer beleg unter kribbeln 1 a;
wie kribbeln 1 c: rühre das gewürze in den zucker und lasz es nur mit aufgrüblen Müller-Fraureuth 1, 446
a. 33)
der hauptgebrauch zeigt die concrete grundbedeutung des wortes ins geistige übertragen; so schon ahd. (Otfrid 5, 25, 64);
bis in die neueste zeit immer wieder als bild des grabens, sich einbohrens empfunden: du gedenckst im nach, du griblest und grebst ymmerme der hinnach Keisersberg
spinn. (1510) c 6
c; ein angefochtener mensch gründet und grübelt so tief, das er sich kaum wider erholen kan Petri
d. Teutschen weiszh. 1, b 7
a; manchen abend hab ich gegrübelt wie ein bohrwurm Scheffel 1, 173;
wenn bis heute tief
das gangbarste epitheton ist, hängt auch das mit der grundbedeutung des einbohrens zusammen: ich hab mein theologiam nit auf einmal gelernt, sonder hab ymmer tiefer und tiefer grubeln mussen Luther
tischr. 1, 146
W.; doch drängt sich auch hier gelegentlich ein bedeutungszusammenhang mit der sippe krabbeln
im sinne des tastenden oder wühlenden herumgreifens auf: (
der teufel) gibt einem seltzame fragen ein, das man grübele und wüle Luther 16, 113
W.; sind ihr dann experimentatores und grüblend hien und her umb euch, wie ein koch in eim schlüsselkorb Paracelsus
chir. (1618) 289 A; dis buoch ist allen gotlosen, die on geist .. darinn grüblen, wülen und umbfaren, mit 7 sigeln verschlossen Seb. Franck
chron. zeytb. (1531) 346
b;
vgl. auch die präpositionalen fügungen unter c. 3@aa)
der übertragene gebrauch führt zunächst zu der bedeutung '
suchen, nachforschen': grübelen, nachforschen, erkundigen
rimari, curiose observare, investigare Henisch 1758;
rimari, pervestigare, scrutari Stieler 689;
daher denn die verbindung grübeln und suchen
dem 16.
jh. sehr geläufig ist: feret er uber die feinen herrn des rats zu Nurmberg .., grobbelt, sucht und foddert die handschrift durch sie Luther 30, 2, 31
W.; vgl. 23, 308;
die drucke haben grübeln; wen ir so scharpf auszforschen und grueblen wellt, so möchtet ihr wol in eignen ewern gschrifften vil puncta finden, durch welche .. Vogelgesang - Cochläus
heiml. gespräch 19
ndr.; allmählich und fast unmerklich entwickelt sich daraus der sinn des auf rein gedankliche thätigkeit beschränkten suchens: das all ihr ler ... nichts anderst was dann grüblen und suochen, wie die kinder nit sollend getouft werden Joh. Kessler
sabb. 142; sie suchen, grobeln und tichten, das sie ja etwas böses von uns sagen Luther
nach Dietz; grublen hernach, begeren doch das glück, so gott beschert, zu wissen Thurneysser
magna alch., vorr. () 1
a; und so man weit grüblen wil, so seind noch mehr künst, die ihren anfang noch schwerlicher bewehren würden Paracelsus
op. (1616) 2, 397; ich weiss, dass knechten wohl zu grübeln nicht gebühret Lohenstein
Ibrahim (1701) 106; was ihr geist grübelnd entdeckt, nutzen wir Klopstock
od. 1, 172
M.-P.; nicht selten, gerade in älterer sprache, mit dem beisinn des spitzfindigen: und da wird helfen kein glossieren, kein gribeln und kein spintisieren Fischart 2, 382
Kurz; die best und sicherst .. abgefassete dinge könten von denen, so zugrüblen und auszuflüchten lust hetten, in disputat gezogen werden Chemnitz
schwed. krieg 2, 68; falsche spitzfindigkeiten der grübelnden oder schwätzenden vernünftelei Herder 22, 3
S.; '
argumentieren': gleichsam sie sprechen wolten (wann man je also grübeln will), der Luther wirt machen das .. Nas
antipap. eins u. hundert 1, 64
b;
zuweilen geradezu von kleinlichem schulmeistern und kritisieren: etliche .. wunderseltzame orthographisten .., welche dieses herrliche .. sprachengebäude durch ihr unzeitiges critisieren und gantz abgeschmacktes grübeln zu unterbrechen .. sich bemühen Neumark
neuspross. teutscher palmb. 87; dasz .. nicht ... gutdünckelische gesellen und spötter etwas zu grübeln bekämen, dieweil solches von mir als einem unerfahrnen scribenten einfältig beschrieben .. worden Aitinger
jagd- u. weidb. vorr. )( 1
b. 3@bb)
mit dem 18.
jh. schiebt sich eine (
schon früh vorbereitete)
bedeutung immer mehr in den vordergrund, die mit der vorstellung intensiven nachdenkens den beisinn des unablässigen, des trüben, schwermüthigen, grilligen, selbst krankhaften, des frucht- und thatlosen, lebensfeindlichen verbindet: ie mer und lenger ich grübel, ie weniger ich disz guot find und begreif Seb. Franck
chron. zeytb. (1531) 2
a; der andere grübelt sein leben lang über diese schwierige sache Seidel
Leber. Hühnchen 126; Ferdinand (.. in düstres grübeln versunken) Schiller 3, 487
G.; weg mit dem grübeln, sorgen, grämen um eitel schatten E.
M. Arndt 5, 271; er grübelt, da nichts zu grübelen ist
nodum in scirpo quaerit Aler 1, 988
b; damit die menschen mit vergebenen grübeln zu verlust der edlen zeit nicht aufgehalten würden Leibniz
dtsche schr. 1, 376;
seit alters gern in anwendung auf die metaphysischen räthsel: man einfeltige frumkeit on vil grüblens möcht den gleubigen fürhalten Hedio
chron. germ. 116
b; dasz er sie (
die religion) lieber ungeprüft behalten, als mit thörichtem grübeln ohne ende sein leben verbittern mag G. Forster 6, 23; statt zu grübeln, arbeite Herder 23, 9
S.; im gegensatz zum erfühlen und glauben: wir sehen und fühlen kaum mehr, sondern denken und grübeln nur Herder 5, 183
S.; die grübelnden, klügelnden .. jahrhunderte waren für das volk des glaubens, der fantasie .. nicht gemacht E.
M. Arndt
geist d. zeit 3, 9;
auch als formlosere art geistiger thätigkeit dem logischen denken gegenübergestellt: der scharfsinn sondert ab, der tiefsinn grübelt Fr. Delbrück
sinnverw. wörter 56; ein zurückgehen aus dem scharfen licht logischen denkens in das reizende dämmer volksthümlichen grübelns G. Freytag 15, 3;
auch reflexiv mit prädicativem adj. sich matt, krank, wahnsinnig grübeln: bleich ... grübelt man sich dabei (
bei der verdeutschung des Homer) Bürger 1, 158
a B. 3@cc)
präpositionale verbindungen seit alters sehr geläufig; in ihrem wandel malt sich das verblassen des ausdrucks vom sinnkräftigen bilde zur toten metapher; am häufigsten ist bis ins 16.
jh. in; auch hier noch spät beispiele, in denen die vorstellung des krabbelnden, wühlenden herumsuchens den sinn zu bestimmen scheint: sie grübeln so lang in geschäften und sachen, bisz sie wie die mäuse ein loch drein machen Lehmann
florileg. pol. 1, 150; die (
städte Straszburg und Basel) schampten sich übel, das in iren handlungen von den ungeschickten pauren also solt grublet und gesucht werden
zimm. chron. 1, 366,
offenbar ebenso gemeint wie: dann wir wollen selber harnaschmeister sein .. und niemands darinn gribeln lassen nach alter frenckischer weiss
privatbr. d. ma. 1, 50
Steinh.; auch bei dem abgezogeneren gebrauch als '
forschen'
wird sie gelegentlich fühlbar: grubilo in girihtîin des giscrîbes slihtî Otfr. 3, 7, 76; es ist nit allwegen bös .., so ein mensch grybelt in den natürlichen künsten Keisersberg
seelenpar. (1503) 49
a; das heillose .. grübeln und forschen in so hohen unbegreiflichen sachen Luther 16, 142
W.; seit dem 18.
jh. nur noch selten, es sei denn dasz der concrete sinn des verbums wieder auflebt: dasz ich nicht darinnen grüble, was des glaubens ist allein Schmolcke
trost- u. geistr. schr. 1, 66; die in der vernunft grübelnden leute (
haben) mehr als andre nöthig sich aufzumuntern Gottschedin
br. 1, 201; dasz wir gern in menschenherzen grübeln und diesen .. Proteus bis in seine tiefsten abgründe erforschen .. möchten Pückler
briefw. u. tageb. 1, 283; dann grübelte er etwas in seinen gedanken herum und sagte schlieszlich G. Keller 5, 169;
auch nach versteht sich aus der concreten bedeutung: dâ von du, herre, niht engrübel ze verre nâch der sache diu mich gesihtic mache Konr. v. Würzburg
Parton. 7352; bedäuchte einem rate ettwass fremde, daz sie so genaw darnach grubelten (
forschten, sich erkundigten)
städtechron. 3, 371; in dem ihr (
Lutherischen) nach dem grundtlosen grund grübelt Nas
antipap. eins u. hundert 6, 111
b; was sind wir hier bemühet zu grübeln nach der schuld, die man vor augen siehet Gryphius
trauersp. 55
lit. ver.; seit dem 18.
jh. stark zurückgehend und mit der sinnfärbung von b: so grüble ich nicht gerne nach dem, was anders sein könnte, als es ist Zimmermann
einsamk. 4, 9; die .. gebirgs-hindus .. grübeln .. nach abstrusem wissen Ritter
erdk. 4, 120;
neben der älteren bedeutung '
forschen'
gelegentlich auch noch andere präpositionen oder adverbia: suchest du und grübelst sonst etwas anders draus Luther 16, 70
W.; es habe mir der marggraf auch geschrieben und um dieselbige sachen gegrübelt
ders., corp. ref. 4, 769
Bretschn.; so will ich auch an ihm grübeln, so viel ich kann, dasz ich erfahren möge, was zu Hall die handlung gewest Pontanus
ib. 3, 623; was hilft mirs, dasz ich war geflissen zu grübeln durch so manche kunst Rist
Parn. 543;
über, das erst mit dem verlust der sinnlichen anschauung möglich wird, beginnt erst im späteren 17.
jh. aufzutreten: der (
sc. gmein man) wird sonst hart darüber grübeln J. Ayrer
dr. 3, 1771
lit. ver.; und zwar in den älteren belegen durchweg mit dem dativ: wenn unterthanen über empfangenen befehlen grübeln Lohenstein
Armin. 2, 597
b;
vgl. 1299
b;
der dat. erscheint auch in neuerer sprache noch gelegentlich, färbt aber den sinn gegenüber dem normalen acc. und betont das brütende verweilen der gedanken bei dem object: über dem sein dieses gottes vor der welt .. grübeln Schleiermacher
reden ü. d. rel. 60; sein onkel grübelte über der quadratur des cirkels Gervinus
gesch. d. dtsch. dicht. 5, 245;
weit im vordergrunde steht seit dem älteren 18.
jh. der acc.: wer über die befehle der obrigkeit grübelt Liscow
sat. u. ernsth. schr. 457; nicht zu grübeln hast du über dein vaterland Herder 17, 316
S.; selten ist an: man vergesse darum das vergangene, grüble nicht an der zukunft Zimmermann
einsamk. 4, 69; tändelnd grübelt nur am liebeln Göthe 15, 216
W.; ganz ungewöhnlich: eine ganz natürliche antithetik, auf die keiner zu grübeln und künstliche schlingen zu legen braucht Kant 3, 282
ak. ausg. 3@dd)
ein besonderes wort verlangt das part. präs., das in jüngerer sprache rein adjectivisch zur bezeichnung eines wesenszuges verwendet wird, also im sinne von grüblerisch: der grübelnde theil der christen wird ihm immer viel dank schuldig bleiben Göthe 37, 260
W.; zog ich mich bis fast in mein zwölftes jahr still und grübelnd zurück Steffens
was ich erlebte 1, 36; den grübelnden, kopfhängerischen Deutschen Laube 2, 6;
auch gern mit unpersönlichem regens: die grübelnde musik Herder 12, 296
S.; die grübelnde andacht der mysterien Ed. Gerhard
akad. abh. 2, 351;
die mit schlagwortähnlicher häufigkeit auftretende formel grübelnde vernunft
ist eine schöpfung der zeit des sinkenden rationalismus: die grübelnde vernunft dringt sich in alles ein Lessing 1, 248
M.; das licht, das nun aus meinem herzen strömt und die grübelnde vernunft erleuchtet
F. M. Klinger
w. 5, 59; Schiller 12, 420
G.; nur es giebt einen grübelnden verstand, den man meistens die spitzfündige vernunft nennt Herder 15, 151
S. 44)
bei so offensichtlichen bedeutungskreuzungen ist deutlich, dasz mit der üblichen etymologie, die das vb. lediglich an die wz. grab- '
graben'
anknüpft, nicht auszukommen ist; vielmehr scheint mit einem vb. grubilōn
solchen ursprungs ein anderes vb. verronnen zu sein, das als schwundstufige ablautsform zu krabbeln (
auch grabbeln, grabeln,
s. th. 5, 1911)
gehört und das auf nd. boden erhalten ist: grubbeln
greifen, mit der hand irgendwo herumwühlen brem. wb. 2, 552;
tastend umhergreifen und fühlen Doornkaat-Koolman 1, 698
b; grubbeln = grabbeln Dähnert 163
a; grubli
hühner oder enten nach eiern befühlen Schmidt - Petersen 54
b;
nl. grobbelen;
engl. grubble;
vgl.ergruppen
erhaschen Vilmar 139;
adj. grubbelig K. Sallmann
n. beitr. 74; Hildebrands
beiläufig hingeworfene vermuthung, dasz das vb. grübeln
als ganzes aus einer solchen ablautform zu krabbeln
herzuleiten sei (
s.krabbeln I f),
scheint weniger plausibel als die annahme der wortmischung, die nicht nur die bedeutungsentwicklung in manchem erhellt (
vgl. besonders 3 a),
sondern auch gewisse erscheinungen und doppelformen in den modernen maa. (
etwa die unterschiede des stammvocals im schwäb., Fischer 3, 864
f.);
auch einzelne formale seltsamkeiten älterer überlieferung werden so durchsichtiger: drucke und handschriften Lutherscher texte zeigen neben grubeln
auch grobeln, grobbeln, gröbeln, gröbbeln,
deutlich mit der kürze der obigen nd. formen, sogar grebeln (
s. sp. 1), = gröbeln
oder unmittelbar zu graben
? die auffällig zahlreichen i -
formen im älteren hd. können sich statt durch entrundung auch durch hereinspielen der ablautform gribeln
erklären; vereinzelt mit p: (
die ketzer) grüpeln im sacrament des waren leibs .. Cristi Berth. v. Chiemsee
teutsche theol. 94.