gräfte,
f. ,
wohl mhd. aus dem pl. von graft (
s. d.)
entwickelt wie etwa ferte
zu fart, græte
zu grât
u. ä. 11)
entsprechend graft 1
für das ergebnis einer grabarbeit. 1@aa)
für einen graben. 1@a@aα)
so besonders als terminus des weinbaus für die furchen oder gruben, worin die setzhölzer der reben zu stehen kommen, namentlich niederösterr., elsäss. und rheinisch zu belegen. hierher wohl: unus ager mit greften (
Gimbrett 1304),
welches bei Ch. Schmidt
hist. wb. d. elsäss. ma. 152
b zu graft,
f. gestellt wird; auch bereits?: terra dicta wolfkrefte (
Neuweiler 1157)
ebda; neubrüch sind jene gründ, alda zuvor weder furch, strang und gräfften gesehen, auch nie was angebauet worden
unterösterr. zehndordnung bei Schmeller-Frommann 1, 991 (
dort unrichtig hergeleitet und interpretiert); (
im april sind) der gruben verzeignis, wieviel in jedem weingarten gegrubt worden, einzugeben und gräfften machen lassen Hohberg
georg. cur. (1682) 1, 117;
vgl. 129;
s. auch s. v. gruben,
vb.; man macht gräfften oder gruben eines schuhes breit (
bei weinbergen)
ebda 1, 335; 336; gräfften
werden ... die bey dem senken in denen weingebirgen (
weinbergen)
gemachten gruben genennet Zincke
allg. öcon. lex. (1744) 973;
vgl. Jacobsson
technol. wb. (1793) 5, 725
a; der weinbau nahm gegen das ende des 16. jahrhunderts einen solchen aufschwung, dasz man zur vermeidung des abbaues der äcker und weideplätze die anlage von neuen gräfften oder rieden (
s. ried,
n., teil 8,
sp. 917) ... verbieten muszte. nach den patenten Maximilians II. und Rudolfs II. wurden ... die weinzierl für den bau einer neuen gräffte ... bestraft Oberleitner
abgaben d. bauernsch. Nieder-Österr. 16 (
vgl. dagegen zu dieser stelle Unger-Khull
steir. 301
b,
der hier '
bodenanbau'
interpretiert); 'gräfte ...
die gezogenen furchen, worin die setzhölzer der reben zu stehen kommen'
rhein. wb. 2, 1343.
bedeutungsmäszig hierher, der lautform nach aber vielleicht auf ein nicht bezeugtes mhd. *greftesen (
zu gräften,
vb.)
zu beziehen, vgl. elsäss. grefzen,
vb. bei Martin-Lienhart 1, 271
a: grefz, grafz(e
n),
f. '
langgezogener graben, in welchen die jungen weinstöcke gepflanzt werden'
ebda (
vgl. jedoch lautlich noch grufz
für gruft
ebda 271
b).
an die bedeutung '
weingräfte'
anzuschlieszen, aber auf einzelmundarten beschränkt, bleiben andere bedeutungen wie '
doppelreihe von rebstöcken, welche in der furche stehen'
ebda 271
a, '
im walde gräben, in welche der same gelegt wird'
ebda. anders: gräffte '
neu zu bearbeitendes stück feld' Unger-Khull
steir. 301
b ohne beleg; zutreffend? 1@a@bβ)
als umfriedungs- oder festungsgraben, mundartlich besonders rhein. und westf.; vielleicht schon hierher, wenn nicht zu α: an — zwischen den greften (1290)
bei: Ch. Schmidt
hist. wb. d. elsäss. ma. 155
b; und andere (
bäume wachsen) an den stillstehenden oder flieszenden wassern, sümpffen, finsteren gräfften, brunnen, mawren
Porta natürl. magia (1617) 123.
sonst nur modern mundartlich, vgl. rhein. wb. 2, 1343; gräfte '
mit wasser angefüllter graben um einen ländlichen wohnsitz' Köppen
plattdt. ma. in Dortmund 24; gräfte '
graben um schlosz und stadt' Woeste-Nörrenberg
westf. 85; graft, gräfte '
breiter graben um das gehöft' Böning
Oldenburg 40. 1@bb)
als '
grabstätte' (
vgl.graft 1 c
β)
nur: ich khrumpt mein raisz für wahr zwelf meyll leicht mer der sein das ich rait, vmb des haisz ich mich albar nur das ich säch die greft des edlen ritters Püterich
ehrenbrief (1462) 132, 5
in: zs. f. dt. altert. 6, 56. 22)
seltener für den vorgang des grabens, entsprechend graft 2: 2@aa)
mit beziehung auf die bedeutung 1 a
α: gräfte,
f. ... jrEəf '
das graben in den weinbergen, de wenter-, summergräfte (
Sieg, Ahr)'
rhein. wb. 2, 1343;
vgl. aber noch gräften,
vb. 2@bb)
wohl wie bei graft 2 a
von einer hier nicht belegten bedeutung '
begräbnis, bestattung'
her zu verstehen: 'gräff
ist die plattdeutsche bezeichnung für die grosze trauermahlzeit nach einem dörflichen begräbnisz' Bödewaldt
Timm-Kröger (1916) 98.