goldstück,
goldstücke,
n. ,
obd. begegnen auch umlautlose formen des grundwortes. zum nebeneinander von goldstücke, goldstück, goldstücker, goldstücken
im nom. acc. plur. vgl. s. v. stück.
in der unter 3
aufgeführten bedeutung steht die adjektivische composition goldenstück, güldenstück
gleichwertig neben goldstück,
vgl. s. v. güldenstück
sp. 1065
und die kopfbemerkung sp. 1063 (
anders guldenstück
sp. 1068). 11)
ein stück unverarbeitetes gold: ein mensch werter denn goldesstücke aus Ophir
Jes. 13, 12; die goldstücke (pepite, nuggets) haben äuszerlich zuweilen ein geschmolzenes, getropftes ansehen Muspratt
chemie (1888) 3, 1682;
vgl. ebda 1754. 22)
münze aus gold. a)
in der am reichhaltigsten bezeugten, noch heute gemeinhin bekannten bedeutung '
als zahlungsmittel geprägte goldmünze',
nummus aureus. in dieser bedeutung kann das wort jede beliebige zu den verschiedenen zeiten in den verschiedenen ländern gültige goldmünze bezeichnen, doch verbindet sich gewöhnlich mit der allgemeinen bedeutung eine prägnante vorstellung, die im einzelfall nach einer geschichte des münzwesens zu bestimmen ist: daher es kein wunder, dasz er ... sein zeit fast mit beschauen der gulden goldstuck vnd alter müntz ... vollbracht (
zur tautologischen bezeichnung vgl. s. v. goldgulden) Fischart
binenkorb (1588) 233
b; dessen zu sicherlichem zeugnusz zeigete er dem Dametas eine ziemliche anzahl goltstücker Opitz
Sidneys Arcadia (1638) 191; damit warff er ein goldstück von zehen bis zwölff thalern auff den tisch Chr. Weise
erznarren 61
ndr.; als sie ... die goldstücke auf dem tisch klingeln hörte Hebel
w. 2, 147
Behaghel; sehr schön sind deine verse, rief Kamala, wenn ich reich wäre, gäbe ich dir goldstücke dafür Herm. Hesse
d. weg nach innen (1932) 69.
häufig mit sprechendem beiwort: es ist auch der besten hertzstärckung eine, dasz man vil vnnd offt wein trincke, darinn ettliche gute goldstück abgelöscht seien, bisz er wol warm daruon worden Gäbelkover
artzneyb. (1595) 1, 167 (
vgl. zur sache hdwb. d. dt. aberglaubens 6, 627;
ferner ebda 3, 610; 620; 621; zwar wenig aber feine grosze wichtige goldstücken, die zehenmahl mehr betragen als der grosse hauffe des ungültigen lumpen-geldes Carpzov
leichpred. 2 (1698) 716; die reizende farbe neuer goldstücke Göthe I 22, 95
W.; um dieser schönen goldstükke willen, die alle frühjahr ihnen zuflogen Bahrdt
gesch. s. lebens (1790) 1, 232; er trat an das tischchen und zählte ein dutzend blanker goldstücke neben das lämpchen hin P. Heyse
romane u. nov. (1904) II 2, 281; (
sie) küszte die glänzenden goldstücke G. Keller
ges. w. (1889) 4, 295.
zuweilen im collectiven singular: und der vater sondert im pulte das seltene goldstück Göthe I 50, 204
W.; wenn der tägliche verkehr neben dem goldstück kleinere münze (
scheidemünze) aus silber, kupfer, nickel usw. nötig hat Alten
hdb. f. heer u. fl. (1909) 4, 304.
übertragen oder in bildlichem zusammenhang als inbegriff des wertvollen: gott der allmächtige hat dir ein gelt eingehändiget, vnd zwar lauter goldstuck, nemblichen die guldene zeit Abr. a
s. Clara
Judas (1686) 1, 561; in einigen dieser bücher (
des alten testaments) ist eine summe von goldkörnern und goldstücken der weisheit Herder 10, 108
S.; alle leidenschaften rauben uns einen theil unserer vernunft und geben uns, statt des goldstückes, das wir wechseln wollen, falsche scheidemünze Lavater
handbibl. f. freunde (1793) 2, 31; es geht mir damit (
mit dem Faust II) wie einem, der in seiner jugend sehr viel kleines silber und kupfergeld hat, das er während dem lauf seines lebens immer bedeutender einwechselt, sodasz er zuletzt seinen jugendbesitz in reinen goldstücken vor sich sieht Göthe
gespr. 7, 162
W. v. Biederm.; wer höflichkeit bis zum opfern realer interessen treibt, gleicht dem, der ächte goldstücke statt rechenpfennige gäbe Schopenhauer
w. 4, 517
Gr. entlegener im vergleich mit dem klang der münze: (
Hamlet:) gebe gott, dasz eure stimme nicht wie ein abgenutztes goldstück den hellen klang verloren haben mag
Shakespeare 3 (1798) 219. b)
auch schaumünze (
medaille),
ziermünze: 'gold-stück
ist ein goldner schaupfennig, welcher keinen gewissen gangbaren müntz-werth hat'
allg. haush.-lex. (1749) 1, 610
b. 33)
aus goldfäden gewirkter stoff, pannus aureus, drap d'or. dasselbe wie güldenstück (
s. d.), goldstoff (
s. d.).
im 17.
und bis zur mitte des 18.
jhs. literarisch recht gut bezeugt; vereinzelt noch bis ins beginnende 19.
jh., obgleich schon Adelung
versuch 2 (1775) 747
den gebrauch auf die umgangssprache eingeschränkt sieht; heute nicht mehr sprachläufig: die liebe ... verschmehet so bald einen scepter für einem hirten-stabe, als gold-stück für einen leinenen kittel Lohenstein
Arminius (1689) 2, 470
b; in goldstück und purpur will ich den Alhafiz kleiden, rief Nureddin aus Fouqué
zauberring (1812) 3, 25. von, aus goldstück,
attributiv oder prädicativ für goldstücken (
s. d.): statliche zelten, ausz lauter gewirckter seiden, sammet, golt- vnnd silber-stück Spee
güld. tugendb. (1649) 281; mein sohn hatte eine weste von goldstück Hafner
ges. schr. (1812) 1, 52; das ... hauptzelt des feldherrn, welches von seide und goldstück war Lohenstein
Arminius (1689) 1, 60
a.
seltener mit artikel oder im plural: ... sind diss die purpur-binden, das goldstück, das dich deckt? A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 996; die (
beim schneider) überbliebene fleckel, und sonderlich von denen gold- oder silberstucken Abele
künstl. unordnung (1670) 1, 106; man verfertigt daselbst (
in Persien) noch heutzutage die kostbarsten goldstücke Haller
Usong (1771) 201.
metonymisch erweitert für das aus goldstoff verfertigte gewand: die sternen buhln der nacht, ziehn ihr ihr goldstück an Lohenstein
Arminius (1689) 1, 1129
b.
im bild, an den trügerischen und eitlen glanz des goldes anknüpfend: dass unter dem goldstücke der wollust lumpen, unflat, seuchen und aas verstecket liegen Lohenstein
Sophonisbe (1680) 2, 6. 44)
für jeden beliebigen goldenen gegenstand, vgl. '
solidi auri caelatura', '
auramentum' Steinbach
dt. wb. (1734) 2, 755. 55)
umgangssprachlich auch als scherzhaftes kosewort: mein goldstück
u. ä. —