Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
gerwen swV.
1.1 ‘jmdn./ etw. bereitmachen’
1.2 ‘jmdm. etw. bereiten’
2 ‘etw. bewirken’
3 ‘etw. gerben’ , Haut zu Leder verarbeiten
4 ‘sich färben’
1 ‘bereiten, bereitmachen, ausrüsten, kleiden’ 1.1 ‘jmdn./ etw. bereitmachen’ den chunich er [der Papst] duo garte: / er segent im sîne regalia, / ûf sazt er im sâ / ain tiurlîche crône Kchr 8119; Anno 8,10; daz man si [ die dâ vehten sullen ] alsô gärwe nâch rehter gewonheit, alse man si durch reht gärwen süle SSpAug 175,8; Hochz 278; da waz unser herre bereit und gegerwet messe zu singene HlReg 67,1; Herb 3594; KvWTurn 676. – mit Refl.-Pron.: do ríht ih míh ûf ze gûoten uuérchon [...] unte gárota míh Will 80,6; ze dem tode si sich garten Rol 3408; VMos 37,24. 45,17; Vateruns 156; SAlex 3215; dô garte sich der wîse durch des tumben rât NibB 2250,1; der bâbest sich geistlîche garte, / als er sich gerwen solde LvRegFr 4916; Kchr 7972; TrSilv 325. – ‘sich kleiden’ der pischof sich do gart / in die englischen wât Wernh A 1556; NibB 1832,1; Kchr 11708; unserm herren ze ruom, / zêren und ze schalle / heten si sich alle / gegerbt und an gelegt Ottok 28216; in ein trüebez cleit der walt sich gerwet, / der mit grüenem loube was / umbevangen KvWLd 12,4 1.2 ‘jmdm. etw. bereiten’ dem ich piute daz prot, der hat mir gegarwet den tot AvaLJ 118,5; VMos 33,26; daz ir der gnade niht verstozzin werdit, die min trehtin allin saligen livtin gegarwit hat Spec 82,34; also scult ir ime garwen daz hûs iwers herzen ebd. 138,2; min erbe wolt ich gerne besitzín / daz mír uon angenge gegarwet ist Rol 8481 2 ‘etw. bewirken’ mer wunders du auch gerbest: / du verstumest dicke einen man, / der sust doch wol gereden kan Minneb 1088; ach got, waz gerbet / din hoch gewaltig kraft an mir? ebd. 4338 3 ‘etw. gerben’, Haut zu Leder verarbeiten: ein gaerbtiu hut git einen helblinch StRAugsb 33,33; die buochvel [Pergament] unde leder gerbent Ottok 65678; UrkCorp (WMU) 2521,19; der künig den richter fillen [häuten] ließ, / und im sin hut er gerben hieß / und zoch sie über den stul der schrann [Gerichtsbank] Mügeln 206,7. – übertr.: rethorica, die ferbt / der sprüche blumen unde gerbt / das mark Mügeln 283,2; so mus unstete daz an ir gerben / daz sie sich tuͤ enpferben Minneb 4107. – mit erspartem Objekt: der helt so vrischleich gerbet [teilt aus, drischt] / mit swertes stichen und mit slegen! Suchenw 14,156 4 ‘sich färben’ [wie das Chamäleon sind diejenigen] die sich alle tage verwent / nâch der werlde und sich niht gerwent / mit der rôten varwe des smerzen / Cristes bluotes in dem herzen Renner 18888
MWB 2 527,10; Bearbeiter: Graën