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Gemeinheit

mhd. bis spez. · 18 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Pfeifer_etym
Anchors
18 in 18 Wb.
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Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)

Gemeinheit

Gemeinheit

gemein Adj. ‘gemeinsam, gemeinschaftlich, allgemein, gewöhnlich, niedrig gesinnt, niederträchtig, unfein, unanständig’. Das germ. Adjektiv ahd. gimeini ‘zuteil geworden, bestimmt, gemeinsam, gemeinschaftlich, allgemein, übereinstimmend, zugleich’ (8. Jh.), mhd. gemein(e) ‘zusammengehörig, gemeinschaftlich, allgemein, vertraut, bekannt, für alle eingerichtet, gewöhnlich, zur Masse gehörig, niedrig’, asächs. gimēni, mnd. gemēne, mnl. ghemēne, ghemeen, ghemein(e), nl. gemeen, auch ‘niedrig, niederträchtig’, afries. (ge)mēne ‘gemeinschaftlich’, aengl. gemǣne ‘allgemein, gemeinsam, gewöhnlich, niedrig’, engl. mean ‘gemein, gering, niedrig, schlecht’, got. gamains ‘gemeinsam, unheilig’ (germ. *ga-maini-) gehört wie lat. commūnis ‘gemeinsam, gemeinschaftlich, allgemein, gewöhnlich’ (s. Kommune, Kommunismus) als Präfixbildung zu den unter Meineid (s. d.) aufgeführten Substantiven mit n-Suffix und einer Grundbedeutung ‘Wechsel, Tausch’. gemein bedeutet danach ursprünglich ‘mehreren abwechselnd zukommend’, dann ‘mehreren in gleicher Art gehörig’, woraus sich ‘gemeinsam, gemeinschaftlich, allgemein’ entwickelt. Was mehreren oder vielen ‘gemeinsam’ ist, kann nicht ‘wertvoll’ oder ‘edel’ sein; gemein wird daher vom 15. Jh. an ‘einfach, gewöhnlich’ (der gemeine Mann, das gemeine Volk, der gemeine Soldat), im 19. Jh. auch verächtlich ‘niederträchtig, unanständig’ (gemeiner Schuft, Kerl). – Gemeine f. ‘Gemeinschaft, Gemeinde’, ahd. gimeinī (9. Jh.), mhd. gemeine, mnd. gemeine, gemēne, got. gamainei ‘Gemeinschaft’, abgeleitet von dem oben dargestellten Adjektiv. Im 19. Jh. weitgehend von Gemeinde abgelöst. Gemeinde f. ‘untere staatliche oder kirchliche Verwaltungseinheit und deren Bewohner bzw. Mitglieder, durch gleiche geistige oder religiöse Interessen verbundene Gemeinschaft, Gruppe von Menschen’, ahd. gimeinida ‘Gemeinde, Gemeinschaft’ (8. Jh.), mhd. gemeinde ‘Anteil, Gemeinschaft, gemeinschaftlicher Besitz, Menschen, mit denen man gemeinsam lebt, versammelte Menge’, asächs. gimēniða, mnd. gemēnde, mnl. ghemeente, ghemeinte, nl. gemeente, Ableitung mit dem Abstraktsuffix germ. -iþō, -iðō vom oben genannten Adjektiv. Gemeinheit f. ‘Niedertracht, Schlechtigkeit’ (Anfang 19. Jh.), mhd. gemeinheit ‘Gemeinschaft, der Gemeinde gehörender Grund und Boden’ (14. Jh.), im Sinne von ‘Gemeindegrund’ noch im 19. Jh., von ‘Gemeinschaft’ noch Anfang 20. Jh. Zum Ableitungssuffix s. -heit. gemeinsam Adj. ‘mehreren zugleich gehörend, für mehrere in gleicher Weise geltend, gemeinschaftlich, zusammen, miteinander’, ahd. gimeinsam (9. Jh.), mhd. gemeinsam; zum Ableitungssuffix s. -sam. Gemeinsamkeit f. ‘zusammengehörende Gruppe, Gemeinschaft, Zusammengehörigkeit’ (15. Jh.). Voraus gehen ahd. gimeinsamī ‘Gemeinschaft’ (um 800), mhd. gemeinsame, gemeinsamede. Gemeinschaft f. ‘sich durch etw. Gemeinsames verbunden fühlende Gruppe von Menschen, Zusammensein, Verbindung’, ahd. gimeinscaf (8. Jh.), mhd. gemeinschaft. gemeinschaftlich Adj. ‘eine Gemeinschaft betreffend, zu einer Gemeinschaft gehörig, gemeinsam, zusammen, miteinander’ (17. Jh.). gemeinnützig Adj. ‘dem Nutzen aller, der Allgemeinheit dienend’ (16. Jh.), ausgehend von mhd. der gemein nutz (14. Jh.). Gemeinplatz m. ‘allgemein bekannte, nichtssagende Redensart, Binsenweisheit’, von Wieland (1770) offensichtlich unter Einfluß von engl. commonplace gebildet und sich gegenüber Gemeinort, Gemeinsatz, Gemeinspruch durchsetzend als Übersetzung von lat. locus commūnis. Gemeinsprache f. ‘von einem Volk gemeinsam gesprochene, ihm gemeinsam zukommende Sprache’ (Campe 1807); vgl. gemeine teutsche Sprache (Luther). Gemeinwohl n. ‘Wohl aller, Nutzen für die Allgemeinheit’ (Ende 18. Jh.), wohl nach engl. commonweal für den älteren im Dt. üblichen Ausdruck das gemeine Gut; vgl. Gemeinwert (Herder 1780) für engl. commonwealth (ursprünglich gleichbed. mit commonweal).
3843 Zeichen · 110 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    gemeinheitstf.

    Findebuch (Mhd. Wortschatz) · +3 Parallelbelege

    gemeinheit stf. Eckh.ii STheol.

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    gemeinheitF.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    gemeinheit , F. Vw.: s. gemēnhēt

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gemeinheit

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Die Gemeinheit , plur. die -en, in einigen Gegenden, 1) eine Gemeinde, besonders die Einwohner eines Dorfes oder einer S…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Gemeinheit

    Goethe-Wörterbuch

    Gemeinheit 1 (künstlerisch-)geistige Einfachheit, Gewöhnlichkeit, Anspruchslosigkeit; einmal kontrastierend zu den Forde…

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Gemeinheit

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Gemeinheit , was mehreren zugleich zukommt, im moralischen Sinne Denk- und Handlungsweise, wie sie einem »gemeinen« Mens…

  6. modern
    Dialekt
    Gemeinheitf.

    Mecklenburgisches Wb. · +2 Parallelbelege

    Gemeinheit ä. Meinheit f. 1. Gesamtheit, Gemeinde, Gemeinschaft: 'dat wy ... der gemeinheit der borgere tho Warnne ... v…

  7. Sprichwörter
    Gemeinheit

    Wander (Sprichwörter)

    Gemeinheit 1. Man kann die Gemeinheit überschmieren, aber nicht curiren. 2. Wo Gemeinheit, da fehlt Reinheit. »So wenig …

  8. Spezial
    Gemeinheit

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Ge|mein|heit f. (-,-en) 1 (Niederträchtigkeit, gemeine Tat) cativeria (-ies) f. 2 (Bosheit) infamia (-ies) f. , malvagit…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gemeinheit

8 Bildungen · 6 Erstglied · 1 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von gemeinheit 3 Analysen

ge- + meinheit

gemeinheit leitet sich vom Lemma meinheit ab mit Präfix ge-.

Alternativen: ge-+mein+-heit gemein+-heit

gemeinheit‑ als Erstglied (6 von 6)

gemeinheiter

GWB

gemein·heiter

gemein-heiter subst im Anschluß an gemein 4 a β; hier als Eigenschaft ‘charakterloser’ Farbkombination Gelb und Grün hat immer etwas Gemein-…

gemeinheitlich

DWB

gemeinheit·lich

gemeinheitlich , adj. zu gemeinheit 1, wie gemeindlich: jeder solcher ackergrund ( kamp ) ward als ein gemeinheitliches ganzes behandelt. Da…

gemeinheitsgenusz

DWB

gemeinheitsgenusz , m. genusz des einzelnen an der gemeinheit ( s. d. 2), dem gemeindegrund und besitz: das feststehende masz des gemeinheit…

Gemeinheitsteilung

Meyers

gemeinheit·steilung

Gemeinheitsteilung ( Gemeinteilung, Separation ) ist die Aufhebung wirtschaftlicher Gemeinheiten durch Verteilung der in der gemeinsamen Ben…

gemeinheit als Zweitglied (1 von 1)

allgemeinheit

DWB

allgemein·heit

allgemeinheit , universitas, universalitas: individualitäten, die sie zerstreuen und verwirren, in allgemeinheit zu verwandeln. Schiller 771…

Ableitungen von gemeinheit (1 von 1)

ungemeinheit

DWB

ungemeinheit , f. , anders entwickelt als sein formales gth. gemeinheit. mhd. ungemeinde, ungemeine ungemeinsamkeit im nhd. erloschen; dafür…