Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
geloube stF. swM.
1.1 allg.
1.2 jmds. ~ ist , jmd. hât gelouben ‘jmd. glaubt, nimmt an, vertraut darauf’ , mit abh. Satz
1.3 jmdm. etw. ze geloube(n) sagen ‘jmdm. etw. glaubhaft, zuverlässig genau sagen’ , formelhaft in Ausdrücken der Unsagbarkeit
2 ‘Glaub-, Vertrauenswürdigkeit’
3 relig., ‘Glaube (an Gott)’
3.1 allg.
3.2 bes. rehter , wârer und unrehter , valscher
3.3 swacher ~ ‘Aberglaube’
3.4 ‘christliches Glaubensbekenntnis, Credo’
1 ‘Zuversicht, Dafürhalten, Überzeugung’, teilw. nicht sicher von 3 abzugrenzen 1.1 allg.: si [Sarah, der die Geburt eines Sohnes verheißen wurde, Gn 18,10ff. ] lahchote, neheiner geloͮbe si ne phlac VMos 18,26; daz [Halmorakel] trœstet mich: dâ hœret ouch geloube zuo Walth 66,12; âne minne wirdet niemer herze rehte vrô. / sît ich den gelouben hân, / frouwe Minne, / fröit ouch mir die sinne ebd. 14,10; ez ist zwaier hand ait, einer von wissen, der ander von gelauben. der erst ait ist, daz ein man sweret, daz er gesehen oder gehoͤret hat und wares wais. der ander ait ist, daz ein man sweret, daz er ân zweivel vestichlichen gelaubet StRMünch 281,26; MF:Reinm 51b:3,6; MF:Mor 22:5,1; StrAmis 1466 1.2 jmds. ~ ist, jmd. hât gelouben ‘jmd. glaubt, nimmt an, vertraut darauf’, mit abh. Satz: der site [der Beschneidung] ist hivte undir judischem livte, / und ist ir geloͮbe ez si in bezzer danne div toͮffe GenM 37,8; mîn gloube ist, sol ich leben, / ich wirde endelîchen alt MF:Reinm 54: 5,1; daz ist der min geloube, [...] / daz sie [gefallene Krieger] uor gote iemir leben Rol 8648; Tr 6439. 4718; Eracl 1770; Ottok 5742; Tannh 1,51; MerswZM 49,14; Minne, kûme ich hân gelouben daz iht grôz sî dîn gewalt KLD:Kzl 4: 3,1; KvWSilv 1598 1.3 jmdm. etw. ze geloube(n) sagen ‘jmdm. etw. glaubhaft, zuverlässig genau sagen’, formelhaft in Ausdrücken der Unsagbarkeit: ich enkunde iu wærlîche / ze gloube [zuverlässig genau] nimer daz gesagen, / waz er ritter hât erslagen UvZLanz 3851; wer möhte in daz ze gloube sagen / daz ir künec gevangen lac? Bit 1614; ErnstB 3051; Dietr 9653 2 ‘Glaub-, Vertrauenswürdigkeit’ gezivge ditze chovfes vnd ditze gewerbes sint: [...] Perhtolt [...] vnd ander piderbe livte, die gvtes gelouben sint UrkCorp (WMU) N303,11; da sol er sweren vmb die erchantnus der sum, daz er also vil sol haben von dem schuldiger, vnd sol ym machen ein glauben mit einem offen justrument [l. instrument ] StatTrient 179 3 relig., ‘Glaube (an Gott)’ 3.1 allg.: daz diu tumbe diet / sich von gotes gelouben schiet RvEBarl 9872. 14278 u.ö.; die christenliche gloube Gen 2868; nu íh ábo ze sînemo [Christi] gelôuben [La. siner gloubo ] bín kúman Will 48,19; und hiez in daz edel wîp / zuo dem gelouben bringen / [...] von der unrehten heidenschaft RvEBarl 12157. 13282; Will 48,41; die ave an dem [La. der ] geloube gestênt, vile wole der ding ergêt Gen 2875; wie sîn geloube stüende, / des enhete si deheine künde Wh 291,19; mir wone der geloube bî, / dâmit ich kristen genennet sî Ottok 62644; chetzer, iuden und heiden / dunchent uns die gotleiden, / wand si des glouben niht enhant StrKD 112,3; haran gedenken allie, die getoft sint [...] vnd ogen irn geloben, den sie hant ze gotde UrkCorp (WMU) 93,2.4; wurke den gelouben mit der hant [d.h. tue gute Werke, vgl. Iac 2,14ff.] ErzIII 36,235; VMos 12,10. 42,22; Rol 3925; SSp(W) 3:57,1. – auch Pl.: swie vil der ungelouben ist, / der glouben ist niht wan einer StrKD 158,659. – auf ketzerischen und nicht-christlichen Glauben bezogen: dv bihte werde getan [...] niht nah der chezer gelovbe vnd ir lere Bihteb 16; er ist unkristens glouben LvRegSyon 1304; nach der heiden geloube Ianus daz ist dez iares got MNat 16,12; Herb 3508. – personif.: Wisheit und Gerehtekeit, / Gloube Trost Bescheidenheit / [...] nu haten alle riche kleit / die juͦngfrauwen alle gar HvNstGZ 247a. 1346; SHort 1489 3.2 bes. rehter, wârer und unrehter, valscher ~ : katholicam fidem: rehten gelovben PsM C 11,1.3; fides recta: gloube diu rehte WindbAthGl 143; mit rechtime gelowen Roth 4140; Lucid 98,12. 101,2; PrGeorg 202,3; PrWack 20,51; er möht erbarmen die halt sint / des wâren gelouben âne, / juden, heiden, publicâne Wh 162,29; VEzzo 401; HvBurg 4594. – die der sint in der ûnrechtun glouba PrWack 20,35; daz du dich lieszest töfen nach cristenlicher dat, / und falschen glauben lieszest underwegen sin WolfdD(H) 450,3; LvRegSyon 1319; MarGr10 34; TürlArabel *R 155,26 3.3 swacher ~ ‘Aberglaube’ deheines swachen gelouben er phlac Er 8123; ez ist ein ungevueger spot, / daz dû [...] irrest / an swachem gelouben; / nû lâz dich niht berouben / dîner wizze RvMunre 643; daz ich nimmer mêr gesage / keinen swachen gelouben ebd. 1247 3.4 ‘christliches Glaubensbekenntnis, Credo’ di rede des geloubin / aldus beginnit, / so man in den buchen uindet: / credo in unum deum Glaub 58; uns saget der geloube [...], / daz wir ze jungist schuln erstan VRechte 373; darumme sprechen wir in unsime geloubin daz he hait geschaffin di gesichticlichin und unsichticlichen dinc Parad 32,18. 31,24; Ottok 62642; TvKulm 2617. – jmdm. den ~ vorsprechen: dô sprach er im den gelouben vor. / er sprach hinnâch [verstärktes nâch ] EnikWchr 25483; daz man [...] den siehhen [...] den paternoster, daz Ave Maria und den gelauben vorspreche StRMünch 115,24; TrSilv 294; Ottok 3443. 3447; FabelCorp 37,148. – den ~ kunnen, singen: swer den gelouben rehte kan, / der weiz wol, wier [Christus] uns wider gewan Freid 8,2; der dorfman ist niht wol beriht, / kan der pfaffe des glouben niht ebd. 70,21; nach dem ewangelio singet men den geloͮben Lucid 97,7. 79,3
MWB 2 361,43; Bearbeiter: Bohnert