Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
gelübede stFN.
1.1 allg.
1.2 in Verbindung mit best. Verben
1.2.1 ein (sîn) ~ tuon ‘ein (sein) Versprechen geben’
1.2.2 sîn (ein) ~ leisten, bewæren, behalten u.ä.
1.2.3 (zer)brechen, abe gân u.ä.
1.3 auf das Eheversprechen bezogen
1.4 relig.
1.5 Gottes Verheißung (entspr. lat. promissum , promissio )
2 ‘Vereinbarung, Vertrag’
2.1 ‘bindende Verabredung, Abmachung’
2.2 ‘Abkommen, Bündnis’
1 ‘Gelöbnis, Versprechen’ 1.1 allg.: swer der ist, der sich in ein ainvnge zuͦ dem andern gesatzt hat mit eiden oder mit gelubden oder mit brieuen oder mit widerwette UrkCorp (WMU) 467,15 u.ö.; swaz er [Freier] die iuncvrowen bat / und mit gelubde ir zutrat / [...] die gotes getruwe Agnete / bot im ie toubez ore PassIII 111,66; nâch ir gelübde se tâten UvZLanz 8823; nû man ich iuch [...], / daz iuwer gelübede habe kraft Iw 6838; daz er der jârzal vergaz / und sîn gelübede versaz ebd. 3056; schoͤnú gelúbde sunder trúwe tat das ist valscheit von des túvels rat Mechth 3: 14,18; Parz 280,24; Krone 22572; SSp(W) 2:30. 3:54,2 u.ö. 1.2 in Verbindung mit best. Verben 1.2.1 ein (sîn) ~ tuon ‘ein (sein) Versprechen geben’ ain gelubede wart dâ getân Kchr 8580; gelobet im doch daz beide, / daz er des lîbes sicher sî. [...] / nu diz gelübede was getân Tr 10498; Kreuzf 4846; Parz 717,7. – mit Dat.d.P.: ich bin der êrste, der û nu / des mîn ganz gelubde tû: / ich leiste allez, daz ir / hie wellet und bevelhet Kreuzf 4776; Ottok 75976; UrkCorp (WMU) 1603B,8. – mit ~ erläuterndem abh. Satz: sie taten ein geloͮbede [...], / daz sie an deme nehisten tage / ritten beide samint iagen Ägidius 453; Tr 6364; ein gelubde sie tâten under in, / wer die stat gewunne, des solde sîn / den gênden [dem Fußvolk] die bereite habe Kreuzf 2857. – mit Gen. oder Präp. von: di [...] hatten [...] / veste globede ouch gedan / steder kuschekeide Elis 5430; ob unser frowe gelübde tet von irem magtuom ThvASu 120,33. – anders: Mâbûz sîne gelübde tete [tat, was er versprochen hatte] / und sluoc des jâres nieman UvZLanz 3824 1.2.2 sîn (ein) ~ leisten, bewæren, behalten u.ä.: er [ Crist ] leistit sin gelvbede / den gloubigen albereite / nah siner warheite Glaub 1162; Herb 15899; Albert 48; EnikFb 1837; Seuse 144,16; nu gilt mir min diͤnst, guͦt geldere, / din gelovd an mir bewere! MarlbRh 50,8; swelher vnder vns beiden ditz gelvbde niht behalte, als hie geschriben ist, den slahe got UrkCorp (WMU) 486,42; daz er si [Rüdiger die sînen ] behalten bat / sîn gelübde und sînen eit [die er als Unterhändler den Gegnern geleistet hatte] Bit 8611; Mai 230,12; MarLegPass 3,138; Wernh D 3603. – wâr lân/halten: und quam in an dem phingestage / [...] der heilige geist ze trôste, / der [...] daz gelübde wâr liez, / daz in Christ selbe gehiez KvHeimUrst 1183; ich wil min gelubde war lan Rennew 8538 u.ö.; ane allen var / halt ich min geluͤbde war ebd. 24626 1.2.3 (zer)brechen, abe gân u.ä.: swie niuwelîch diu guote / warnen verlobet hæte, / daz gelübede beleip unstæte, / wan si zebrach ez dâ zehant Er 4143; Rennew 29354; Wh 177,23; HeslApk 7869; im solte Gilân / sînes gelübedes abe gân Tr 16088; Krone 11388(La.); dat ich min gelovd wold nider legen MarlbRh 105,16 1.3 auf das Eheversprechen bezogen: nû bist dû [ êbrecher ] meineidic dîner gelübede PrBerth 1:279,27; ob ir [...] dekeinem wîbe von gelubede gebunden sît StatDtOrd 127,16. 102,4; ob ein man chlæglich ein maget oder ein wip ansprichet, daz si mit im haimlich ze geluͦbde sei chomen vnd ze chonmanne in habe gelobet ze nemen UrkCorp (WMU) 2345,1. – bildl.: ich hate einen trom gemehelt, ich hate den wan besessen! eya, wa nu des wanes bilde, des tromes gelúbde? Seuse 361,8. 410,20 1.4 relig.: mich läitet mînes gelouben gelubde [mein Taufversprechen] / daz ich von des tôdes gehugde / eine rede fur bringe Erinn 1. – als Ordensgelübde, Profess: von deme gelovde mache er [Postulant] eine bete [ petitionem ‘Urkunde’] zv der heiligin name BrHoh 58; BrZw 58; der bruder [...] uz sime gelubde gienc, / die itelkeit in under vienc / daz er niht nach tugenden warb Vät 15089. 14214; Pl.: der [Stellvertreter des Hochmeisters] entphâhe dieselben gelubede mit den vorgenanten worten StatDtOrd 128,16; daz wir vns dar zvͦ gibuͦnden mit vnsirre trwͦe han vnd mit allen den giluͦbiden, die ieman gitvͦne magc, da mitte wirs gibuͦnden sin vͦnsirm herringot vnd dem selbin ordin UrkCorp (WMU) 164,27 1.5 Gottes Verheißung (entspr. lat. promissum, promissio): ich wil senden daz gelubde mynes vater in uch [ Lc 24,49 ] EvBerl 98,27; EvAug 208,20; bîtet des gelübedes, daz iu der vater gelobet hât: daz ir getoufet werdet in dem heiligen geiste [Act 1,4] Eckh 2:73,4; swie gwis von irm schepfere / daz gelobede were, / doch was iz zwivels nicht ane HeslApk 20768; KvHeimUrst 1183 (s. 1.2.2 ); PassI/II 346,90; TvKulm 5495. – unde wânten sie vür wâr, / sie wêren [...] / in daz lant des gelübdes [das gelobte Land] kumen HvFreibKr 466 2 ‘Vereinbarung, Vertrag’ 2.1 ‘bindende Verabredung, Abmachung’ swaz ein hausfrawͤ geluͤbd tuͦt ân irs wirtes willen, daz sol chain chraft haben StRMünch 380,9. – jmds. ~ stât alsô u.ä.: swer sô phenninge oder silber gelden sal, bûtet her dâ wette vor, her en ist dar mite nicht ledic, ir gelobede en stûnde alsô SSp(W) 3:40,2; ir gelobede en stûnde anders ebd. 3:5,5. 3:9,4; Mühlh 170,19.23 2.2 ‘Abkommen, Bündnis’ der vride wart bestêtiget wol, / als man mit gelubde sol LivlChr 200. 3503; [sie] zerprachen die gelübde [ frangentes federa ] HvHürnh 22,12. – der gelübede arke [ foederis arca, die Bundeslade] Reinfr 13102; Cristes menschheit [...] ist [...] / befiguriret starke / bi der gelubdis arke TvKulm 1630. 5463; Mügeln 124,6. – in Übers. lat. Wendungen (foedus icere/ferire, foedus inire): er slet durch di keine geschicht / mit dir kein gelubde nicht Hiob 14944; Jacob [...] / mit Laban ein gelubde slug HistAE 756; ein gelubde [...] / Isaak [...] an / ging [...] / mit Abimelech ebd. 713
MWB 2 384,42; Bearbeiter: Bohnert