geislitz,
f. ein speisename, mhd. und noch mundartlich, mit eignen schwierigkeiten. 11) 1@aa)
mhd. in einer gl. des 12.
jh. glicerium, giseliz.
sumerl. 27, 5 (Graff 4, 267),
also glycerium wol als eine köstliche speise (
vgl. liquericium u. b).
dagegen als bauernspeise im 13.
jahrh., wenn der junge Helmbrecht erklärt: du solt trinken, vater mîn, waʒʒer, sô wil ich trinken wî
n. und iʒ du gîselitze, sô wil ich eʒʒen ditze, daʒ man dâ heiʒet huon versoten.
Helmbr. 473.
die wichtigkeit und häufigkeit von wort und sache schon damals zeigt ein östreich. name Geislitzer
aus dem j. 1309,
den Haupt
zeitschr. 4, 338
zu der stelle beibringt (
mon. bo. 30
2, 41). 1@bb)
im 15.
jahrh.: polenta, geyslicz. Diefenb.
wb. 1470
sp. 217,
aus md. gebiet; liquericium, geiszlicz oder süesz. Schm.
2 1, 952,
vgl. das. die reime aus einer klage über die kosten lustiges lebens (
wol zur fasnacht): die gesalczen hering haben uns gemacht den pewtel ring (
leicht), und die argen geyszlicze haben uns oft machen swiczen
u. s. w. auch vorschriften zur bereitung liegen vor aus dem 15.
jh., so aus dem kochbuche eines Wiener klosters bei Pfeiffer
forsch. u. krit. 1, 15 von fierlai geislicz,
d. h. rot, weisz, schwarz und grau herzustellen, eine art polenta, »
nur aus feinerem stoffe und darum eine herrenspeise«.
im kochbuch des meister Hans, des von Wirtenberg koch, geyszlitz in der vasten mach also,
s. Wackern.
bei Haupt 9, 367,
wobei doch der begriff der g.
nicht angegeben, sondern vorausgesetzt wird, nur die behandlung vorgeschrieben, zuletzt: so seud sy und geusz sy dann auf ain schüssel und lasz sy erkalten, und zeuch ir die haut ab (
vgl. u. 2) und mach ein mandelmilich und geusz (
sie) darauf,
also auch eine herrenspeise. ein bair. kochbuch aus dem anf. des 16.
jahrh. schreibt vor gayszlitzt zuo machen
aus gröberem habermehl, mit ganz anderer behandlung als dort, s. Germ. 16, 82;
vgl.cycuta,
zu deutsch wiserling,
auch als ein geisliz
gegessen (
bair. 15.
jahrh.) 18, 111,
hier als medicin, also geislitz
als form der darstellung in brei- oder gallertform. im 17.
jahrh. beschreibt Colerus
hausb. 1, 3
c. 104 (
Mainz 1665
s. 67)
die bereitung einer geiszlutz, geiszlütz von ochsenfüszen,
s. Frisch 1, 336
a,
Germ. 25, 432,
es ist eine gallerte, auch als hühnergelée, mit künstlichster behandlung und als gericht vornehmster art (
werden doch den hühnern dabei hälse und flügel vergoldet). 1@cc)
noch gegenwärtig in den südlichen bergländern bairischöstreichischer rede: geislitz
m. im Pusterthal, brei aus hafer, der sauer und kalt genossen wird. Fromm. 5, 433, Schöpf 183;
in Kärnten geisliz, geislaz
m., geislazn
f. aus hafer, der erst gesotten, dann gedörrt und gemahlen, endlich als wassermus gegessen wird. Lexer 112,
also im ganzen der it. polenta
entsprechend und der bair. gaislitzt
im 16.
jahrh. u. b, die auch seurlacht (
säuerlich)
gemacht wird, gewiss auch der bauernspeise im Helmbrecht. auch das m. erscheint schwäb. schon im 15.
jh. neben f. in dem kochbuch u. b (thue den geyslitz darein Haupt 9, 367).
es ist im grunde die grütze, hafergrütze
unsrer bauern (
d. h. als speise, gekocht),
die denn im norden auch auf vornehmen tischen erscheint im dän. gröd
als rödgröd,
von sago u. ä. statt hafers, an die rote geislitz u. b erinnernd. 22)
bemerkenswert ist als nebenform '
sorbicium gairschlicze',
zwischen pulmentum muos
und puls prî
in einer Augsb. quelle des 14.
jh. Schm.
2 1, 929,
also zum schlürfen, eine art sorbet (
das lat. wort bed. auch suppe),
in der form als versuch einer umdeutung, die freilich dunkel bleibt. anderseits merkwürdig als fisch bei Danzig geeslitz,
s. Jänicke
in Zachers zeitschr. 4, 31
aus Frischbier
preusz. sprichw. s. 232;
aber damit wird die geislitz
u. 1,
b nicht zum fische (
auf den schon Wack.
a. a. o. riet),
auch nicht durch die haut,
die abgezogen werden soll erst nachdem das gericht in die schüssel gegossen erkaltet ist, denn das musz ein häutchen sein das sich beim gerinnen bildet, wie z. b. auf milchbrei. wie aber der fisch zu dem namen kam? etwa weil er vorzugsweise auch als gelée gegessen ward? 33)
zu geislicz
in dem wb. v. 1470 (
das oft auch böhm. wörter gibt und selbst wol aus Böhmen stammt, s. Fromm. 6, 175)
verwies Diefenbach
a. a. o. auf böhm. kyselice
mus von gekochtem obst, russ. kisely
säuerlicher mehlbrei, litt. kissělus
haferbrei; leider ist bei der gl. das böhmische wort gerade nicht beigesetzt, ob darum weil das entlehnte deutsche es unnötig machte? denn die worte wurzeln allerdings im slav.: böhm. kysel
eine mehlsuppe von sauerteig und honig und eine '
grüschspeise', kyselý
sauer, kyselina
säure u. s. w., vgl. altsl. kysel''
sauer u. s. w. Miklos. 328
a,
der dazu u. a. ungr. kiszil
habermus stellt, also wie litt. vorhin; der stamm ist slav. kys
in böhm. kysati,
gären, sauer werden. eine gärung, die säure erzeugt, ist auch bei herstellung der geislitze
oben zu erkennen. also eine entlehnung aus slav. kochkunst, die schon im 12. 13.
jahrh. sich festgesetzt hatte, vermutlich von Böhmen aus, theils als gaumenreizendes oder kühlendes feines gericht (
vgl. u. 1,
b zur fasnacht, wol zur wiederherstellung des appetits),
theils als bauernspeise. in ermangelung der altslav. form ist böhm. kyselice
der anhalt, das aber auch noch eine art saurer suppe bezeichnet (
vgl. sorbicium u. 2).
wegen der auffassung von fremdem k-
als g-
s. u.G 4,
b sp. 1109.